Islamisten und Islamophobe: Getrennt marschieren, vereint gegen Brüste

Die islamischen, christlichen und rechtsradikalen Fanatiker mögen einander in vielen Dingen spinnefeind sein, sich verbal und manchmal auch mit Bomben gegenseitig an die Gurgel gehen, in einem sind sie sich einig: Der Körper der Frau gehöre nicht ihr, sondern dem Mann und dessen Männergott.  Oder der Männernation. In Tunesien möchten Islamisten eine junge Femen-Aktivistin ausgepeitscht und gesteinigt sehen, in Deutschland wettern die Islam-Hasser von „politically incorrect“ gegen die Femen im Allgemeinen und gegen das CDU-Mitglied Zana Ramadana im Besonderen und sehen durch sie die „konservativen Werte“ der CDU gefährdet. Ob die rechten Idioten die Ironie bemerken?

Ein Weckruf aus Oslo

Ein rechter Waffennarr und „Islamkritiker“ also. Einer, der in Internetforen schreibt: „Ich habe ein Problem mit einigen traditionellen konservativen Parteien wie den britischen Tories oder der Konservativen Partei in Norwegen, die an Relevanz einbüßen im Vergleich zu echten kulturkonservativen Parteien wie Gert Wilders Freiheitspartei. Es sollte verboten sein, sich konservativ zu nennen, wenn man die fanatische Doktrin des Multikulturalismus unterstützt, deren praktische Umsetzung zweifellos die wichtigste Grundlage für eine weitere Islamisierung ist“. Und weiter: „Die Kulturmarxisten haben die vollständige Kontrolle über die Medien. (…) Der Multikulturalismus wurde erfunden, um die europäische Kultur, Tradition, Identität und das Christentum zu zerstören. (…) Politische Korrektheit ist ein Synonym für Multikulturalität, und diese ein Synonym für Kulturmarxismus.“ 

So also redet einer, der, nachdem er eine der stärksten Autobomben in der Geschichte des europäischen Terrorismus gezündet hat,  mit mehreren Waffen kaltblütig mehr als 80 Jugendlich abknallt, der herumgeht auf einer kleinen Insel, wo man ihm nicht entkommen kann, und ein Kind nach dem anderen erschießt aus dem einzigen Grund, weil diese Jugendlichen und Kinder Sozialdemokraten sind. So reden auch Parteien wie die FPÖ, der Vlaams Belang, die NPD. So redet Gert Wilders, und in dem Stil und in dem Sinne wird jeden Tag auf Hetzblogs wie „Politically Incorrect“ oder „SOS Österreich“ geschrieben. So schreibt der Werner Königshofer. So schreiben und reden all die geistigen Brandstifter, denen an echter Analyse und Kritik nicht gelegen ist, sondern die nur das Feuer legen wollen, um dann das niedergebrannte Grundstück billig erwerben zu können. Und jetzt ist einer, der so redet, schreibt und denkt wie die geistigen Anstifter zur Tat geschritten. So wie Franz Fuchs in Österreich zur Tat geschritten war, nachdem er lange genug die rechte Hetze gegen „Umvolkung“ und Immigranten aufgesogen hatte.

Darüber muss jetzt geredet werden, über die Brandstifter nämlich, die wir Biedermänner in unserem europäischen  Haus (wieder) groß werden haben lassen. Wir müssen sie in die Schranken weisen, diese „Daham-statt-Islam“-Plakatierer, diese Neobiologisten vom Schlage Sarrazins, und all die rechten bis rechtsliberalen Publizisten, die sich ganz toll avantgardistisch und mutig vorkommen, wenn sie den zivilisatorischen Minimalkonsens Europas lächerlich machen. Wenn wir dem Vormarsch der Intoleranten, der Nationalisten und Faschisten nicht Einhalt gebieten, wird das Massaker von Oslo einst als eines jener Verbrechen in den Geschichtsbüchern stehen, welche am Vorabend rechtsextremistischer Machtergreifungen stattgefunden haben.

Allerdings sollten wir auch beherzigen, was der norwegische Ministerpräsident gesagt hat, dass man nämlich antidemokratischen Strömungen nicht mit dem Abbau demokratischer Errungenschaften begegnen darf. Dazu gehört meiner Meinung nach die Verteidigung der Meinungsfreiheit in dem Sinne, dass sachliche, nicht rassistische Kritik am Islamismus, ja am Islam selbst wie auch an allen anderen Religionen sowie an negativen Aspekten der Migration möglich sein muss. Aber dass es fundamentale Unterschiede zwischen echter Kritik und politischer Hetze gibt, predige ich in diesem Blog ja schon seit Jahren. Alles darf, alles muss kritisiert werden, aber Rassenwahn und Religionskriegsmentalität sind keine Kritik, sondern Verbrechen.

Danke, Thilo: Rassismus wieder salonfähig in Deutschland

Früher sah das so aus:

Heute so:

Dieser feine Doktor aus der hessischen Provinz fühlt sich offenbar im Windschatten von Sarrazin, NPD, Broder & Co und der „überwältigenden Mehrheit“ der BILD-Leser nicht mehr an zivilisatorische Mindeststandards gebunden. Aber ich habe wenig Hoffnung, dass dieses Beispiel diejenigen aufwecken könnte, die zwischen berechtigter und notwendiger Islamkritik und Rassismus nicht mehr unterscheiden können oder wollen.