Rechte Helden gegen „Einheitsmedien“

Die „Achse des Guten“, Henryk M. Broders Privatmegaphon, verliert im Zuge der dort betriebenen fanatischen Sarrazin-Bejubelung den letzten Rest von journalistischem Ehrgefühl und druckt fleißig „Gastbeiträge“, für die sich jede Provinztageszeitung in Grund und Boden schämen würde. Hier kommt etwa der umstrittene Anwalt Joachim Steinhöfel zu Wort: Das beschämende Personal in den höchsten Staatsämtern bläst zum Halali, die Einheitsmedien ziehen nach. Merkels Handpuppe in der Wulffsschanze ist gar Kläger und Richter in Personalunion.

Ja ja, diese gemeinen SystemEinheitsmedien aber auch! Ganz allein und nur mit den unbedeutenden Medienkonzernen Springer und Bertelsmann sowie dem gesamten ungesunden Volksempfinden zwischen FAZ und „Politically Incorrect“ im Rücken traut sich der todesmutige Sarrazin, die reine Wahrheit auszusprechen gegen den Widerstsand der allmächtigen linkslinken Gutmenschenmediendiktatur. Ein echter Held, der gemeinsam mit der unbedeutenden und  auflagenschwachen Minderheitenzeitung „BILD“ für die Meinungsfreiheit kämpft. Man bestaune auch die umwerfende sprachliche Finesse, mit der hier der deutsche Bundespräsident ein ganz klein bisserl mit Hitler verglichen wird! „Wullfsschanze“, har har har. Ich wette, da ist er sich extrem gewitzt vorgekommen, der Herr Steinhöfel, als ihm diese abscheuliche, aber wohl legale Formulierung eingefallen ist.

Doch Sarrazin hat es laut Steinhöfel (und damit auch der „Achse“) mit wahrlich gefährlichen Gegnern zu tun:  Man zerstört den Verfasser persönlich, wirtschaftlich, politisch (die Hexenverbrennung hat ja bei Eva Herman auch prima geklappt). Macht ihn zum leprösen Aussätzigen, der ausserhalb des hier ja so wichtigen gesellschaftlichen Konsens steht.

Zerstört soll er also werden, dieser Bundesbanker, der dank massivster Werbung der ach so fiesen „Einheitsmedien“ einen Bestseller landen konnte und dem als bereits im Rentenalter stehenden Bundesbanker im schlimmsten Fall eine Pensionierung mit golden handshake droht. Der Hinweis auf Eva Herman, die sich im Umfeld der „9/11-Truther“ und rechtsextremen Verschwörungstheoretiker des Kopp-Verlages herumtreibt (und vom Sprachgiganten Steinhöfel unabsichtlich zur Hexe erklärt wird), spricht übrigens Bände darüber, mit wem die „Achse“-Verantwortlichen alles bereit sind, Querfronten zu bilden.

Aber wenden wir uns wieder dem „Achse“-Gastautor zu. Der schreibt: Konsens, Konsens über alles! Schauprozesse in den Medien zu denen Quoten-Türkinnen aufgeboten werden, die alles sind, aber nicht repräsentativ für die von einer Minderheit von etwa 80 % der Bevölkerung (fast alle Neonazis) kritisierte Gruppe von Gastarbeitern. Ein schöner Euphemismus übrigens, da es mit dem Arbeiten ja bei dem einen oder anderen hapern soll.

Wie liest sich das? Genau, es liest sich wie der typische verbale Amoklauf eines typischen Lesers von „BILD“ oder „Politically Incorrect“. Gerade noch im Rahmen der Legalität, aber deutlich genug. Broder hat sich da einen echten Bruder im Geiste angelacht. Auch Broder sieht ja allerorten einen Zwangskonsens wirken, forciert durch eine verschworene Seilschaft aus „Gutmenschen“, „68ern“ und „Antifaschisten“. Und auch er, Broder, stilisiert sich zum wackeren Einzelkämpfer gegen diesen angeblichen Konsens, über dessen faktische Nichtexistenz schon ein Blick in die Medienlandschaft aufklärt. Aber Broder ficht die Realität nicht an. Er glaubt, wie Sarrazin, ein Schwimmer gegen den Strom zu sein, geknechtet von einer imaginierten Knute einer angeblichen linken Vorherrschaft im öffentlichen Diskurs, dabei darf er seine Meinung seit Jahr und Tag aus dem „Spiegel“ und etlichen anderen nicht ganz unwichtigen Medienprodukten herausschreien. Ich bleibe dabei: Wir haben es hier mit derselben geheuchelten Wehleidigkeit zu tun, die auch Antisemiten an den Tag legen, wenn sie beklagen, dass sie ihre Meinung nicht äußern dürften, obwohl sie genau das Tag für Tag tun.

ps: Dass sich Broder und Konsorten in Sachen Sarrazin völlig verrannt haben, mindert nicht die Qualität ihres Gesamtwerks. Auch der hier thematisierte Steinhöfel hat in der Vergangenheit den einen oder anderen interessanten Kommentar verfasst. Leider macht das die Sache nicht besser, sondern eher schlimmer.