Der Nachfolgestaat

Der deutsche Sozialrichter Jan Robert von Renesse wollte sich nicht damit abfinden, dass die Sozialbürokratie in unheiliger Allianz mit der Politik Rentenzahlungen an jüdische Ghetto-Überlebende so lange hinauszuzögern  gedachte, bis auch der letzte Anspruchsberechtigte verstorben sein würde, und mischte sich zugunsten der Opfer ein. Zum Dank für seinen Einsatz für die Holocaustüberlebenden wird er nun in Deutschland geschnitten und gemobbt. Wir erinnern uns: Das ist jenes Deutschland, das sich erstaunlich leidenschaftlich dafür einsetzte, dass SS-Mitglieder und Wehrmachtskollaborateure in ganz Europa eine schöne Rentenaufbesserung aus Bonn und Berlin bekamen.  Nazi-Täter gelten Deutschland als „die unsrigen“, auf die man auch finanziell schauen müsse, Nazi-Opfer sind lästig und sollen wegsterben, damit endlich Ruhe im Karton ist.  Das ist und war die Realität jenseits der wohlfeilen Sonntagsreden im „gründlich zivilisierten“ (Claudia Roth) Deutschland.

FP-Rückzieher bei NS-Operzahlung

Widerstand bringt doch was. Nach einem öffentlichen Aufschrei, der sich unter anderem in einer Flut empörter Leserbriefe, Zeitungskommentare, Blogeinträge sowie scharfer Kritik seitens der Opposition äußerte, machen die kärntner Freiheitlichen einen Rückzieher und werden die Weihnachtsgabe für NS-Oper nun weiterhin und für 2011 rückwirkend auszahlen. Und für einen blauen Politiker unerwartet klar sagt Landeshauptmann Dörfler: „Jenen, die für unser Land gekämpft und in schwierigen Zeiten für unsere Heimat eingestanden sind, gebührt Dank, Anerkennung und Wertschätzung“. Das ist insoferne von Bedeutung, als man in freiheitlichen Kreisen üblicherweise davon fantasiert, Wehrmacht und SS hätten zwischen Atlantik und Ural, zwischen Hammerfest und Athen  „die Heimat verteidigt“, während Widerstandskämpfer „Verräter“ gewesen seien. Aber es ist nie zu spät, dazuzulernen.