Hysterischer Kinderschutz

Jeder, der hin und wieder ein Bier trinkt, ist Alkoholiker. Alle, die an einen Gott glauben, sind religiöse Fundamentalisten. Sämtliche Gewerkschafter, die mehr Rechte für Arbeitnehmer fordern, sind Kommunisten. Wer sich zu Fotos aus dem Playboy einen runterholt, ist mit Sicherheit ein Fan von Gewaltpornographie und ein potenzieller Vergewaltiger. Weil es im Umfeld der FPÖ Personen gibt, die am Neonazismus anstreifen, ist jedes FPÖ-Mitglied ein Nazi. Wer Hasch raucht, nimmt auch Heroin. Ob ein Kunstwerk oder eine Fotografie sexuelle Inhalte hat, hängt nicht vom objektiven Inhalt des Kunstwerks oder der Fotografie ab, sondern allein davon, ob der Betrachter sich davon sexuell erregt fühlt.

Das waren jetzt ein paar ziemlich dumme Sätze, deren Dummheit so gut wie jeder nicht debile Mensch problemlos erkennen wird. Zirkelschlüsse halt, die ganz leicht zu widerlegen sind. Es sei denn, man redet über Pädophilie. Dann nämlich bringen auch als seriös geltende Medien wie die „Zeit“  Texte, deren intellektuelle Schlichtheit nur von der moralisierenden Penetranz des „Denkt denn hier niemand an die Kinder“-Geschreis übertroffen wird. Im einem Kommentar mit dem Satire herausfordernden Titel „Es geht um die Kinder!“ schreibt Ludwig Greven so, wie das gesunde Volksempfinden empfindet: Hirnlos, planlos und rassistisch:

Bis vor einer Woche schien es noch einen gesellschaftlichen Konsens zu geben: Sexuell ist fast alles erlaubt, sofern es freiwillig geschieht – zwischen Erwachsenen. Das sexuelle Ausnutzen von Kindern jedoch muss in jeder Form tabu sein. Denn es schädigt ihren Körper und ihre Seele, oft für ihr ganzes Leben. Das ist nicht zuletzt die Lehre aus Pädophilie-Debatte der Grünen, die in ihrer Gründungszeit die Grenzen nicht immer klar zogen. Nun wird aber anhand des Falls Edathy feinsinnig unterschieden zwischen Kinderpornographie und bloßen Nacktaufnahmen Minderjähriger. Sind ihre Genitalien deutlich zu sehen? Stehen sie im „Vordergrund“ oder handelt es sich lediglich um „naturalistische“ FKK-Bilder? Strafrechtlich mögen solche Unterscheidungen relevant sein. Denn der Besitz von FKK-Fotos und ähnlichen Abbildungen Minderjähriger ist in Deutschland nicht verboten.

Wie die dumpfe Masse jener, die bei den  Themen Pädophilie und Kindesmissbrauch durchdrehen, weil sie annehmen, eine sexuelle Veranlagung (Pädophilie) sei dasselbe wie ein Verbrechen (Kindesmissbrauch), wirft auch Greven munter Zutaten in einen Topf, die nicht zusammenpassen und nichts miteinander zu tun haben, aber vermischt eine hübsche Giftbrühe ergeben. Zwischen der Darstellung von Kindesmissbrauch und Nacktfotos zu unterschieden, mag „feinsinnig“ sein, wie Greven abwertend schreibt, den fundamentalen Unterschied aber zu leugnen, obwohl das bislang nicht mal das deutsche Strafrecht macht, ist stumpfsinnig. Zeigt das eine Material Vergewaltigung (Sex mit Kindern oder Minderjährigen ist meiner Ansicht nach wegen des Machtgefälles immer eine Form von Vergewaltigung, Anm.), zeigt das andere Nacktheit. Das ist nicht das Gleiche und schon gar nicht Dasselbe. Für Greve und Konsorten wird Harmloses aber gefährlich, verändert also seine Natur, sobald der Betrachter dabei eine Erektion kriegt.

Ist dem ausgeschiedenen SPD-Bundestagsabgeordneten Sebastian Edathy nicht mehr nachzuweisen, käme er ohne Strafe davon. Das heißt aber nicht, dass solche Machwerke harmlos sind. Wer sich derartiges Material im Internet bestellt, tut das in der Regel nicht aus ästhetischen, sondern aus pornographischen Gründen: Er ist pädophil. Er betrachtet Bilder von Kindern und Jugendlichen zur sexuellen Befriedigung.

Ein Pädophiler betrachtet vermutlich auch manche Kinder auf der Straße, Kataloge von Kindermodenherstellern und Kindertalentwettbewerbe im Fernsehen aus „pornographischen Gründen“. Wird aus all dem nun Kinderpornographie? Und wie ist dagegen anzukämpfen? Durch ein Verbot all dessen, weil es Pädophile erregen könnte? Oder dadurch, dass man Pädophilen die Augen aussticht? Für Greve, der sich ja für zivilisiert hält, kommt (vorerst?) nur ersteres in Frage:

 Am Ende macht es keinen großen Unterschied, ob Kinder heimlich nackt aufgenommen werden oder ob sie zu Posen gezwungen werden. Sie werden in jedem Fall benutzt – für die sexuelle Stimulierung Erwachsener. Oft werden Zwang oder Gewalt auf sie ausgeübt. Das Geschäft damit sollte deshalb gleichermaßen verboten werden. Der eigentliche Skandal ist daher auch nicht, ob die Staatsanwaltschaft Hannover zu viele Details über das Kaufverhalten von Herrn Edathy und seine Vorlieben preisgegeben hat. Sondern dass sich Hunderte Männer in Deutschland, darunter wohl auch Sebastian Edathy, in Kanada solche Aufnahmen bestellt haben. Die Opfer stammten zum Teil aus Deutschland: Ihnen sollte die ganze Aufmerksamkeit gelten“.

Unbeabsichtigt, so nehme ich zumindest an, platzt es am Ende aus Greven heraus, dass deutsche Kinder ganz besonders schützenswert seien, womit er klar zeigt, wie der Kinderschutzlynchmob tickt. All das, was in zivilisierten Rechtsstaaten bei der Ermittlung von Schuld, Strafwürdigkeit und Strafmaß zu Recht größte Bedeutung hat, nämlich objektiver Tatbestand, Motiv, Beweislage und Unschuldsvermutung, soll für Pädophile nicht mehr gelten. Bei denen reicht, was Greven ihnen unterstellt, dass Greven sie eklig findet und dass Greven meint, ein diffuses Moralrecht stünde über dem Strafrecht, womit die soziale Vernichtung solcher Leute durch Staatsanwaltschaften, die ohne Hinweis auf strafbare Handlungen Ermittlungen öffentlich machen, gerechtfertigt wird. Bezeichnend an solchen Geisteshaltungen ist, dass die Empörung sich fast zur Gänze gegen jene richtet, die für ihre Veranlagung nichts können, aber nicht mal ansatzweise gegen soziale Verhältnisse, in denen Kinder, Jugendliche und deren Eltern für ein paar Euro bereit sind, sich nackt oder gar beim Sex fotografieren zu lassen. Statt das Elend zu bekämpfen, das die (sexuelle) Ausbeutung  von Kindern erleichtert, soll rein über prohibitive und repressive Maßnahmen eingegriffen werden. Ein furchtbar verkürzter Ansatz, der vielleicht eine kurzfristige moralische Befriedigung bringen mag, aber das Problem des realen Kindesmissbrauchs nicht aus der Welt schaffen wird. Wer gegen Kindesmissbrauch ist, muss Kinder stärken – ökonomisch, sozial und rechtlich.

Ich bin genauso wenig Experte für die Themenbereiche Pädophilie und Kindesmissbrauch wie Ludwig Greven. Ich würde auch ein Verbot des Handels mit „Poserbildern“ nicht generell ablehnen wollen, sofern es zuvor zu einer von echten Expertinnen begleiteten Abschätzung  kommt, ob negative Folgen wie die mögliche Kriminalisierung tatsächlich harmloser Familienfotos etc. die politisch erwünschte sexualpolitische Aussage nicht überwiegen. Ich weiß aber, dass Hysterie immer ein schlechter Ratgeber ist und dass es gefährlich wird, wenn Staatsanwaltschaften anfangen, „moralisch“ zu handeln statt nach den Buchstaben des Gesetzes. Und ich weiß, dass das Strafrecht sich nicht ausschließlich danach richten darf, was Mehrheiten für moralisch oder amoralisch, für okay oder ekelhaft halten, sondern sich stärker danach richten sollen, welcher reale Schaden durch eine Tat entsteht.

Pädophilie: Verlogenes Grünen-Bashing

Wäre ich Deutscher, hätte ich gute Gründe, die Grünen nicht zu wählen. Dass Daniel Cohn-Bendit, Jürgen Trittin und andere vor Jahrzehnten einen differenzierten und auch naiven Zugang zum Themenkomplex Pädophilie hatten, gehörte für mich nicht dazu. Die skrupellose Niederträchtigkeit, mit der deutsche Konservative im Wahlkampf versuchen, die Grünen zu einer Partei der Kindesmissbraucher zu stempeln, ist ebenso bezeichnend wie die ängstliche Bekennerei der heutigen Grünen, dass man die sexuelle Hingezogenheit Erwachsener zu Kindern eh ganz doll schlimm und eklig und falsch fände, dass man also mit dem gesunden Volksempfinden voll und ganz übereinstimme. Niemand traut sich, rational und ohne emotionalen Ton auszusprechen, was Realität ist, nämlich dass Pädophilie an sich nicht mehr oder weniger problematisch ist als jede andere Form sexueller Orientierung. Zu einem Problem und, je nach gesetzlicher Lage, einem Verbrechen wird sie erst dann, sobald der Pädophile seine Neigung auslebt, Kinder missbraucht oder kinderpornographisches Bildmaterial herstellt, in Umlauf bringt oder dafür bezahlt. Dann soll das Strafrecht greifen, wobei die Bestrafung möglichst mit einer psychologischen Betreuung verbunden sein sollte, die zum Ziel hat, dem Täter klar zu machen, was sexueller Missbrauch von Kindern bei den Opfern anrichtet, dass sie Leben zerstören und Menschen seelisch verkrüppeln kann. Pädophilie als Neigung an sich zu verteufeln, mag ein vielen Menschen nahe liegender Impuls sein, Sinn ergibt das bei genauer Betrachtung nicht. Keine sexuelle Abweichung vom Fortpflanzungssex ist per se schlecht, so lange dabei niemand zu Schaden kommt und ausgelebte Sexualität zwischen Menschen stattfindet, die einwilligungsfähig sind und wissen, worauf sie sich einlassen. Das ist bei Kindern nie der Fall. Ausgelebte Sexualität, bei der ein Partner erwachsen und der andere ein Kind ist, muss immer Missbrauch sein, weswegen dies auch zu Recht als eine Form von Vergewaltigung gesehen wird. Wer aber diesbezüglich nur Fantasien hat und diese niemals auslebt, ist kein schlechterer Mensch als jemand mit sadomasochistischen Kinks oder was auch immer. Das Reich der sexuellen Fantasien und Fetische ist ein weites, und würden wir wissen, was die Menschen um uns herum sich alles zusammenträumen, würden wir staunen und es wohl oft genug mit der Angst zu tun bekommen.

Die Heftigkeit der Ablehnung und der Distanzierungsbekenntnisse, die man von vielen Leuten beim Thema Pädophilie zu hören bekommt, lassen tief blicken und bezeugen, wie weit verbreitet pädophile Neigungen sind. Es ist kein Zufall, dass die lautesten Rufer nach „Todesstrafe“ und „Kastration“ immer die sind, die autoritäre Lebensentwürfe und Politikvarianten befürworten, also Strukturen haben wollen, die genau jene sind, unter denen Kinder mächtigen Personen und Institutionen ausgeliefert und damit leichte Opfer sind. Andererseits zeigt dies auch die Sehnsucht vieler Menschen, sich eine imaginierte moralische Überlegenheit anzumaßen, mit deren Hilfe sie dann anderen die Menschlichkeit absprechen und sie umbringen, foltern oder kastrieren dürfen. Die sadistischen Impulse des ungesunden Volksempfindens haben dieselbe Wurzel wie die sexuelle Deviation des  Machtmissbrauchers, der sich Schwächeren aufdrängt. Konkreter gesagt: In Deutschland haben Teile von CDU und CSU bis in die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts hinein verhindern wollen, dass die Vergewaltigung in der Ehe  ein Straftatbestand wird und dass man Kinder  nicht schlagen dürfe. Das waren teils dieselben Leute, die auch gegen Frauenhäuser waren und die grundsätzlich jede Reform, die die Macht des „Hausherren“ über Frauen und Kinder beschränken sollte, ablehnten. Genau dort aber, im trauten Heim, geschieht sexueller Kindesmissbrauch am häufigsten. Am zweithäufigsten werden Kinder zu Opfern sexueller Gewalt, wenn sie Zwangsinstitutionen wie Heimen, Gefängnissen oder Psychiatrien ausgesetzt sind. Erst danach und mit riesigem Abstand kommt der böse Fremde, der Kindern auflauert. Das ist kein Geheimnis. Wer dennoch diese Reihenfolge umdreht, um daraus politisches Kapital zu schlagen, muss sich die Frage gefallen lassen, ob er nicht etwas ganz anderes im Sinn hat als den Schutz der Kinder. Das Grünen-Bashing von genau jenen, die von der Heiligkeit der Familie schwafeln und auch sonst ganz dafür sind, Kinder möglichst machtlos zu halten und unhinterfragbaren Autoritäten auszusetzen, kann man als Revanchegelüste jener lesen, die die gesellschaftliche Liberalisierung nach 1968 bis heute nicht verwunden haben und gerne zurück möchten in die Zeiten, als immer die Eltern recht hatten und nie die Kinder, immer die Pfarrer und nie die Ministranten, immer die Heimleiter und nie die Insassen, in eine Zeit also, in der  Kinder massenweise sexuell missbraucht wurden und die Missbraucher alle Macht auf ihrer Seite hatten. 

Frauen als Sexualverbrecherinnen

Schwerer Rückschlag für die „Männer-sind-Monster“-Fraktion in der Sexualverbrecherdiskussion: Immer mehr Frauen werden des sexuellen Kindesmissbrauchs angeklagt. Mich überrascht das überhaupt nicht, denn ich habe Frauen nie als die „besseren Menschen“ gesehen, wie das vor allem durch den Dumm-Flügel des US-amerikanischen Feminismus transportiert wurde. Frauen haben dasselbe Potenzial, Verbrechen, auch Sexualverbrechen zu begehen wie Männer, bloß wollte dies bis vor kurzem aus rechten und pseudolinken ideologischen Gründen kaum jemand wahr haben. Es wird wohl noch eine Weile dauern, bis der konservative und der feministische Sexismus überwunden sein wird.

Pädophilie: Schlagen und Missbrauchen – zwei Seiten derselben Münze?

Österreichs Polizei hat 935 Verdächtige ausgeforscht, die sich im Internet kinderpornographisches Material angesehen haben sollen. Dass nach solchen Nachrichten die Volksseele überkocht, war zwar zu erwarten, ist aber für mich doch der intereressantere Teil des Phänomens „Kinderpornographie“ bzw. „Kindesmissbrauch“. Dass es eine gewisse Zahl von pädophilen Menschen gibt, verwundert mich nicht mehr und sollte keinen, der ein bisschen Sozialgeschichte studiert hat, überraschen, denn Kinder wurden seit Anbeginn der Menschheit  sexuell missbraucht und der Anteil von Kinderfickern an der Gesamtbevölkerung dürfte heutzutage und in Mitteleuropa auch nicht höher sein als zB im Alten Rom, wo es Bordelle gab, in denen sich Männer an Säuglingen vergingen, im arabischen Kulturkreis, wo Mädchen im Kindesalter verheiratet wurden und immer noch werden (und man diese Ehen auch vollzieht), oder in Japan, wo bis vor kurzem Kinderpornographie und Kindesmissbrauch völlig legal waren. Die Einstellung zur Pädophilie ändert sich, nicht die Zahl der Pädophilen. Das bedeutet natürlich keineswegs, dass Kindesmissbrauch weniger abscheulich wäre, bloß weil manche Kulturen ihn akzeptier(t)en. Ich bin mir allerdings sicher, dass ein großer Teil jener Leute, die aus aktuellem Anlass nun wieder nach Kastration, Todesstrafe und Pranger schreien, selber jeden Tag ihre eigenen Kinder gröbstens misshandeln, zwar nicht unbedingt sexuell, aber doch durch Schläge und/oder Psychoterror, und das ist für mich ebenso verachtenswert wie die Taten der Pädos. Der Ruf nach dem Henker, nach Folter und Demütigung sagt sehr viel über die psychische Verfassung der Rufer aus, die eine sadistisch geprägte sein dürfte. Wo kommen die aber alle her, diese Freizeitscharfrichter und Hobbyfolterer? It´s the violence, stupid! Sexueller Kindesmissbrauch ist nämlich „nur“ eine – wenn auch besonders abstoßende – Form der Gewalt gegen Kinder, und solange die Gesellschaft nicht kapiert, dass Eltern, die ihre Kinder schlagen, genau jene sind, die der Dehumanisierung von Minderjährigen Tür und Tor öffnen und dies auch ihre Kinder lehren, so lange wird es Personen geben, die die Degradierung  junger Menschen zu Sexualobjekten vor sich selber verantworten zu können glauben, und so lange wird es auch Menschen geben, die durch eigene Gewalterfahrungen in der Kindheit sadistische Impulse entwickeln. Kindesmissbrauch fängt bei der „gesunden Watschen“ an und nicht erst mit dem Betrachten von Kinderpornos oder gar der Vergewaltigung von Kindern. Je stärker eine Gesellschaft signalisiert, dass das Kinderverprügeln irgendwie eh ganz okay sei, desto „normaler“ werden sich jene fühlen, die die Gewalt zusätzlich noch sexualisieren. Kinder zu schlagen und Kinder sexuell zu missbrauchen sind zwei Seiten derselben Münze. Das ist zumindest meine Meinung und soviel ich weiß kann das sogar kulturhistorisch belegt werden. Die Leserschaft des Lindwurms sei hiermit eingeladen, Gegenstandpunkte vorzubringen oder andere wichtige Aspekte des Problems, die ich nicht erwähnt habe, zu diskutieren.

Die geplante Verschärfung des Strafrechts in Sachen Kinderpornographie erscheint mir übrigens nicht besonders zielführend zu sein, um es mal vorsichtig zu formulieren. Wer anhand eindeutiger Schlüsselwörter wie „Lolita“ Videos und Bilder im Internet sucht, kann in Zukunft zur Rechenschaft gezogen werden, schreibt dazu die APA. Dass erscheint mir nun nicht nur den Fans von Vladimir Nabokov und Stanley Kubrick gegenüber etwas unfair, das Gesetz droht auch die im Sexualstrafrecht so gerne eingesetzten Gummiparagraphen zu enthalten: Strafbar soll bereits der Zugriff auf eine pornografische Darstellung Minderjähriger im Internet sein, auch wenn der Täter keine zumindest bedingt vorsätzliche Speicherung über den Arbeitsspeicher (im Cache oder sonst wo) hinaus vornimmt. Der Zugriff muss, um Strafbarkeit nach sich ziehen zu können, unmittelbar auf die pornografische Darstellung erfolgen, sei es dass die Startseite einer Website, die geöffnet wird und eine solche Darstellung enthält (und der Täter dies weiß), sei es dass (wissentlich) ein Link zu einer solchen Darstellung geöffnet wird. Wie genau will man nun die Absicht hinter dem Anklicken eines Links feststellen? Werden schauspielerisch talentierte Pädophile frei gehen, während ein maulfauler Bildungsverlierer in den Knast muss? Das scheint mir auch technisch sehr unausgegoren zu sein und mehr mit Aktionismus als mit Kinderschutz zu tun zu haben. Aber das kommt halt dabei heraus, wenn Politiker nicht auf Fachleute hören, sondern nur nach Wählerstimmen schielen.

ps: An jene Leute, die durch bestimmte Suchbegriffe auf der Hoffnung nach Wichsvorlagen zu diesem Artikel gefunden haben: Ich bin froh, euch enttäuschen zu müssen. Geht zum Psychologen!