Hypo: Götterdämmerung naht

Wenn einmal die nicht gerade ÖVP-feindliche und äußerst Industriellen-freundliche Tageszeitung „Die Presse“ schreibt, dass bei den Hypo-Deals wohl das Who-is-Who der österreichischen Hochfinanz durch Insidergeschäfte dutzende Millionen abgesahnt habe und für die Arrangeure dieser Schweinerei, das BZÖ (jetzt wieder FPÖ) und die ÖVP dabei illegale Parteiförderungen in der Höhe von 27 bzw. 13 Millionen Euro geflossen sein sollen, dann könnte es doch noch eng werden für die Martinzs und Scheuchs und Dörflers und Berlins und Flicks und Sorgers und all die anderen Gierschlunde. 47 Personen und Organisationen sollen nach den Informationen der „Presse“ an dem Deal mitgeschnitten haben, womit nicht nur der Verdacht des Insiderhandels im Raum steht, sondern auch jener auf Bildung einer kriminellen Vereinigung. Das Land Bayern denkt inzwischen daran, von Kärnten 650 Millionen Euro als Schadensersatz zu fordern. Da kommen noch interessante Zeiten sowohl auf den Geldadel, als auch auf die Bürger des faktisch bankrotten Kärntens zu. Und in Folge auch auf jeden einzelnen österreichischen Steuerzahler, der für die schmutzigen BZÖ/FPÖ/FPK/ÖVP-Deals blechen wird dürfen.

Kriminaltango

Wenn man sich das Geschäftsgebahren der Haider-Bank mal genauer anguckt, wird einem schlecht, ja speiübel.

Aus der „Zeit“: An diesem eisigen Montagmorgen mag tatsächlich ein »guter Tag für Kärnten« angebrochen sein, wie die trotzigen Provinzpolitiker aus dem Süden behaupteten. Für die Republik war es hingegen ein bitterböser Wochenbeginn. Sie hatte sich, der Not gehorchend, soeben nach einem 17 Stunden langen Verhandlungsmarathon in den Besitz der sechstgrößten Bank des Landes gebracht und sich dabei im Gegenzug unabsehbare Risiken eingehandelt. Die nach internationaler Bewertung schrottreife (Rating: E) Hypo Alpe Adria Group, einst der Stolz des Finanzplatzes Klagenfurt, ist ein Fass ohne Boden.  (…) Tatsächlich müssen die Prüfer, die sich jetzt durch die chaotischen Unterlagen wühlen, immer wieder ins Staunen geraten über die eigenwilligen Geschäftspraktiken, die sich in Klagenfurt eingebürgert hatten. Viele Kreditvorgänge, heißt es, seien nur rudimentär dokumentiert, Leasingverträge nicht auffindbar. Hunderte Jachten, Luxuslimousinen und Privatjets, die von der Hypo finanziert worden waren, seien einfach von der Erdoberfläche verschwunden, Kreditnehmer abgetaucht. Einen herkömmlichen Datenraum, also ein zentrales Archiv aller Geschäftsvorgänge, habe nie existiert, berichten ehemalige Manager des Instituts. Dafür sei einfach keine Zeit gewesen, der Expansionskurs habe Strukturen und Personal überfordert. (…) Die Klagenfurter finanzierten unverzagt Immobiliendeals, Luxushotels und Industriebetriebe. Eigenkapital wurde kaum nachgefragt. Wurde ein Kredit notleidend, erhöhten die Banker vom Wörthersee einfach die Kreditsumme. So wuchs das Geschäftsvolumen, und die Bücher wussten nichts von den Ausfällen. Wo, wann und an wen dabei Provisionen und Bestechungsgelder flossen, danach forschen Ermittler in den unterschiedlichen Claims der Hypo noch heute. (…) Damals tauchte auch der Ex-General Vladimir Zagorec im Wirkungskreis der Hypo Alpe Adria auf. Die Bank hatte ihm das Lösegeld für seinen im Rahmen einer Mafia-Fehde entführten Sohn vorgestreckt, nun bahnte sie mit dem ehemaligen Waffenhändler Grundstücksgeschäfte an. Insgesamt 260 Millionen Euro, behauptet der kroatische Rechnungshof, habe er aus Klagenfurt erhalten. Im Gegenzug überwies Zagorec Millionenbeträge an eine Stiftung, die Hypo-Vorstand Striedinger in Liechtenstein gegründet hatte. Die Ermittler in Zagreb rätseln noch heute, ob es sich dabei um den Erlös für jene zwei Diamantenkoffer handelte, um die der General den kroatischen Staat erleichtert hatte. Mittlerweile ist der Ex-General in Haft. Um die Verwertung der ehemaligen Telegrafenzentrale der Post in der Wiener Wipplingerstraße, die Zagorec mit einem Hypo-Kredit erstanden hatte, kümmert sich derweil die Firma Rubicon Invest, die Günther Striedinger nach seinem Ausscheiden aus der Klagenfurter Bank gegründet hatte. (…) Viele Entscheidungen wurden in diesen Jahren mit fahrlässigem Leichtsinn gefällt. Bei einem Kredit für das kroatische Verpackungsunternehmen Alupak begnügte sich der Kreditausschuss mit einem zweiseitigen Positionspapier. Bei einem 40-Millionen-Euro-Investment in die Zuckerfabrik von Virovitica ließen sich die Klagenfurter ihren Kredit mit dem produzierten Zucker besichern, der dann verschwunden war, als sie ihre Außenstände eintreiben wollten. Als die Hypo die Crystal Banka in Banja Luka übernahm, sandte sie einen Mann aus der Zentrale nach Bosnien, der, unterstützt von einem Dolmetscher, eine Risikoanalyse (Due-Diligence-Prüfung) vornehmen sollte. »Wir brauchen keine sündteuren Anwälte«, beschied Teufelskerl Striedinger. Unglücklicherweise hatte sich die Hypo ein Institut mit Leichen im Keller gekauft. Sechs Monate später forderte der bosnische Zentralbank-Gouverneur die neuen Eigentümer auf, 30 Millionen D-Mark nachzuschießen, sonst würde die Lizenz entzogen.

Dazu fällt mir wirklich nur noch das da ein:

Opel: War wohl nix

General Motors tut Deutschland, den Opel-Arbeitern und nicht zuletzt auch Frank Stronach einen Gefallen und stimmt dem Verkauf von Opel an Magna und die schwindelige russische Sberbank nun doch nicht zu. Damit wurde vermutlich eine der größten Abzockereien des europäischen Steuerzahlers aller Zeiten verhindert. Hat sich schon mal jemand die russischen Autowerke, die der Sberbank gehören, angesehen? Ich habe zumindest einen TV-Bericht darüber geguckt, und ich sah leere Fabrikshallen auf dem technische Stand der frühen 60er Jahre, totalsanierungsbedürftige Ruinen, in die dann die EU, ginge es nach Franz Strohsack, 4,5 Milliarden Euro pumpen hätte sollen! Und die deutsche Bundesregierung wohl nochmal so viel in Form von Garantien und Billigkrediten. Die Kohle wäre natürlich nicht in den rusischen Permafrustwerken oder bei den deuschen Opelmalochern gelandet, sondern – leider, leider – irgendwo zwischen Banken, Maschinenhändlern und Hintermännern aller Art verpufft. Sie wissen schon: Der gnadenlose freie Markt (lol). Onkel Frank mag sich ärgern, dass der Megadeal nicht klappt, aber er sollte sich freuen, dass die Autoindustrie auch in Hinkunft noch bei ihm einkaufen wird. In der deutschen Politik gibt man sich jetzt „verwundert“ bis „empört“. Kein Wunder, waren doch die Schmiergelder schon ausverhandelt…