Tod im Mittelmeer

Sollte stimmen, was der „Guardian“ berichtet (deutsche Version hier), dass nämlich die Nato zwei Wochen lang dem Verdursten und Verhungern von 61 Menschen auf einem Flüchtlingsboot im Mittelmeer einfach zugeschaut hat, dann hoffe ich doch, dass die verantwortlichen Offiziere degradiert werden, und zwar so, dass sie mit viel Fleiß und Glück darauf hoffen können, in 20 Jahren zu Kartoffelschälern befördert zu werden. Und in einer besseren Welt würden sie zusammen mit jenen italienischen Beamten, die auf und vor Lampedusa Europa wortwörtlich die Mauer machen, wegen unterlassener Hilfeleistung mit dutzendfacher Todesfolge vor Gericht gestellt. Europa kann und braucht nicht jeden Menschen aufzunehmen, der hier einwandern will, aber Menschen einfach auf offener See verrecken zu lassen ist ein Verbrechen und eine moralische Bankrotterklärung.

Europa ohne Hosen

Europa lässt vor aller Welt die Hosen runter: Der Luftkrieg über Libyen dauert etwas mehr als einen Monat, aber der Nato geht bereits die Munition aus. Die Vorräte der europäischen Streitkräfte an lasergelenkten Präzisionsbomben schwinden. Der Direktor des Forschungsinstituts Globalsecurity.org, John Pike, findet deutliche Worte: „Libyen ist kein großer Krieg. Wenn den Europäern schon zu so einem frühen Zeitpunkt in so einer kleinen Mission die Munition ausgeht, fragt man sich, auf welche Art von Krieg sie sich vorbereitet haben“, sagte er der „Washington Post“. „Vielleicht wollten sie ihre Luftwaffen nur bei Flugshows einsetzen.“ 

Ja, Mr. Pike, ein Großteil der Europäer möchte die Flugwaffen wirklich nur bei Flugshows einsetzen, denn man hat sich daran gewöhnt, dass andere die Drecksarbeit erledigen, während man selbst moralisch empört tat, um dann dem Drecksarbeiter im Hinterzimmer einen fetten Scheck auszustellen. Das sollte diesmal anders sein, nun wollte man mal selber militärisch was tun, zeigen, dass man es noch konnte, ging es doch um europäische Interessen in einem europäischen Hinterhof, doch man hätte wohl wirklich auf die Deutschen hören sollen, ausnahmsweise mal. Die haben sich die Sache vor der UN-Entscheidung genau angesehen, vor allem die militärischen Kapazitäten der EU, erkannten sofort, dass sich Russland und China totlachen werden, sobald die sehen, dass Frankreich, Großbritannien, Deutschland und Co nicht mal mit der Hälfte von Libyen fertig werden, und dann haben sie gesagt: „Ne ihr, lasst mal, wir machen da nicht mit“.