Volltrottel mit Streichhölzern

Dass sich nicht nur auf rechts,- sondern auch auf linksextremer Seite ein wahrer Abgrund der Dummheit auftut, ist keine neue Erkenntnis. Jene Volltrottel aber, die sich unter dem Namen „Hekla Empfangskommitte – Initiative für mehr gesellschaftliche Eruptionen“ zu den amateurhaften Anschlägen auf Bahnstrecken in Berlin und Umgebung bekennen, sind derzeit am Boden jenes Abgrunds damit beschäftigt, diesen noch ein wenig tiefer zu buddeln. Wie so oft gesellt sich bei radikalisierten Bürgerkindern zur Blödheit auch noch der Größenwahn, wie die irre Anmaßung im Bekennerbrief, dass man eine Stadt wie Berlin mit ein paar Brandbeschleunigern zum Stillstand zwingen könne, beweist: „Die Züge kommen nicht, das Handy schweigt, auch das Internet braucht heute sehr lange. Der Chef muss warten, ob er will oder nicht. Na und? Der Ministerialbeamte aus Bonn bleibt im ICE hängen. Gut so. Der Hausmeister kann nicht aufschließen. Ausgerechnet heute, wo die Konferenz beginnt. Shoppen gehen? Geld ausgeben? Nicht heute. Mit dem Auto kommst Du auch nirgendwo hin. „Nein, ich kann leider nicht… Gut. Dann morgen.“ Vielleicht … Raum entsteht, wenn die Mobilität zur Ruhe kommt. Wenn das Handy nicht nervt. Denn heute funktioniert nichts so richtig … Der Tag gehört Dir. Die Stadt hält den Atem an, verlangsamt ihr Tempo, vielleicht hält sie inne. Entschleunigung.“

Das ist faktischer Unsinn und beschissen geschrieben, was kein Wunder ist, ist das doch der Jargon der enthirntesten Fraktionen der Linken, der „Freeganer“, der „Anti-Speziezisten“ und aller anderen, denen Kritik und Analyse zu „kompliziert“ sind und die lieber „tanzen gehen“. Und womit begründen diese Flaschen ihr Anrecht darauf, die Bevölkerung zu nerven? Beispielsweise damit: „Zum Beispiel jährt sich gerade der Angriff auf Afghanistan zum zehnten Mal. Das nehmen wir zum Anlass zu bekräftigen, dass sich an den Verhältnissen gründlich etwas ändern muss. Die Gewohnheit, mit der hier jede Scheiße hingenommen oder durchgesetzt wird, muss durchbrochen werden. Angeblich sind 70 Prozent der deutschen Bevölkerung gegen den Afghanistaneinsatz der Bundeswehr. Trotzdem morden die Soldat_innen, der Waffenhandel floriert, die Aktien der Kriegsindustrie steigen. Der relative Reichtum hier begründet sich jeden Tag aufs Neue durch Krieg anderswo – durch Ressourcenklau und internationale Machtdemonstrationen. Jeden Tag wird aus Deutschland Kriegsmaterial in die Welt exportiert. Jeder Tag ist Kriegstag.“ Einmal davon abgesehen, dass im an Ressourcen armen Afghanistan tatsächlich jeder Tag ein Kriegstag ist, und zwar im Krieg gegen Klerikalfaschisten, zu deren Verbündeten sich diese „Linken“ so bereitwillig machen, ist die Argumentation mit Umfrageergebnissen, die den realen oder angeblichen „Volkswillen“ spiegeln, von einer schon fast komischen Schlichtheit. Liebe Kinder von „Hekla“: Es gibt Umfragen, wonach zwischen 40 und 60 Prozent der Deutschen „lieber keine Juden als Nachbarn“ hätten. Geht ihr jetzt los und zündet die Wohnungen von Juden an? Oder, man wird ja noch fragen dürfen, ist es vielleicht doch keine so gute Idee, sich auf Volkes Stimme zu berufen und ihr zu gehorchen?

Was ziehen die Nachwuchsterroristen noch zur Rechtfertigung heran? Das: „Jeden Tag werden Menschen, meist Frauen und Kinder, vergewaltigt. Meistens von Männern. In Kriegen immer.“ Ja, Kinderlein, das ist nicht ganz falsch, aber wisst ihr, wo noch viel mehr Menschen, nämlich Frauen, Kinder und Männer, meistens von Männern, vergewaltigt werden? In den Kerkern der Taliban, in den Knästen Irans, in den Verließen Syriens, in all den Gefängnissen und Gulags all der Regimes, gegen deren Absetzung notfalls mit Gewalt ihr mit eurem Idiotenpazifismus seid. Und, als kleine Geschichtsstunde, liebe Brandbombendummerchen, es gab mal eine Linke, die Faschisten mit der Waffe in der Hand bekämpfte statt sich in eine unsolidarische „Krieg-ist-immer-schlecht“-Attitüde zu flüchten. Würde man euch in die 30er Jahre des 20. Jahrhunderts versetzen, dann würdet ihr wohl empörte Briefe verbreiten, in denen ihr die Spanienkämpfer als „Kriegstreiber, die sich in die inneren Angelegenheiten eines fremden Volks einmischen, obwohl 70 Prozent der Deutschen dagegen sind“ anprangern. Nein, ihr braucht euch jetzt nicht zu winden: Genau das hättet ihr damals getan. Wer gegen die Taliban nichts einzuwenden hat, ja stattdessen deren Gegner zu bekämpfen versucht, der hätte sich auch auf Francos Seite geschlagen, sei es aus Bewunderung für autoritäre Charaktere oder aus Naivität heraus. Ihr hättet euch auch sehr wohl gefühlt unter jenen US-amerikanischen Linken, die gegen den Eintritt der USA in den Zweiten Weltkrieg Stimmung machten und die Raubmordkriege der Nazis ebenso locker-flockig ignorierten wie die Vernichtung der europäischen Juden. Ihr seid dumm, unsolidarisch und auf der falschen Seite, kurz: Ihr seid nicht links, ihr glaubt das bloß von euch.

Greece and Jim Morrison

Griechenland pleite gehen lassen, egal, welche Auswirkungen dies auf den Euro und die EU haben würde – das ist, grob zusammengefasst, die närrische Vorstellung, die die Rechtsaußenparteien Europas derzeit in Reaktion auf die Krise propagieren. Vorstellungen, die übrigens bis in Teile des bürgerlichen und liberalen Lagers hineinreichen, aber auch von der extremen Linken geteilt werden. Was motiviert diese Kreise, Forderungen zu erheben, deren Befolgung zunächst das in Griechenland höchst engagierte französische Bankenwesen zusammenbrechen ließe und in Folge ganz Europa in eine wirkliche Wirtschaftskrise stürzen würde? Im Falle der angesprochenen Teilfraktionen der Bürgerlichen und Liberalen dürfte es wohl schlichtes Unvermögen sein, über den Tellerrand von Kleinunternehmen hinaus eine gesamtwirtschaftliche Schlussfolgerung zu ziehen. Das ist ja nicht neu, sind dies doch dieselben Schlaumeier, die trotz aller das Gegenteil beweisenden historischen Fakten glauben, man könne die Liquiditätsprobleme von Staaten so lösen, wie jene von Familienhaushalten, also durch stures Sparen, und eine das Wirtschaftswachstum bedingende Konsumnachfrage würde sich dann, wundersam wie die Brotvermehrung Jesu, schon irgendwie von alleine einstellen. Die Rechts- und Linksextremen denken da schon strategischer. Für sie geht es darum, die Krise eskalieren zu lassen, um im dann unweigerlich eintretenden ökonomischen und politischen Chaos die Macht zu ergreifen. Der Preis an Menschenleben spielt dabei, wie eine kurze Erinnerung an die völlige Skrupellosigkeit, die das Handeln ideologischer Extremisten in der Vergangenheit bestimmte, zeigt, keine Rolle. Bei den Rechtsextremisten hat man sich auf ein Zusammenbruchs- und Machtübernahmeszenario lange und gut vorbereitet. Sündenböcke (Muslime, Juden, Zigeuner, Kosmopoliten usw) und Ablenkungs- bzw. Kriegsgrundmanöver (etliche unter der Oberfläche brodelnde alte Grenzstreitigkeiten) sind bereits markiert für den sicher eintretenden Fall, dass man, einmal an der Macht, seine Unfähigkeit, Wohlstand herbeizuzaubern, mit den klassischen und bewährten Mitteln, die Rechtsextremisten nun mal benutzen, kaschieren wird müssen.

Was aber tut sich auf der linken Seite des Spielfelds? Auch dort hofft die traditionelle Extremistenfraktion in völliger Verkennung der eigenen Fähigkeiten und der eigenen Chancen im Kampf mit der rechten Konkurrenz auf den Systemzusammenbruch. Orthodoxe kommunistische Parteien und Sekten tagträumen davon, in so einem Fall mit ihren Kadern eine  Diktatur des Proletariats zu schaffen, die, auch das ist historisch erwiesen, in eine dem Faschismus in Sachen Gewalttätigkeit kaum nachstehende Unfreiheit führen würde. Zwar entstehen derzeit rund um den Globus neue, im weiteren Sinne linke Protestbewegungen, doch wissen die nicht so recht, wer sie sind, was sie wollen und gegen wen sie wie gewinnen sollten. Diese neuen Movements werden ganz richtig mit dem „Arabischen Frühling“ verglichen, von dem ja ebenfalls völlig offen ist, in welche Art von „Arabischen Sommer“ er mutieren wird, da, von ein paar Intellektuellen und von organisierten Islamisten einmal abgesehen, seine Vorstellung von Demokratie in etwa so diffus ist, wie jene der westlichen Protestgruppen von einer Alternative zum real existierenden Kapitalismus. Vor den Parlamenten und den Filialen der „Bank Of America“ ein paar Schilder in die Höhe zu halten, ist sicher recht malerisch und romantisch und eine Gelegenheit zum Dampfablassen, gewonnen ist damit erst einmal nichts. Immerhin wird wieder mehr Marx gelesen, was darauf schließen lässt, dass doch einige Leute zumindest daran interessiert sind, sich eine theoretische Grundausstattung für die Kritik an den Verhältnissen anzueigenen. Doch die ideologische und theoretische Tapsigkeit dieser neuen Linken hat auch etwas Hoffnungsvolles, denn die Abwesenheit eines geschlossenen eschatologischen Denksystems lässt auch andere Entwicklungen denkbar erscheinen als die Hinentwicklung zu Jakobinertum und Stalinismus.

Abschließend möchte ich meinen  Beitrag zur Theoriebildung leisten und den großen Analytiker Jim Morrison zitieren, der einst sagte: „I don´t know what´s gonna happen, man, but I wanna have my kicks before the whole shithouse goes up in flames“. 

 

Gaddafis Schwanengesang

In diesen Stunden wird wieder mal verständlich, warum Gaddafi der feuchte Traum der sogenannten „Antiimperialisten“ ist. Er betet nämlich genau die wirren Floskeln herunter, die in bei Aniimps so beliebt sind. Frankreich, Großbritannien und die USA seien „die neuen Nazis“, man werde Libyen „befreien“, habe „das Volk bewaffnet“ (einer meiner Favoriten, denn würde Gaddafi tatsächlich Waffen an die Bevölkerung statt bloß an seine loyalsten Anhänger ausgeben, täte sich wohl bald eine Kugel nur für ihn finden), es fänden „koloniale Angriffe“ auf sein Land statt und so weiter und so Steckengebliebeneschallplatte. Einmal noch kommt vom libyschen Freak der ganze Sermon, der ihm bei Wirrköpfen und Fanatikern von ganz links bis ganz rechts Kultstatus eingebracht hat. Und tatsächlich zeigt ein Blick auf einschläge Websites und in die Foren von Tageszeitungen, dass Nazis und linksextreme Sektierer vor Wut darüber, dass ihnen ihr Freund und Förderer abhanden kommen könnte, fast platzen. Das ist erfreulich.

Gar nicht erfreulich ist das Verhalten Deutschlands. Das Kabinett Merkel macht in diesem Wahljahr einen auf Gerhard Schröder, der, als es ihm innenpolitisch opportun erschien, plötzlich zur Friedenstaube mutierte, und dreht der zivilisierten Staatengemeinschaft und den Opfern Gaddafis eine lange Nase. „Krieg? Nicht mit uns„, so die Nation, die 1999 mit Tornadojets Serbien bombardiert hatte. Die deutsche Enthaltung im UN-Sicherheitsrat war ein skandalöser Akt der Feigheit und ein heftiger Schlag gegen die Einigkeit und damit Glaubwürdigkeit der Europäischen Union. Die UN-Resolution ermächtigt die Staatengemeinschaft, mit militärischen Mitteln die Sicherheit der libyschen Bevölkerung zu garantieren. Und dazu sagt Deutschland „nein“? Das ist einfach nur zum Kotzen. Wobei natürlich klar ist, dass zB eine rot-grüne Regierung wohl nicht anders gehandelt hätte, vor allem angesichts enger Verflechtungen einiger Grünen-Politiker zum Gaddafi-Regime. Und von der Partei „die Linke“ will ich erst gar nicht anfgangen, die manövriert sich ohnehin zusehends in ein rotbraunes Eck bzw. regrediert zur alten SED-Linie, positioniert sich also immer offener antiwestlich und dazu auch noch antiisraelisch, also antisemitisch.

Was die Militäroperationen gegen Libyen betrifft, so ist zu hoffen, dass sich die Alliierten nicht auf einen faulen Kompromis einlassen wie seinerzeit im ersten Golfkrieg. Gaddafi muss weg, denn der plant ganz sicher schon seine Rache, sollte er sich doch noch irgendwie an der Macht halten können. Und das bedeutet dann, dass Europa ein massives Terrorismusproblem bekommen könnte und in Libyen eine grausame „Säuberungswelle“ losgetreten wird. Schon jetzt machen Spezialeinheiten Gaddafis Jagd auf Oppositionelle und Journalisten, und zwar im wörtlichen Sinn, also mit Scharfschützengewehren. Der Zeitfaktor spielt also eine große Rolle. Je rascher Gaddafi tot oder gefangen ist, desto besser für Libyen und die ganze Welt.

Burn, AMS, burn?

Vier Wiener Studenten sitzen derzeit in Untersuchungshaft, weil sie im Juni einen Brandanschlag auf eine Filiale des Arbeitsmarktservice (Arbeitsamt) verübt haben sollen. Gegen drei Männer und eine Frau wird wegen Brandstiftung, Sachbeschädigung und Verbrecherischem Komplott ermittelt. Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass die Untersuchungen auch auf den Tatbestand der Bildung einer Terroristischen Vereinigung ausgeweitet werden könnten – was einen saftigen Strafrahmen von bis zu 15 Jahren inkludieren würde.

Es mag auf den ersten Blick grotesk erscheinen, vier junge Leute wegen zweier angezündeter Müllcontainer wochenlang in Untersuchungshaft zu nehmen und gar mit dem schweren Geschütz des Terrorismusparagraphen auf sie zu zielen, doch auch Andreas Baader und Gudrun Ensslin haben zu Beginn ihrer unrühmlichen Terroristenkarriere mit Streichhölzern gespielt, bevor dann Knarren und Sprengstoff zum Einsatz kamen. Wenn also Brandanschläge verübt werden, sich die mutmaßlichen Täter mit einer holprigen Erklärung im Internet dazu bekennen und ihre Tat als politisch motiviert verstanden wissen wollen, kann der Staat nicht wegschauen und dies als Lausbubenstreich abtun. Niemand kann wollen, dass wir neben gewaltbereiten Islamisten und rechtsextremen „Wehrsportlern“ auch noch einen gewalttätigen linksextremen Untergrund bekommen. Das ist die erste Lektion aus der Geschichte des Linksterorismus, die in diesem Fall zu berücksichtigen ist. Die zweite wäre, nicht mit übermäßiger Härte gegen die Wiener Mistkübelzündler vorzugehen und auf diese Weise die in diesen Kreisen bereits vorhandene paranoid-verzerrte Wahrnehmung der Realität zu bekräftigen. Es dürfte sich um Ersttäter handeln, die, worauf ihr Bekennerschreiben schließen lässt, reichlich naiv und noch nicht völlig durchideologisiert und rettungslos fanatisiert sind. Sollten sich also keine konkreten Hinweise auf weitere geplante Anschläge oder gar Versuche, an Waffen zu gelangen, finden lassen, würde es wohl ausreichen, bei entsprechender Beweislage die Studenten wegen Sachbeschädigung, Brandstiftung und  Komplott zu belangen und den Terrorismusparagraphen stecken zu lassen. Was natürlich nichts daran ändert, dass Polizei und Justiz wachsam bleiben müssen, vor allem weil die AMS-Anzünder nicht im luftleeren Raum agieren, sondern bereits über eine Sympathisantenszene verfügen.

Zur Tat selbst: Man hat hier offensichtlich versucht, durch ein „feuriges“ Statement das Wohlwollen jener nicht gerade wenigen Menschen zu erheischen, die frustrierende Erfahrungen mit dem Arbeitsmarktservice gemacht haben. In typisch linksextremer Realitätsblindheit hat man sich freilich gleich mehrfach verkalkuliert. Erstens kann das AMS nichts für die Gesetze, die es umsetzen muss. Zweitens haben diejenigen, die mit der Hilfe des AMS einen neuen Job finden möchten, zwar manchmal unschöne Erlebnisse, würden aber kaum auf die Idee kommen, im Arbeitsmarktservice ein „Disziplinierungsunternehmen des Kapitalismus“ zu sehen, wie das Bekennerschreiben unterstellt. Drittens ist sich der allergrößte Teil der Bevölkerung völlig im Klaren darüber, dass die derzeitige Verfasstheit von Staat, Demokratie und persönlicher Lebenssituation keiner militanten Gegenwehr bedarf. Österreich ist immer noch ein sehr gut ausgebauter Sozialstaat mit einer vergleichsweise gut funktionierenden Armutsbekämpfung und mit recht großen individuellen Freiheitsrechten. Solange dies so bleibt, werden neue linksextreme oder gar linksterroristische Kräfte ebenso an der Realität vorbeiagieren und auf die Unterstützung der Massen vergeblich hoffen wie die „Vorbilder“ in den 70er Jahren.

Zur Entwarnung besteht aber ebenwo wenig Anlass wie zur Hysterie. Das Erstarken rechts- und linksextremer Parteien in Europa, die Zunahme neonazistischer und neokommunistischer Untergrundaktivitäten und die wieder öfter gestellte Systemfrage sind Symptome von wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen und der krisenhaften Gesamtlage der europäischen Staaten. Osteuropa stagniert wirtschaftlich, entwickelt sich gar wieder zurück mit allen schlimmen Konsequenzen für die betroffenen Bevölkerungen, und auch in Mittel- und Westeuropa stöhnen die Menschen unter immer neuen Sparmaßnahmen und einer sich wieder verschärfenden Umverteilung des Wohlstands von unten nach oben. Dies ist ein gefährlicher Nährboden für ökonomische und politische Kriminalität, und es soll sich bitte niemand täuschen: Europas Geschichte zeigt, dass dieser Kontinent anfällig ist für Gewaltlösungen, wenn die rechtsstaatliche Demokratie in den Augen einer kritischen Masse von Menschen versagt.

Führe uns, o Stefan!

Die vom internationalen Finanzverbrechersyndikat ausgelöste Krise hat Mitteleuropa fest im Griff. So fest, dass sich viele Haushalte gut überlegen müssen, ob sich die Anschaffung eines Zweit-Großbildfernsehers und eines Drittautos finanziell noch ausgeht. Eigentlich immer, aber vor allem in solchen Krisenzeiten will die Arbeiterschaft geleitet und zum Licht der Erkenntnis geführt werden, und wer könnte das besser als ein hauptberuflicher „Arbeiterführer“ wie der Chef der MLPD, Stefan Engel? Was die MLPD ist? Die „Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands“, die als Reaktion auf den feigen Verrat Nikita Chruschtschows an den leninistisch-stalinistischen Idealen gegründet wurde. Plötzlich sollte Schluss sein mit Massenerschießungen, Schauprozessen gegen Abweichler und Gulag für jeden fünften Sowjetbürger? Das konnten aufrechte Arbeiterführer natürlich nicht hinnehmen: Die MLPD als Partei neuen Typs entstand als Antwort auf den revisionistischen Verrat. Seit dem XX. Parteitag der KPdSU 1956 wurde ein Prozess der Restauration des Kapitalismus eingeleitet , der alle ehemals sozialistischen Länder zerstört.

Während in allen anderen Parteien miese Revisionisten und Knechte der Finanzelite hocken und in den Parlamenten weltfremde Juristen, Lehrer und Wirtschaftswissenschaftler – vorzugsweise Beamte um den heißen Brei herumreden und von Tuten und Blasen keinen Tau haben, ist der Berufsrevolutionär Stefan aus ganz anderem Politikerholz geschnitzt. Er absolvierte immerhin eine eine Lehre zum Betriebsschlosser, bevor er Berufsarbeiterfüher wurde. Stefan weiß also, wo dem Proletariat der Markenturnschuh drückt. Dass Stefan nicht mehr arbeitet, sondern führt, liegt an den teuflischen Kapitalisten: Aus politischen Gründen wurde er mehrfach gekündigt. Schließlich kam er – obwohl das offiziell verboten ist – auf die „schwarze Liste“ des Unternehmerverbands. Er musste aus der Region wegziehen, weil er keine Arbeit mehr fand. So war das. Seither hat Stefan jeden Streik, den es in Deutschland seit 1977 gab, persönlich organisiert und mit seiner marxistisch-leninistischen Strahlkraft zum Erfolg geführt: Ob beim ersten Putzfrauenstreik in Deutschland 1977 beim Stahlwerk „Schalker Verein“ in Gelsenkirchen, ob beim Streik der Westberliner Reichsbahner 1980 oder beim großen Stahlarbeiterstreik 1988/89 bei Krupp in Duisburg-Rheinhausen: Stefan Engel  berät mit sensiblem Gespür für das Neue, sicherem politischem Instinkt und schöpferischem Organisationstalent. (…) Er gehört zu den Initiatoren und Beratern des Bergarbeiterstreiks 1997, der  selbständig auf Zeche Hugo in Gelsenkirchen am 7. März 1997 ausgelöst wurde. (…) Natürlich war Stefan auch dabei, als auf Hugo der Deckel auf den Pütt kam. Die Kumpel trauerten – und wollten Orientierung, wie der Kampf um die Arbeitsplätze weitergeht. Die Phrasen des damaligen Ministerpräsidenten Clement empörten die Kumpel nur. Spontan hält Stefan eine viel beachtete Rede auf dem Zechengelände vor Hunderten von Kumpels.(…) Vom siebentägigen selbständigen Streik der Opel-Arbeiter in Bochum im Oktober 2004 ging ein Signal der Arbeiteroffensive aus. Viele Analysten, Medienvertreter und Insider in der Gewerkschaftsbürokratie sind der Meinung, dass die MLPD – und mit ihr Stefan Engel – mit für diesen Streik verantwortlich zeichnet. Er selbst schweigt sich dazu aus. Völlig unverständlich und typisch für die kapitalistischen Ausbeuter-Pfeffersäcke, dass sie so einen nicht als Mitarbeiter haben wollen.

Unermüdlich bemührt sich Stefan um die Bildung und Aufklärung der Arbeiterschaft. Gerne erklärt er dem von der Bourgeoisie dumm gehaltenen Proletariat, dass Fleisch über Feuer erhitzt besser bekömmlich ist als roh hinuntergeschlungen: Original Thüringer Bratwürste: dafür sorgt Stefan gerne bei Festen und gibt eine fachmännische Anleitung, wie sie richtig gebraten werden.

Hier sehen wir Stefan als Führer eines Arbeiterkochkurses:

stefankochen

Stefan ist sich natürlich bewusst, dass er als Führer der deutschen Arbeiter auch eine internationale Verantwortung hat. Deswegen reist er auch gerne um die Welt, da die Massen rund um den Globus nach seinen Vorträgen und Schulungen lechzen wie Verdurstende nach einem Schluck Wasser: Auf jeder Reise wird er gebeten, Veranstaltungen und Schulungen durchzuführen. Sie finden oft vor Hunderten von Teilnehmern, einem ebenso kämpferischen wie wissbegierigen Publikum statt wie hier vor Teepflückerinnen 1995 in Assam/Indien…

Man sieht den Teepflückerinnen an, wie sehr sie Stefans Vortrag fasziniert:

teepflückerinnen

Stefan ist freilich kein hartnäckiger Dogmatiker, ganz im Gegenteil. Sogar Menschen, die aus Unwissenheit eine andere Meinung als Stefan vertreten, überzeugt der sympathische Berufsrevolutionär, und nachdem sie weinend ihre Irrtümer eingesehen haben, danken sie Stefan dafür, ihnen die Augen geöffnet zu haben. Man sieht: Es ist nicht immer nötig, Gegner gleich in den Gulag zu schicken: Er setzt sich auch mit Organisationen, die nicht die gleiche Meinung haben, schöpferisch und produktiv auseinander. Dort wo er ist, prägt er eine solidarische Streitkultur, auf Augenhöhe auch auf internationaler Ebene. Er nahm an der Quito Konferenz zu „Problemen des Marxismus-Leninismus“ im Juli 2009 in Ecuador teil. Er entwickelte einen Stil, sich um die dort vorgetragenen Referate auseinander zu setzen, statt sie nur vorzutragen. Hier entwickelten sich für alle Beteiligten lebendige, lehrreiche und schöpferische Diskussionen für die sich etliche Teilnehmer persönlich bei Stefan bedankten.

Stefan setzt seinen gefürchteten dialektischen Ausschimpffinger ein, der noch jeden Gegner zum Einknicken gebracht hat:

stefanfinger

Freilich fordern 30 Jahre an der Spitze der MLPD und der 24/7-Job als Arbeiterführer ihren Tribut. Es gab Zeiten, da musste der ausgemergelte Stefan sogar seine Hosen versetzen, um sich die nächste Mahlzeit leisten zu können:

stefanausgemergelt

Und manchmal kann Stefan die Verbrechen des Kapitals und die Gemeinheiten der politischen Konkurrenz nur ertragen, indem er zur Flasche greift. Tragisch:

Stefanschnaps

Aber Stefan wird mit allen Widrigkeiten ebenso fertig wie mit innerparteilichen Gegnern (Revisionisten). Sein Status als Deutschlands Arbeiterführer Numero Uno ist unumstritten, und die Revolution ist nicht mehr aufzuhalten. Stefan wird es schaffen, Stefan wird aus Deutschland jenes Paradies machen, dass die Sowjetunion bis zum revisionistischen Verrat von 1956 war. O Stefan, gehe voran, wir Arbeiter folgen dir!

ps: Mit Dank an den badmovies-User Ralph, der mich auf den Arbeiterhelden aufmerksam gemacht hat.