Philips Fidelio M2L – Struck by Lightning

Wieso sollte ich mich mit Kabeln plagen wo es doch so tolle Bluetooth-Kopfhörer gibt“, fragte mich Andreas, ein Apple-Affcionado, dessen neues iPhone 7 ich mir für dieses Review geborgt hatte. Ich lud ihn dann ein, mehrere Songs in HD-Qualität zuerst mit seinen AirPods anzuhören und dann mit dem Fidelio M2L von Philips. Nun sind Apples hauseigene Kopfhörer nicht schlecht, obwohl sie ein bisschen so aussehen, als trüge man Zahnbürsten in den Ohren. Aber gegen den Fidelio hatten sie keine Chance. Auch Andreas gab zu: „Verdammt, die klingen schon um Welten besser“. Andreas hatte aber zuvor auch noch nie richtig gute Kopfhörer erlebt, sondern sich mit mittelpreisigen In-Ears und wummernden „Beats“ zufriedengegeben. Wer aber über den akustischen Wert audiophiler Geräteschaften Beschied weiß, der weiß auch, dass Bluetooth-Kopfhörer zwar ständig besser werden und für den Alltagsgebrauch praktischer sind als ihre kabelgebundenen Konkurrenten, dass sie aber nach wie vor klangtechnisch das Nachsehen bzw Nachhören haben. Auf diese kleine Gruppe von Sound-Enthusiasten zielt Philips mit dem Fidelio M2L.

Design und Haptik des Fidelio rufen einem laut „Qualitätsprodukt“ entgegen. Leder und Aluminium statt Plastik, ein schickes Schwarz gepaart mit Alu-Elementen statt Pink oder Knallgelb. Auf dem Kopf sitzt der Hörer mit seinen Memory-Foam-Ohrmuscheln höchst angenehm, wenn auch ein bisschen straff, was aber beim mobilen Einsatz wieder von Vorteil sein dürfte. Dieser Kopfhörer rutscht einem beim Joggen sicher nicht vom Kopf. Der Philips wirkt insgesamt recht erwachsen, ein Produkt für Menschen, die Wertarbeit und zurückhaltende Eleganz zu schätzen wissen.

Mir ist Mode ja wurscht, weswegen ich Kopfhörer nur danach beurteile, wie sie klingen. Und hier ist der Fidelio M2L auf der Gewinnerseite. Er hat einen 24bit/194kHz-Kopfhörerverstärker (DAC) eingebaut. Das bedeutet, dass nicht das iPhone den Sound managt, sondern der Kopfhörer das selber erledigt, und bei allem Respekt vor den Apple-Ingenieuren: Was Klang betrifft, hat Philips einfach mehr Erfahrung. Zusammen mit den 40mm-Treibern, deren Vorgänger Philips schon im legendären L2 einsetzte, sorgt der DAC für ein Klangerlebnis, das in dieser Preisklasse (der ML2 kostet zur Zeit rund 200 Euro) einmalig sein dürfte. Fachleute lobten die Treiber ja als die besten, die es für weniger als 1000 Euro zu kaufen gibt, was vielleicht ein bisschen übertrieben ist, aber nicht total falsch. Der M2L ist ungeheuer schnell und impulstreu, löst faszinierend detailliert auf und packt, sozusagen als Zuckerguss, noch einen Bass drauf, der dermaßen kontrolliert und wuchtig daherkommt, dass man manchmal meint, man hätte einen der großen und sehr viel teureren Grado-Kopfhörer auf dem Kopf. Erst mit einem Kopfhörer wie diesem merkt man, dass der Lightning-Anschluss von Apple Sinn macht, denn im Gegensatz zu üblichen Kopfhörern, die digitale Signale erst in analoge umwandeln müssen, gibt es beim Fidelio M2L kein Rauschen und Knacken und kein Vermatschen des Sounds. Die Lautstärke stellt man mittels eines kleinen Rädchens an der rechten Ohrmuschel ein, da der Fidelio ein aktiver Hörer mit eigenem DAC ist. Batterien braucht der M2L keine, der Strom wird vom Smartphone abgezapft. Aber keine Angst, der Fidelio ist kein Energievampir, sondern gibt sich mit so wenig Batterieleistung zufrieden, dass er die Laufzeit einer Akku-Ladung am iPhone kaum beeinträchtigt. Freisprechen und die Bedienung von Siri mittels Sprachbefehlen funktionierte im Test problemlos

Der Nachteil des M2L ist offenkundig: Er ist ausschließlich an Geräten nutzbar, die einen Lightning-Anschluss haben also an iPhones und iPads ab der Serie 6. Es gibt auch keinen Adapter, mit dem man den Hörer an einen analogen Ausgang anschließen könnte. Das ist technisch auch kaum möglich, da das Signal gleich zweimal von analog zu digital umgewandelt werden müsste. Wer aber ein neueres iPhone hat und Wert auf best möglichen Klang legt, der sollte den Fidelio M2L ins Auge fassen, vor allem jetzt, da er im Preis gefallen ist. Das kann sich übrigens rasch wieder ändern, so wie beim Fidelio X2, der eine Zeit lang um rund 200 Euro zu haben war und jetzt wieder um die 300 kostet, weil sich herumgesprochen hat, was für ein großartiges Gerät er ist.

Pro: Der vielleicht beste Kopfhörer mit Lightning-Anschluss, der derzeit zu haben ist, vor allem was das Preis-Leistungs-Verhältnis betrifft.

Contra: Funktioniert nur mit Geräten, die einen Lightning-Anschluss haben. Es gibt auch keine Adapter, die das ändern würden.

Zusammenfassung: Der Fidelio M2L von Philips bietet ein begeisterndes Sounderlebnis und nutzt die Möglichkeiten hoch auflösender Tonformate voll aus. Er ist sehr hochwertig verarbeitet, sieht gut aus, klingt agil und detailliert, untermauert das aber mit einem beeindruckend starken und kontrollierten Bass. Klangtechnisch ist er kabellosen Kopfhörern überlegen.

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Angehört: Kopfhörer Philips Fidelio X2 – Der mit dem Bass tanzt

Dass der Kunde König sei, behaupten zwar immer noch fast alle Firmen und Händler, aber in der Realität kommt man sich als Konsument immer öfter vor wie ein Bauer, der als Beta-Tester halbfertige Produkte kriegt und dessen Wünsche gepflegt ignoriert werden. Umso überraschender ist es, wenn ausgerechnet ein Weltkonzern wie Philips die Reaktionen der Kundschaft genau beobachtet und dann ein ohnehin sehr gutes Produkt weiter verbessert. Als die Niederländer vor gut zwei Jahren den Kopfhörer Fidelio X1 herausbrachten, mischten sie den Markt der Hifi-Oberklasse gehörig auf, denn dieses Gerät konnte mit der preislich ähnlich gelagerten Konkurrenz aus den Häusern Sennheisser, AKG, Beyerdynamik usw. nicht nur mithalten, sondern überflügelte sie teilweise gehörig, vor allem in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis. Der X1 hatte einen ganz eigenen, sehr bassstarken Sound, ohne dabei die Mitten und Höhen zu vernachlässigen. Dazu kam noch eine hervorragende Verarbeitungsqualität und so war es kein Wunder, dass Fachzeitschriften wahre Jubelartikel veröffentlichten und die Kunden den X1 zum bestverkauften High-End-Kopfhörer machten, den Philips je produziert hatte. Kritik kam von manchen Testern und Besitzern lediglich zum etwas hohen Leitungswiderstand im mitgelieferten Kabel sowie an den (von Laien) nicht  austauschbaren Ohrpolstern. Der jetzt neu auf den Markt gekommene Nachfolger Fidelio X2 hat austauschbare Ohrpolster und ein deutlich besser leitendes Kabel. Aber ist er den Aufpreis von rund 100 Euro wert (der X1 wird derzeit für rund 200 Euro gehandelt, der X2 für 300)?

Back in black – der Fidelio X2:

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Ich besitze den X1 seit einem Jahr und kann daher recht gut beurteilen, ob und was der X2 besser macht. Zusammengefasst: Alles. Optisch hat sich bis auf die nun schwarz lackierten Aluminiumringe, die den Hörer umfassen, nicht viel getan. Und das ist ein Glück, denn der X2 zählt wie sein Vorgänger zu den schönsten Kopfhörern, die es am Markt zu kaufen gibt. Bei diesem großen Teddybär von Kopfhörer ruft einem alles „Qualität“ entgegen, ein Eindruck, der sich beim Tragen noch verstärkt. Die Velourspolster kuscheln sich sanft an die Haut und umschließen selbst meine großen Schimpansenohren ohne zu drücken oder zu zwicken, und ich ertappte mich während des Testens immer wieder dabei, das kalbslederne Kopfband oder die kühlen Alu-Ringe zu befummeln. Der Fidelio X2 ist schon ohne Musik ein sinnliches Erlebnis und ein Produkt, das einem das Gefühl gibt, keinesfalls zuviel Geld dafür bezahlt zu haben. Aber natürlich zählt bei Kopfhörern für 300 Euro vor allem der Klang. Und auf diesem Gebiet hat sich mehr verändert, als ich gehofft hatte, und weniger, als manche befürchteten. Die Tugenden des tollen Vorgängermodells wurden nicht vergessen, sondern gezielt weiter ausgebaut.

Wie der X1 ist auch der X2 einer der ganz wenigen offenen Kopfhörer unter 1.000 Euro, der dazu in der Lage ist, Tiefbässe überzeugend wiederzugeben. Beim X2 ist diese Eigenschaft einerseits fast noch ausgeprägter, andererseits aber kontrollierter. Konnte einen der X1 in Sachen Bass manchmal überfordern, wirken die tiefen Töne auf dem X2 wesentlich besser ins tonale Gesamtspektrum eingebunden, kommen die Bassattacken nicht weniger wuchtig, aber doch weniger zu Lasten der Mitten und Höhen daher. Der Hörer hat nicht weniger Bass als der X1, aber eine bessere Wiedergabe der mittleren und hohen Frequenzen. Das bedeutet, dass der neue Fidelio neutraler abgestimmt ist als der Vorläufer und sich noch weiter in den Bereich der Audiophilie vorwagt. In der Tat entgeht einem mit dem X2 keine Nuance der Musik, kein noch so schüchternes Instrument kann sich vor dem Hörer verstecken. Was den Fidelio aber so großartig und einzigartig macht, dass er bei den Kopfhörer-Verrückten von „Innerfidelilty“ sofort an deren Wall Of Fame kam und somit zu den besten Hörern der Welt gezählt wird, ist seine Musikalität. Während viele Headphones in der Audiophilenklasse nach extrem neutral abgestimmten Monitorboxen klingen, wirkt der X2 eher wie ein hervorragendes Hifi-System, klingt mehr wie sauteure Standboxen als wie Studiolautsprecher. Wer mag kann mit dem X2 die Musik zwar ebenso gut analysieren wie mit einem AKG K712 oder einem Beyerdynamik T90, aber im Gegensatz zu diesen Kopfhörern verführt der X2 mehr zum Genießen als zum Sezieren. Der Fidelio X2 ist wie schon der X1 ein Kopfhörer für Menschen, die Musik vor allem hören und erleben wollen statt jeder kleinsten Schwäche in den Aufnahmen nachzujagen. Dazu trägt in erster Linie die grandiose Basswiedergabe bei, die ich so bislang bei keinem anderen Hörer erlebt habe. Der X2 schafft es trotz seiner offenen Bauweise tatsächlich, das beunruhigende Grummeln eines guten Subwoofers zu emulieren.

Der Bass, Mann, der Bass! Sagte ich schon, dass der X2 einen tollen Bass hat?

Mit seinen in den tiefsten Keller hinunterreichenden Bässen ist der X2 nicht nur für Musik, sondern auch für Filmsoundtracks das perfekte Wiedergebegerät, mit dem man auch spät nachts noch ohne die Nachbarn zu belästigen explodierende Raumschiffe und abstürzende Flugzeuge fast so erleben kann, als säße man im Kino. Durch seine weite, aber nicht zu große Bühne präsentiert der Kopfhörer Soundtracks in all ihrer majestätischen Breite. Sehr wohl fühlt sich der X2 auch bei semiakustischer Musik. Das 24-Bit remasterte Album „Tea For The Tillerman“ von Cat Stevens ist mit seinen Stehbässen, bei denen der X2 jedes Rutschen der Finger auf den Saiten herausarbeitet, mit den warmen Akustikgitarren und Stevens rauchigem Bariton ein wahrer Ohrenschmaus. Überhaupt: Stimmen! Sänger und Sängerinnen kommen mit dem Fidelio wunderbar klar aber dennoch weich rüber, und einen besonderen Reiz bekommen männliche Stimmen, die naturgemäß auch mal in den Bassbereich übergehen. Auch mit Jazz und Klassik kommt der offene Hörer sehr gut zurecht, wie ich beim Durchhören meiner Nina Simone-Sammlung und der Carmina Burana von Orff bemerken konnte. Das alles beherrschte der X1 zwar auch schon, aber der X2 macht es noch mal einen ganzen Tick besser. Der amerikanische Kopfhörer-Guru Tyll Hertsens bezeichnete den Fidelio X2 als den „am besten ausbalancierten Hörer“, den er derzeit kenne. Ich neige dazu, dem zuzustimmen. Philips ist mit dem X2 das Kunststück gelungen, einen Kopfhörer zu bauen, der laut Labormessungen zu den neutralsten der Welt gehört, aber trotzdem richtig viel Spaß macht und zum stundenlangen entspannten Musikgenuss einlädt.

Apropos Labor. Hier noch die wichtigsten technischen Daten. Der Fidelio X2 ist ein offener dynamischer Kopfhörer mit einem Frequenzspektrum von 4 bis 40.000 Hertz und einer Nennimpendanz von 30 Ohm. Letzteres bedeutet, das er auch ohne eigenen Kopfhörerverstärker auskommt, wobei ein solcher natürlich noch ein bisserl mehr Leistung und Transparenz aus dem Gerät kitzeln kann.

Was mir gefällt: Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist unschlagbar. Für einen offenen Kopfhörer eine unglaublich gute Basswiedergabe, dabei aber analytischer und luftiger als das Vorgängermodell. Sehr gute Verarbeitungsqualität. Hoher   Tragekomfort.

Was mit nicht ganz so gut gefällt: Hm, mir fällt nix ein. Ehrlich, ich habe nach Schwachstellen gesucht, aber keine gefunden.  Okay, für den mobilen Einsatz ist das Teil eher nicht geeignet, da sehr groß und mit 380 Gramm auch kein Leichtgewicht. Außerdem kann die Umgebung mithören, da offene Kopfhörer keine Schallisolierung haben.

Wer ihn sich holen sollte: Leute, die Musik genießen wollen statt sie nur zu analysieren. Und jeder, der Bässe mag. Und wer viel Kopfhörer für vergleichsweise wenig Geld haben will.

Wer ihn ignorieren sollte: Markenfetischisten (andere Kopfhörerhersteller haben einen höheren Angeber-Faktor), Musik-Chirurgen und Bassallergiker.

Konkurrenz: Sennheiser HD 650 und 600, AKG K712, K612 und, K701, Beyerdynamik DT990 und T90, Teufel Real Z, Grado Rs2e und 225i.

Huch, Überraschung

Ei padautz, wer hätte damit gerechnet? Europas Arbeitnehmer verdienen immer weniger, Pensionisten und Transferleistungsempfänger ebenso, die Arbeitslosigkeit steigt, Milliarden müssen in Banken und in die Stabilität von Staatsanleihen gepumpt werden, und dann bricht die Nachfrage weg? Wie kann das bloß sein, wo man doch ganz fest glaubte, die Menschen würden Geld scheißen und dann damit Fernseher, Autos und Computer etc. kaufen. Aber schlaue Analsyten kommen angesichts des Abwärtsschlingerns von Philips schön langsam auf das, was jeder Hausmann weiß: Hinzu kommen ING-Analyst Sjoerd Ummels zufolge Probleme in zahlreichen Industrieländern: „Die hohe Arbeitslosigkeit, das niedrige Einkommenswachstum und Verbrauchervertrauen haben der Nachfrage eine Beule verpasst.“ Aber keine Panik, liebe Industrie! Irgendwo in China wird sich wohl noch jemand finden, der dringend TV-Geräte mit Ambient-Light braucht…