Israel: Schönes Wahlergebnis

Bei den Wahlen in Israel haben die Mitte-Links-Parteien viel besser abgeschnitten als erwartet und die Rechten schlechter, als die Kassandren (inklusive Lindwurm) vorhergesagt hatten. Die große Überraschung ist aber, dass die Partei des liberalen Journalisten  Yair Lapid auf Anhieb zweitstärkste Kraft in der Knesset wurde. Ebenfalls bemerkenswert: Die bereits abgeschriebene Arbeitspartei hat sich glatt verdoppelt und kam auf Platz drei. Grob gesagt kam der Rechtsblock auf 61 Sitze, der Linksblock auf 59. Das ist ein gesundes Ergebnis und zeugt von einer sehr lebendigen und gefestigten Demokratie. Jene „Israelkritiker“, die Jerusalem auf den Weg in den Faschismus sahen, wurden (DAS zumindest habe ich auch erwartet) Lügen gestraft. Nun wird man sehen, wer wie mit wem und was. Die Regierungsbildung wird nicht einfach. Aber wer wie ich ein Freund dieses Staates ist, der kann dieses Wahlergebnis nur begrüßen.

Warum Israels Linke am Dienstag schlechte Karten haben wird

Am kommenden Dienstag werden aller Voraussicht nach rechte Parteien die großen Sieger der israelischen Parlamentswahlen sein. In den europäischen Medien wird dann wieder ein großes Kritisieren und Belehren und Schulmeistern losgehen, denn wie die Bürger Israels zu wählen hätten, um es ihm recht zu machen das Land in die richtige Richtung zu lenken, dass glaubt der gemeine europäische Journalist und „Nahost-Experte“ zu wissen. Warum in Israel seit mehr als zehn Jahren linke Parteien immer mehr an Einfluss verlieren, weiß er schon nicht mehr so genau. Oberflächlich betrachtet ist es ja auch ein wenig rätselhaft. Es war eine rechte Regierung, unter der die sogenannte „Zweite Intifada“ losbrach, eine arabische Terrorkampagne ohne Beispiel, die die Israelis nachhaltig traumatisierte und desillusionisierte . Es war eine rechte Regierung, die aus dem Gazastreifen abzog, woraufhin dieser zu einem großen Terrorcamp und einer großen Raketenabschussbasis wurde. Es war eine rechte Regierung, die den Libanonfeldzug versaubeutelte. Und es waren natürlich rechte Regierungen, die den israelischen Sozialstaat großteils abschafften und für die größten sozialen Proteste der israelischen Geschichte verantwortlich zeichneten. Trotz all dem wirbt in Israel kaum eine Partei damit, links zu sein. „Links“ ist in Israel   fast ein Schimpfwort geworden. Wie kam es dazu?

Wenn der Begriff „links“ fällt, dann denken sehr viele Israelis heutzutage nicht mehr an Ben-Gurion, Meir oder die vor allem von der Arbeitspartei erbrachten Aufbauleistungen und die von sozialdemokratischen Regierungen gewonnenen Kriege. Sie denken an Judith Butler und Konsorten und ihre Verklärung der Hamas als „progressive Kraft“, an die die lateinamerikanischen Chavisten und anderen Linken und deren Kumpanei mit Iran und Hizbollah, an amerikanische und europäische Gewerkschaften und Universitäten, die zum Boykott Israels aufrufen, an Sozialdemokraten wie Augstein oder Grass, die gegen Israel Partei ergreifen und den Staat dämonisieren, an durchgeknallte aus dem israelischen Universitätsmilieu, die das eigene Land abwickeln möchten, an das völlige Fehlen von Verständnis und Empathie, das Israel aus dem weltweiten linken Lager entgegen schlägt, und nicht wenige Israelis, die aus Osteuropa und der ehemaligen Sowjetunion stammen, denken auch an die Unterdrückung jüdischen Lebens im „Realsozialismus“, an die einseitige Parteinahme der realsozialistischen Staaten für die Araber, und das generell unfreie Leben damals. Abgesehen davon sind Israelis Menschen wie alle anderen auch, und Menschen, die andauernd bedroht werden und von Feinden umgeben sind, sind natürlich empfänglich für Parteien und Parolen, die eine starke Hand versprechen, ein hartes Durchgreifen gegen den Terror, die von Nationalstolz sprechen und die sich, ob das nun stimmt oder nicht, widerständig geben gegenüber den Belehrungsversuchen von Außenstehenden, welche schweigen, wenn in Israel Schulbusse explodieren oder Raketen einschlagen, aber sofort laut protestieren, wenn Juden im Westjordanland ein Haus bauen.

Natürlich gibt es noch viele weitere Gründe dafür, warum die Linke in Israel so schwach geworden ist. Grabenkämpfe, Verrat, Konzentration auf Minderheitenthemen, Kooperationsverweigerung und vieles mehr. Das gefällt mir nicht, denn ich bin trotz allem immer noch ein Linker, aber ich kann es verstehen, wenn Israelis keine Hoffnungen in die Linke setzen mögen. Wer auch immer aus den Wahlen gestärkt hervorgehen und Regierungsverantwortung übernehmen wird, wird es nicht leicht haben. Aber leicht hatte es in der israelischen Geschichte bislang noch keine Regierung.

Augstein-Debatte: Unbewusste Antisemiten und alte Geschichten

In der aktuellen deutschen Antisemitismusdebatte geht es nicht darum, sich auf die Seite einer der beiden Hauptakteure zu stellen, auch wenn die Mehrzahl der Kommentatoren genau das macht, also entweder (und bei weitem mehrheitlich) hinter Jakob Augstein aufmarschiert und laut verkündet, der sei nun wirklich kein Antisemit, denn schließlich habe man bei ihm Zuhause weder die Protokolle der Weisen von Zion noch „Mein Kampf“ im Bücherregal erspäht, oder aber Henryk M. Broder zur Seite springt und mehr oder weniger originell dessen Argumentation wiederholt. Nun braucht aber keiner der beiden Fürsprecher. Broder ist intelligent und rhetorisch brillant genug, um sich selbst zu wehren, und der Multimillionär Augstein verfügt dank 25-Prozent-Anteil am „Spiegel“ und der Verlegerschaft des „Freitag“ über ausreichend Medienpower, um seinen Standpunkt zu vertreten und vertreten zu lassen. Durch die Personalisierung droht der wichtigste Aspekt der Angelegenheit in den Hintergrund zu rücken, dass nämlich das Simon-Wiesenthal-Zentrum Augstein auch stellvertretend für den Mainstream journalistischer deutscher „Israelkritik“, die sich seit vielen Jahren dadurch auszeichnet, dass sie gegenüber dem Staat Israel all jene Ressentiments und Klischees in Anschlag bringt, die, würde man „Israel“ durch „Jude“ ersetzen, lupenrein antisemitische Texte ergäben, in die Liste mit den schlimmsten antisemitischen und antiisraelischen Beleidigungen des Jahres 2012 aufgenommen hat. Augstein hat sich als der lautstärkste und wirkungsmächtigste Vertreter der pathologisch deutschen Unart etabliert, gegenüber Israel weit strengere Maßstäbe anzusetzen als gegenüber jedem anderen Land der Welt, Israel zu weit mehr aufzublasen, als es ist, zu einer „Gefahr für den Weltfrieden“ gar, für jede tatsächliche oder vermeintliche Fehlentwicklung im Nahen Osten stets nur Israel verantwortlich zu machen oder, wie es Augstein nachweislich tat, verschwörungstheoretisch in den Raum zu stellen, Israel sei von 9/11 über den Mohammendfilm bis hin zum Arabischen Frühling und amerikanischen Präsidentschaftswahlen ein weltweit mächtiger, ja fast allmächtiger Strippenzieher. Letzteres ist lupenreiner Antisemitismus und sollte auch von jedem, für den Antisemitismus nicht erst mit der Errichtung von Vernichtungslagern beginnt, als solcher erkennbar sein. Natürlich ist auch eine unsachliche, auf Delegitmierung abzielende „Israelkritik“ antisemitisch, denn selbst wenn es nicht ins traditionelle linke Weltbild passt, ist es historisch doch erwiesen, dass ein jüdisch dominierter Staat Israel das Einzige ist, das eine neue Shoah verhindern kann. Was Sonntagsreden und vermeintliche Zivilisiertheit wert sind, wenn es ernst wird, haben Jüdinnen und Juden oft genug erlebt, nämlich nichts. Der Staat Israel allein kann garantieren, dass Juden nie mehr ermordet werden, weil die angeblich so Toleranten und Mutigen dann plötzlich doch feige und tatenlos zuschauen, wenn die jüdischen Nachbarn verschleppt werden, und weil angeblich zivilisierte Staaten keine Visa für flüchtende Juden ausstellen wollen. Israel schützt durch seine Existenz und seine militärische Stärke nicht nur seine Bürgerinnen und Bürger (von denen bekanntlich nicht alle Juden sind), sondern alle Juden auf der Welt. Und wahrscheinlich macht genau das Leute wie Augstein wahnsinnig vor Wut. Juden als dem Wohlwollen von sich selbst als gut und gerecht empfindenen Menschen ausgelieferte Minderheit, das würde vielen gerade recht sein. Juden mit Staat, Knarre und Atombombe gehen aber gar nicht und sind dann ganz böse und gefährlich für einen fantasierten Weltfrieden, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass jedes Jahr Hunderttausende Menschen in Kriegen sterben, die die „Israelkritiker“ aber nicht interessieren, weil in diese Kriege keine Juden involviert sind.

Dass die Debatte eine personalisierte bleibt, dafür sorgt schon Augsteins „Freitag“, der nun einiges unternimmt, seinem Chef argumentativ zu helfen. Das versucht ein dort schreibender Wolfram Heinrich, indem er einen alten Broder-Text ausgräbt, von dem Heinrich glaubt, er sei  mindestens so „Israel kritisch“, wie die Ergüsse Augsteins.  Nun stimmt es zwar, dass das Archiv die Rache des Journalisten ist, aber halt nur dann, wenn der Journalist sein Handwerk beherrscht und zum Beispiel den Unterschied zwischen Kritik und Dämonisierung kennt. Heinrich erweist Augstein mit dem zitierten Text aus dem Jahr 1989 einen Bärendienst, denn Broder geht in dem seinerzeit im „Semit“ erschienenen Kommentar zwar hart mit der damaligen israelischen Politik ins Gericht, prangert Untaten von IDF-Einheiten an und kritisiert die Tendenz zur Wagenburgmentalität in der israelischen Gesellschaft, und das alles mit der für Broder typischen sprachlichen Schärfe und Lust an der Polemik, doch ist das eben wirkliche Kritik an wirklichen Vorgängen, keine Projektionen und Insinuationen, wie man sie bei Augstein findet, sobald der über Israel schreibt. Es macht einen großen Unterschied, ob man einzelne Aspekte israelischer Politik und Lebensrealität, wie scharf auch immer, hinterfragt, was ja durchaus erlaubt ist und was vor allem Juden und Israelis selbst machen, oder ob man Israel, den Juden unter den Staaten, zur Weltgefahr aufbauscht und damit nazistische Propaganda leicht modernisiert weiterführt. Das zu lernen wäre Aufgabe Augsteins und seiner Sympathisanten, und wenn die das mal kapiert haben, kann man wieder nett zueinander sein. Meine diesbezüglichen Erwartungen sind nicht allzu groß, denn beim Antisemiten, der sich selbst nicht als solchen sieht, blocken Abwehrreaktionen jeglichen Ansatz zur Selbsterkenntnis. Zum vom „Freitag“ veröffentlichen alten Broder-Text bleibt noch zu sagen: Menschen haben die wunderbare Eigenschaft, dass sie ihre Meinung ändern können, wenn sich die Realität geändert hat. Vor 23 Jahren konnte Broder noch nichts wissen von einem atomar aufrüstenden Iran, von der schrittweisen Ablösung der Fatah durch die noch extremere Hamas, von der Kompromisslosigkeit der Araber in den Verhandlungen, von der beispiellosen Terrorkampagne der „Zweiten Intifada“, von der Räumung des Gazastreifens, die Israel dadurch gedankt wurde, dass dieses Gebiet ein einziges großes Terroristenlager und eine einzige große Raketenabschussbasis wurde.  Und von der immer hurtiger voranschreitenden Verblödung und Barbarisierung der europäischen und amerikanischen Linken, die von einseitigen Schuldzuweisungen bis hin zu nazihaften „Kauft-nicht-beim-Juden“-Kampagnen reichen sollte.

Nahöstliche B-Movies

Als der Hamas-Chef Chaled Maschaal vor wenigen Tagen in Gaza dem riesigen Nachbau einer Rakete entstieg, um anschließend im Schatten dieses Phallussymbols seinen jubelenden Anhängern zu erklären, es werde niemals Frieden mit Israel geben („Palästina ist unser vom Fluss bis zum Meer und vom Süden bis zum Norden.“), verglichen manche Beobachter den Auftritt mit einem Sketch von Monty Python oder mit der klamaukigen Slaptstick des frühen Woody Allen. Fälschlicherweise, denn Ästhetik, Symbolik und Absicht der Hamas-Inszenierungen haben mit anarchischem Humor, ja mit Humor allgemein sehr wenig zu tun, dafür umso mehr mit B-Movies und billigen Telenovelas. Wie diese richtet sich der Hamas-Kitsch an die Ungebildeten und Geschmacklosen, in der arabischen Welt und anderswo, und das mit dem gleichen Erfolg, den auch Trash-Filme und hundsmiserable Schnulzenfernsehserien bei dieser Art von Zielpublikum haben. Abgesehen von der speziellen, tiefenpsychologisch interessanten Bildersprache von Maschaals Performance (der Führer einer machistischen radikalislamischen Gewalttruppe erscheint aus einer Art Riesenpimmel, sozusagen direkt von einem Penis in die Welt gesetzt statt von einer „schwachen“ Frau geboren) ist  die Inszenierung typisch für „Paliwood“, also für die brachiale Theatralik der palästinensischen Öffentlichkeitsarbeit, die auf den Verstärkungseffekt möglichst simpler Bilder und Szenen setzt. Bei Menschen mit viel Gefühl, aber wenig Hirn zieht sowas, auch wenn das entsprechende Bild getürkt ist und so manches vermeintliche Opfer eine israelischen Bombenangriffs wenig später gesund und munter wieder durch dasselbe Youtubevideo stapft, in dem es ein paar Sekunden zuvor von „verzweifelten“ Verwandten lautstark betrauert worden war. Während der Operation „Wolkensäule“ schien auch Israel verstanden zu haben, dass die Macht der einfachen Bilder und der simplen Argumentation in einer Welt voller Halb- und Vollanalphabeten besser wirkt, als es die beste verbale Begründung durch Botschafter und Politiker je könnte, und man stellte die PR-Arbeit entsprechend um, mit messbarem Erfolg, denn während dieses Kurzkrieges war die israelische Position zumindest vernehmbar. Die vielen Antisemiten in aller Welt erreichte freilich auch so eine Art von Werbung für Israel nicht. Wie auch? Antisemiten kann man nicht überzeugen oder belehren, so wie man auch einen Debilen durch gutes Zureden nicht klug machen kann.

Das bisherige Resultat von „Wolkensäule“ wirkt auf mich durchwachsen. Einerseits hat Israel sein Primärziel, nämlich den Raketenhagel aus Gaza zumindest auf ein Tröpfeln zu reduzieren, vorerst erreicht und man konnte   einen besonders fanatischen Feind, Hamas-Militärchef al-Dschabari, eliminieren. Andererseits fühlt sich die Hamas als großer Sieger in diesem Konflikt, führen viele Araber die Anerkennung „Palästinas“ als UN-Beobachterstaat direkt auf diesen Waffengang zurück und haben die militanten Kräfte unter den Palästinensern enorm Oberwasser bekommen. Wer kürzlich auf „Arte“ den Bericht von französischen Reportern über die aktuelle Lage in Gaza guckte, der sah vor Selbstbewusstsein schier platzende Hamas-Kämpfer, die sich in ihrem Weg der Gewalt durch das Abstimmungsergebnis in der UNO bestätigt fühlten, sah, wie diese Kämpfer stolz ihre immer noch vollen Arsenale an relativ modernen Raketen präsentierten, sah, dass die Schmuggeltunnels mittlerweile zu mit Beton ausgemantelten unterirdischen Highways für Güter und Waffen aller Art herangewachsen sind und sah auch, dass die Militanten es nicht einmal mehr für nötig halten, sich zu maskieren. Falls es der Regierung Netanjahu um Abschreckung gegangen ist, dann wurde das Ziel weit verfehlt. Abgeschreckt ist in Gaza kaum jemand, und, was zu befürchten ist, auch in der restlichen arabischen Welt und im Iran dürfte man aufmerksam verfolgt haben, dass die rechte israelische Regierung zwar große Sprüche klopft, aber umso zaghafter ist, den Worten auch Taten folgen zu lassen. Dafür gibt es natürlich Gründe wie die „Meinung der Weltöffentlichkeit“, doch ob es ratsam ist, aus Rücksicht auf eine „Weltöffentlichkeit“, die ohnehin antiisraelisch ist, sich die Hände binden zu lassen, sei an dieser Stelle zaghaft bezweifelt.

Zwischen allen Stühlen

Immer wenn Israel Krieg führen muss, möchte ich am liebsten meinen Fernseher verkaufen, keine Zeitungen mehr lesen und das Internet abmelden, denn in solchen Zeiten ist niemand einsamer als der linke Freund des Judenstaates. Gefühlte neun Zehntel derjenigen, die sich selbst als links definieren, betätigen sich in solchen Zeiten als offensichtlich kritiklose Wiederkäuer längst überholter und immer schon falsch gewesener antiisraelischer Positionen aus dem Kalten Krieg und imaginieren wider alle Evidenz weit rechts stehende klerikalfaschistische Terroristen und Unterdrücker wie die Hamas als Freiheitskämpfer, wo doch alles, wofür die kämpfen, der Tod von Juden und die Unterwerfung des Menschen unter die Tyrannei der Religion ist. Diese Sorte von Linken, die ansonsten völlig zu Recht Ungerechtigkeiten anprangert, ist nicht in der Lage zu behirnen, dass das größte jemals begangene Unrecht der Zivilisationsbruch der Shoah war und das oberste Gebot für Humanisten – und solche müssen Linke sein, denn ohne Humanismus ist auch linke Politik nichts als potentielle Terrorherrschaft – daher sein muss, dass sich die Shoa niemals wiederhole. Der Staat Israel mit seinem Militär und seinem Geheimdienst ist der einzige Garant dafür, dass Auschwitz nie mehr sein kann und niemand mehr Jüdinnen und Juden straflos und ohne Gegenwehr abschlachten darf. Nicht die Gutherzigkeit von Linken sorgt dafür, nicht die Großzügigkeit interkonfessioneller Dialogführer, nicht progressive Auslegungen des Koran und auch nicht Gesetze gegen Rassenwahn und Neonazismus. Nein, alleine Jüdinnen und Juden mit Gewehren in der Hand machen möglich, was primäre und sekundäre, rechte und linke Antisemiten so sehr hassen, nämlich die Selbstverteidigung einer vom Wohlwollen anderer unabhängigen jüdischen Nation.

Aber nur weil große Teile der Linken verabscheuungswürdige Positionen zu Israel haben ist es nicht so, als würden gerade in Zeiten der akuten Bedrohung Israels nicht viele Rechte erneut unter Beweis stellen, dass sie in Sachen Kotzbrockigkeit immer noch führend sind, zumindest aber den Dummlinken in nichts nachstehen . Ich denke da an diese seltsamen neuen Freunde Israels, die nur deswegen solche sind, weil es in Israel einen Rechtsrutsch gegeben hat und es sich bei den militärischen Feinden Israels zufällig um Muslime handelt, und die, wäre die „Islam-Frage“ zu ihrer Zufriedenheit erledigt oder käme in Israel wieder die Linke an die Macht, ihre Freundschaft sehr rasch aufkündigen würden. Das sind Leute, die versteckt hinter ihrer Israelsolidarität rassistische Vorurteile und rechtskonservative Ideologien transportieren, was im Extremfall bis hin zur faktenwidrigen Verleugnung der Existenz rechtsextremen Vernichtungsantisemitismus reicht. Das dumme Geblöke mancher Linken, wonach Israel ein imperialistischer Apartheidsstaat sei, finde auf der rechten Seite sein Äquivalent in der ebenso dummen Behauptung, der „wahre Antisemitismus“ sei links (was manchmal bis hin zur wahnwitzigen Behauptung reicht, Hitler sei ein Linker gewesen).

Ich bin nicht der einzige Mensch, der sich in diesen Zeiten zwischen den Blöcken der Dummheit und der Niedertracht heimatlos fühlt. Aber ich habe es satt, Linken erklären zu versuchen, warum ich jede Maßnahme, die der Sicherheit Israels dient, begrüße und gleichzeitig den auch in Israel wie überall sonst vorhandenen Rassismus ablehne. Ich habe es ebenso satt, Rechten erklären zu versuchen, dass Israel keinen Kampf gegen „den Islam“ führt, sondern gegen Menschen, die Juden vertreiben oder ermorden wollen (bzw generell israelische Bürger, denn die Raketen der Hamas unterscheiden ihre Opfer ja nicht nach Religion oder Ethnie), dass Araber keine Untermenschen sind und dass das reale Israel ein multikultureller und multiethnischer Staat ist. Ich habe es satt, auf Facebook dumme antisemitische Karikaturen und Fotomontagen sehen zu müssen, die von angeblichen Linken verbreitet werden, so wie ich es satt habe, auf Facebook von Rechten verbreitete Karikaturen und Fotomontagen sehen zu müssen, welche Araber als Tiere darstellen. Daher abschließend an diese Linken und Rechten (es sind zum Glück ja nicht alle so): Nehmt eure Eindimensionalität und steckt sie euch sonst wo hin! Werdet glücklich mit euren simplen schwarz-weißen Weltbildern aber lasst mich damit in Ruhe!

Die Krone des Antisemitismus

Ich werde hier nicht das machen, was die meisten anderen deutschsprachigen Medien tun, nämlich den Israelis vorschreiben, was sie zu tun hätten, ich werde lediglich dokumentieren, welches Ausmaß der Hass auf Juden in Österreich, dieser unverbesserlichen Brutstätte des Antisemitismus, hat. Wie immer bricht dieser Antisemitismus dann ganz offen hervor, wenn Israel es wagt, sich gegen die Bedrohung von Leib und Leben seiner Bürger zu wehren.

So geht es in den Leserforen der „Krone“, Österreichs auflagenstärkster Tageszeitung, zu:

 

 

Und so weiter und so fort. All das in MODERIERTEN Foren. Und all diese Figuren dürfen wählen, sind vielleicht Nachbarn… Mir ist einfach nur mehr schlecht.

Occupy-Nazis

Auf der Facebookseite von „Occupy Wall Street“ lässt das antisemitische Gesindel alle Hemmungen fallen. Dort wurde das folgende unglaublich bösartige und den Holocaust relativierende Bild gepostet:

 

Die Kommentare der Okkupanten fallen dementsprechend aus:

 

 

 

 

 

 

Mir war von Beginn an klar, dass im 99-Prozent-Gehabe von „Occupy“ der Antisemitismus mindestens als verkürzte Kapitalismuskritik ein Einfallstor hatte. Dass sich der Facebook-Arm von „Occupy“ als stramme Linksnationalsozialistenveranstaltung entpuppt, ist daher leider weniger überraschend, als manche meinen.

 

Was Österreicher wünschen: „Realistische Endszenarien“ für Israel

Wie zu erwarten war, drehen die Antisemiten angesichts der Tatsache, dass sich Israel nicht länger ohne Gegenwehr mit Raketen beschießen lässt, kräftig am Rad und verbreiten in den Leserkommentaren der österreichischen Tageszeitungen ihren geistigen Sondermüll. Das kann man ärgerlich finden, aber ist es auch faszinierend zu sehen, welche Gipfel das Wahnwitzes diese Figuren zu erklimmen in der Lage sind. Sozusagen den Mount Everest des Wahnsinns erreichen ein paar ganz Irre, die sich „Endszenarien“ für Israel wünschen oder eine pakistanische Atombombe herbeisehnen.

„Krone“:

 

 

 

 

 

„Die Presse“:

 

 

 

 

 

„Kurier“:

 

 

 

 

 

„Kleine Zeitung“:

 

 

Terror in Bulgarien: deutsch-österreichisches Gesindel kommentiert

Sechs Junge Israelis sind tot, weitere schweben in Lebensgefahr, 32 wurden zum Teil schwer verletzt. Das ist der derzeitige Stand der Dinge nach dem Terroranschlag in Bulgarien (Mittwoch, 22 Uhr MEZ). Und während Israel trauert und bangt und am Asphalt des Flughafens von Burgas die Blutlachen noch nicht aufgewischt sind, melden sich schon die Leser österreichischer und deutscher Zeitungen zu Wort und schütten einen Kübel voller Spott und Hohn und Täter-Opfer-Umkehrung auf die Toten und Verletzten. Es sind Momente wie dieser, in denen ich diesen Kreaturen alles nur denkbar Schlechte wünsche, vor allem aber, selber zu erleiden, wie das ist, wenn die eigene Tochter oder der eigene Sohn nicht mehr nachhause kommt, weil das Teheraner Drecksregime Mörder losschickt, die unschuldige Jugendliche umbringen. Und wenn man bedenkt, dass solche Leserbeiträge moderiert werden und daher die schlimmsten Hasspostings gar nicht erscheinen, kriegt man eine Wut auf diese Drecksäcke, eine richtig brutale Wut.

„Süddeutsche“:

„Der Standard“:

„Kurier“:

„Die Presse“:

„Welt“:

A message from Shimon Peres

Und eine Botschaft von mir: Auch wenn es gerade heute, nach dem furchtbaren Anschlag auf israelische Jugendliche, die in Bulgarien Urlaub machen wollten, noch so schwer fällt, daran zu glauben – irgendwann wird die Zeit kommen, da die Araber ihre Kinder mehr lieben als sie die israelischen hassen, da niemand mehr glauben wird, dass Mord gottgefällig sei, da Araber und Perser in Demokratien leben werden, die die Menschenrechte achten und Israel anerkennen, da Araber kein Problem mehr damit haben werden, dass in ihrer Nachbarschaft Juden leben und da die jüdischen Siedler in der Westbank einsehen werden, dass sie sich mit ihren arabischen Nachbarn arrangieren müssen, da alle Völker und Religionen im Nahen Osten in einem gerechten Frieden in einer kulturell und wirtschaftlich prosperierenden Weltgegend miteinander leben werden und kein Kind sich mehr davor fürchten muss, dass man seinen Kindergarten mit Raketen beschießt oder bombardiert. Aber bis es soweit ist, sollen die Mörder von Burgas wissen, dass die Zeiten, in denen jüdisches Leben straflos ausgelöscht werden konnte, für immer vorbei sind. Man wird sie finden und sie und ihre Auftraggeber der Gerechtigkeit zuführen.

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