Wenn islamistische Terroristen Leserbriefe schreiben würden

Unter einem Artikel des „Standard“ über das neueste Massen-Ertrinken im Mittelmeer, das diesmal vor allem Kinder betraf, lassen Kommentatoren ihrer Inhumanität freien Lauf. Ob die noch irgendwo tief in ihrem Inneren spüren, was für einen unmenschlichen Quatsch sie schreiben? Oder ist da wirklich schon alles verloren? Vielleicht brauchen die auch nur einen kleinen Denkanstoß, den ich hiermit liefere. Ich poste ein paar dieser Kommentare und füge dann eine alternative Version hinzu, aus der Sicht islamistischer Terroristen.

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Eben weil sich die Ungläubigen mittlerweile darauf verlassen, dass nach gerechten Aktionen von Märtyrern Rettungskräfte die Überlebenden behandeln, sind diese Aktionen nur halb so effektiv, wie sie sein könnten. Würde man die Rettungskräfte dazu verpflichten, immer erst vier Stunden nach einer Märtyreraktion die Überlebenden zu behandeln, würden die Ungläubigen viel effektiver terrorisierbar sein. Aber den Rettungskräften geht es ja nur ums Geld.

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Die Rettungskräfte mit ihrem falschen Mitleid gegenüber den Ungläubigen haben schon wieder 31 Kuffar gerettet.

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Warum ist es so schwer zu verstehen, dass jeder verschonte Ungläubige mindestens drei andere motiviert, sich nicht dem Islam zu unterwerfen? Im Endeffekt sind die selbstlosen Retter und die sich dem Jihad verweigernden Muslime dafür verantwortlich, dass die Ausrottung der Ungläubigen länger dauert als nötig.

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Ich frage mich, warum nach Aktionen der Märtyrer immer Frauen und Kinder unter den Opfern extra erwähnt werden. Ist doch total egal wie alt oder welches Geschlecht.

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Ich kanns schon nicht mehr lesen/hören. Jeden Tag die gleiche Meldung. Alle diese Leute weigern sich freiwillig, den Islam anzunehmen. Warum werden die Überlebenden nach einer Aktion unserer Märtyrer gesund gepflegt? Da kann man auf die Verbreitung des einzig wahren Glaubens auch gleich verzichten. Die gehören alle vor die Wahl gestellt, zu konvertieren oder geköpft zu werden.

Ein Versprechen an die Terroristen

Ihr, die ihr euren Wahnsinn „Gott“ nennt und ins Paradies gelangen wollt, indem ihr auf Erden eine Hölle erschafft, seid versichert: Da ist kein Gott und da ist kein Paradies nach dem Tod.

Ihr, die ihr wenigstens einmal im Leben groß sein wollt, indem ihr im Namen eures nicht existenten Gottes Massenmord verübt, seid versichert: Niemand wird sich an eure Namen erinnern. Man wird euer nur als namenlose Mordbuben gedenken.

Ihr, die ihr nachts in die Häuser von Juden einbrecht und dort Kinder erstecht, seid versichert: Israel wird nicht weichen, sondern leben und gedeihen.

Ihr, die ihr Frauen und Mädchen entführt und vergewaltigt und verkauft wie Vieh, seid versichert: Der Tag wird kommen, an dem diese Frauen und Mädchen frei sein werden, denn sie wurden nicht vergessen. Ihr aber, die ihr entführt und vergewaltigt und versklavt, werdet sterben oder euer Leben im Kerker beschließen.

Ihr, die ihr in Palästen hockt und die Mörder finanziert, seid versichert: Eure Uhren ticken, die Zeit läuft ab. Der Wahnsinn, dessen Verbreitung ihr so großzügig finanziell unterstützt, ist zu wahnsinnig geworden. Man wird ihn mit Stumpf und Stiel ausrotten.

Ihr, die ihr den Krieg wollt, seid versichert: Ihr bekommt ihn.

Alle sind Charlie, keiner ist Jude

Es ist der 9. Jänner 2015, Freitag Abend. Zum ersten Mal seit 1945 findet in der großen Synagoge in Paris kein Gottesdienst statt. Aus Sicherheitsgründen. Wenige Stunden zuvor haben Terroristen vier jüdische Mensch ermordet. Sie waren ganz zurecht davon ausgegangen, in einem koscheren Supermarkt welche anzutreffen. 48 Stunden lang zeigte die ganze Welt Solidarität mit den zwei Tage zuvor ermordeten Autorinnen und Zeichnern von „Charlie Hebdo“. Millionenfach wurde das Bekenntnis „Je suis Charlie“ (Ich bin Charlie) in Tweets und auf Facebookprofilen verbreitet. Auch politische Parteien und einige islamische Verbände wollten ebenso Charlie sein wie jene Zeitungen und Fernsehsender, die vom Mut des französischen Satireblattes so weit entfernt sind wie ich vom Mond. Dennoch war das ein wichtiges Zeichen, ein Zeichen dafür, dass man den Versuch von Extremisten, ihnen nicht genehme Meinungen mit Mord zu unterdrücken, nicht hinnehmen wolle. Vielleicht sind nun, nach zwei Tagen Hochspannung, alle nur müde geworden und froh, dass es weitgehend vorbei zu sein scheint (während ich dies schreibe ist angeblich noch eine Komplizin der Täter auf der Flucht), vielleicht liegt es auch  daran, dass eine Zeitungsredaktion ein Symbol für einen der Grundwerte der westlichen Zivilisation ist, nämlich eines für Meinungs- und Pressefreiheit, aber bislang sucht man vergeblich nach der millionenfachen Selbstzuschreibung: „Je suis Juif“ (Ich bin Jude/Jüdin).

Möglicherweise ist aber alles viel furchtbarer. Als am 24. Mai 2014 im Jüdischen Museum in Brüssel vier Menschen totgeschossen wurden, war die europäische Öffentlichkeit nicht sonderlich beunruhigt. Das Leben verlangsamte sich nicht und es wurden keine Solidaritäskampagnen gesichtet. Dasselbe gilt für den Anschlag auf die jüdische Schule von Toulouse im März 2012, bei dem vier Menschen, darunter drei Kinder, starben. Jüdische Tote scheinen Europa, ja die Welt bei weitem nicht so zu erschüttern wie Tote anderen Glaubens. Es ist fast so, als würde Terrorismus gegen Juden als Normalität wahrgenommen und, schlimmer noch, als Reaktion auf den Nahostkonflikt rationalisiert. Dass man den Skandal der Dauerbedrohung jüdischen Lebens in Europa hingenommen hat, ist aber eine der Wurzeln des Nachtschattengewächses Terrorismus. Kaum jemand schien zu verstehen, dass es nicht nur darum geht, jüdische Menschen und Einrichtungen mit Polizeistreifen zu beschützen, sondern dass die Notwendigkeit für diesen Schutz das eigentliche Problem ist. So wie das eigentliche Problem am islamischen Terrorismus nicht die Qualität der Abwehrmaßnahmen dagegen ist, sondern dass diese Maßnahmen nötig sind. Niemand ist frei und ungefährdet, solange Menschen aus dem einzigen Grund, einer bestimmten Religion oder Volksgruppe anzugehören, an Leib und Leben bedroht sind, Muslime selbstverständlich eingeschlossen. Aber Juden sind aufgrund ihrer zahlenmäßigen Schwäche der Gradmesser schlechthin, wie zivilisiert und frei eine Gesellschaft ist.

Europa muss sich darüber klar werden, dass es nicht so weitergehn kann mit dem Ignorieren und Rationalisieren des Antisemtismus. Es reicht nicht, wenn sich Bischöfe, Imame und Rabbiner freundlich die Hände schütteln, es braucht eine Veränderung des Bewusstseins dahingehend, dass Antisemitismus nicht toleriert werden kann. 2014 aber zogen Banden von Antisemiten durch Europas Städte und brüllten ungehindert „Juden ins Gas“. Zum Teil wurden sie dabei sogar von ein paar linken Sekten unterstützt. Da hätte die gesamte europäische Politik und die ganze Publizistik vereint aufstehen müssen um zu sagen: „Nein. Wir dulden das nicht. Wer gruppenbezogenen Hass wie Antisemitismus verbreitet, hat in Europa keinen Platz“. Stattdessen hat man den Schwanz eingezogen und den Mob gewähren lassen, und Figuren wie der SPÖ-Politiker Omar Al-Rawi, der übrigens derzeit auch ganz dringend Charlie Hebdo sein will, durften sich darüber auslassen, wie gemein Israel zu den Palästinensern sei, als ob das selbst wenn es stimmte irgendeine Rechtfertigung für „Juden ins Gas“-Gebrüll wäre. Wieder und immer wieder verabsäumten es Politiker und Meinungsmacher, die demokratischen Grundwerte angemessen eindeutig zu verteidigen, immer ängstlich, die eine oder andere Wählerstimme von Leuten zu verlieren, denen man klar machen hätte müssen, dass in Europa zwar jeder seine Religion praktizieren darf, aber hier weder das Austragen nahöstlicher Konflikte noch theokratische Bestrebungen akzeptiert werden. Muslimischen (und allen anderen) Zuwanderern wäre zu sagen gewesen, dass man sich in Europa Träume von Gottesstaaten und vom Judenumbringen abschminken muss, widrigenfalls man gerne wieder dorthin ausreisen könne, wo solcherlei Barbarei Mainstream ist. Dazu hätte es freilich Politiker und Intellektueller bedurft, die eine Vorstellung von einer europäischen Kultur haben, die über das Verkaufen von Autos hinausgeht. Das visionslose Gesocks, das derzeit regiert, hat nichts im Angebot, und so steht bereits der Neofaschismus in den Startlöchern, der den Hass auf ganze Menschengruppen so richtig aufblühen lassen wird. Und er wird das machen können, weil den gegenwärtigen Knallchargen in Politik und Publizistik Sachen wie Antisemitismus, Menschenrechte und Freiheit allenfalls als Randthemen wichtig sind. Falls morgen die Moscheen brennen, dann weil wir gestern und heute nicht in Solidarität vor den Synagogen standen.

Wir gegen die Barbaren?

Die wichtige Frage der Woche lautet: Was passiert da eigentlich gerade und welcher Krieg findet da statt? Sicher scheint mir eines: Wir stehen nicht in einem Kulturkrieg, denn die Kultur der fanatischen Islamisten ist keine und war nie eine. Die Barbarei, die diese Leute als ihre „traditionelle“ Kultur sehen wollen, hat so nie existiert und ist auch innerislamisch eine relativ junge Erscheinung. Der Islam war über weite Strecken seiner Geschichte geprägt von einer großen Toleranz gegenüber Andersgläubigen und gegenüber der Wissenschaft, vor allem im Vergleich zum finsteren Europa, wo die Scheiterhaufen brannten und die innerchristlichen Fraktionen sich Kriege mit völkermörderischen Ausmaßen lieferten. Jahrhundertelang waren die islamisch dominierten Gebiete auch Zufluchtsorte für Juden, die im christlichen Abendland immer wieder Pogromen, Berufsverboten und Deportationen zum Opfer fielen. Wenn heute jemand von einer Auseinandersetzung zwischen dem „christlich-jüdischen Abendland“ und „dem islam“ fabuliert, dann ist das ein schlechter Witz, über den wohl seit dem Mittelalter kein europäischer Jude lachen würde können, schon gar keiner von den sechs Millionen, die noch im 20. Jahrhundert von ihren durchwegs christlichen Nachbarn millionenfach ermordet wurden. Wenn wir von Kulturen reden, dann müssen wir zugeben, dass im historischen Vergleich die christlich-abendländische um einiges schlechter aussieht als die islamische. Von einem „Kampf der Kulturen“ zu sprechen und dabei auch noch Partei für die abendländische zu ergreifen können demnach nur Geschichtsvergessene, Fantasten und Demagogen.

Natürlich hat die abendländische Kultur große Leistungen hervorgebracht, allein: Auch die islamische war da recht beeindruckend unterwegs. Die Darstellung der Rassisten, wonach der Okzident Renaissance und Aufklärung produziert hätte und der Orient nur Despotismus und Fanatsimus, ist falsch. Die kulturellen Leistungen des islamischen Kulturkreises sind mannigfach und zu einem nicht geringem Teil auch die Bedingung für jene des Abendlandes. Ich werde hier nicht alles aufzählen, was die Welt der islamischen Kultur verdankt, das möge bitte jeder Leser und jede Leserin selber nachschlagen, ist in jeder mittelmäßigen Biblothek zu finden. Aber man kann durchaus sagen, dass wir ohne Islam vermutlich immer noch im Mittelalter feststecken würden. Dass Teile der islamischen Welt genau dort, nämlich im Beinahe-Mittelalter, wieder gelandet sind, ist nicht die Schuld des Islam, sondern seiner reaktionärsten Teile, die sich durch Putsche und teils auch mit der Unterstützung westlicher Kolonialisten gegen die eigene Tradition und gegen die Liberalen durchsetzen konnten. Hätten Europa und später die USA nicht im Nahen und Mittleren Osten herumgepfuscht, wer weiß was sich dort entwickeln hätte können? Hätten die Westmächte nicht gegen Mohammed Mossadegh putschen lassen, hätten wir es heute vielleicht nicht mit einem theokratischen Iran zu tun, um nur ein Beispiel zu erwähnen. Auch die sunnitische islamistische Pest, die seit 30 Jahren die Erde mit Terror und Krieg überzieht, würde vielleicht in dieser Form gar nicht existieren, hätten „wir“ nicht die afghanischen Mudschaheddin gegen die Sowjetunion hochgepäppelt. Die islamistische „Kultur“, von der diese Islamisten und die rechten westlichen islamfeinde sprechen, ist demnach keine islamische Hervorbringung, sondern ein vom Westen maßgeblich mitgebautes Frankensteinmonster, das sich wie sein literarisches Vorbild nun gegen seine Schöpfer wendet.

Das ist wichtig zu begreifen bevor man von „Kultur“ redet. Die aktuellen radikalislamischen Strömungen vertreten keine Kultur, sondern eine primitive tribalistische Barbarei, die die kriegerischen Formierungsjahre des Islam als islamisches ideal missversteht. Die Attraktion dieser militanten Rückwärtsgewandtheit auf die Deklassierten, auf die Zukurzgekommenen und in der globalen Wirtschaft Abgehängten liegt einzig darin, dass die Militanten wenigstens irgendeine Veränderung nicht nur versprechen, sondern auch umsetzen. Es ist ein Angebot, das dem der Nazis an die Verlierer der Wirtschaftskrise der späten 20er jahre insoferne vergleichbar ist, als dass es eine Scheinlösung offeriert, die auch der Dümmste verstehen kann: Alles wird besser, wenn wir die „Ungläubigen“ ermorden oder vertreiben (bei den Nazis: „Alles wird besser, wenn wir die Juden beseitigen“). Der theokratische Totalitarismus hat also durchaus ein fruchtbares Rekrutierungsfeld in der wirtschaftlichen Bedrängnis, woran sich auch dadurch nichts ändert, dass viele Islamisten wohlhabenden Familien entstammen. Die Basis dieser Strömungen sind Menschen, die in Verzweiflung und Elend existieren müssen und die in politische Strömungen westlicher Prägung keine Hoffnungen mehr setzen, weil die entweder in von (Bürger)Krieg überzogenen Gegenden nichts mehr ausrichten können oder die materielle und psychische Notlage ignorieren, wie das hier bei uns zunehmend geschieht.

Aber was kann man machen? Zunächst müssen wir, die wir gegen Barbarei und für Zivilisation sind, für die Menschenrechte und gegen die Despotie, uns klar positionieren und äußern, indem wir den islamistischen Fanatismus ebenso ablehnen wie die Bedrohung der Zivlisation durch jene, die einen Kulturkrieg herbeizureden versuchen. Wir müssen uns darüber klar werden, dass die Reaktionen auf islamistischen Terrorismus gefährlicher sein können als der Terrorismus selbst. Wir müssen erkennen und benennen, dass eine perverse Querfront besteht zwischen Islamisten und rechten Islamhassern. Jeder Terroranschlag bringt diese beiden Gruppen ihren Zielen näher, denn je mächtiger Strömungen werden, die den Islam als ganzen verteufeln und gegen alle Muslime vorgehen wollen, desto legitimierter fühlen sich jene Muslime, die einen Dschihad führen möchten. Diese Mechanismen gilt es zu verstehen, zu entlarven und bloßzustellen.

Zweifrontenkrieg um die Freiheit

Ich traue mich zu wetten, dass heute bei nicht wenigen Mitläufern von Pegida große Freude herrscht, denn islamistische Terroristen haben mit dem Massaker in Paris den rechten Islamfeinden nicht nur neue Argumentationsmunition geliefert, sondern dabei auch noch ein paar jener Leute erledigt, die auch viele Rechte gerne erledigen würden. Pegida und Al Quaida vereint ja mehr als sie trennt. Zum Einenden gehört der Hass auf Intellektuelle, freche Satiriker und Journalistinnen, die das eigene beschränkte Weltbild nicht nur zum Wanken bringen, sondern es jener Lächerlichtkeit preisgeben, die einem frühmittelalterlichen Fanatikerglauben und dem nach Bieratem stinkenden Gelalle rechtsdrehender Verschwörungsdioten naturgemäß innewohnt. In der Tat führen muslimische Extremisten und rechte Abendlandverteidiger zwar verbal heftig Krieg gegeneinander, ihre Opfer suchen sie sich aber zumindest auf dem Schlachtfeld Europa zumeist unter ihren gemeinsamen Feinden aus. Der norwegische Islamhasser Anders Breivik schoss nicht etwa in einer Moschee um sich, sondern ermordete 77 junge Sozialdmokratinnen, deren Eintreten für Geschlechtergerechtigkeit und Menschenrechte bei Breiviks vorgeblichen Feinden von der Mohammed & Co KG mindestens ebenso schlecht ankommt wie beim blonden Massenmörder selbst. Und heute massakrierten Islamisten in Frankreich nicht etwa Kader des Front National, sondern Autoren und Karikaturisten eines Blattes, das die Neofaschisten um Le Pen immer wieder heftig durch den Kakao gezogen hatte. Faktisch wütet da eine braun-grüne Querfront, die nicht nur die tolerante liberale Demokratie hasst, sondern noch etwas anderes gemein hat, nämlich den Antisemitismus. Der Blogger „Egoteaist“ ging mit einer israelfahne zu einer Pegida-Kundgebung und wurde nach einer Reihe wüster antisemitischer Beschimpfungen von den Ordnern verjagt.

Es passiert derzeit genau das, wovor ich immer gewarnt habe. Die ignoranz weiter Teile der Linken gegenüber den Gefahren des islamischen Fundamentalismus ließ zu, dass sich ausgerechnet sehr Rechte und Rechtsextreme als Verteidiger jener Werte aufspielen können, die sie selber in Wahrheit hassen und die zu verteidigen sie nur vorgeben, um ihren Rassismus transportieren zu können, und die Blindheit der nicht rechtsextremen Islamkritiker gegenüber der politischen Bräune von vielen Islamhassern machte es möglich, dass diese den ohnehin schwachen Cordon sanitaire durchbrechen konnten. Und jetzt stehen wir, die wir an Menschenrechte und Fortschritt und Demokratie glauben, in einem Zweifrontenkrieg und drohen zwischen den illiberalen Blöcken zerrieben zu werden. Es steht alles auf dem Spiel, was in den vergangenen 200 Jahren gegen die Kirchen und alle anderne Reaktionäre erkämpft wurde.

Islam Islam Islam

Islam Islam Islam. Auf allen Kanälen, in allen Zeitungen, im ganzen Internet. Man hat den Eindruck, es gibt nichts anderes mehr. Wer gerade vom Mars kommt und die irdischen Medien verfolgt könnte meinen, die Dschihadisten hätten bereits gewonnen. Weil offenbar nie genug Islam sein kann, leiste auch ich meinen Beitrag und schreibe ein paar Zeilen zu dem zugegebenermaßen recht umfangreichen Thema, dem kein Blogeintrag je nur ansatzweise gerecht werden könnte.

Der Islam und ich, wir werden in diesem Leben keine dicken Freunde mehr, die auch mal zusammen auf ein Bier gehen, denn das scheitert schon daran, dass der Islam es nicht so hat mit Bier und anderen berauschenden Getränken. Der Islam ist ein bisschen wie dieser ehemalige gute Kumpel, der früher ein richtig wilder Hund gewesen ist und jetzt, bekehrt zu Gesundheitsfimmel und Trimmdich-Religion, seine Gäste dazu zwingt, am Balkon zu rauchen und, falls er sich doch mal ein eine Kneipe verirrt, sofort demonstrativ zu husten beginnt, wenn sich ein Mensch drei Tische weiter eine Zigarette anzündet. Er will gesund leben, daher haben sich gefälligst alle anderen Menschen seinem Privat-Wahn zu unterwerfen. Wer das nicht macht, ist ein Bösewicht, der ihm ans Leben will, ihn aber mindestens tief beleidigt. So ähnlich wirkt auch der Islam. Ziemlich streng und puritanisch und immer gekränkt und in Abwehrhaltung, bereit, alles und jeden als persönlichen Angriff zu sehen.

Jetzt wird die Leserin sicher sagen, man könne doch nicht von „dem“ Islam sprechen, habe der doch nicht mal eine zentrale theologische Autorität. Ich mache das trotzdem, ich verallgemeinere mal so, wie es die Strengeren unter den Fans von Allah auch tun. Die sehen nämlich in jedem, der die super extreme Auslegung ihrer Religion nicht teilt, einen Ungläubigen, den man bestenfalls bekehren soll, den man aber auch einfach umbringen kann, falls das opportuner erscheint. Fairerweise ist dazu zu sagen, dass das keine Spezialität des Islam ist. Auch das Christentum war und ist ein Fan der Missionarsstellung und war dabei genauso mörderisch wie der Islam, streckenweise sogar noch grausamer. Noch heute treiben missionierende Christen viel Unfug und richten viel Unheil an. Dazu könnten zum Beispiel afrikanische Schwule, deren Unterdrücker und Mörder von evangelikalen Missionaren aufgehetzt wurden, einiges erzählen. Dass die Jesus-Leute heute insgesamt netter wirken als der Fanclub Mohammeds liegt einzig und alleine an einem langen, opferreichen politischen Kampf und an den Bedürfnissen des Kapitalismus, der mit 150 arbeitsfreien Feiertagen pro Jahr nicht funktioniert hätte. Wäre es nach den christlichen Kirchen gegangen hätten wir heute immer noch lauter vom lieben Gott gewollte Königreiche mit absoluten Herrscherfamilien, Ketzerverbrennung, Hexenwahn und feudalistischem Elend ohne Entrinnen. Das gilt für alle Religionen. Auch der Buddhismus wäre ohne Umwälzung der Verhältnisse noch heute die Leigitimationsideologie von Gottkönigen.

Aber zurück zum Islam. Den muss man ablehnen dürfen wie man jede Religion ablehnen dürfen muss, ohne deshalb als Rassist oder sonstwas Ekliges zu gelten. Darf man das nicht, ist die Freiheit der Rede ebenso wie jene der Religion, die ja auch eine Freiheit von Religion sein muss, keinen Pfifferling wert. Nach der Niederlage des realsozialistischen Blocks und dem globalen Durchmarsch der us-amerikanischen Realverfassung gelten Atheisten und Agnostiker freilich als intolerante Finsterlinge, während man religiöse Kolletivpsychosen für das Natürlichste der Welt hält. Dem Glauben, und sei er noch so irrational und grotesk, muss höchster Respekt entgegengebracht werden, geht die neue alte Lehre. Doch wer Respekt fordert, muss auch respektabel sein. Ist das der Islam? Was bringt der denn hervor, das man respektieren müsste? Klar, es gab großartige Kulturleistungen in der Geschichte dessen, was man als islamischen Kulturraum bezeichnen könnte. Und das muss man natürlich ebenso respektieren wie das, was Menschen anderer Religionsausrichtung geschaffen haben. Sieht man sich die Geschichte etwas genauer an wird man aber rasch feststellen, dass man es fast nie mit etwas zu tun hat, das vom Islam, vom Christentum oder von Scientology erschaffen wurde, sondern von begabten und klugen Menschen, die ihrer jeweiligen geisttötenden religiösen Umgebung große Werke als Huldung an Gott/Allah/L. Ron Hubbard untergejubelt hatten. „Der“ Islam macht eigentlich gar nix, nix Gutes und nix Schlechtes, das machen alles die Menschen. Und wenn der Islam oft sehr befremdlich bösartig wirkt, dann ist auch das nicht seine Schuld, sondern die von denen, die ihn so auslegen, wie es ihnen in den unterdrückerischen Kram passt. Denn natürlich steht im Koran wie in allen anderen „heiligen“ Büchern alles und sein Gegenteil.

Man kann selbstverständlich „den“ Islam schlecht finden und ablehnen. Dafür gibt es ebenso viele gute Gründe wie bei jeder anderen Religion. Was man nicht darf, ist Menschen herab zu würdigen, die zufälligerweise Muslime sind. Wie in jeder anderen Gruppe sind auch unter Muslimen die Hetzer und Fanatiker eine Minderheit, wie bei jeder anderen Gruppe will auch die absolute Mehrheit der Muslime einfach nur in Frieden leben, ihre Kinder großziehen und neue Smartphones kaufen. Der Islam hat da auch gar nix dagegen, denn der ist ebenso flexibel wie jede andere Religion. Islam geht auch ohne Kopfabhacken und Frauenverhüllen und Fusselbart. Die meisten Muslime haben kein Interesse an heiligen Kriegen da sie wissen, dass ein Krieg nur sehr selten heilig sein kann. Die wollen auch keine islamische Weltherrschaft oder ähnlichen Unsinn, die wollen, falls überhaupt, freitags in die Moschee gehen und danach den Imam zum Essen einladen, um über eine Hochzeit, ein Begräbnis oder sonst ein menschliches Ereignis zu reden, das eines religiösen Zuckergusses bedarf. Diese Leute muss man nicht nur vor den Rassisten und Kulturchauvinisten schützen, sondern auch versuchen, sie für eine gemeinsame Sache zu gewinnen. Für Demokratie und Menschenrechte zum Beispiel. Denn so wenig ich auch wirklich über „den Islam“ weiß und sagen kann, eines scheint mir sicher: Ohne diese Freitags-Muslime, diese Geburtsschein-Moslems, ohne die stille Mehrheit der Kinder Allahs werden wir den Kampf gegen die religiösen Eiferer nicht gewinnen können.

Teufelskreise

Es fällt nicht leicht, einen kühlen Kopf zu bewahren, wenn man im Fernsehen bei „Hart aber Fair“ den salafistischen Prediger Hassan Dabbagh sieht mit seinem mit Henna gefärbtem Bart und seinem Ethno-Dress und man ihm dabei zuhört, wie er verkündet, er gebe Frauen selbstverständlich nicht die Hand. Da kriegt man eine Wut und im Kopf fängt ein Film an, der all das Schreckliche, das in den vergangenen Jahrzehnten im Namen des Islam über die Welt kam, abspielt. Man sieht die einstürzenden Türme des World Trade Center, die afghanischen Fußballstadien, in denen die Taliban Frauen abschlachteten, die Galgen für Schwule im Iran, die öffentlichen Hinrichtungen in Saudi Arabien, die Massengräber aus dem algerischen Bürgerkrieg der 90er Jahre… es könnte ein sehr langer Film werden. Es gibt nichts zu deuteln: Große Teile des Islam stehen derzeit für Barbarei, Zerstörung, Unterdrückung und Tod. Und wir, wir fuchteln mit Ausschimpffingern, an denen das Blut von sechs Millionen Juden noch kaum getrocknet ist und die wir jeden Tag erneut in frische Blutlachen tunken, die von den sich immer höher stapelnden Leichenbergen stammen, die unsere Kriege, unsere Flüchtlingspolitik und unser Wirtschaftssystem weltweit hinterlassen. Politiker, die gut schlafen können, obwohl sie Schreibtischmörder sind, erklären mit ernster Mine, dass die Gräueltaten des „Islamischen Staates“ nun wirklich zu weit gingen. Es sind Politiker, die das Kopfabschneiden durch den IS ganz fürchterlich finden, aber kein Problem damit haben, wenn das Kopfabschneiden auf den Marktplätzen von Saudi Arabien stattfindet. Diese Grundverlogenheit ist es, die letztlich jede Glaubwürdigkeit des westlichen Systems zerstört. Viele junge Muslime in Europa und in den USA erkennen dies und können damit nicht mehr umgehen. Sie werden daran irre, und sie sind natürlich nicht die Einzigen. Organisationen wie der IS bieten denen dann einen Ausweg aus der Verwirrung an, ein ganz klares Gut-Böse-Schema und ganz einfache Lösungen. „Sobald die Ungläubigen alle tot sind, wird deine Seele wieder gesund sein“, lautet das Versprechen. Rechtsextreme Bewegungen und Parteien, die den Islam zum Feindbild erkoren haben, haben ein ganz ähnliches Versprechen im Gepäck. „Sobald alle Muslime abgeschoben wurden, wird es uns wieder gut gehen“. Zwischen diesen beiden Faschismen, die die Welt in einen Kulturkrieg stürzen wollen, wird der Platz immer enger, da er denen freiwillig überlassen wird. Daran sind viele schuld. Faule Politikerinnen, die es sich mit keiner Gruppe verscherzen wollen. Verblödete Antiimperialisten und „Critical Whiteness“-Aktivistinnen, für die ein Nicht-Europäer niemals faschistisch sein kann, auch dann nicht, wenn er Juden ins Gas und Frauen auf den Sklavenmarkt schicken will. Hysterische Medien, die eine verengte Negativberichterstattung betreiben. Und viele andere mehr. Derweil sorgt die Zuspitzung und Vereinfachung dafür, dass  immer mehr Muslime in Europa rassistische Ausfälle und Hass zu spüren bekommen, was wiederum bei einigen dazu führt, sich zu radikalisieren. Teufelskreise werden da geschmiedet.