Meze 99 Neo: Black Beauty

Nachdem mir der Kopfhörer „99 Classics“ der rumänischen Firma Meze Audio sehr gut gefallen hat, waren die Jungs in Baia Mare so nett, mir den „99 Neo“ für eine Besprechung zu schicken. Der 99 Neo, ausgepreist um 249 Euro, ist der neuere Kopfhörer, aber er soll kein Nachfolger des „Classics“ (309 Euro) sein, sondern, falls ich die Produktpolitik von Meze richtig verstanden habe, eine Ergänzung bzw eine Alternative. Er teilt sich mit den „Classics“ die Treiber, hat aber statt Ohrmuscheln aus Holz welche aus Kunststoff. Die Überraschung vorweg: Er klingt deutlich anders als sein teurerer Bruder. Besser? Schlechter? Oder halt nur anders? Schauen wir mal!

Lieferumfang, Haptik, Qualität

Wie bei allen Audiogeräten habe ich dem 99 Neo ein paar Wochen zum Einspielen gegeben, da ein Review frisch aus der Box nicht fair wäre. Apropos Box: Die Schachtel, in der der Neo kommt, ist gleich hübsch wie die des Classics, und auch das darin enthaltene Hardcase ist auf demselben Niveau. Nach dem Auspacken fällt mir aber eines negativ auf: Dem Neo wird nur ein Kabel beigelegt. Sind beim Classics ein kurzes Kabel mit Steuerungsfunktion fürs Smartphone und ein langes für den Betrieb an der Anlage zuhause dabei, so hat der Neo nur mehr das kurze Kabel für den mobilen Einsatz. Das ist kein Beinbruch, da der Neo ja vor allem für unterwegs gedacht ist, aber ich trage trotzdem ein kleines Minus in Mezes Mitteilungsbuch ein. Ein Minus in Betragen! Ein entsprechendes Kabel kann man für 20 Euro bei Meze nachbestellen. Oder man kauft eines von einem Drittanbieter, wobei man da aufpassen muss, denn wegen der Form der Ohrmuscheln dürften dickere Klinken nicht ganz reinpassen.

Genug gemeckert. Der Hörer selbst sieht sehr gut aus, besser als fast die gesamte Konkurrenz, und fühlt sich auch gut und hochwertig an. Design und Qualität, das können sie bei Meze Audio. Ist der 99 Classics optisch mehr der Opernbesucher und Fünf-Sterne-Restaurant-Gast, so wirkt der Neo mit seinem Schwarz-Chrom-Look eher wie ein Kunststudent im Jazzclub. Je nach Geschmack kann man entweder den einen oder den anderen Look besser finden oder beide gleich gut. Mir persönlich gefallen beide. Ich mag das Bling des 99 Classics und ich mag das elegante Understatement des 99 Neo. Auffallen wird man mit beiden, denn obwohl der Neo etwas weniger flasht, ist er doch anders genug als der Mainstream, um zu sagen: „Guckt mal, ich bin Individualist!“

Neutrality, baby

Und nun zum interessanten Teil: Wie klingt der 99 Neo? Und ist er hörbar anders als der 99 Classics? Nun, er klingt gut und er ist anders. Überraschend anders. Ich hatte mir erwartet, dass die beiden Kopfhörer einander sehr ähnlich sein würden, und in ihrer Grundabstimmung sind sie das auch, aber im Detail sind das doch zwei ziemlich verschiedene Hörer. Was beim 99 Neo sofort auffällt und sich nach längerer Einspielzeit noch verstärkt: Er hat eine deutlich breitere Bühne, stärkere Höhen und insgesamt eine mehr in Richtung Neutralität tendierende Klangcharakteristik. Der Bass ist stark und massiv wie beim 99 Classics und geht ebenso tief in den Keller, aber dank der betonten Höhen und einer leichten Zurücknahme bei den Mitten klingt er gleichmäßiger. Er ist freilich kein Studiokopfhörer – Gott sei Dank! Er macht Spaß und hat eine ganz eigene Soundsignatur, aber er ist ein bisschen „kälter“ oder „flacher“ als der Classics. Ich finde das toll, aber andere könnten den wärmeren Sound des Classics bevorzugen. Am besten, man holt sich beide und vergleicht dann intensiv.

Ich rede hier nicht von Frequenzkurven und anderem Ingenieurszeug, sondern von den Eindrücken, die ich als kleiner unbedeutender Hi-Fi-Fan mit 30 Jahren Erfahrung auf dem Gebiet habe. Für MICH klingt der Neo ein bisschen weiter in Richtung Audiophilie getrimmt, ein bisserl weniger als Spaßhörer abgestimmt – was wiederum Leuten wie mir großen Spaß macht. Ihr seht (und hört hoffentlich): Hi-Fi ist subjektiv. Viele Reviewer haben zum Beispiel geschrieben, der 99 Neo habe eine stärkere Bassbetonung als der Classics und der Classics reiche weiter in die Höhen. Ich höre es genau umgekehrt. Der Classics ist ein bisschen basslastiger und „spaßiger“ und der Neo ist transparenter.

I’m going mobile

Dass der Meze 99 Neo vor allem für den mobielen Einsatz gedacht ist, merkt man am Widerstand, der mit 25 Ohm noch mal niedriger ist als beim Classics (32 Ohm). Das heißt, dass der Neo noch leichter an Smartphones zu betreiben ist und mehr Lärm macht. Ein eigener Kopfhörerverstärker kann zwar nicht schaden, ist aber bei diesen Ohm-Zahlen nicht nötig. Ich habe den Neo am Handy, am PC und an meiner Anlage getestet, und schon am Smartphone klingt er voll und sehr laut. Natürlich klingt er an einem System mit einem echten Kopfhörerverstärker noch mal besser, aber das tut jeder andere Kopfhörer dieser Welt auch. Und der Qualitätsgewinn ist zwar hörbar, aber nicht unbedingt den Aufpreis und das zusätzliche Gepäck eines eigenen Smartphone-Kopfhörerverstärkers wert. Der Meze macht das schon, da braucht niemand viel Kohle für Zusatzgeräte ausgeben.

Ein Tipp: Wer viele Computerspiele spielt oder Filme guckt, sollte eher zum Neo als zum Classic greifen, denn die Bühne und Ortbarkeit sind auf dem Neo größer und besser. Wer eher mit sanftem Jazz entspannen möchte, ist mit dem insgesamt etwas harmonischer wirkenden Classics besser bedient.

Hörbeispiele

Bruce Springsteen: „Meeting across the River“ (CD). Wir sind in Harlem und es hat 45 Grad im Schatten. Randy Becker sitzt zwei Stockwerke tiefer auf einem Balkon und spielt Trompete. Roy Bittan spielt in unserem Zimmer Klavier. Becker hört das Klavier und jammt mit Bittan. Garry W. Tallents Bass steigt ein und Bruce Springsteen fängt an zu singen. Das alles wirkt sehr realistisch und physisch, eine Sternstunde für den 99 Neo. Die ganze „Born to run“-Platte kommt super rüber. Der Meze ist bei Springsteens Wall of Sound richtig zuhause.

Fleetwood Mac: „Woman of 1000 Years“ (Tidal Streaming, MQA). Meine Güte, ist das schön! Der 99 Neo bringt den Teppich an akustischen Gitarren so flockig-schwebend rüber, wie es gedacht ist und Danny Kirwans Stimme wirkt so verletzlich und geisterhaft, wie ich sie sonst nur auf sehr guten Standboxen gehört habe. Die Percussion ist super deutlich und klar zu hören und John McVies Bass arbeitet schön getrennt im Untergrund, ohne die Mitten zu zermatschen. Hervorragend!

Ryan Adams: „New York, New York“. Adams Versuch, die Doobie Brothers zu channeln, funktioniert auch mit dem 99 Neo als Wiedergabegerät bestens. Ein schöner, voller Sound, aus dem man doch die einzelnen Komponenten heraushören kann. Ich muss andauernd die Augen schließen, da die Musik mich einfach „übernimmt“. Toll. So muss das sein.

Wilco: „Misunderstood“ (Vinyl). Das Feeback-Intro wirkt hübsch dreckig und „live“. Das Piano hat den in diesem Song gewollten „Mono-Aufnahme-von-1965“-Charakter. Die Gitarren, akustische wie elektrische, wirken lebhaft und glaubwürdig. Ich bin völlig zufrieden.

Pro: Toller geschlossener Kopfhörer mit unverwechselbarem Design und hoher Materialqualität. Es ist schwer, um den Preis von 249 Euro einen besseren zu finden.

Contra: Nur ein Kabel beigelegt.

Fazit: Meze Audio bietet nach dem 99 Classics mit dem 99 Neo erneut einen tollen Kopfhörer zu einem angemessenen Preis an. Der Neo ist ein bisschen neutaler als der Classics und damit vor allem für Multimedia-Konsumenten vielleicht die bessere Wahl als der Classics, der eher für reine Musik-Fans gedacht ist. Jedenfalls erneut ein tolles Produkt aus Rumänien, das man als Fan guter Tonwiedergabe auf dem Radar haben sollte. Meze geht in die richtige Richtung.

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Entzaubert: 10 Hi-Fi-Mythen

Hi-Fi bzw. Audiophilie ist sauteuer und ein Hobby von Millionären, oder?

Gewiss, nach oben hin sind kaum Grenzen gesetzt und es gibt Leute, die betreiben Anlagen um 100.000 Euro und mehr. Aber der Einsteig in die Welt des guten Klangs ist auch mit nicht ganz so prall gefüllten Brieftaschen möglich – wenn man in etwa weiß, worauf es ankommt und was man braucht. Ein ordentliches Stereosystem für kleinere Räume kann man sich bereits für deutlich unter 500 Euro zusammenstellen.

Beispiel: Stereo-Verstärker Yamaha RS202DBL (209 Euro) oder Pioneer SX-20-K (195 Euro) oder Sony STRDG130 (145 Euro). Dazu Boxen wie Nubert nuBox313 (320 Euro pro Paar) oder Elac Debut B5 (318 Euro pro Paar) oder Teufel UltimaMK2 (249 Euro pro Paar). Bei allen diesen Kombis bleibt noch Geld für gescheite Kabel übrig und man kommt mit weniger als 500 Euro zu einer guten Einsteigeranlage. Das sind nur Anregungen, es gibt natürlich noch jede Menge andere Hersteller von Verstärkern und Boxen, die preisgünstige, aber dennoch gute Ware anbieten.

So ein kleines aber feines Stereo-System ist der ideale Einstieg in höhere Klangsphären und dazu noch optisch sehr dezent. Legt man ein paar Hunderter drauf, kann man mit etwas höherwertigen Verstärkern und, falls man Platz hat, Standboxen statt Regallautsprechern durchaus schon unter 1.000 Euro ein System zusammenstellen, das nicht nur die Wände zum Wackeln und die Nachbarn zum Ausflippen bringt, sondern auch noch richtig fein klingt.

Teurer ist immer besser

Unsinn! Natürlich wird eine 20.000-Euro-Box mit entsprechendem Verstärker beeindruckender klingen als ein Einsteigerset um 500 Euro, aber: Nicht immer und vor allem nicht in jedem Raum. Je teurer das Gerät, desto schwieriger wird in der Regel auch dessen ideale Platzierung im Raum und die richtige Befeuerung mit Wattzahlen. In kleineren Zimmern kann es durchaus sein, dass eine 500-Euro-Box natürlicher und runder klingt als ein Speaker um 10.000 Eier. Und bei allen Hi-Fi-Geräten gilt die goldene Regel: Der Unterschied zwischen Billigst-Crap um 50 Euro und einem ordentlichen Setup um 500 Euro ist gigantisch, der Unterschied zwischen einer Ausrüstung um 4.000 Euro und einer um 40.000 aber nur mehr in Nuancen wahrnehmbar. Der große Qualitätssprung findet bei Boxen in der Regel ab 200 Euro (Regallautsprecher) bzw 500 Euro (Standboxen) statt. Ab da ist man sozusagen im Hi-Fi-Bereich. Hinauf bis etwa 5.000 Euro können dann selbst ungeübte Ohren noch Fortschritte heraushören. Aber ab dann wird es esoterisch und die Unterschiede sind zwar vorhanden, aber oftmals so subtil, dass man schon Toningenieur sein muss, um sie herauszuhören. Das Gleiche gilt für Kopfhörer. Ein 200-Euro-Kopfhörer ist meistens wirklich zehn Mal besser als einer um 20 Euro. Ein 2.000-Euro-Kopfhörer ist aber nur sehr selten zehn Mal besser als einer um 200.

Stereo-Verstärker sind immer besser als AV-Receiver

Nein, sind sie nicht. Wer nicht nur Stereo hören will, sondern manchmal auch einen Film mit Surroundsound, ist mit AV-Receivern gut bedient. Schon ab der Mittelklasse (400 bis 800 Euro) überzeugen die meisten modernen Heimkino-Verstärker auch mit einer passablen bis sehr guten Stereodarstellung. Ein von Audiophilen verpönter, aber dennoch valider Punkt ist, dass viele AV-Receiver heutzutage mit sehr guten automatischen Einmesssystemen daherkommen. Die können in akustisch schwierigen Räumen – und die meisten unserer Wohnzimmer sind solche – selbst aus hochpreisigen Boxen oftmals eine bessere Abstimmung herauskitzeln als es ein Mensch könnte. Ich selbst habe meine Boxen mittels eines solchen Einmesssystems kalibrieren lassen und habe danach manuelle Nachbesserungen durchgeführt. Das Ergebnis ist viel besser als alles, was ich zuvor mit einem reinen Stereo-Verstärker ohne Messsystem erreicht habe. Wirklich überlegen sind Stereo-Verstärker meist nur dann, wenn sie einerseits echt gut und ergo auch recht teuer sind oder wenn man einen akustisch optimierten Raum für seine Anlage hat.

Analog ist besser als Digital?

Nicht wirklich. Der schlechte Ruf, den digitale Formate und Komponenten in Audiophilen-Kreisen haben, liegt vor allem am unseligen MP3-Komprimierungsverfahren und an schlecht remasterten CDs. Ein bisschen Geschichte: Als Anfang bis Mitte der 80er Jahre die ersten CDs auf den Markt kamen, klangen viele davon sehr gut und oft sogar besser als Vinyl-LPs. Das lag daran, dass die Studios Referenz-Produkte liefern wollten, die die Sample-Rate der CD voll nützten. Diese frühen Referenz-CDs, beispielsweise „Highway 61 Revisited“ von Bob Dylan, glänzten mit hoher Dynamik und lebendigem Sound. Sehr bald aber wurden die Plattenlabels nachlässig und gierig, was zur Folge hatte, dass man oftmals nicht mal mehr die originalen Master-Tapes heranzog, um Platten auf CD zu veröffentlichen. Dies führte zu flach und langweilig klingenden CDs und dazu, dass so mancher, der von Vinyl auf CD umgestiegen war, diesen Umstieg bald bereute.

Das Internet und neue mobile Musik-Abspielgeräte sorgten dann für eine Nachfrage nach kompakten Dateiformaten. Da kam MP3 ins Spiel, eine Kompressionstechnik, die einfach jene Teile der Musik, die das menschliche Ohr laut Messungen nicht wahrnehmen kann, weghobelte und so handliche kleine Files zur Verfügung stellte, die man zu Hunderten auf USB-Sticks speichern konnte und die auch bei einer schlechten Internetverbindung gut gestreamt werden konnten. Unter Ausnützung der höchsten Sample-Rate von 320kbps kam auch ein halbwegs annehmbarer Klang zustande, aber wer gute Boxen oder Kopfhörer hatte merkte, dass da irgendwas nicht so recht stimmte. Irgendwas fehlte einfach, selbst wenn es das Ohr angeblich nicht hören konnte. Und es war mehr als nur Einbildung. In Japan führte man zum Beispiel aufwändige Studien durch, bei denen die Probanden über längere Zeiträume teils MP3s, teils verlustfreie Soundformate vorgespielt bekamen. Zwar konnten die menschlichen Versuchskaninchen den Unterschied nicht immer erkennen, aber Messungen von Körperfunktionen wie Blutdruck und Hirnströmen ergaben, dass diejenigen, die verlustfreie Musik hörten, entspannter waren als die MP3-Konsumentinnen.

Bis vor wenigen Monaten hatten Hi-Hi-Enthusiasten, die MP3 aus dem Weg gehen wollten, nur die Wahl zwischen Vinyl und anderen analogen Formaten wie Reel-to-Reel oder halt CDs. Streamingdienste wie iTunes, Amazon Music und Spotify, die zweifelos die Zukunft des Musikhörens sind, boten und bieten teilweise immer noch nur MP3-Qualität an. Bis Anbieter wie Tidal und Qobuz auf den Plan traten und immerhin CD-Auflösung streamten. Doch dann ereignete sich eine technische Revolution, die alles ändern könnte und meiner Meinung nach auch alles ändern wird: MQA trat auf den Plan. Das von britischen Tontüftlern erfundene System ist kein weiteres Format wie MP3 oder Flac, sondern eine Codierung von Tonsignalen, die zusammen mit völlig neuen Kompressionsverfahren dafür sorgt, dass die höchste Tonqualität, die überhaupt möglich ist, sozusagen „zusammengefaltet“ gestreamt wird und sich am Endgerät wieder „entfaltet“. Tidal und Qobuz bieten das Verfahren für immer mehr ihrer Titel an und es klingt, verdammt noch mal, fantastisch! Es ist, als ob analoge und digitale Verfahren geheiratet und ein wunderschönes Kind gezeugt hätten, das die besten Eigenschaften seiner Eltern geerbt hat. Es klingt in meinen Ohren sogar besser als Vinyl. Und das Beste: Man braucht sich gar nicht neue Verstärker oder andere Dekodierungsgeräte zu kaufen. Apps wie Tidal oder Qobuz erledigen das alles und senden an den Verstärker, falls dieser mit High-Res-Material umgehen kann, über HDMI das fertige Signal. Des langen Geschwafels kurzer Sinn: Digital ist nicht schlechter als analog, sondern im Gegenteil seit MQA sogar besser.

Extrem teure Kabel sind ein gute Investition

In einschlägigen Foren, in denen sich Audiophile herumtreiben, liest man immer wieder, dass Kopfhörer „XY“ oder Box „ZY“ seit der Verwendung eines Kabels, dass bei Vollmond von Audio-Druiden in einem magischen Ritual mit reinem Platingoldsilber überzogen wurde, viel besser klingen als zuvor mit dem hundsordinären Stock-Kabel. Deswegen sei es nur gut und billig, dass dieses Kabel 1.000 Euro kostet statt 10. Das… ist… Blödsinn! Kabel, die nicht totaler Dreck sind, leiten alle in etwa gleich gut. Nur von Billigst-Kabeln, die schon auseinander fallen, wenn man sie schief anschaut, sollte man die Finger lassen. Ansonsten ist man mit den Kabeln, die zB Kopfhörerhersteller mitliefern, fast immer bestens bedient und auch bei Lautsprecherkabeln oder HDMI-Kabeln genügt fast immer das Zeug, das in jedem Elektronik-Geschäft geführt wird. Kabel, die hunderte oder gar tausende Euro kosten, sind reines Blendwerk und genau genommen fast schon Betrug.

Mehrkanal-Musik ist des Teufels, nur Stereo ist gut

Viele Hi-Fi-Freaks und Audiophile werden euch sagen, dass alles außer Stereo in puncto Musik ein Frevel sei, der in besseren Zeiten mit der Verbrennung der Ketzer auf dem Scheiterhaufen bestraft worden wäre. Abgesehen davon, dass wir hoffentlich nie wieder Scheiterhaufen brennen sehen werden: Das ist eine unzulässige Verallgemeinerung, die oft damit zusammenhängt, dass Audiophile sich schweineteure Zweikanal-System bauen und dann alles, was anders ist, heruntermachen. In der Realität gibt es sehr wohl einige Multichannel-Alben, die nicht nur Spaß machen, sondern auch Sinn ergeben. Die 5.1-SACD-Abmischung des Genesis-Klassikers „The Lamb lies down on Broadway“ bietet zum Beispiel einen echten Zugewinn an Tiefe, der die Platte in einem neuen Licht erscheinen lässt. Die Bluray-Version von Pink Floyds „Dark Side of the Moon“ ist ebenfalls wunderschön und macht das Werk nicht zunichte, sondern erweitert es einfach um eine neue akustische Dimension. Sehr schön sind die Mehrkanal-Remixes, die der Musiker Steven Wilson (Porcupine Tree) aus alten Alben von Jethro Tull, Caravan oder Yes fertigt. Und auch Wilsons eigenes Werk klingt auf 5.1 bzw 4.0 faszinierend. Voraussetzung, das richtig schätzen zu können, sind freilich mindestens vier gute Boxen oder eine sehr gute 5.1-Anlage. Auf Kompaktanlagen mit kleinen Fronts und noch kleineren Backs wirkt das nicht gut. Aber wer zwei ausgewachsene Front-Stereolautsdprecher hat und zwei in etwa gleichwertige hinten, der kriegt einen völlig neuen Blick auf Alben, die er meinte auswendig zu können.

Je neutraler, desto besser

Neutralität“ scheint vielen Audiophilen so etwas wie der Heilige Gral der Tonwiedergabe zu sein. Aber wie schon die Suche nach dem sagenumwobenen Kelch Jesu‘ ist auch die Jagd nach möglichst großer „Neutralität“ in der Musikwiedergabe ein Unterfangen, das nie enden kann, weil das, was gesucht wird, nicht existiert. Schon der Begriff ist umstritten. Eine „neutrale“ Wiedergabe ist, soviel ist wenigstens klar, eine möglichst flache, bei der keine Frequenz gegenüber einer anderen besonders hervorgehoben wird. Manche verstehen unter „neutral“ auch Boxen oder Kopfhörer, die keine eigene Charakteristik haben, sondern einfach nur das wiedergeben, was von den Toningenieuren der Plattenstudios beabsichtigt wurde. Nun gibt es durchaus Studio-Monitore und Profi-Kopfhörer, die sehr sehr flach und somit „neutral“ klingen, aber die sind dazu gedacht, den Soundtechnikern beim Mischen zu helfen. Sie sind nicht unbedingt auch für den privaten Musikgenuss geeignet. Und selbst beim Profi-Gear gibt es große Unterschiede. Klar, es existieren ein paar Richtlinien, nach denen man in etwa beurteilen kann, ob eine Box oder ein Kopfhörer „neutral“ klingt. Aber selbst bei den aller teuersten Geräten gibt es große Unterschiede von Hersteller zu Hersteller. Anders kann es ja gar nicht sein, denn wenn es wirklich so etwas wie den idealen „neutralen“ Sound gäbe, würden alle Hersteller ja mindestens ein Produkt haben, das genau so klingt wie die Produkte der Konkurrenz. In Wirklichkeit hat jeder Produzent von Lautsprechern und Kopfhörern eine fast immer gut erkennbare Tonsignatur. Und das ist gut so, denn Geschmäcker sind verschieden. Während der Eine den kalten Realismus eines Beyerdynamik DT-880 liebt, schätzt die Andere die Wärme eines Sennheiser HD-650. Der Nächste mag wieder die Aggressivität eines Grado RS2 und der Übernächste die angenehme Wohlfühl-Tonalität eines Meze 99 Classics. Das waren jetzt lauter Kopfhörer, aber für Boxen und Verstärker gilt das Gleiche. Es gibt nicht DIE Neutralität oder DEN BESTEN Lautsprecher/Kopfhörer.

Hi-Fi bzw Audiophilie ist viel zu kompliziert

Nein, ist es nicht. Lasst euch nicht vom Techno-Babble der Freaks verwirren! In Wirklichkeit geht es dabei um einfache Dinge wie: Mag ich den Sound? Macht mir die Musik auf dem jeweiligen Equipment Spaß? Höre ich Sachen, die ich mit anderen Geräten nicht gehört habe? Frequenz-Kurven und Hz-Angaben können hilfreich sein, wenn man sich damit auskennt, aber für die meisten Menschen ist das alles ein chinesisches Dorf in Spanien. Vertraut euren Ohren und vertraut der Beratung in Fachgeschäften! Das bringt uns zu einem weiteren wichtigen Punkt: Direktvertreiber von Hi-Fi-Geräten boomen seit einigen Jahren. Das ist auch gut so, denn die können unter Umgehung des Einzelhandels hochwertige Komponenten für weniger Geld anbieten. Aber um dort richtig zu kaufen, muss man sich schon ein bisserl auskennen mit der Materie. Die Beratung vor Ort durch kompetente Verkäufer ist immer noch unersetzlich, vor allem für Neueinsteiger in die Welt des hochwertigen Klangs.

Audiophile sind arrogante Snobs

Wer sich als Neueinsteiger in das Hobby Hi-Fi in die entsprechenden Internet-Foren verirrt, wird rasch mit ziemlich arroganten Leuten konfrontiert, die  von oben herab zB sagen: „Gerät XY, das du hast, ist Mist, weil…“. Davon darf man sich nicht abschrecken lassen,. Die große Mehrheit der Audiophilen ist nämlich nicht so. Sogar im Internet, dem natürlichen Habitat der Trolle, überwiegt die Zahl derer, die freundlich sind und helfen wollen, bei weitem die Zahl der arroganten Ärsche. Denn echte Audiophile lieben, wie der Name schon sagt, den Klang und sie haben Verständnis für jede neue arme Seele, die diesem Hobby, das allzu oft zur Sucht wird, anheim fällt.

Ich kann Hi-Fi doch gar nicht von Low- oder No-Fi unterscheiden

Doch, kannst du. Sogar der unmusikalischste Mensch, der keine Ahnung von Frequenzgängen und Tonwellen hat, kann gutes Wiedergabegerät von schlechtem unterscheiden. Das ist nämlich keine Frage der Ausbildung oder des Wissens, sondern ein ganz natürlicher Vorgang. Woran aber erkennt man gute Boxen oder Kopfhörer? Zum Beispiel daran, dass man, sobald man mit ihnen Musik hört, die Augen schließt, weil man sich ganz der Musik überlassen will/muss. Oder daran, dass man plötzlich den Drang verspürt, zu tanzen oder Headbanging zu machen. Und an vielen anderen Sachen. Gutes Hi-Fi-Gear provoziert positive emotionale Reaktionen. Ein Lächeln, einen Tagtraum, ein Gefühl des Glücks. Darum geht es bei all dem. Nicht darum, das Beste vom Besten zu haben, denn das ,was das „Beste“ ist, ist relativ. Auch nicht um Angeberei oder das Pseudo-Glück des Konsums. Es geht um Musik und um Genuss. Wenn jemand Musik auf seinen Boxen oder seinem Kopfhörer genießt und wenn die Musik ihn/sie glücklich macht, dann hat er/sie alles richtig gemacht. Hi-Fi und Audiophilie dreht sich letztlich um nichts anderes als um die Freude an der Musik. Eine gute Box oder ein guter Kopfhörer hat folgende Haupteigenschaften: Man bekommt ein gewisses „Live-Feeling“, als säßen die Musiker direkt vor einem; man entdeckt in der Musik Nuancen, die man zuvor nicht gehört hat; man erlebt intensive Gefühle. Wenn all das passiert, habt ihr eine gute Anlage. Wenn all das nicht passiert, wird es Zeit, aufzurüsten.

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Kopfhörer Meze 99 Classics: Mulțumesc für diesen Hörgenuss!

Der Kopfhörer 99 Classics von Meze Audio hat das Zeug zum Kultobjekt. Er klingt noch besser als er aussieht – und er sieht verdammt gut aus.

Seit ein paar Jahren taucht in HiFi-Kreisen immer wieder der Name „Meze Audio” auf. In längeren Diskussionen über Kopfhörer, bei denen die Namen der üblichen Verdächtigen wie Sennheiser, Beyerdynamic, AKG, Bose, Grado und so weiter fallen, fragt dann oft einer: „Habt ihr schon mal was von Meze Audio ausprobiert?” Meze Audio? Was soll denn das bitte sein? Neugierig geworden, googelte ich danach.

Dracula und Schnaps

Meze Audio ist eine Firma aus Baia Mare, Rumänien. Das Interessanteste, was man bislang über Baia Mare sagen konnte, war, dass es in in Transilvanien liegt, wo Dracula zuhause war und man teilweise bis heute an Strigoi glaubt – Tote, die ihren Gräber entsteigen um die Lebenden heimzusuchen. Ich war ein paar Mal in der Region und habe dort nicht nur den härtesten Alkohol meines Lebens getrunken, sondern auch viele sehr coole und kreative Leute kennengelernt. Antonio Meze, der Gründer von Meze Audio, stammt von dort. Im Jahr 2009 hat sich der Designer und Hifi-Freak nach einer internationalen Karriere in den Kopf gesetzt, Kopfhörer zu bauen, die klanglich zur Weltspitze gehören und dabei auch noch schön aussehen sollten. 2009 gründete er per Crowdfunding ein Unternehmen und begann, an Headphones zu tüfteln. Nach mehreren Jahren der Entwicklung stellte das Unternehmen 2015 den „99 Classics“ vor, einen geschlossenen Kopfhörer mit hölzernen Ohrmuscheln. Die Fachwelt war großteils begeistert, aber es gab und gibt auch kritische Stimmen zu diesem Produkt. Höchste Zeit also, dass ich mir mal persönlich anhöre, wie die rumänischen Schönlinge klingen.

Ausstattung und Bauqualität

Der 99 Classics kostet derzeit rund 300 Euro und kommt in einem angemessen schicken Karton mit Magnetverschlüssen. Darin findet man einen Hardcase, damit man den Kopfhörer auch mal in den Urlaub mitnehmen kann, ohne das er zerbeult wird, sowie zwei Kabel, einen Flugzeug-Adapter und einen vergoldeten 6,3mm-Aufstecker für den Betrieb an großen Verstärkern. Mein erster Eindruck nach dem Auspacken war: „Wow, das ist ja mal ein gelungenes Design!“ Der 99 Classics ist in drei Farbvarianten erhältlich. Als Walnuss-Gold, Walnuss-Silber und Ahorn-Silber. Mein Exemplar ist Walnuss-Gold, hat also Muscheln aus Walnuss und vergoldete Elemente wie die Klammern, die das Kopfband in Zaum halten. Auf Bildern im Internet fand ich den Hörer eine Spur zu „flashy“, ein bisschen zu barock und angeberisch. „Ein Kopfhörer für Neureiche, arabische Potentaten und Donald Trump“, dachte ich mir. In Natura sieht der 99 Classics aber richtig gut aus. Das Holz wirkt nicht mehr so aufpoliert wie auf den Fotos und das Gold fügt sich angenehm in den optischen Gesamteindruck ein. Wem das immer noch zu viel ostentativer Bling sein sollte, kann zur Silber-Version greifen, die dezenter wirkt.

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Ich persönlich finde das Design äußerst gelungen und die farbliche Kombination ebenso ansprechend wie die Haptik. Der 99 Classics fühlt sich gut und solide an. Das liegt auch daran, dass Meze Audio den Hörer ohne Klebstoff baut. Für den Zusammenhalt der Einzelteile sorgen ausschließlich Schrauben und Bolzen. Meze verspricht demnach auch, dass jedes Teil des Kopfhörers austauschbar ist und man, solange die Firma existiert, immer Ersatzteile bekommen wird, die man auch leicht einbauen kann, ohne Feinmechanik gelernt zu haben. Der 99 Classics ist ein over-ear-Kopfhörer, umschließt also die Ohren vollständig mit seinen Proteinlederpolstern. Ich habe in einigen Reviews gelesen, dass die Polster zu klein wären. Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe recht große Ohren und dennoch umschließen die Polster sie vollständig und komfortabel. Stichwort Komfort: Das ist neben dem AKG K712 der bequemste Kopfhörer, den ich bislang getestet habe. Sogar direkt aus der Verpackung war der Anpressdruck exakt richtig. Ich trage eine Brille und bin recht empfindlich gegen zu stark drückende Kopfhörer. Der Meze sitzt fest, verursacht aber sogar nach mehreren Stunden keine Schmerzen. Mit dem AKG hat der Meze auch das selbst justierende Zugsystem im Kopfband gemein, das den Hörer an jede Kopfform anpasst, aber anders als beim AKG wirkt das beim 99 Classics stabil und langlebig. Der Meze 99 Classics ist symetrisch gebaut. Das heißt: Es ist egal, ob man die beiden Kabel rechts oder links einsteckt, man muss sich nur daran erinnern, wo sie sind, damit man den Hörer nicht verkehrt herum aufsetzt und das Stereobild umkehrt. Auf den Muscheln ist kein Hinweis auf rechts oder links, nur ein kleines „L“ auf dem Kabel zeigt einem, was wo ist. Der Meze kommt mit zwei Kabeln. Eines ist für den mobilen Gebrauch gedacht und hat Bedienelemente sowie ein eingebautes Mikrophon. Das andere ist länger und dient zum Betrieb an der heimischen Anlage. Eine aktive Geräuschunterdrückung hat der 99 Classics nicht, aber er filtert dank seiner Bauweise Lärm von außen ebenso gut aus wie er die Außenwelt vor dem schützt, was auch immer sein Besitzer hört.

Und wie klingt er?

Optik und Haptik konnten mich überzeugen. Aber das ist letztlich für gestandene HiFi-Freaks wie mich Nebensache. Was zählt, ist der Klang. Und hier ist ein Ratschlag für alle potenziellen Käufer des Meze 99 Classics: Gebt ihm Zeit zum Einspielen! Manche halten Burn-In für ein Märchen, für psychoakustischen Kokolores, aber das stimmt nicht. Es gilt die Faustregel: Je besser ein Wiedergabegerät, desto wichtiger ist eine lange Einspielphase. Am ersten Tag dachte ich: „Meh, zu viel Bass, zu hart, zu flach, die Bühne zu klein, alles eng und wummernd.“ Da ich aber weiß, wie sehr sich Lautsprecher und Kopfhörer binnen weniger Tage verändern können und dass gerade die guten Geräte dafür gebaut sind, erst nach einiger Zeit voll aufzublühen, befeuerte ich den Meze zwei Nächte lang mit Pink Noise. Als ich ihn am dritten Tag wieder aufsetzte, tat sich eine neue Welt auf. Der Bass war immer noch sehr prominent, aber nicht mehr gewalttätig. Die Höhen machten auf und die Bühne hatte sich vergrößert. Die Mitten spielten nun klar von Bass und Höhen unterscheidbar. Das war schon ganz gut, aber erst nach zwei Wochen Betrieb lief der Rumäne zur Höchstform auf. Und ich habe regelmäßig Gegenproben mit meinen anderen Kopfhörern gemacht um sicher zu gehen, nicht einer akustischen Täuschung zu erliegen.

Zwei Wochen nach der ersten Inbetriebnahme traue ich mich folgendes zu sagen: Der 99 Classics von Meze ist der beste geschlossene Kopfhörer unter 1.000 Euro, den ich bislang gehört habe. Er übertrumpft den mehr als doppelt so teuren Sony MDR-Z7 und lässt den etwa gleich teuren Bose QuietComfort 35 weit hinter sich. Er ist in meinen Ohren klar besser als der Beyerdynamic DT-770 und übertrifft meiner Meinung nach sogar dessen Nachfolger, den DT-1770. Auch der Beats Studio 3 hat tonal das Nachsehen. Wohlgemerkt: Das ist mein subjektiver Eindruck. Anderen Leuten gefallen andere Soundsignaturen, aber ich habe nicht nur mein persönliches Gefühl auf meiner Seite, sondern auch jahrelange Erfahrung mit Kopfhörern. Und ich bin nicht allein. Auch namhafte Kollegen wie Tyll Hertsen von Innerfidelity oder Zeus von „Z Reviews“ loben den 99 Classics als überaus gelungenen Kopfhörer. Der Youtuber „metal571“ hingegen mokierte sich über zu viel Bass und einen verwaschenen Sound. Und genau das hätte ich auch gesagt, hätte ich dem 99 Classics nicht die Einspielzeit gegeben, die er braucht. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Lasst hochwertigen Wiedergabegeräten ein paar Tage, besser noch Wochen Zeit, bevor ihr sie beurteilt! HiFi-Geräte sind nicht dafür gebaut, sofort aus der Fabrik heraus ihr volles Potenzial zu zeigen. Die brauchen Zeit, um warm zu laufen, um die Membranen und Treiber zu entspannen. Was direkt aus dem Karton super klingt, ist meistens Blendwerk, das mit billigen Tricks um Aufmerksamkeit heischt. Wenn ein Gerät aber mit der Zeit immer besser wird, ist das ein guter Hinweis auf hohe Qualität.

Der Klang im Detail

Wie würde ich den Klang des 99 Classics beschreiben? Er ist nicht neutral. Wer möglichst große Neutralität will, muss sich anderswo umschauen. Der Meze hat eine klar hörbare Eigensignatur, die eher ins Warme tendiert, ohne aber zu dunkel oder trocken zu sein. Die Frequenzmessungen zeigen zwar ein sehr neutrales Verhalten, das heißt aber nicht, dass der Meze alles exakt so wiedergibt, wie es im Studio aufgenommen wurde. Er bringt seine eigene Charakteristik ein – und die ist wundervoll. Zum Mischen würde ich hin nicht verwenden, aber das ist auch gar nicht seine Ansage. Er will Freude an der Musik bereiten, und das tut er im Überfluss. Er hat, da er ein geschlossener Kopfhörer ist, nicht eine so breite Bühne wie viele offene Kollegen, aber sie ist auch nicht beengend. Ortbarkeit und Auflösung sind gut bis sehr gut. Nach einer längeren Einspielzeit zeigt sich dieser Kopfhörer als ungeheuer musikalisch und klingt wie eine gut abgestimmte High-End-Stereoanlage. Ist er besser oder schlechter als diverse andere Hörer? Das ist einerseits Geschmackssache (ich halte ihn für besser als viele andere Headphones) und andererseits muss man sagen: In dieser Preisklasse gibt es bis auf wenige Ausnahmen kein „Besser“ und kein „Schlechter“ mehr. Es gibt nur mehr „anders“. Der 99 Classics ist anders als alle meine anderen Kopfhörer und bringt mich dazu, mich durch meine ganze Musiksammlung zu hören. Und DAS ist für mich der echte Beweis, es mit einem guten bis sehr guten Gerät zu tun zu haben. Musik macht Spaß und sie macht auf eine neue Art Spaß. Mit 32 Ohm Widerstand ist der Meze übrigens an jedem Smartphone ebenso gut zu betreiben wie an einem guten Verstärker.

Hörbeispiele

R.E.M.: „Drive“ (Tidal Masters, MQA). Wenn die ersten Gitarrentöne zusammen mit dem Bass erklingen, meint man beinahe sagen zu können, welche Marke von Saiten Peter Buck auf die Akustische aufgespannt hat. Michael Stipes Stimme steht im Zentrum des sich langsam steigernden Songs und man hört das Echo, das auf die Stimme gelegt wurde, sehr gut in seinen technischen Details heraus. Die Drums sind mächtig und klar definiert. Auf schlechteren Kopfhörern wirkt die Nummer gerne ein bisschen „zischelig“ und harsch. Hier aber herrscht reine Harmonie. Großartig!

Motörhead: „Lawman“ (CD). Der Meze 99 Classics baut ordentlichen Druck auf und arbeitet die dreckigen Riffs zu Beginn hervorragend heraus. Wenn das Schlagzeug einsetzt, sind Bassdrum wie auch Becken nicht nur druckvoll, sondern auch gut voneinander zu trennen, ohne das die Homogenität des Songs zerlegt würde. Lemmys Stimme klang selten besser. So muss gute Darstellung von Heavy Rock sein!

Jethro Tull, The String Quartets: „Living in the Past“ (High-Res-Flac). Der gezupfte Cello-Bass wirkt mitreißend lebendig. Die Streicher sind schön gestaffelt einzeln zu hören, ohne dass das Gesamtbild verschwinden würde. Ian Andersons Querflöte steht fest in der Mitte, fügt sich aber völlig in den restlichen Sound ein. Der 99 Classics kann also auch traditionelle Musik und Klassik sehr gut.

The Beatles: „It’s all too much“ (LP). Das Feedback-Intro kommt stark und genau so verzerrt, wie von den Fab Four beabsichtigt. Das Klatschen von Lennon und McCartney wirkt extrem lebendig, fast so, als stünde man mit ihnen im Studio. Harrisons Stimme ist klar wie Glas und seine Gitarre segelt verzerrt in den LSD-Himmel. Pauls Drone-Bass ist kraftvoll und laut, ertränkt aber den Rest des Spektrums nicht.

Pro: Ein ungeheuer gut verarbeiteter, stylisher und noch dazu extrem gut klingender Kopfhörer. Ist seine rund 300 Euro auf alle Fälle wert und kann mit wesentlich teureren Hörern nicht nur mithalten, sondern übertrifft sie oftmals sogar.

Contra: Keine klar erkennbare Rechts-Links-Markierung am Hörer. Das (gute) Kunstleder kann bei längeren Hörsessions warm werden. Manchmal ist der Bass eine winzige Spur zu unpräzise und zu massiv.

Wer ihn sich holen sollte: Jeder, der einen Kopfhörer will, der sowohl mobil als auch Zuhause HiFi-Sound genießen will und einen Hörer haben will, der aus der Masse hervorsticht.

Wer ihn ignorieren sollte: Bass-Phobiker und Leute, die nicht gerne auffallen.

Fazit: Meze Audio hat mit dem 99 Classics einen fast perfekten Kopfhörer erschaffen, der sich optisch von der Konkurrenz abhebt und soundtechnisch zum Besten gehört, was man für das Geld (und für viel mehr Geld) kriegen kann. Ich erwarte mir von Meze große Dinge in der Zukunft. Jedenfalls: Hut ab und Mulțumesc (vielen Dank auf Rumänisch) für diesen Kopfhörer! 

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AKG K712 Pro: Der schlechteste beste Kopfhörer der Welt

Mit AKG fing meine Liebe zu hochwertigen Kopfhörern an. Der AKG K501 war vor 25 Jahren mein erster HiFi-Kopfhörer. Mit ihm erschloss sich mir eine ganz neue akustische Welt. Zehn Jahre danach kaufte ich mir das damalige AKG-Spitzenmodell, den K701, und war enttäuscht. Die Bühne war viel zu groß, der Bass anämisch, die Mitten… irgendwie seltsam. Man konnte mit dem 701er ganz gut Musik in ihre Einzelteile zerlegen. Leider fügte sie der Kopfhörer nie mehr zu einem sinnvollen und Spaß machenden Ganzen zusammen. Auch die Verarbeitungsqualität ließ zu wünschen übrig. Nach nur zwei Jahren brach das Plastik an den Bügeln, das das elastische Kopfband in Zaum hielt.

Seit AKG im Jahr 2012 den K712 auf den Markt brachte, wollte ich ihn hören. Rund 500 Euro erschienen mir aber doch arg viel. Heuer fiel der Preis auf 233 Euro und ich schlug zu. Und wirklich: Der K712 klingt großartig! Durch eine genau richtig dosierte Bassanhebung und eine fantastische Gesamtdarstellung, die vor allem durch extremen Detailreichtum zu gefallen weiß, spielte sich der AKG in mein Herz. Nach etwas mehr als einem Monat wollte ich schon eine Lobeshymne über den „wohl besten Kopfhörer unter 1.000 Euro“ in die Tastatur hämmern, doch dann löste sich plötzlich der Mini-XLR-Kabelanschluss in seine Einzelteile auf. Einfach so.  Ich habe den Hörer pfleglich behandelt und natürlich nicht am empfindlichen Anschluss gezerrt. Hm, okay, zum Glück bei Amazon gekauft. Die boten sofort an, entweder das Geld zu retournieren oder ein Ersatzmodell zu schicken. Ich Depp nahm das Ersatzmodell in der verzweifelten Hoffnung, zuerst ein „Montagsgerät“ erwischt zu haben. Beim Ersatzmodell trat der gleiche fatale Fehler schon nach drei Tagen auf. Das war es dann mit AKG. Die einst stolze Wiener Firma ist nach ihrer Übernahme durch den Harman-Konzern offenbar nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Die Qualitätskontrolle im Werk in der Slowakei dürfte nicht existent sein.

Pro: Fantastischer Sound. Was besser klingendes ist unter 1.000 Euro schwer zu finden. Extrem detailliert, ohne zu nerven.

Contra: Alles andere. Der Kopfhörer löst sich in kurzer Zeit in seine Bestandteile auf. Finger weg!

Zusammenfassung: AKG hat fertig. Die Traditionsfirma ist mit derartigen Qualitätsmängeln nicht mehr ernst zu nehmen.

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Teufel REAL Blue: Exzellenter Bluetooth-Kopfhörer zum fairen Preis!

Ich weiß nicht genau, an welchen Schräubchen und Rädchen die Ingenieure bei Lautsprecher Teufel gedreht haben, aber das neue Kopfhörer-Lineup der Berliner Firma klingt nochmal einen Tacken besser als die Vorgängermodelle. Und die klangen schon durchwegs ziemlich gut. Ich habe mir den neuen „REAL Blue“ genauer angeschaut und vor allem angehört.

Look & Feel

Der REAL Blue kommt im für Teufel typischen schwarz-roten Hardcase daher. Nach dem Auspacken und erstem Befühlen fällt die hohe Qualitätsanmutung auf. Der Bügel besteht aus stabilem Metall, die ohrumschließenden Polster und die Bügelummantelung aus angenehmem Kunstleder. Verstellt man die Länge, hört man ein befriedigendes „Klick“-Einrast-Geräusch, wie man es sonst nur von wesentlich teureren Kopfhörern kennt. Der mehrfach faltbare und damit sehr mobile Hörer ist 250 Gramm leicht und entwickelt einen exakt richtigen Anpressdruck – nicht so viel, als dass er schmerzen würde, und nicht so wenig, dass er einem vom Kopf fällt, wenn man mal headbangt. Das technophil wirkende Grau der Lackierung wird um einen roten Mesch-Stoff in den Hörmuscheln ergänzt, was eine sehr schicke Kombi ergibt. Der REAL Blue ist definitiv herzeigbar, kann aber mehr als viele reine Fashion-Cans.

Blue & Tooth

Ausgestattet mit dem neusten Bluetooth-Standard lässt sich der neue Teufel problemlos an jedes Smartphone koppeln. Ein Akku mit einer Dauer-Laufleistung von bis zu 30 Stunden sorgt für langen kabellosen Musikgenuss. Geht dem Akku doch mal der Saft aus, kann der REAL Blue auch mit dem beiliegenden Kabel verbunden werden. Toll gelöst: Alle Funktionen lassen sich mit einem in die rechte Ohrmuschel integrierten Touchpad bedienen. Man wischt mit dem Finger nach oben und der Ton wird lauter. Wischt man nach unten, wird’s leiser. Einmal Antippen und die Musik pausiert. Noch mal antippen und es geht weiter. Das und mehr funktioniert nach kurzer Eingewöhnungsphase problemlos und intuitiv. Auch die Sprachsteuerung mittels Siri oder Google Now klappt prima. Die Freisprecheinrichtung mit eingebautem Mikrophon werkelt tadellos und an beiden Enden der „Leitung“ kommen Gespräche klar und verständlich rüber.

Der Sound

Teufel verbaut im REAL Blue hochwertige Magnet-Neodym-Treiber, die technisch den Anforderungen für High-Definition-Sound genügen. Sie decken ein Spektrum zwischen 20 und 20.000 Hertz ab und haben eine Empfindlichkeit von 16 Ohm. Für den Praxistest habe ich den Hörer an meinem Smartphone und an meiner Anlage getestet, wobei ich als Quelle den Streaming-Dienst Tidal nützte. Zuerst eine Info für Sound-Feinschmecker: Das Maximum holt man aus dem REAL Blu wie bei allen Kopfhörern über den Kabelanschluss heraus. So gut Bluetooth inzwischen auch ist: Hört man ganz genau hin, wirkt der Sound über Kabel doch noch stellenweise ein wenig voller und detaillierter.

Beim Song „Morning“ von Beck mauert der REAL Blue ein hervorragendes Bassfundament, lässt die Tieftöne aber nicht in den Gesamtmix bluten, sondern hat sie bestens unter Kontrolle. Die akustischen Gitarren wirken höchst natürlich und der mehrstimmige Gesang im Refrain wird schön aufgefächert. Man kann tief in die Aufnahme „hineinschauen“, ohne dass dabei der Gesamtkörper der Musik verloren ginge. So soll das sein, das zeichnet gute Kopfhörer aus.

Hysteria“ der britischen Band Muse ist mit seinen schnellen und extrem tiefen Elektro-Bass-Attacken eine Herausforderung für jeden Kopfhörer. Der REAL Blue kommt damit erfreulicherweise sehr gut zurecht. Das Tieftongewitter wirkt brachial und realistisch. Und wieder separiert der Teufel das tonale Spektrum exzellent.

Papercut“ von Linkin Park serviert der REAL Blue beinahe als Live-Erlebnis. Die brutalen E-Gitarren-Riffs stehen fast physisch im Raum, der komplexe Bass wummert bedrohlich im Untergrund und die Stimme des Shouters hat exakt die Körperlichkeit, die sie auf einem guten Wiedergabegerät haben muss.

Hut ab vor Lautsprecher Teufel! Der REAL Blue ist eine tolle Weiterentwicklung und ein neuerlicher Schritt in Richtung HiFi-Oberklasse.

Pro: Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Enorm stark in den Bässen, ohne den Sound zu verfälschen. Überragend gute Darstellung von Mitten und Höhen.

Contra: Kein active noise cancelling (dafür gibt es den REAL Blue NC). Für den Preis von 169,99 Euro gibt es nichts zu meckern. Besser klingende Bluetooth-Kopfhörer sind schwer zu finden. Es gibt welche, die luxuriöser verarbeitet sind, aber ob die den oftmals dreifachen Aufpreis wert sind?

Zusammenfassung: Lautsprecher Teufel bietet mit dem REAL Blue ein technisch ausgereiftes Produkt für den mobilen Hörspaß zu einem fairen Preis an. Was die schicke Optik verspricht, hält auch der Sound. Ganz klar eine der besseren Neuerscheinungen am Kopfhörer-Markt.

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Philips Fidelio M2L – Struck by Lightning

Wieso sollte ich mich mit Kabeln plagen wo es doch so tolle Bluetooth-Kopfhörer gibt“, fragte mich Andreas, ein Apple-Affcionado, dessen neues iPhone 7 ich mir für dieses Review geborgt hatte. Ich lud ihn dann ein, mehrere Songs in HD-Qualität zuerst mit seinen AirPods anzuhören und dann mit dem Fidelio M2L von Philips. Nun sind Apples hauseigene Kopfhörer nicht schlecht, obwohl sie ein bisschen so aussehen, als trüge man Zahnbürsten in den Ohren. Aber gegen den Fidelio hatten sie keine Chance. Auch Andreas gab zu: „Verdammt, die klingen schon um Welten besser“. Andreas hatte aber zuvor auch noch nie richtig gute Kopfhörer erlebt, sondern sich mit mittelpreisigen In-Ears und wummernden „Beats“ zufriedengegeben. Wer aber über den akustischen Wert audiophiler Geräteschaften Beschied weiß, der weiß auch, dass Bluetooth-Kopfhörer zwar ständig besser werden und für den Alltagsgebrauch praktischer sind als ihre kabelgebundenen Konkurrenten, dass sie aber nach wie vor klangtechnisch das Nachsehen bzw Nachhören haben. Auf diese kleine Gruppe von Sound-Enthusiasten zielt Philips mit dem Fidelio M2L.

Design und Haptik des Fidelio rufen einem laut „Qualitätsprodukt“ entgegen. Leder und Aluminium statt Plastik, ein schickes Schwarz gepaart mit Alu-Elementen statt Pink oder Knallgelb. Auf dem Kopf sitzt der Hörer mit seinen Memory-Foam-Ohrmuscheln höchst angenehm, wenn auch ein bisschen straff, was aber beim mobilen Einsatz wieder von Vorteil sein dürfte. Dieser Kopfhörer rutscht einem beim Joggen sicher nicht vom Kopf. Der Philips wirkt insgesamt recht erwachsen, ein Produkt für Menschen, die Wertarbeit und zurückhaltende Eleganz zu schätzen wissen.

Mir ist Mode ja wurscht, weswegen ich Kopfhörer nur danach beurteile, wie sie klingen. Und hier ist der Fidelio M2L auf der Gewinnerseite. Er hat einen 24bit/194kHz-Kopfhörerverstärker (DAC) eingebaut. Das bedeutet, dass nicht das iPhone den Sound managt, sondern der Kopfhörer das selber erledigt, und bei allem Respekt vor den Apple-Ingenieuren: Was Klang betrifft, hat Philips einfach mehr Erfahrung. Zusammen mit den 40mm-Treibern, deren Vorgänger Philips schon im legendären L2 einsetzte, sorgt der DAC für ein Klangerlebnis, das in dieser Preisklasse (der ML2 kostet zur Zeit rund 200 Euro) einmalig sein dürfte. Fachleute lobten die Treiber ja als die besten, die es für weniger als 1000 Euro zu kaufen gibt, was vielleicht ein bisschen übertrieben ist, aber nicht total falsch. Der M2L ist ungeheuer schnell und impulstreu, löst faszinierend detailliert auf und packt, sozusagen als Zuckerguss, noch einen Bass drauf, der dermaßen kontrolliert und wuchtig daherkommt, dass man manchmal meint, man hätte einen der großen und sehr viel teureren Grado-Kopfhörer auf dem Kopf. Erst mit einem Kopfhörer wie diesem merkt man, dass der Lightning-Anschluss von Apple Sinn macht, denn im Gegensatz zu üblichen Kopfhörern, die digitale Signale erst in analoge umwandeln müssen, gibt es beim Fidelio M2L kein Rauschen und Knacken und kein Vermatschen des Sounds. Die Lautstärke stellt man mittels eines kleinen Rädchens an der rechten Ohrmuschel ein, da der Fidelio ein aktiver Hörer mit eigenem DAC ist. Batterien braucht der M2L keine, der Strom wird vom Smartphone abgezapft. Aber keine Angst, der Fidelio ist kein Energievampir, sondern gibt sich mit so wenig Batterieleistung zufrieden, dass er die Laufzeit einer Akku-Ladung am iPhone kaum beeinträchtigt. Freisprechen und die Bedienung von Siri mittels Sprachbefehlen funktionierte im Test problemlos

Der Nachteil des M2L ist offenkundig: Er ist ausschließlich an Geräten nutzbar, die einen Lightning-Anschluss haben also an iPhones und iPads ab der Serie 6. Es gibt auch keinen Adapter, mit dem man den Hörer an einen analogen Ausgang anschließen könnte. Das ist technisch auch kaum möglich, da das Signal gleich zweimal von analog zu digital umgewandelt werden müsste. Wer aber ein neueres iPhone hat und Wert auf best möglichen Klang legt, der sollte den Fidelio M2L ins Auge fassen, vor allem jetzt, da er im Preis gefallen ist. Das kann sich übrigens rasch wieder ändern, so wie beim Fidelio X2, der eine Zeit lang um rund 200 Euro zu haben war und jetzt wieder um die 300 kostet, weil sich herumgesprochen hat, was für ein großartiges Gerät er ist.

Pro: Der vielleicht beste Kopfhörer mit Lightning-Anschluss, der derzeit zu haben ist, vor allem was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft.

Contra: Funktioniert nur mit Geräten, die einen Lightning-Anschluss haben. Es gibt auch keine Adapter, die das ändern würden.

Zusammenfassung: Der Fidelio M2L von Philips bietet ein begeisterndes Sounderlebnis und nutzt die Möglichkeiten hoch auflösender Tonformate voll aus. Er ist sehr hochwertig verarbeitet, sieht gut aus, klingt agil und detailliert, untermauert das aber mit einem beeindruckend starken und kontrollierten Bass. Klangtechnisch ist er kabellosen Kopfhörern überlegen.

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Teufel Mute BT: In der Ruhe liegt die Kraft

Auf Knopfdruck die Welt zum Schweigen bringen – das wär schon was! Ein Politiker hebt an, um von uns Blut, Schweiß und Tränen zu fordern und für sich mehr Gehalt? Knopfdruck! Beim Feierabendbier reden die Kollegen immer noch von nix anderem als der Arbeit? Knopfdruck! Um sechs Uhr morgens heult beim Nachbarn der Hund? Knopfdruck! Nun, ganz so weit ist die Technologie der Geräuschunterdrückung noch nicht, aber aktive noise cancelling in modernen Kopfhörern kann schon so einiges und erfreut sich in unserer lauten Welt immer größerer Beliebtheit. Aus diesem Grund habe ich mir den neuen „Mute BT“ der Berliner Firma Lautsprecher Teufel angehört. Für 199,99 Euro verspricht dieser Neuzugang am Kopfhörermarkt kabellosen High-Def-Musikgenuss mit Bluetooth 4.0-Verbindung, eine aktive und sich an die Umgebung anpassende Geräuschunterdrückung, eine Freisprecheinrichtung und einen Akku mit hohem Durchhaltevermögen (dank eines mitgelieferten Kabels verstummt der Hörer auch dann nicht, wenn dem Akku doch mal der Saft ausgehen sollte).

Der Mute BT kommt mit einigem Zubehör daher. Neben Akku, Ladekabel mit Mini-USB-Anschluss, Anschlusskabel und Flugzeugadapter findet sich im Karton auch eine schicke Transportbox in Teufels Hausfarben Schwarz und Rot. Der Akku ist wechselbar, was die Langlebigkeit des Produkts erhöhen sollte. Der erste Eindruck beim Unboxing: Alles hübsch aufgeräumt und dort, wo man es vermuten würde. Nach einer ersten Akkuladung nehme ich die Bedienungsanleitung zur Hand und richte das Gerät ein. Ich verbinde es per Bluetooth mit meinem Android-Smartphone und einem iPad und habe das erste Aha-Erlebnis: Im Unterschied zu manchen Konkurrenzprodukten funktioniert das alles auf Anhieb und ist in der Anleitung so logisch erklärt, dass selbst Leute ohne viel Technik-Affinität sofort zurecht kommen sollten. Die Bedienungsanleitung ist die beste und verständlichste, die mir bislang bei einem technischen Gerät untergekommen ist. Da merkt man wohl immer noch die Erfahrung, die Teufel einst sammeln konnte, als die Firma in den 70er Jahren als Versenderin von Lautsprecher-Bausätzen anfing. An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Das Produkt ist zwar nicht protzig oder über alle Maßen edel, aber durchaus schick und stabil. Der Teufel Mute BT wirkt auf mich ein bisschen wie der Studiomusiker im Vergleich zum Popstar – er trägt keine auffälligen Glitzerklamotten, kann dafür aber spielen.

Sound und Komfort

Und wie der spielen kann! Ich habe ja schon den Teufel Real Z sehr gut gefunden, aber der Mute BT gefällt mir fast noch eine Spur besser. Wobei das eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, denn die beiden Hörer verfolgen unterschiedliche Konzepte. Der Real Z ist ein halboffener Hörer, der Mute BT ein geschlossener. Die geschlossene Bauart sorgt im Zusammenspiel mit 40-mm-HD-Treibern und Neodym-Magneten für einen sehr satten, aber nie breiigen Klang. Dank einer leichten Bassbetonung macht dieser Teufel sehr viel Spaß mit elektronischer Musik und Hiphop, aber er ist keineswegs auf diese Genres eingeengt. Die Firma Lautsprecher Teufel bewirbt gerne und zurecht die schöne Darstellung der Bässe, aber ich persönlich finde das klangliche Gesamtbild noch eine Spur beeindruckender als den Tieftonbereich allein. Zu Testzwecken höre ich mir das Album „Sweet Child“ der britischen Folkrock-Band Pentangle an. Deren Ensemble-Spiel mit jazzigem Stehbass, einer Sopranistin und einem  Bariton an den Lead-Vocals, zwei von echten Könnern bediente Gitarren und einem experimentierfreudigen Schlagzeug zeigt rasch die Stärken und Schwächen von Lautsprechern und Kopfhörern auf. Der Mute BT meistert die Herausforderung mühelos. Der Stehbass kommt wuchtig und physisch rüber, überdeckt aber nicht den Rest des Klangfelds, sondern untermauert ihn mit genau der richtigen Dosis Power. Die Höhen, zum Beispiel Windspiel und Hi-Hats, sind klar und deutlich und zischen nicht unangenehm. Die Mitten sind die eigentliche Überraschung, denn die präsentiert der Mute BT so schön und baut sie dermaßen hübsch ins Gesamtbild ein, dass man stellenweise meint, einen Kopfhörer um 600 Euro auf den Ohren zu haben. Der Mute BT ist hierbei nur das neueste Beispiel für einen erfreulichen Trend bei Kopfhörern von Teufel – die Teile klingen viel besser, als sie es ihrer Preisklasse gemäß eigentlich „sollten“, und sie gehen immer stärker in Richtung Audiophilie. Sie vergessen dabei aber nie, warum wir Geld für Lautsprecher und Kopfhörer ausgeben, nämlich um Musik, Hörspiele und Filme zu genießen, nicht um sie zu sezieren. Teufels Produkte richten sich an Consumer, nicht an Toningenieure, und das ist als Lob gemeint, denn so mancher Kopfhörer, der für das Abmischen von Musik gemacht wurde, zeigt einem zwar noch das allerletzte Detail der Musik, macht aber keinen Spaß, weil er die gezeigten Einzelteile nicht zu einem flüssigen Ganzen zusammenfügt. Der Teufel Mute BT ist ein Spaßgerät, das aber auch die Ohren von Audio-Fetischisten nicht beleidigt. Kurz: Er findet die richtige Mischung zwischen hoher Auflösung und Musikalität. Der Tragekomfort ist gut bis sehr gut. Anfangs ist der Anpressdruck ein bisschen forsch, aber das sollte sich nach einiger Zeit geben. Das Kunstleder liegt angenehm auf den Ohren. Wie bei allen geschlossenen Kopfhörern kann es bei langen Hör-Sessions zu einer gewissen Wärmeentwicklung unter den Ohrmuscheln kommen. 

Die Rauschunterdrückung funktioniert mit dem Mute BT ausgezeichnet. Der Teufel ist schon dank seiner geschlossenen Bauweise recht gut gegen Außengeräusche abgeschirmt. Aktiviert man das Aktive Noise Cancelling, sorgt er mit Gegenschall dafür, dass vor allem monotone Geräusche wie das Brummen im Flugzeug, das Rauschen des Großstadtverkehrs oder sirrende Ventilatoren recht effektiv ausgeblendet werden. Zu 100 Prozent geht das natürlich nicht, aber das schafft auch kein anderer Kopfhörer. Wer oft mit Zug oder U-Bahn fährt, wird die Geräuschunterdrückung schnell zu schätzen lernen. Der Akku, der Bluetooth und Noise Cancelling mit Energie versorgt, hält erstaunlich lange. Ich musste ihn während einer Woche intensiven Testens nie aufladen, hatte aber die Geräuschunterdrückung nur selten aktiviert. Schaltet man alles ein, was es einzuschalten gibt, also Bluetooth und Rauschunterdrückung, sollte der Mute BT immer noch rund 28 Stunden im Dauerbetrieb durchhalten, was ein hervorragender Wert ist. Anrufe annehmen oder Siri/Google Now bedienen funktioniert klaglos und unkompliziert mittels Tasten an der linken Ohrmuschel. So soll das sein!

Pro: Ein Preis-Leistungs-Wunder, das wirklich hervorragend klingt und eine überzeugende aktive Geräuschunterdrückung an Bord hat. Die Hohe Laufzeit des Akkus, der noch dazu auswechselbar ist, und das umfangreiche mitgelieferter Zubehör runden das Angebot ab. Dank des im Zubehör enthaltenen Kabels spielt der Kopfhörer auch bei leerer Batterie weiter. Es wird schwer sein, zu dem Preis etwas Gleichwertiges zu finden.

Contra: Gegen den Mute BT kann man nicht viel vorbringen. Vielleicht sagt das schlichte und klare Design nicht jedem zu.

Zusammenfassung: Der Mute BT von Teufel ist ein ausgezeichneter Bluetooth-Kopfhörer mit aktivem Noice Cancelling, der klanglich mit wesentlich teureren Produkten mithalten kann und daher eine echte Empfehlung für Leute ist, die ihre Musik, Filme oder Hörspiele gerne unterwegs hören (müssen), dabei aber nicht auf hochwertigen Klang verzichten wollen.

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