Nekrophile Mordlust, getarnt als Gnade

Ich bin ein Gegner der Euthanasie, der euphemistisch „Sterbehilfe“ genannten Ermordung kranker Menschen, und ich habe schon mehr als einmal deutlich argumentiert, warum ich das bin. Mit so einer Haltung steht man rasch alleine da in einer Gesellschaft, in der es bis weit hinein in linke, liberale und grüne Zusammenhänge als schick und progressiv gilt, für ein „selbstbestimmtes Sterben“ einzutreten, als wäre der Tod bloß eine weitere Entscheidung unter vielen, so wie die zwischen Apple und PC oder Dachgeschosswohnung in Citylage und Einfamilienhaus am Land. Befürworterinnen des legalisierten Mordens beteuern natürlich stets, sie hätten allein die reine Gnade und Liebe für Menschen, die an unerträglichen Schmerzen leiden, im Sinn, nie böse ökonomische Hintergedanken. Und man brauche bloß ganz doll strenge Regelungen schaffen, damit kein Missbrauch geschähe. So wie in den Niederlanden, dem Utopia der Ahnderlvergifter. Ganz streng sei dort das legale Umbringen geregelt, hörte man. Dann ließen die Niederländer zu, dass das Morden auf angeblichen Wunsch der Ermordeten auf Menschen mit seelischen Beschwerden ausgedehnt wurde. Und nun, wenige Jahre später, denkt man in Holland daran, die Überlebenswürdigkeit von Menschen an die Dicke ihrer Brieftaschen zu koppeln. Die „Welt“ berichtetUnter den Ärzten unseres Nachbarlandes bildet sich derzeit eine Mehrheit, die sich für eine Obergrenze von Behandlungskosten ausspricht. Ob es sich bei schwer Erkrankten lohnt, medizinische Maßnahmen einzuleiten oder fortzusetzen, soll in Zukunft vor allem eine Frage des Geldes sein. Teure Therapien werden tabu, wenn der Aufwand dem Patienten vielleicht „nur“ ein weiteres Lebensjahr schenken würde.

Nur ein weiteres Jahr. In dem sich alles ändern kann. In dem eine neue Therapie zugelassen werden könnte. In dem der Mensch am Leben ist statt tot. „Nur ein Jahr“, denkt der, der meint, noch ewig leben zu dürfen. Für den Kranken kann ein Jahr alles sein, doch der zählt nicht mehr. Die Kosten zählen und des Kranken Bankkonto zählt. Für die, die sich eine weitere Behandlung nicht leisten können, steht die angeblich erlösende Todesspritze bereit. Das ist die Gnadenhaftigkeit eines Kapitalismus, der zum Faschismus degeneriert. Das ist Naziideologie in moderner Verkleidung. Das ist ein Angriff auf die Zivilisation. Zu harte Worte? Ich denke, man kann es gar nicht hart genug formulieren. Wenn das in den Niederlanden durchgeht, wenn also dort demnächst Menschen aus Kostengründen die medizinische Behandlung verweigert wird bei gleichzeitiger legaler Euthanasie, dann sind die Tore weit offen, dann kommen demnächst wieder die Behinderten in die Mordlager, dann muss jeder, der Kosten verursacht statt Gewinn abzuwerfen, mit seiner „Erlösung“ rechnen. 

Wie rasend schnell sich Europa re-barbarisiert konnte man spätestens zu Beginn der Ukraine-Krise erkennen, als auf der einen Seite ranghöchste Politikerinnen der EU und der USA mit Neonazis flirteten und auf der anderen Seite eine völkische, klerikal unterfütterte panslawistische Retrobewegung rasant Fahrt aufnahm. Wer nichts dabei findet, mit waschechten Faschisten zu paktieren, der signalisiert, dass er mit dem Faschismus kein Problem hat und ihn als mögliche Krisenpanzerung des Kapitalismus akzeptiert. Wer weiters kein Problem mit Ungarn hat, wo die Zwangsarbeit für Sozialhilfeempfängerinnen eingeführt wurde, signalisiert, was er alles für denk- und machbar hält in der Europäischen Union. Wer die Sterbehilfe legalisiert und gleichzeitig über Kostenbegrenzungen bei der Krankenbehandlung redet, signalisiert, dass es Kranken und Behinderten bald an den Kragen gehen wird. Langsam, aber stetig wird eine zivilisatorische Errungenschaft nach der anderen wieder einkassiert auf diesem Kontinent, der der reichste der Welt ist. Und es ist, wie es schon einmal war: Wir schauen zu und lassen uns das gefallen. Es trifft ja nur die anderen, es könnte schlimmer sein, es wird schon nicht so arg werden, reden wir uns ein. Irgendwann ist dann der Nachbar verschwunden. Weil er zu krank und zu teuer war, weil er behindert war, weil er arbeitslos war, weil jemand beschlossen hat, dass er ein Schädling sei, der aus dem Volkskörper entfernt werden müsse. So wie schon einmal geschehen schauen wir zu, eingeschüchtert von einem zum furchteinflößenden Monster aufgebauten Überwachungs- und Unterdrückungsapparat, in der Lethargie eines digitalen Scheinaktivismus eingelullt, im dunklen Wald pfeifend: „So schlimm wird es nicht“.  Dabei rasen wir auf den zweiten Zivilisationsbruch binnen weniger als 100 Jahren zu, und es sind nicht irgendwelche muslimischen Horden, die das vorantreiben, sondern wir sind es mit unserer als Mitleid getarnten nekrophilen Mordlust und unseren Kassenbüchern, in denen wir Menschen in den Kategorien wert und unwert, rentabel und unrentabel führen. 

Kultur des Todes

Der moralische Schluckauf, ausgelöst vom Euthanasieprogramm der Nazis, die den Kapitalismus als reine Kosten-Nutzen-Rechnung, unter die selbstverständlich auch menschliches Leben fällt, kenntlich gemacht hatten, scheint überwunden. Immer mehr Staaten dehnen ihre Krankentötungsprogramme auf immer mehr Krankheitsbilder aus. Allein zum Wohle der armen Patienten natürlich, die unter „unterträglichen Schmerzen“ litten, und diesmal vor allem vorangetrieben von „linken“ Parteien. Wie den belgischen Sozialisten, die nun eine Ausweitung der „Sterbehilfe“ auf Kinder und Alzheimerkranke anstreben. Die Kritiker, die vor zehn Jahren befürchtet hatten, dass die Legalisierung der Sterbehilfe für „unheilbar kranke Menschen mit unerträglichen Schmerzen“ in den Niederlanden der Fuß war, den die Inhumanität in die Tür unserer Zivilisation klemmte, sollten Recht behalten. In Holland gelten mittlerweile schon Demenz und Depressionen als „unerträgliche Leiden“, zu deren Beendung man die Todesspritze beantragen darf. Ich will keineswegs jedem, der Euthanasie befürwortet, absprechen, es gut zu meinen, allein: Die Absicht ändert nichts am Resultat. Auch viele Nazi-Ärzte waren davon überzeugt, nicht nur der arischen „Rasse“, sondern auch den Kranken und Behinderten einen Dienst zu erweisen, indem sie das „unwerte Leben“ auslöschten. Anders ist die nachgewiesene Übererfüllung des Plansolls an ermordeten Kranken durch die Ärzteschaft unter dem NS-Regime kaum nachvollziehbar, anders sind die vielen „wilden“ Euthanasien nicht zu verstehen. Der Gott zugeschriebene, aber von klugen Menschen erlassene Imperativ „du sollst nicht töten“ wurde zunächst abgeschwächt in ein „manchmal könnte Töten ganz okay sein“, bis dann das Töten zum Gebot wurde, wollte man „Gutes tun“. Nicht über Nacht wurden die Menschen zu Mördern, ihre Wertvorstellungen wurden langsam verändert und pathologisiert, bis dann der Arzt, der ein behindertes Kind tot spritzte,  sich ebenso wahnwitzig  verdreht im Dienste des Wahren und Guten tätig fühlte wie der SS-Scherge, der Juden ermordete.

Wer jetzt „Godwin´s Law“ ruft, hat nicht verstanden, wohin sich unsere Gesellschaften seit einiger Zeit erneut entwickeln, nämlich zu Orten, an denen nichts anderes zählt als der berechenbare Wert der Arbeitskraft, die anbieten zu können oberste Bürgerpflicht geworden ist. Wer diese Pflicht nicht erfüllen kann, der wird nicht mehr von Schlägern aus dem Haus gezerrt und im KZ vernichtet, es reicht völlig, ihm immer wieder vorzurechnen, wie sehr er den anderen auf der Tasche läge, wie sehr er „das System“ alleine durch seine Existenz belaste, um ihm dann, ganz zu seinem Wohl, die Möglichkeit zu geben, einen gnädigen Tod zu sterben, um Erben, Krankenkassen und Finanzminister besser schlafen zu lassen. Die Leute sollen dazu gebracht werden, sich selbst als überflüssiges Menschenmaterial zu sehen, dessen Daseinsberechtigung spätestens mit Antritt der Rente, immer öfter aber wesentlich früher erlischt. Man höre sich nur an, wie andauernd gegen die Armen und daher ökonomisch Überflüssigen polemisiert wird! Der Hass auf „unnütze Esser“ wird doch nicht zum Spaß geschürt, damit sollen zunächst einmal weitere Einschnitte am Sozialsystem vorbereitet werden und in Konsequenz die Absprechung der Existenzberechtigung für Gruppen, die weder in der Produktion zu gebrauchen sind, noch als Konsumenten viel taugen. Und wie gesagt: Diese Gruppen sollen ihre Auslöschung selbst veranstalten. Wie sonst könnte das ein Alzheimerpatient verstehen, als als Aufforderung zum Sterben, wenn er einerseits täglich mit Meldungen über die angebliche Unfinanzierbarkeit des Gesundheits- und Sozialsystems bombardiert wird und man ihm andererseits die „Chance“ eröffnet, diesem sanften Druck nachzugeben und um „Sterbehilfe“ zu ersuchen? Der an Alzheimer erkrankte bemerkt, dass er seinen Angehörigen und/oder dem Staat zur Last fällt, während er immer hilfloser und daher hilfsbedürftiger wird. „Doch das muss nicht sein“, flüstert die Sozialistische Partei Belgiens, „eine Spritze nur und deine Verwandten sind endlich frei und froh, dein Leiden an deiner Unzulänglichkeit, ja Unzumutbarkeit vergangen“. Was sie nicht so deutlich flüstern: „Und wir hätten dann wieder mehr Kohle für Bankenrettung und Rüstungsgüter, du blöder alter Schmarotzer“.

Wer nun meint, ich wüsste nicht, wovon ich schreibe, der sei daran erinnert, dass ich sowohl körperliche, als auch seelische Schmerzen höchster Intensität kennengelernt habe. Und ich war in der Situation, völlig von der Pflege durch andere abhängig zu sein. Als ich monatelang im Krankenhaus lag, immer wieder von brutalem Schmerz und tiefster Depression gepeinigt, da wollte ich trotzdem nicht sterben, und das lag nicht nur an meinem Überlebenswillen, sondern vor allem an den Pflegerinnen und Ärztinnen, die mich behandelten, und die mir noch die erniedrigendsten Situationen erträglich machten, weil sie, wenn zum Beispiel der frisch operierte Darm  seinen Inhalt in die Bettlaken ergoss, mich nicht „igittigitt“ rufend tadelten, sondern das völlig professionell und freundlich und mit einem Scherz auf den Lippen behoben. Wäre ich von  Ärzten und Krankenpflegern behandelt worden, die mir andauernd vorgerechnet hätten, wie viel Kohle das alles doch koste und dass das Geld doch sicherlich für kranke Kinder viel besser ausgegeben wäre als für mich, oder die mir dauernd gesagt hätten, wie schlimm mein Krebs doch sei und wie ekelhaft meine Scheiße im Leibstühl stänke, ja wenn sie nur lange genug derartig auf mich eingeredet hätten, ich hätte mich wohl zu einer Selbsttötung oder einer „Euthanasie“ überreden lassen. Doch die Kultur in unseren Krankenhäusern ist nicht so. Geht es nach den Vertretern des angeblich würdevollen Todes, droht diese Kultur der Verachtung für alles Kranke aber zurückzukehren, und dann gnade Gott allen, die nicht reich sind, denn auf die Gnade ihrer Mitmenschen werden sie dann nicht mehr hoffen können.

Neues vom dümmsten Blog der Welt

In den Niederlanden wird mit dem Schächtungsverbot ein altes Nazi-Gesetz reaktiviert und der dümmste Blog der Welt, das ausschließlich laut Eigendefinition „proisraelische“ (man gestatte, dass ich hierbei laut auflache) „politically incorrect“, freut sich über diesen „Erfolg“. Noch Fragen?

Falls jemand tatsächlich noch denken sollte, bei „PI“ handele es sich nicht um einen antisemitischen und rassistischen Kellernaziblog, dann sollte derjenige sich vielleicht mal diesen Beitrag zu Gemüte führen, der mit einer hübschen Grafik, die so auch in einem Biologiebuch der Nazis vorkommen hätte können, aufwartet: