Wer sich wehrt, ist verrückt?

Wie der „Standard“ berichtet, verklagt ein Asylbewerber die Republik Österreich und die Kärntner Krankenanstalten Betriebsgesellschaft. Der Mann wurde während eines Hungerstreiks von der Polizei in die Psychiatrie am Klinikum Klagenfurt eingeliefert und dort „fixiert“, also an Armen und Beinen festgebunden, und mit Drogen ruhig gestellt. Er behauptet, 24 Stunden gefesselt gewesen zu sein. Als er über Schmerzen geklagt habe, sei dies ignoriert worden, so seine Darstellung. Unstrittig ist, dass bei dem Mann anschließend eine massive Thrombose festgestellt wurde. Er ist nun teilweise invalid, muss Blutverdünner nehmen und klagt über Depressionen. Dazu eine kleine Punktation:

1. Ein Hungerstreik ist kein Symptom einer Geisteskrankheit, sondern eine politische Handlung. In Klagenfurt wurde also ein Mensch wegen seines politischen Protests gegen politische Verhältnisse in die Psychiatrie eingeliefert. Das widerspricht den Menschenrechten und ist eine Vorgehensweise, die man in Diktaturen oder semi-diktatorischen Regimes verorten möchte, nicht aber in einem demokratischen Rechtsstaat. Die Psychiatrierung politischer Anliegen hat in einer Demokratie nichts verloren. 

2. Die Darstellung des Klägers erscheint mir zumindest teilweise glaubwürdig. Ich habe schon von einigen Betroffenen gehört, dass in der Klagenfurter Psychiatrie (wie auch in anderen psychiatrischen Einrichtungen) körperliche Beschwerden von Patientinnen gerne ignoriert bzw als unglaubwürdige Äußerung von „Unzurechnungsfähigen“ abgetan werden.

3. Wie kommt es, dass Ärzte und Pflegerinnen in diesem Fall so bereitwillig das taten, was die Polizei von ihnen verlangte? Nämlich einen Menschen psychiatrisch behandeln, nur weil der gegen seine Abschiebung protestiert. Ist es ein Anzeichen einer psychischen Erkrankung, wenn jemand nicht dorthin zurück will, von wo er unter Lebensgefahr geflohen ist? Das erscheint mir nicht geisteskrank zu sein, sondern das genaue Gegenteil davon.

4. Der Sonderberichterstatter über Folter des UN-Hochkommissariats für Menschenrechte, Juan E Méndez, erklärte in der 22. Sitzung des “Human Rights Council” am 4. März 2013 Zwangsbehandlung in der Psychiatrie zu Folter, bzw. grausamer, unmenschlicher oder erniedrigender Behandlung. Er forderte, dass alle Staaten ein absolutes Verbot aller medizinischen nicht einvernehmlichen bzw. Zwangsbehandlungen verhängen sollten, einschließlich nicht-einvernehmlicher Psychochirurgie, Elektroschocks und Verabreichung bewusstseinsverändernder Drogen, sowohl in lang- wie kurzfristiger Anwendung. Laut der UN-Behindertenrechtskonvention darf eine Behinderung oder Erkrankung „in keinem Fall“ Freiheitsentzug rechtfertigen. Warum wird das in Österreich fast zur Gänze ignoriert?

5. Es geht hier nicht um die Frage, ob man Hungerstreikende sterben lassen soll oder nicht. Selbst wenn sich der Staat zu einem Einschreiten entschließt, gibt es andere Möglichkeiten als die Psychiatrierung samt Fixierung und Verabreichung von Drogen. Was in Klagenfurt passiert ist, läuft darauf hinaus, dass Menschen, die sich gegen politische Zustände wehren, für verrückt erklärt werden und man ihnen noch die letzten Menschenrecht aberkennt.

Schildbürgerbau Klinikum Klagenfurt

Das „Klinikum Klagenfurt“, das ehemalige Landeskrankenhaus, das in den Jahren 2006 bis 2009 neu erbaut wurde, ist für mich ein Beispiel für das, was im von Jörg Haider und den Freiheitlichen beherrschten Kärnten falsch gelaufen ist. Der Bau geht zielsicher am Patientenwohl vorbei, war sehr teuer, wirkt gleichzeitig angeberisch und hilflos undurchdacht und erinnert schon vier Jahre nach der Fertigstellung an das Pferd eines Rosstäuschers, von dem kurz nach dem Kauf langsam die Schminke abblättert. Das Gebäude hat nur zwei Stockwerke, dafür ist es lang und breit und sieht aus, als hätte man ein echtes Krankenhaus mit dem Schnitzelklopfer flach geprügelt. Überall auf der Welt baut man Krankenhäuser in die Höhe und in die Tiefe, was mehrere gute Gründe hat, unter anderem den der kurzen Wege. In Klagenfurt hat man auf die Erfahrungen aus aller Welt gepfiffen und trotzig im Bungalowstil gebaut. Dafür hat man sich dann auch gleich selber gefeiert und einander Preise verliehen. Schildbürgerlichkeit nennt man bei so einer Preisverleihung „innovativ“.

Betreten wir das Klinikum dort, wo es die meisten tun, nämlich vom Parkplatz aus, empfängt uns ein leerer Gang, der keinen Sinn und keine Funktion hat. 200 Meter latscht man durch diesen weiß-grauen Schlund, der sich die gesamte Breite des Gebäudes entlangzieht, als sei es der Eingang in die trostlose Unterwelt. Kein Farbklecks und kaum Grün stört den höchst deprimierenden Ersteindruck. Dann biegen wir scharf nach rechts. Nach weitern ca. 300 Metern erreichen wir die erste Rezeption mit Krankenhausangestellten, von wo aus wir dann wieder weitermarschieren müssen, bis wir jene Ambulanz oder jene Station finden, die unserer Wehwehchen behandeln kann. Überall ist alles gräulich weiß, nirgendwo Farbe, keine Gemälde, kleine Wandbemalungen, nix. Dafür allerorten Flachbildschirme, auf denen tonlos der Wetterkanal oder eine Seifenoper läuft. An Flachbildschirmen herrscht wahrlich kein Mangel, man könnte meinen, ein Elektrogeschäft hätte dringend einen Großauftrag nötig gehabt oder die Dinger sind irgendwo vom Laster gefallen, wie man in der Branche der Unschuldsvermuteten sagt. Haben wir endlich zur richtigen Abteilung gefunden, müssen wir warten. Weil Gemütlichkeit out ist, sitzen wir auf knallharten Plastiksitzbänken mit einem dünnen Stoffbezug, der um´s Verrecken nicht warm werden will, auch wenn man Stunden darauf verbringt. Ein Genuss für Kranke und Alte. Alles wirkt seltsam billig und filigran, man bekommt den Eindruck, das Gebäude und seine Einrichtung bestünden vor allem aus Kunststoff und Spanplatten. Falls wir nach der Untersuchung noch eine andere Abteilung aufsuchen müssen, geht der Wandertag weiter und wir durchqueren im Kunstlicht die vielen röhrenartigen Gänge. 95.000 flach ausgebreitete Quadratmeter wollen erst mal abgelaufen werden, da ist der tägliche Fitnessmarsch für die Patientinnen schon vorgegeben.

160 Millionen Euro wurden hier verbaut. Nachdem man sich im Gebäude umgesehen hat, denkt man an Süditalien und an Bauprojekte der Mafia, bei denen Zwei Drittel der Kosten in irgendwelchen schwarzen Kanälen verschwinden. Nicht, dass es konkrete Hinweise auf Malversationen beim Bau des Klinikums gäbe, nein, aber ich rede von Eindrücken, von Assoziationen und Bauchgefühlen, die natürlich auch völlig falsch sein können. Medizinisch gesehen scheint in Klagenfurt alles halbwegs okay zu sein, das drittgrößte Krankenhaus Österreichs ist in Sachen Heilerfolg kein schlechtes. Wenn da nur nicht dieser eigenartige Bau wäre, dieses Architektur gewordene „Fuck you, common sense“.

Stress im Mömax-Restaurant

Das Möbelhaus „Mömax“ schickte mir einen Gutschein, mit dem man entweder ein Wiener Schnitzel oder einen Fitness-Salat gratis haben konnte. Einzulösen in den Restaurants von Mömax. „Das ist aber nett“, dachte ich mir, und fuhr heute zur Filiale in der Klagenfurter Völkermarkter Straße. Da es 33 Grad im Schatten hatte, bestellte ich mir den Salatteller. An dem gab es nichts auszusetzen. Als ich zahlen wollte, machte die Kellnerin plötzlich Stress.

„Das geht leider nicht“.
„Was geht nicht?“
„Na sie hätten mir den Gutschein vorher zeigen müssen“.
„Auf dem Gutschein steht aber nirgends, dass der vor der Bestellung vorzuweisen sei“.
„Das ist aber so, außerdem hab ich das schon als normale Bestellung gebucht“.
„Na dann buchen sie´s zurück. Wird doch im Computerzeitalter keine Raketenwissenschaft sein“.
„Ich darf nicht“.
„Na dann holen sie bitte ihre Chefin“

Die Restaurant-Chefin kommt und beharrt darauf, dass der Salat voll zu bezahlen sei, da ich den Gutschein nicht vor der Bestellung vorgezeigt habe. Es entwickelt sich eine Diskussion, die ungefähr fünf Minuten, die sich anfühlen wie eine Stunde, dauert. Danach lässt sich die Restaurantleiterin endlich dazu herab, den Gutschein anzuerkennen. Ich mag sowas nicht. Ich mag nicht wegen 5.90 Euro rumstreiten und Alarm schlagen und streiten müssen. Das ist mir peinlich. Aber 1. habe ich nun mal wenig Geld und 2. geht es schon auch ums Prinzip. Nennt mich pingelig, aber wenn ich einen Gutschein für ein Gratisessen bekomme, dann will ich für dieses Essen auch nicht bezahlen müssen. Das Management von „Mömax“ möchte ich gerne fragen: Was erhofft ihr euch davon, den Angestellten aufzutragen, bei Gutscheineinlösungen bockig zu werden? Was wäre passiert, wenn ich den Gutschein vor der Bestellung vorgezeigt hätte? Wäre der Fitnessteller um zwei Tomatenscheiben und drei Gramm Blattsalat spärlicher ausgefallen? Bringt es das? Zahlt sich so eine Geschäftspolitik der Kleinlichkeit aus? Ist es euch egal, wenn Kunden sich verarscht vorkommen, nie wieder einen Fuß in eure Restaurants setzen und ihre negativen Erfahrungen öffentlich machen? Falls ihr das alles mit „ja“ beantwortet, dann möchte ich mich gerne um einen Job im höheren Management bei euch bewerben, denn Kunden mit unfreundlicher Unflexibilität verärgern und dazu noch die eigenen Angestellten wie ungute Deppen aussehen lassen, das kann ich auch, das ist ganz easy.

Drifting

Heute driftete ich ganz sanft durch Klagenfurt, durch die Spätherbstsonne, und alles schien leicht entrückt, als ob die ersten Wellen eines Acid-Trips über meinen Verstand rollen würden. Wunderschöne Studentinnen schwebten über den Asphalt, anders wunderschöne Frauen Ende 40 lachten in der Warteschlange vor der Supermarktkasse als wären sie Schulmädchen, und vor dem Supermarkt rasselten und ratterten die Dieselmotoren, die die Männer dieser Frauen gekauft hatten, weil diese Motoren so sparsam sind. Eine unausgesprochene, aber um so gültigere Übereinkunft schienen wir alle getroffen zu haben, dass wir immer noch Sommer hätten irgendwie nämlich, oder wieder Sommer nach den Nebeltagen im Klagenfurter Becken, in dem sich, wenn die Sonne nicht scheint, die Abgase der sparsamen Motoren sammeln und einem die Lunge schlimmer verkleben als 60 Zigaretten. Und ich glitt dahin und saugte Blicke und Ausblicke in mich auf, sah das gefallene Laub im Lendkanal treiben wie Tränen eines traurigen Baumriesen, der den Winter kommen spürt und sich zum Sterben bereit macht nicht wissend, ob sein fester Körper beim Wiedererwachen im Frühling von seiner oder einer ganz anderen Seele bewohnt werden würde. Ein Freund ruft an. Er hat schon seit Jahren nur mehr zwei Zähne im Mund und erzählt mir etwas vom Unglück der Reichen, die als Kinder nicht willkommen geheißen wurden auf dieser Welt und die daher unglücklich sein werden trotz ihres Reichtums, und ich muss daran denken, dass die vielleicht nicht glücklich, aber doch gut bezahnt sind, diese Reichen, während sich meine Zähne einer nach dem anderen verabschieden als wollten sie die Zusammenarbeit mit meinem Körper aufkündigen. Aber sie, die Zähne, machen das nicht schnell, sie nehmen sich Zeit, und das ist okay, noch könnte ich Steak fressen, wenn ich es mir leisten könnte. 600 Euro würde es kosten, den Zahn, der gegangen ist, zu ersetzen, eine unfassbar hohe Summe für mich, unbezahlbar, aber ich denke nicht an die Zeiten, in denen ich mir Lautsprecherboxen gekauft habe, die pro Stück mehr als doppelt so viel gekostet hatten wie so ein  Zahn, denn das war in einem anderen Leben,  in einem Leben, in dem ich noch glaubte, es würde so etwas wie eine Zukunft existieren und nicht nur das Interesse an Kochrezepten, die aus den billigsten Zutaten etwas Essbares machen können.

Ich gleite weiter durch die sonnige Stadt, doch die Sonne geht schon sehr rasch unter Ende Oktober, und wenn die untergeht, saugt sie die Menschen von den Straßen. Klagenfurt ist ohnehin eine Stadt, in der man sich oft fragt, wo denn all die Bewohner sein mögen, denn hier geht man nicht gerne ins Offene, hier ist man lieber in seiner Wohnung, in Sicherheit, geschützt durch Mauern, weil dort draußen im Freien, da ist man ungeschützt vor den Blicken der Nachbarn und es gibt nichts Wichtigeres als das, von dem man meint, die Nachbarn würden es über einen denken. Hier ist jeder sein eigener Blockwart und prüft ständig nach, ob er oder sie auch ja nicht auffällt, den auffallen dürfen nur die, die dafür bezahlen können. Wie seltsam diese Stadt doch ist! Wie winterlich, wie tot!

Schatten und Licht bei der FPK

Die österreichischen Freiheitlichen sind inhaltlich und personell nur schwer auszuhalten. Von der burschenschaftlichen Oma-Aussacklerbande, die die Partei beherrscht und die immer wieder an den äußerten rechten Rand anstreift, will ich gar nicht erst anfangen, es reicht schon ein Blick auf die FPK (Freiheitliche in Kärnten). Da fordert der FP-Schulreferent schon mal die Wiedereinführung der Prügelstrafe in den Schulen, und die blaue  Landesregierungsriege gefällt sich darin, primitiv und niveaulos wie ein Halbstarkenmob auf weibliche Regierungsmitglieder loszugehen. Aber nicht alle FPÖler sind so. Es gibt tatsächlich auch welche, über die man was Positives schreiben kann.

Den Christian Scheider zum Beispiel, Bürgermeister von Klagenfurt. Der ist zwar auch kein großer Intellektueller, aber er scheint mir ein anständiger Kerl zu sein, der mit dem braunen Rand der Partei nichts zu tun haben will. Er setzt sich, und das ist für einen Freiheitlichen in der Tat ungewöhnlich, aktiv für die Auseinandersetzung mit den Verbrechen der Nationalsozialisten ein und hat das Anbringen von „Stolpersteinen“, die an die ermordeten und vertriebenen Klagenfurter Jüdinnen und Juden erinnern, nicht nur geduldet, sondern, soweit ich informiert bin, zu einem persönlichen Anliegen gemacht. Außerdem hat er die Restaurierung des Israelitischen Friedhofs vorangetrieben.  Scheider dürfte tatsächlich dazugelernt haben. Vor 20 Jahren noch, als ihn Jörg Haider vom Tennisplatz in die Politik geholt hatte, wollte er auf die einfache Frage, wer denn den Zweiten Weltkrieg begonnen habe, keine Antwort geben und stotterte: „Dazu gibt es unterschiedliche Meinungen“. Damit, so denke ich, hat er damals aber nur wiedergegeben, was er bei Haiders rechter Entourage aufgeschnappt hatte, denn dass in diesen Kreisen gerne dem Revisionismus und schlimmeren das Wort geredet wird, wenn man sich unbelauscht wähnt, ist kein Geheimnis. Doch Scheider hat offensichtlich dazugelernt. Ein echter „Rechter“ im FP-Sinne war der ja nie, eher unpolitisch und, wie so viele andere politikferne junge Leute, von Jörg Haider bezaubert. Dass er sich im Laufe der Jahre dann weder dem blauen Abzocker- und Selbstbereicherungsflügel um Grasser, Rumpold und Maischberger, noch den rechtsextremen Narbengesichtern der Burschenschafterzirkel angeschlossen hat, spricht für eine gewisse menschliche Größe, vielleicht auch eine charakterliche Reifung, die man anerkennen muss. Ich habe bislang auch noch nicht gehört, dass Scheider gegen politische Mitbewerber oder ideologisch missliebige Vereine und Initiativen so unfair und brutal vorgeht, wie es seine Parteikollegen auf Landesebene allzu oft tun. Sicher, Scheiders extreme Volkstümlichkeit, die sich unter anderem dadurch ausdrückt, dass er in Bierzelten Schlager trällert, kann man peinlich finden, aber in Wahrheit ist das natürlich recht klug von ihm, und man wird es einem Politiker nicht zum Vorwurf machen können, die Nähe des Volks zu suchen. Dass der Scheider nie wieder etwas Dummes oder Gefährliches sagen oder tun wird, dafür lege ich meine Hand natürlich nichts ins Feuer, aber wenn die FPÖ/FPK aus lauter Leuten wie ihm bestehen würde, hätte ich mit dieser Partei wesentlich weniger Probleme.

Die Post geht ab

Heute wollte ich etwas faxen. Leider besitze ich kein Faxgerät. Ich habe das mit dem papierlosen Büro nämlich ernst genommen. Also nichts wie hin zur Post. Pas Problem: Die Postfiliale in der Nähe der Klagenfurter Luegerstraße ist geschlossen worden. „Macht nix“, dachte ich mir, „gehst du halt zur Filiale in der Universitätsstraße“. Dort das gleiche traurige Bild: „Wir sind übersiedelt“. Ach ja, und wohin? „In den Lakesidepark“. Der Lakesidepark, liebe Nicht-Klagenfurterinnen, ist eine Ansammlung von Bürobauten auf der grünen Wiese zwischen Universität und Wörthersee. Schön weit weg von den Wohngebieten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar. Ich fuhr mit dem Auto hin, doch faxen durfte ich dort nicht, denn: „Tut uns leid, wir sind nur ein Post-Partner, bei uns können sie nichts faxen“. Ich musste schließlich zur Hauptpost im Stadtzentrum gondeln, um das verdammte Fax abschicken zu können. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz ganz herzlich bei ÖVP und FPÖ dafür bedanken, dass sie die Post auf ihre ganz eigentümliche Weise privatisiert und dafür gesorgt haben, dass es nicht einmal mehr in einem großen Klagenfurter Bezirk ein Postamt, das den Namen auch verdient, gibt. Das, liebe Schwarze und Freiheitliche, war ein weiteres Meisterstück eurer an Meisterstücken nicht armen Regierungszeit, so meisterhaft, dass sich heute die Gerichte und Untersuchungsausschüsse damit befassen.

Hygienenotstand am Benediktinermarkt und andere Widrigkeiten

Liebe Mitarbeiterinnen und Inhaber/innen der Fleischerei und Imbissbude „Stromberger“ am Klagenfurter Benediktinerplatz: Eure Braten sind köstlich, eure Rindsuppen kräftig und eure Suppeneinlagen ein Gedicht. Trotzdem würde ich bei euch niemals etwas essen. Warum? Nun, ich war heute bei euch im Geschäft und habe ein bisserl zugeschaut, wie ihr mit Lebensmitteln und Hygiene umgeht, und mir verging rasch der Appetit. Da kassierte eine Verkäuferin Geld, um gleich anschließend Semmeln und Teller anzufassen. Eine andere Kollegin hantierte mit Münzen und schaufelte dann mit bloßer Hand Frittaten in eine Suppe. Mehr brauche ich gar nicht zu sehen. Habt ihr schon mal davon gehört, dass sich auf Geldscheinen und Münzen Bakterien und Keime tummeln? Und zwar nicht wenige? Genau genommen ist Geld genauso dreckig wie der Türgriff einer öffentlichen Toilette. Besonders eigenartig fand ich, dass eine Kollegin, die gerade einen Schweinsbraten zerteilte, Handschuhe trug, während die von ihr zerlegten Bratenteile von einer anderen Bedienerin dann wieder mit der bloßen Hand angefasst wurden. Was soll denn das bitte? Das ist ein bisschen so, wie wenn ich ins Puff gehen und es dort einmal mit, einmal ohne Kondom treiben würde, also sinnlos und rein symbolisch. Wer seine Abwehrkräfte trainieren will, ist bei „Stromberger“ genau richtig. Wessen Immunsystem angegriffen ist, sollte einen Bogen um den Laden machen. Zumindest so lange, bis sich dort herumgesprochen hat, was das für eine praktische und gar nicht mal so schwer anwendbare Sache ist, diese Hygiene. Den anderen Kunden schienen die beklagenswerten Sauberkeitsstandards übrigens völlig egal zu sein, aber man darf nicht vergessen: Wir sind in Kärnten, und hier gilt es als unschick, Missstände zu kritisieren. Der Kärntner an sich ist ja überhaupt ein untertäniger Mensch, der sich auch gerne mit Dacia-Taxis kutschieren lässt und dabei ohne zu klagen denselben Preis wie für einen Mercedes bezahlt…

Und du, blondierte Mittvierzigerin in deinem Audi heute auf dem Klagenfurter Südring: Wer hat dir ins Hirn geschissen? Ohne Freisprechanlage telefonieren, gleichzeitig rauchen und dazu noch mit Handschaltung fahren, das ist schon ein bisserl sehr fetzendeppert. Entsprechend schlangenlinienförmig auch die Bahn, die du über zwei Spuren gezogen hast, ohne dem Verkehr vor und hinter dir auch nur einen Lidschlag an Aufmerksamkeit zu widmen. Ja, ich weiß, du bist sicher eine ganz Wichtige, die keine Zeit hat für Kinkerlitzchen wie rechts ran fahren, wenn das Telefon läutet, denn der Anruf konnte mit Sicherheit nicht warten. Und Freisprechanlagen sind ja deiner Ansicht nach für Schattenparker. Worum ging´s denn? Termin im Beautysalon fixieren? Eine Angestellte zusammenscheißen? Den verheirateten Lover überzeugen, doch endlich seine Frau zu verlassen? Ich weiß es nicht, aber wie du da mit der einen Hand telefoniert, mit der anderen geraucht und mit den Ellenbogen gelenkt hast, das war durchaus sehenswert. Doof, unsympathisch, riskant, rücksichtslos, sicher, aber auch faszinierend, wie ein aus einem Verkehrserziehungsfilm entsprungenes abschreckendes Beispiel. Warst du auch noch besoffen? Das hätte die Sache nämlich perfekt gemacht.

So nicht, sagt der Hausverstand

Heute wollte ich beim Billa in der Klagenfurter Koschatstraße ein paar Semmeln und ein bisschen Wurst einkaufen. Ich wartete also, als einziger Kunde übrigens, vor der Feinkostabteilung darauf, bedient zu werden. Doch der Mann hinter der Theke schien mich nicht wahrzunehmen, obwohl er mich eindeutig gesehen hatte. In aller Ruhe schaufelte er Brötchen in den Backofen. Kein „Guten Tag“, kein „Moment bitte, ich bin gleich bei Ihnen“. Nix. „Okay“, dachte ich mir, „der Kollege ist im Brötchenofennachfüllstress, da kann man schon mal auf den Kunden vergessen“. Doch dann ging er seelenruhig hinüber zur Fleischabteilung und fing an, eine Salami aufzuschneiden. Ohne mich auch nur anzusehen. Verblüfft ließ ich mein Semmel- und Wurstvorhaben fallen und schob das Einkaufswagerl in Richtung Kasse. Dort berichtete ich der Kassiererin von der eigenartigen Auffassung von Kundenfreundlichkeit, die ich gerade erlebt hatte. Die junge Frau sah mich mit großen Augen an und zuckte mit den Achseln. Ich ließ das Wagerl stehen und ging.

Liebe Billa-Mitarbeiterinnen und -mitarbeiter: Ich weiß, dass man euch schlecht bezahlt. Ich weiß, dass das Betriebsklima  bei euch nicht das beste ist. Ich verlange nicht, dass ihr vor mir buckelt und den Diener macht. Ich will bloß ein Mindestmaß an Freundlichkeit und Respekt.

Liebes Billa-Management: Behandelt und bezahlt ihr eure Mitarbeiter so schlecht, dass die ihren Frust an den Kunden weitergeben? Oder bringt ihr den Kolleginnen und Kollegen gar nicht mehr bei, was Service ist? Weil das Zeit kostet und Zeit angeblich Geld ist? Schon mal davon gehört, dass verärgerte Kunden auch zur Konkurrenz gehen können? Oder mangelt es euch einfach nur an jenem „Hausverstand“, mit dem ihr sonst so gerne Werbung macht?

Entmündigt Klagenfurts Politiker!

Klagenfurts Stadtpolitiker gehören gemeinschaftlich entmündigt. Das mag sich hart anhören, aber Privatpersonen, die so mit ihrem Geld umgehen, wie es Klagenfurts politische Kaste mit den Steuergeldern macht, bekommen üblicherweise einen Sachwalter zur Seite gestellt. Die Stadt ist mit gut 90 Millionen Euro in den Roten Zahlen, woran nicht zuletzt das Megadebakel um das völlig überdimensionierte und höchst defizitäre Fußballstadion schuld ist. Aber wie das debile Kind, das mit Freuden erneut auf die Herdplatte greift, nachdem es sich bereits eine Hand verbrannt hat, planen die Rathauspleitegeier bereits die nächsten Wahnsinnsprojekte. So soll das Hallenbad nicht etwa saniert, sondern abgerissen und in Wörtherseenähe neu gebaut werden. Kosten: Von 30 Millionen Euro aufwärts. Man will also das Bad, das sich bislang mitten in der Stadt befand und daher von jedermann leicht zu erreichen gewesen war, an den äußersten Rand von Klagenfurt verlegen. Weil das angeblich die Touristen freuen würde. Die aber sind im Sommer nicht am Indoorbaden interessiert und gehen im Winter lieber in eine Therme. Es ist also absehbar, dass sich das Projekt zu einer weiteren dauerhaften Geldvernichtungsaktion auswachsen wird. Aber manche Politiker glauben fest daran, irgendwann einen Goldesel fangen zu können, der ihre hochfliegenden Pläne finanzieren wird. Wie sonst ist das Ansinnen von Klagenfurts SPÖ-Chefin Mathiaschitz zu erklären, das Konzerthaus abzureißen und dieses am Standort des alten Hallenbads neu und größer zu bauen? Renovieren? Nix da, ein Neubau muss her, koste der was er wolle. Das grenzt schon an Wahnsinn. Grundsätzlich wäre ja nichts gegen vielerlei Bautätigkeit einzuwenden, wenn Klagenfurt nicht pleite und wenn das Land Kärnten nicht ebenso konkursreif wäre.