Ulrichsberg und KZ Lendorf

Na endlich. Verteidigungsminister Norbert Darabos „erwägt“ zumindest, dass das österreichische Bundesheer am diesjährigen Ulrichsbergtreffen am 20. September nicht teilnimmt. Das Heer hat dort oben auch nichts zu suchen, denn dieses Treffen ist eine Privatveranstaltung, bei der noch lebende Weltkriegsveteranen einander versichern, ganz normale Soldaten in einer ganz normalen Armee gewesen zu sein, die niemals nicht irgendwelche Verbrechen begangen habe. Am Vorabend des Treffens auf dem Berg feiern Mitglieder der „Kameradschaft IV“, also ehemalige SSler, dass sie dem Höllenfeuer ein weiteres Jahr entronnen sind. Heuer wurde überdies bekannt, dass der Vorsitzende der „Ulrichsberggemeinschaft“ Wolf Dieter Ressenig, NS-Devotionalien im Internet feilgeboten hat. Es gibt also genug Gründe, dass diese Veranstaltung, auf der leider immer noch Politiker aller kärntner Parteien als Redner auftreten, zumindest keine Unterstützung durch das Militär erfährt.

Das österreichische Bundesheer hat übrigens immer noch Schwierigkeiten mit der Vergangenheitsbewältigung. So etwa in der Kaserne Lendorf bei Klagenfurt, die ein ehemaliges KZ ist, von KZ-Insassen erbaut wurde und eine „SS-Junkerschule“ war, in der die Mörderelite des Regimes ausgebildet wurde. Nach Jahrzehnten hat man zwar in der Kaserne eine Gedenktafel angebracht, im für Besucher nur mit Ausnahmegenehmigung zugänglichen Militärmuseum im Kasernenkomplex werden allerdings immer noch SS-Uniformen kommentarlos neben jenen von regulären Einheiten ausgestellt. Das ist ein „Traditionsbewusstsein“, das längst auf den Müllhaufen der Geschichte gehört. Und die Frage muss erlaubt sein, warum das Bundesheer, das etliche seiner Kasernen zu verkaufen versucht, ausgerechnet eine ehemalige SS-Ausbildungsstätte behalten will.