Free Pussy Riot!

Wladimir Putin inszeniert sich gerne als starker Mann, der mal Karate kämpft, mal Bären abknallt. In Wahrheit ist der Kerl natürlich, wie die meisten Gewaltverbrecher, nur dann stark, wenn er es mit schwächeren Gegnern zu tun hat. Zum Beispiel mit der feministischen Punkband „Pussy Riot“. Seit März sitzen die Bandmitglieder Maria Aljochina (24), Nadeschda Tolokonnikowa (22) und Jekaterina Samuzewitsch (29) schon in Untersuchungshaft, und dort werden sie noch mindestens ein weiteres halbes Jahr bleiben, wie ein Moskauer Gericht entschieden hat. Der Vorwurf der Staatsanwaltschaft: „Hooliganiusmus aus Gründen des religiösen Hasses“. Die Tat: Pussy Riot haben in der Moskauer Erlöserkirche einen Spontanauftritt hingelegt und dort „Heilige Mutter Gottes, erlöse Russland von Putin, heilige Mutter Gottes, werde Feministin“ gerufen. Die Anklage weiter: „Pussy Riot haben mit ihrer Gotteslästerung an den ewigen Grundfesten der Russisch-Orthodoxen Kirche gerüttelt“. Drei junge Frauen, zwei davon Mütter, sitzen also im Knast und müssen mit Lagerhaft rechnen, weil sie sich den Zorn des lächerlichen „starken Mannes“ Putin und des Männervereins Kirche zugezogen haben. Nur zur Erinnerung: Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist jener Club, der sich zusammen mit dem zaristischen Geheimdienst die „Protokolle der Weisen von Zion“ ausgedacht hat, der mit Stalin unter eine Decke schlüpfte und der Jesus, sollte der mal wieder auf Erden wandeln, sofort ans nächstbeste Kreuz nageln würde, solange sich diese Kostümchristen dadurch ihre Privilegien sichern könnten. Putin ist ein Dieb, der sich ein Milliardenvermögen zusammenerpresst hat, und ein Versager, der einen außenpolitischen Rückschlag nach dem anderen hinnehmen muss und ein Land regiert, in dem eine kleine Oberschicht in perversem Luxus schwelgt während die Normalbürger im Elend leben und politischer Willkür ausgesetzt sind . Aber zur Charakterisierung dieses Mannes reicht es eigentlich zu wissen, dass er von deutschen Neonazis verehrt wird. Abschaum hat immer auch entsprechende verabscheuungswürdige Idole. Das „Vergehen“ von Pussy Riot besteht darin, gegen die Allianz dieser zwei Männerbünde aufbegehrt und sich des furchtbaren Verbrechens der freien Meinungsäußerung schuldig gemacht zu haben. Und natürlich geht Nazis und (vielen) Kirchenmännern einer dabei ab, wenn sie zusehen können, wie Putin da ein paar freche Emanzen vernichtet. So hätten sie es hier auch gern, so würde es ihnen passen, all diesen Verächtern von Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Frauen. Wenn das Weib aufmuckt, kriegt es den Knüppel zu spüren, in diesem Fall den brutalen Schlagstock der russischen Unrechtsjustiz. Diese Farce, die sich Gerichtsverfahren nennt, geht uns alle an, geht jeden etwas an, der sich nicht von Politikriminellen, Mafiosi und Pfaffen herumschubsen lassen will. Daher muss jeder Mensch, der über einen Funken Gerechtigkeitsempfinden verfügt, schreien: „FREE PUSSY RIOT!“

Die „Feuermauer“ formiert sich

Es tut sich was in das Sache Rosenkranz. Die von Bundespräsident Heinz Fischer beschworene „Feuermauer“ gegen Kräfte, die den Grundkonsens der Republik aushebeln wollen, nimmt Gestalt an. Mit Kardinal Christoph Schönborn hat sich eine gewichtige Stimme gegen die Wahl von Barbara Rosenkranz erhoben. „Wenn sich jemand für ein hohes Amt in diesem Land bewirbt und in der Frage des NS-Verbotsgesetzes oder in der Frage der Shoa einen Spielraum offen lässt, dann ist so jemand für mich persönlich nicht wählbar“, so Österreichs höchster katholischer Geistlicher in einer Presseaussendung. Das sind für einen Kardinal ungewöhnlich deutliche Worte, die untermauern, wie ernst die Lage ist. Auch der Klubchef der ÖVP im Nationalrat, Karlheinz Kopf, rät der Wählerschaft der Volkspartei, nicht für Rosenkranz zu stimmen. Der ehemalige Chef der Grünen, Alexander van der Bellen, ruft direkt zur Wahl von Heinz Fischer auf, denn: „Wenn jemand aus einem Neonazi-Umfeld kommt, ist allein schon die Aussicht darauf unerträglich, dass sie die höchste Repräsentantin des Staates werden könnte“.

Die Anständigen im Lande beginnen sich zu formieren, und das ist auch notwendig. Noch fehlen die Statements der obersten Führungsriege der Grünen und der ÖVP, aber man darf annehmen, dass diese nun nicht mehr darum herumkommen werden, zumindest gegen eine Wahl Rosenlranz` aufzurufen. Okay, ein paar schwarze Provinzpolitiker wie der niederösterreichische VP-Landtagsklubobmann Klaus Schneeberger („Ich habe Frau Rosenkranz in den vergangenen 18 Jahren kennen und schätzen gelernt“.) wollen noch nicht einsehen, dass es hier nicht um parteipolitischen Zank, sondern ums Ganze geht, doch wird man dem Herren hoffentlich noch den Kopf zurechtrücken.

Die demokratischen und antinazistischen Kräfte in Österreich müssen zusammen ein eindeutiges Signal setzen, dass nämlich schon die Kandidatur einer Dame, die auf Fragen zur Shoa ausweichend antwortet und das Verbotsgesetz abschaffen möchte, eine rote Linie überschreitet, und  dass eine Bundespräsidentin Rosenkranz schlicht intolerabel wäre. Von den Kirchen über die demokratischen Parteien bis hin zu NGOs und einzelnen Bürgerinnen und Bürgern muss eine große Absperrkette gebildet und die klare Parole verkündet werden: „Bis hierhin und nicht weiter!“ Es muss jedem Wähler verdeutlicht werden, wer hinter Rosenkranz steht, nämlich der Abschaum der Menschheit, unbelehrbare Nazis und Menschenfeinde. Leute, die an eine Ideologie glauben, die nichts als Leid, Krieg und Völkermord über die Welt gebracht hat. Leute, die aus gutem Grund das Tageslicht scheuen und sich in konspirativen Zirkeln bewegen, dumme Leute, gefährliche Leute.

Falls die Feuermauer hält, wird die Bundespräsidentenwahl auch für FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zum Waterloo, denn er wird durch seine Unterstützung für Rosenkranz sogar für politisch Desinteressierte in all seiner ideologischen Hässlichkeit kenntlich. Wenn die Menschen sehen, dass alle relevanten gesellschaftlichen Gruppen außer der FPÖ ganz klar „nein“ zu Rosenkranz sagen, dann werden sie sich möglicherweise auch von Strache und ähnlichen Extremisten abwenden.


Holy Shit

Wer gegen jede Vernunft immer noch meint, Papst Benedikt XVI habe die antisemitischen  Piusbrüder nur aus christlicher Nächstenliebe wieder in den Schoß von Mutter Kirche aufgenommen, der sollte sich diesen Artikel des Spiegel durchlesen, in dem nachgewiesen wird, dass der damalige Kardinal mit vollem Wissen die Veröffentlichung eines seiner Texte in der rechtsextremen Zeitschrift „Aula“ genehmigen ließ. Wie stolz die Braunen auf den prominenten Gastautor waren, kann man im entsprechenden Lindwurm-Beitrag nachlesen.

Catholic Girls

Gegen die Piusbruderschaft mitsamt ihren Holocaustleugnern wurde die Exkommunikation aufgehoben, gegen die Mutter eines neunjährigen brasilianischen Mädchens, das von seinem Stiefvater vergewaltigt wurde und es wagte, wegen der extremen Gefährdung seiner Gesundheit (das Kind wiegt 36 Kilo und war mit Zwillingen schwanger) abzutreiben, sowie gegen die abtreibenden Ärzte wurde sie verhängt.

Und jetzt bitte ich die Katholizismusverteidiger, die hier gerne mal reinposten, diese Vorgänge zu kommentieren!