Türkische Milchpackungen und verlogene „Israelfreunde“

Ha, mal wieder eine Wette mit mir selbst gewonnen, obwohl ich zugeben muss, dass das eine echte Safe Bet war: Die Freaks von „Politically Incorrect“ sind natürlich voll auf die Story von den türkisch beschrifteten Milchpackungen der Niederösterreichischen Molkerei (NÖM) angesprungen und sehen das Abendland einmal mehr untergehen, wobei das Abendland in den Beiträgen auf PI dermaßen oft untergeht, dass man sich wundert, wenn man vor die Tür geht und feststellt: es ist immer noch da. Im entsprechenden Artikel setzt PI gleich drei Links zum FPÖ-nahen Blog „SOS Österreich“, wo man vor allem am Chefideologen des österreichischen Rechtsextremismus, dem schlagenden Burschenschafter, Publizisten und FPÖ-Politiker Andreas Mölzer, einen Narren gefressen hat. Mölzer ist erst vor wenigen Tagen wieder unangenehm aufgefallen, als er zusammen mit Figuren wie Jean-Marie Le Pen und anderen Vertretern der extremen europäischen Rechten den japanischen Yasukuni-Schrein besuchte, um dort die Kriegsverbrecher der Achsenmächte hochleben zu lassen Blumen niederzulegen.

Ob da bei PI-Betreiber Stefan Herre ein Glöcklein klingelt? Er nimmt für seine Website ja in Anspruch, „proisraelisch“ und „proamerikanisch“ zu sein. Welcher Verrenkungen der Ganglien bedarf es, um sich selbst so zu definieren und gleichzeitig mit Leuten zu paktieren, die den ehemaligen Komplizen Nazi-Deutschlands die „Ehre“ erweisen? Komplizen, ohne deren taktische Beihilfe der Massenmord an den europäischen Juden so leicht nicht verübt werden hätte können? Komplizen, die mit einem Fanatismus ohne Gleichen einen Angriffskrieg gegen die USA führten? Aber was wundere ich mich eigentlich? „Politically Incorrect“ stimmt ja auch immer wieder Lobgesänge auf den verstorbenen Jörg Haider an, der wie sich wie kaum ein anderer europäischer Politiker bei den Todfeinden Israels eingeschleimt hatte. „Politically Incorrect“ findet die FPÖ ganz dufte, obwohl die federführend in so zutiefst israelfeindlichen Organisationen wie der „Österreichisch-Syrischen Gesellschaft“ und der „Österreichisch-Irakischen Gesellschaft“ aktiv war und ist. Man sollte den Tatsachen ins Auge blicken, und Tatsache ist, dass Israel von der Schreiber- und Leserschaft von PI nur aus einem einzigen Grund mit Sympathie bedacht wird: Man hasst die Muslime und sieht in Israel das „Geringere Übel“ und imaginiert sich Israel, um mal eine PI-gerechte Formulierung zu benutzen, als eine Art „Wehrbauernstaat“ gegen die islamischen Horden. Würde ein Magier über Nacht alle Muslime verschwinden lassen, Herre und seine Fans würden binnen Sekunden das Gratsibekenntnis „proisraelisch“ aus dem Header ihrer Website löschen und uns mit allerlei Gruselgeschichten über angebliche Untaten der unchristlichen Juden belästigen.

Man sieht: wer sich auch nur ein klein wenig mit der Politik und Gesinnung von PI-News und den Leuten, mit denen dieses Hetz-Portal sympathisiert, auskennt, der wird rasch feststellen, dass die „Israelfreundlichkeit“ von PI eine verlogene Fassade ist.

Stefan Herre, der Haider-Fan

Sie, Stefan Herre, betreiben den antimuslimischen Hass-Blog „Politically Incorrect“, auf dem obsessiv und paranoid jede Schulhofschlägerei mit Beteiligung von Kindern islamischer Herkunft zum Vorboten des drohenden Kalifats hochhysterisiert wird. Laut Eigenwerbung ist ihre persönliche Ressentiment-Müllhalde im Internet „proamerikanisch“ und „proisraelisch“. Das hindert sie freilich nicht daran, Jörg Haider, dem verstorbenen Antisemiten, Rassisten und Bewunderer arabischer Despoten, die Nibelungentreue zu halten und gegen die Medien vom Leder zu ziehen, die ihr im Vollsuff verunglücktes Idol entzaubern.

Extra für sie, Herre, habe ich ein paar Haider-Zitate ausgegraben.

-„Die Palästinenser haben ein Recht auf Widerstand mit allen Mitteln“ (Interview mit Al Jazeera, 24.4. 2002)

-„Der Häupl, amtierender Bürgermeister von Wien, SPÖ, hat einen Wahlkampfstrategen, der heißt Stanley Greenberg, den hat er sich von der Ostküste einfliegen lassen! Liebe Freunde, ihr habt die Wahl, zwischen Spin Doctor Greenberg von der Ostküste oder dem Wienerherz zu entscheiden. wir brauchen keine Zurufe von der Ostküste. Jetzt ist einmal genug!“ (Rede am 23.2.2001 in Wien)

-„Ich wundere mich, dass jemand der Ariel heißt, soviel Dreck am Stecken haben kann“ (über den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde Wien, Ariel Muzicant, 28. 2.2001)

-„Dass es in dieser regen Zeit, wo es noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben und die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind. Und das ist eine Basis, meine lieben Freunde, die auch an uns Junge weitergegeben wird. Und ein Volk, das seine Vorfahren nicht in Ehren hält, ist sowieso zum Untergang verurteilt. Nachdem wir aber eine Zukunft haben wollen, werden wir jenen Menschen, den politisch korrekten, beibringen, dass wir nicht umzubringen sind und dass sich Anständigkeit in unserer Welt allemal noch lohnt, auch wenn wir momentan nicht mehrheitsfähig sind, aber wir sind den anderen geistig überlegen.“ (Rede vor Veteranen der Waffen-SS in Krumpendorf, 1995)

-„Mit den Schwarzen ist es wirklich so ein Problem. Selbst dort, wo sie die Mehrheit haben, bringen sie nichts zusammen. Da ist einfach wirklich Hopfen und Malz verloren.“ (Zeit im Bild, 1.3.1995, nach einer Afrikareise).

-„Die FPÖ ist keine Nachfolgeorganisation der NSDAP, denn wäre sie es, hätte sie die absolute Mehrheit“ (Pressekonferenz, 17.2. 1995)

-„Na, das hat’s im Dritten Reich nicht gegeben, weil im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt. Das muss man auch einmal sagen.“ (Im Kärntner Landtag, 13.6.1991)

-„Die, die da hinten schreien, werden – wenn ich etwas zu sagen habe – ihre Luft noch brauchen. Zum Arbeiten.“ (gerichtet an Gegendemonstranten bei einer Wahlkampfveranstaltung 1994)

-„Die Waffen-SS war Teil der Wehrmacht und es kommt ihr daher alle Ehre und Anerkennung zu“ (Rundfunkinterview, 19.12.1995)

Ich könnte seitenlang so weitermachen, Herr Herre, und ihnen NS-verharmlosende, antisemitische, rassistische und proarabische Zitate Jörg Haiders um die Ohren hauen. Aber ich lasse sie lieber mit einer kleinen Denksportübung zurück:

Warum, Herr Herre, hat wohl Israel seinen Botschafter aus Österreich abgezogen, als Jörg Haiders Partei in die Regierung kam? Und warum hat Israel gegen Jörg Haider ein Einreiseverbot verhängt? Weil er, wie sie, ein ach so großer „Proisraeli“ war?