I like Democracy

57 Prozent der Befragten gaben bei einer Umfrage des Linzer Market-Instituts an, sie hielten das politische System für unreformierbar und befürworteten einen Umsturz. Am selben Tag darf der Historiker Mark Lilla im „Standard“ darüber schwadronieren, dass die Demokratie halt nicht immer die beste Regierungsform sei und ein netter, wohlwollender Diktator oder König doch auch so schlecht nicht wäre. Beide Meldungen passen auf eine unheimliche Art zusammen. Die derzeitige politischer Klasse disqualifiziert sich in den Augen von immer mehr Menschen, weil sie aus für wenig Interessierte inhaltlich kaum zu unterscheidenden Parteien besteht, welche alle  dasselbe Mantra herunterbeten, dass nämlich Verbesserungen für die Menschen nicht machbar seien und man im Gegenteil „den Gürtel enger schnallen“ müsse (also den Gürtel der Mittel- und Unterschicht). Wenn man dann als Alternativen nur Spinnerparteien vom rechten oder linken Rand hat ist es gar nicht mehr so unverständlich, dass immer mehr Leute sich aus dem demokratischen Entscheidungsprozess ausklinken, da man ihnen ja andauernd eintrichtert, dass sie eh nix ändern könnten, dass ja eh alles „alternativlose Sachzwänge“ seien. Und genau für diese Menschen, also für die steigende Anzahl der mit dem System unzufriedenen, schickt man dann Figuren wie den Lilla vor, der wenigstens offen ausspricht, was die Eliten, aber auch immer mehr Frustrierte denken, dass nämlich so ein kleiner Führer mal wieder hergehörte oder zumindest auch nicht schlechter wäre als das derzeitige System. Oberflächlich betrachtet hat Lilla übrigens gar nicht völlig unrecht. Es ist ja theoretisch möglich, dass ein Diktator besser regiert als ein demokratisch legitimiertes Parlament. Die Praxis zeigt freilich, dass in fast allen Fällen eine Demokratie nach westlichem Muster, die natürlich auch einen funktionierenden Rechtsstaat beinhaltet, Diktaturen in allen Belangen überlegen ist. Auch ökonomisch, was ich extra erwähne, weil ja mittlerweile alles nur mehr unter dem Aspekt der Wirtschaft gesehen werden soll. Ich sag´s mal so: Ein Investor und/oder Unternehmer tut sich meistens leichter, wenn er es mit berechenbaren politischen Partnern zu tun hat und nicht mit Willkürherrschern. Er investiert, sobald es sich rechnet, lieber dort, wo man ihn nicht schon am nächsten Tag enteignen kann und wo er nicht 300 Mitglieder der herrschenden Partei oder des herrschenden Königshauses bestechen muss (dass auch bei uns bestochen wird, ist mir schon klar, aber noch ist die Korruption in westlichen Demokratien nicht so selbstverständlich wie in autoritären Regimes). Und es wird schon einen guten Grund dafür geben, warum chinesische und russische Milliardäre und Millionäre sich zu tausenden Wohnsitze in (West)Europa besorgen. Die Lebensqualität ist halt dort, wo demokratische und rechtsstaatliche Zustände herrschen, auch ein bisserl höher als in der Heimat, in der man von der Gnade der Partei oder des Putin-Clans abhängig ist und schon mal im Arbeitslager oder Leichenschauhaus landet, wenn man ein Wort zuviel gesagt hat.

Die Post geht ab

Heute wollte ich etwas faxen. Leider besitze ich kein Faxgerät. Ich habe das mit dem papierlosen Büro nämlich ernst genommen. Also nichts wie hin zur Post. Pas Problem: Die Postfiliale in der Nähe der Klagenfurter Luegerstraße ist geschlossen worden. „Macht nix“, dachte ich mir, „gehst du halt zur Filiale in der Universitätsstraße“. Dort das gleiche traurige Bild: „Wir sind übersiedelt“. Ach ja, und wohin? „In den Lakesidepark“. Der Lakesidepark, liebe Nicht-Klagenfurterinnen, ist eine Ansammlung von Bürobauten auf der grünen Wiese zwischen Universität und Wörthersee. Schön weit weg von den Wohngebieten. Mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur schwer erreichbar. Ich fuhr mit dem Auto hin, doch faxen durfte ich dort nicht, denn: „Tut uns leid, wir sind nur ein Post-Partner, bei uns können sie nichts faxen“. Ich musste schließlich zur Hauptpost im Stadtzentrum gondeln, um das verdammte Fax abschicken zu können. Ich möchte mich an dieser Stelle ganz ganz herzlich bei ÖVP und FPÖ dafür bedanken, dass sie die Post auf ihre ganz eigentümliche Weise privatisiert und dafür gesorgt haben, dass es nicht einmal mehr in einem großen Klagenfurter Bezirk ein Postamt, das den Namen auch verdient, gibt. Das, liebe Schwarze und Freiheitliche, war ein weiteres Meisterstück eurer an Meisterstücken nicht armen Regierungszeit, so meisterhaft, dass sich heute die Gerichte und Untersuchungsausschüsse damit befassen.

Strache und der „Massenmörder“

Die FPÖ schäumt über die Umbenennung des Wiener Dr. Karl-Lueger-Rings in Universitätsring. FPÖ-Chef Strache: „Einem ausländischen Massenmörder wie Che Guevara bauen die Sozialisten in Wien ein Denkmal, aber ein herausragender Wiener Bürgermeister wird aus einem Straßennamen gedrängt. Das ist ein Skandal!“ Die FPÖ würde selbst ja nie auf den Gedanken kommen, an den „ausländischen Massenmörder Che Guevara“ auch nur anzustreifen, wie folgende Bilder beweisen:

Deutschland abschaffen

Paul Krugman hat recht. Unter der Austeritätspeitsche der strengen Dame Merkel wird gerade der ganze Kontinent in die Katastrophe geritten. Wieder einmal ist Deutschland drauf und dran, Europa und damit die ganze Welt ins Unglück zu stürzen. Und wieder mit der Hybris, alles besser zu wissen und besser zu können als alle anderen. Das wirklich Erschreckende daran ist die Begeisterung, mit der die Bevölkerung dabei mitmacht. Die Deutschen sind stolz darauf, ihrer Wirtschaft durch Sozialdumping und Selbstkasteiung kurzfristige Wettbewerbsvorteile auf Kosten anderer europäischer Regionen erschlichen zu haben. Sie sind begeistert davon, wie Merkel als faktische Chefin Europas auftritt und anderen Staaten schon mal verordnet, welche Regierungen die zu installieren haben. 1914 zogen die Deutschen begeistert in den Ersten Weltkrieg, 1933 liefen sie stolz dem Hitler hinterher. Heute sind sie wieder stolz und begeistert. Die Erfahrung lehrt, dass deutscher Stolz und deutsche Begeisterung für die Welt nie etwas Gutes bedeutet haben. Und in der Tat kann man es nicht mehr ausschließen, dass der von Deutschland dem Rest der EU aufgezwungene Sparwahn zu einem Zerbrechen der Union und damit in Folge auch zu neuem Krieg in Europa, vielleicht in der Welt führen wird. Sollter dieser worst case eintreten, bin ich dafür, anschließend sofort, also so lange die Ruinen noch rauchen, Nägel mit Köpfen zu machen und Deutschland abzuschaffen. Von mir aus durch Aufteilung in lauter kleine Staaten. Anders scheint das nicht zu funktionieren. Nach dem Ersten Weltkrieg versuchte man es mit schwarzer Pädagogik. Ging in die Hose. Nach dem Zweiten Weltkrieg war antiautoritäre (Um)Erziehung angesagt. Auch das scheint gescheitert zu sein. Also wird man beim nächsten Mal so vorgehen müssen, dass man Deutschland in den Zustand vor 1871 zurückversetzt.

Krebsgeschwür Korruption

Sie werden immer unverschämter, die korrupten Totengräber der Demokratie. Früher mal hätte ein britischer Premierminister, den man dabei erwischt, wie er sich und seine Partei gegen Bargeld verkauft, sofort den Rücktritt eingereicht und/oder sich eine Kugel in den Kopf geschossen. Heutzutage wird relativiert und abgestritten und „eine Gegenoffensive gestartet“. Auch in Österreich, wie in vielen anderen Staaten, gehört es längst zum schlechten Ton, Politik für jene zu machen, die die Politiker bestechen, und kaum jemand schämt sich dessen noch. Wer erwischt wird, wird schlimmstenfalls in die zweite Reihe verbannt oder in den Vorstand eines Unternehmens, die Justiz ist entweder überfordert oder unwillens, gegen dieses Krebsgeschwür, das die westlichen Demokratien von innen heraus auffrisst, vorzugehen, Untersuchungsausschüsse tagen ohne dass es Konsequenzen gäbe. Die Medien decken zwar manches auf, gehen aber allzu rasch wieder zur Tagesordnung über, was gar nicht überrascht, kämpfen Aufdeckungsjournalisten doch gegen eine Hydra, die man einst nur in Süditalien, in Entwicklungsländern und Osteuropa vermutete, die sich aber längst überall verbreitet hat, und wenn man als Journalist hilflos zusehen muss, wie sofort der nächste Politiker sein Händchen aufhält, sobald dessen Vorgänger erwischt worden ist, vergeht einem irgendwann die Lust, weiterzumachen. Außerdem: Wer weiß, ob nicht der eigene Chef auch gerade einen Deal mit dem Regierungschef gemacht hat? Jedenfalls ist die Politik so korrupt wie noch nie zuvor, und das verursacht nicht nur wirtschaftliche Schäden in dreistelliger Milliardenhöhe auf Kosten vor allem der Konsumenten, es unterminiert jegliches Restvertrauen, das die Leute in die Politik noch haben mochten.  Eine Politik, die zur Face verkommt, wenn Politiker mit Preisschildern herumrennen und sogar jene, die während ihrer aktiven Zeit kein Geld annehmen, Politik dergestalt machen, dass man für sie Posten und Dienstwagen und Nutten und Koks in den Vorständen jener Unternehmen reserviert, in deren Interesse sie handeln.

Aufregende Zeiten

Da hatten sie was zu Lachen, die Herren Werner Faymann und Michael Spindelegger, Kanzler und Vizekanzler der Republik Österreich, als sie am Donnerstag ihr so genanntes „Sparpaket“ vorstellten. 26,5 Milliarden Euro will man „sparen“, und das fast ausschließlich bei Arbeitnehmern, Rentern und Kranken. 70 Prozent sollen, so erfährt man, ausgabenseitig, nur 30 Prozent einnahmeseitig kalkuliert sein. Die Ausgabenkürzungen treffen die Masse. Die Pensionen werden gekürzt („Erhöhung“ unter der Inflationsrate), Beamtengehälter werden eingefroren, Spitzenverdiener sollen eine „Solidarabgabe“ zahlen (auch das trifft Arbeitnehmer) und so weiter. Reiche und Superreiche dürfen sich ebenso freuen wie Großbauern, ihre Vermögen und Privilegien bleiben unangetastet. „Graf Lobby“ Mensdorff-Pouilly wird auch in Zukunft Bergbauernförderung für seinen burgenländischen Großgrundbesitz kassieren, so wie etliche Milliardenerben und Ex-Finanzminister weitestgehend steuerbefreit von ihren Stiftungen leben werden, ohne dass der böse Fiskus mal „Hallo“ sagt. Eine echte Verwaltungsreform? Einsparungen bei Österreichs 50.000 (!) Politikerinnen und Politikern? Zusammenlegungen der tausenden unwirtschaftlichen Kleinstgemeinden? Fehlanzeige. Und die Wertzuwachssteuer für Immobilien, die wohl kommen wird, wird auch eher jene treffen, die von der Oma ein Häuschen oder eine Wohnung geerbt haben, statt Berufsimmobilienspekulanten.

Besonders stolz sind diese Figuren auf ihren Schlag gegen Invalide. Die Invaliditätspension für Menschen unter 50 wird gestrichen und durch ein „Rehabilitationsgeld“ ersetzt. Das Arbeitsamt soll diese Invaliden nun betreuen und mit allerlei Reha-Maßnahmen und Kursen wunderheilen und zu produktiven Arbeitnehmern umerziehen. Die werden noch viel Spaß haben beim Versuch, schwer Depressive, Phobiker, chronische Alkoholiker, Krebskranke, MS-Patientinnen und anderen Gehandicappte „jobfit“ zu machen, wie man von Regierungsseite so locker-flapsig daherformuliert hat. Die meisten Bezieher von Invaliditätsrenten sind Menschen mit schweren körperlichen oder sehr schweren psychischen Beschwerden, oftmals auch mit einer Kombination aus beidem. Wie man eine 45-jährige Krebspatientin, die unter heftigsten Depressionen und Angsstörungen leidet und ihre Wohnung oft wochenlang nicht verlassen kann, „jobfit“ machen will, sollen mir die Politiker und „Sozialpartner“, die das ausgeknobelt haben, bitte einmal vortanzen! Und sie sollen mir die Betriebe zeigen, die händeringend nach Personal suchen, das voraussichtlich das halbe Jahr über krank geschrieben sein wird! Aber den Genies, die uns regieren, geht es wohl um Kosmetik, also um die Aufhübschung der Pensionsstatistik in dem Sinne, dass Menschen, die „Rehabilitationsgeld“ statt Pension beziehen, aus der Statistik fallen und so das durchschnittliche Pensionsantrittsalter anheben. Das nicht öffentlich zugegebene Ziel dürfte aber wohl sein, die Invaliden so lange von Reha zu Kurs und von Kurs zu Reha zu schicken, bis die entnervt aufgeben und die Mindestsicherung beantragen, die um einiges geringer ist als die eh schon niedrigen Invaliditätspensionen. Es dürfte noch lustig werden, wenn unsere Genies ihre Maßnahmen den Investoren verkaufen wollen:

Österreichische Regierung: „Da bitte, wir haben das Pensionsantrittsalter erhöht, das wolltet ihr doch, gebt uns jetzt bitte wieder ein besseres Rating“.

Standard & Poor´s: „Aber ihr habt doch bloß die Invaliden in teuren Kursen und Betreuungseinrichtungen geparkt. Und in die Mindestsicherung geschickt. Jetzt kosten die euch noch mehr und können noch weniger konsumieren.“

Österreichische Regierung: „Äääh…ööh….“

Zwerg Bumsti kann derweil dem Treiben gelassen zusehen und mit der Parole „Wahltag ist Zahltag“ die Stimmen der Unzufriedenen einsammeln. Sollte sich FP-Chef Strache mit Nazisagern zurückhalten, wird er wohl der große Gewinner der nächsten Wahlen sein, denn etliche Menschen werden der Politik entweder ganz den Rücken kehren und resigniert zu den Nichtwählern wechseln, oder sie werden in ihrer Not die Blauen ankreuzen, in der trügerischen Hoffnung, sich so für die erlittenen Ungerechtigkeiten rächen zu können. Die FPÖ, die ja in Wahrheit noch viel radikaler bei den Armen sparen würde, wenn sie könnte, wird derweil „den Ausländern“, „den Spekulanten“, „den Banken“ oder „den Griechen“ alle Schuld zuzuschieben versuchen. Obwohl: Wenn die Griechen weiterhin so rasant verarmen und die hiesige Öffentlichkeit zunehmend mit Bildern von Armenküchen und obdachlosen Kindern klarkommen muss, werden sich die Rechtspopulisten doch immer schwerer tun mit ihrer Geschichte vom faulen Südländer, der im Porsche Cayenne, den ihm der fleißige Nordeuropäer bezahlt hat, von Strand zu Strand eilt. In der Tat fuhren gar nicht wenige Griechen und andere Südeuropäer einen Cayenne, doch dessen Bezahlung lief so ab: Zuerst hat die deutsche (mitteleuropäische) Industrie mit dem Euro und über faktische Lohnkürzungen die Konkurrenz in schwächeren Ländern plattgewalzt. Die Porsche-Bank (oder ein anderes Geldinstitut aus Deutschland/Mitteleuropa) hat dann dem Kunden im plattgewalzten Land das Geld für den Kauf von zB Cayennes geliehen, wohl wissend, dass der über wenig bis keine Sicherheiten verfügt. So ließen sich viele deutsche (oder mitteleuropäische) Autos verkaufen. Sobald der Kunde Schwierigkeiten mit dem Bezahlen der Raten bekam, trug nicht etwa die Bank das unternehmerische Risiko eines Kreditausfalls, sondern man ließ die europäischen Bürger zahlen und nannte das „Rettungspaket für Griechenland“ (und Osteuropa usw.). Um das finanzieren zu können, müssen nun wieder die Bürger höhere Steuern bei geringeren Sozialleistungen und Löhnen zahlen. So hat der „Kleine Mann“ dreifach draufgezahlt. Er hat zuerst durch „Lohnzurückhaltung“ und Verzicht auf Sozialleistungen das deutsche (mitteleuropäische) Exportwunder finanziert, dann  ist er für die aushaftenden Kredite gerade gestanden und zahlt nun durch erneuten Lohn- und Sozialabbau die Folgen der auf Luft gebauten Exportüberschüsse. Bei Volkswagen und Deutsche Bank lacht man sich wohl seit zwei Jahren durchgehend tot.

Aber mal ernsthaft, liebe korrupte Erfüllungsgehilfen der Superreichen Politiker: Wie lange soll das gutgehen mit dieser Margaret-Thatcher-Gedächtnispolitik? Bis überall in Europa Rechts- oder Linksextremisten die Macht an sich reißen? Oder habt ihr euch dem Trugschluss ergeben, Europa, dieser Kontinent mit der gewalttätigsten Geschichte von allen, sei wie die USA, wo die Armen und Beschissenen entweder im Knast sitzen oder bis zum Ende ihrer Tage damit rechnen, demnächst auch zu den Reichen zu gehören? Der Europäer, so lehrt es die Geschichte, ist ein nicht allzu duldsamer Charakter. Wird der Bogen überspannt, dann generalstreikt er, legt Bomben oder geht zur SA. Aber vielleicht täusche ich mich ja und wir alle sind doch schon so weichgekocht, dass wir uns entweder gottergeben alles gefallen lassen oder, schlimmer noch, einmal mehr unsere eigene Entwertung und Demütigung schiefheilen wollen, indem wir auf noch Schwächere hinuntertreten? Langweilig wird uns jedenfalls nicht werden, aber wie lautete ein alter chinesischer Fluch, den man seinem ärgsten Feind entgegenschleuderte: „Mögest du in aufregenden Zeiten leben“.

Frauenrechte sind Menschenrechte

In den vergangenen paar Jahrtausenden ist es für die Frauen dieser Welt nicht so gut gelaufen. In praktische allen Kulturen waren sie Menschen zweiter Klasse, Sexualobjekte, verschacherbares Eigentum ihrer Väter, Brüder und Gatten, entmündigt, vom politischen und wirtschaftlichen Leben weitgehend ausgeschlossen, reduziert auf die Rolle als Gebärerinnen von Erben, Soldaten und Arbeitern. Dies änderte sich erst mit dem Zurückdrängen des patriachalen Ideologieträgers Nummer eins, der Religion, in den modernen westlichen Demokratien sowie im „Realsozialismus“. Faschisten und Nazis versuchten zwar, die Frau wieder auf Küche, Kirche und Kinderkriegen zu beschränken, doch nach dem Untergang des Zwölfjährigen Reiches, dem schrittweisen Verschwinden auch der letzten europäischen und amerikanischen Rechtsdikaturen, mit dem langsamen Durchsickern feministischer Gedanken auch in konservative Parteien und vor allem der Erkenntnis, dass es ökonomischer Unsinn ist, in Wirtschaft und Forschung auf mehr als die Hälfte des menschlichen Potenzials zu verzichten, schien es ausgemachte Sache zu sein: Der lange und mühselige Kampf der Frauen um Gleichberechtigung wird am Ende siegreich sein. Es gab Anlass genug für Optimismus. Skandinavien gewöhnte die Welt an den Anblick weiblicher Regierungschefs und Ministerinnen, kaum eine westeuropäische Partei traute sich mehr, offen frauenfeindliche Positionen zu vertreten, der Ostblock brachte, wenn auch sonst nicht viel, ganze Generationen bestens ausgebildeter und voll im Berufsleben aktiver (Geistes-)Arbeiterinnen hervor* und sogar im äußerst rückständigen Nahen Osten, wo Mädchen nicht viel mehr zählten als Vieh, war mit Israel eine Demokratie entstanden, in der Frauen ganz selbstverständlich in der Politik mitredeten und mit der Waffe in der Hand ihr Land beschützten. Soviel zum Stand der Dinge Ende der 80er Jahre des 20. Jahrhunderts.

Und heute? Zu Beginn des Jahres 2012 ist noch lange nicht alles erreicht und viel Erreichtes wieder in Gefahr. In Westeuropa müssen Frauen noch immer damit leben, für gleiche Arbeit nicht den gleichen Lohn wie Männer zu verdienen.  Maßnahmen, die Frauen die Teilnahme am Wirtschaftsleben erleichtern, wie Ganztagsschulen und flächendeckende flexible Kinderbetreuung, setzen sich nur schleppend durch. Fortschrittsfeindschaft, die, auch wenn sie sich „grün“ maskiert,  ja immer auch frauenfeindlich ist, erlebt einen unheimlichen Boom. In Russland gehört „Edelnutte“ mittlerweile zu den begehrenswertesten Berufswünschen junger Frauen. Ganz Osteuropa ist seit ca. 1990 Jagdgebiet für Sextouristen und Pornofilmer. Am beunruhigendsten ist aber das Comeback der Religionen, das dazu führt, dass zB der Arabische Frühling zu einem islamistischen Winter zu werden droht und dass selbst Israel inzwischen Gefahr läuft, von ultrakonservativen Betbrüdern langsam in ein Land verwandelt zu werden, in dem eine Frau zu sein fast genauso gleichbedeutend mit Zurücksetzung ist, wie bei den islamischen Nachbarn. Immerhin wehrt sich die Mehrheit der Israelis entschieden gegen die Anmaßungen der Ultras. Dasselbe kann von den nordafrikanischen Staaten nicht behauptet werden. Dort sind die weltlichen und progressiven Kräfte nach wie vor schlecht vernetzt und können dem hohen Organisationsgrad der Muslimbrüder und Salafisten wenig entgegensetzen außer ihren Mut. Von der barbarischen Frauenfeindlichkeit, die auf der arabischen Halbinsel, in Afghanistan, im Iran und in Teilen Schwarzafrikas herrscht, muss jedem halbwegs aufgeklärten Menschen übel werden, vor allem wenn man bedenkt, dass viele dieser Höllen auf Erden beste Beziehungen wirtschaftlicher und politischer Natur zu westlichen Regierungen haben.

Solange wir alle nicht endlich verstehen, dass Frauenrechte Menschenrechte sind und ebenso wenig wie diese verhandelbar sind, wird die Misogynie auf dieser Welt nicht aussterben, wird es weiterhin legale und ökonomische Benachteiligungen sowie Genitalverstümmelungen und Massenmord an Frauen geben. Es gibt also allen Grund für eine kämpferische Politik mit und für die Frauen dieser Erde. Das sollten wir Männer schon aus Eigennutz kapieren, denn Frauenfeindlichkeit ist Menschenfeindlichkeit, und entgegen aller Irrmeinungen sind rückständig patriachale Gesellschaften auch für Männer keine sonderlich angenehmen Orte.

*auf die wahnwitzige Politik des rumänischen Diktators Ceaușescu, der, um „sein“ Volk zu mehren, unter anderem Verhütungsmittel verbieten ließ, gehe ich vielleicht ein anderes Mal näher ein.

What the Ehec? Beten für die Taliban

Deutschland, seines Zeichens Hochtechnologieland und Weltzentrum eines von hysterischer Pedanterie oft nicht zu unterscheidenden Genauigkeitsfimmels, steht der Ehec-Epidemie weitgehend hilflos gegenüber. Obwohl die Ausbruchsregion mit Hamburg und Umgebung lokalisiert werden konnte, tappen die Gesundheitsbehörden bei der Suche nach der Quelle für die mutierten E.-coli-Bakterien weiter im Dunkeln und bereiten die Bevölkerung schon mal darauf vor, dass diese Quelle auch nie gefunden werden könnte. Spanien ist zurecht sauer, weil man die Schuld für die vermeintliche Gurkenseuche allzu rasch und ohne stichhaltige Beweise iberischen Bauern in die Schuhe geschoben hat, Russland und einige arabische Staaten haben vorsorglich alle Gemüseimporte aus der EU gestoppt (mit dem hübschen Argument, dass den Hygienestandards der Europäer nicht zu trauen sei), die deutschen Gesundheitsbehörden warnen vor dem Verzehr von Rohkost, es kursieren die wildesten Verschwörungstheorien und rassistische Spinner wärmen die mittelalterliche Legende von jüdischen Brunnenvergiftern auf (bloß sollen es diesmal finstere muslimische „Fäkaldschihadisten“ sein, die unser gutes christliches Gemüse verseuchen). Neben den Wahnsinnigen, die sich davor fürchten, dass ihnen der Moslem in den Salat scheißt, nutzt nun auch die Szene der „Pharmakritiker“, Impfgegner, Gentechnikfeinde, Alternativmedizingläubigen und reaktionären Esoteriker die Gunst der Stunde und verbreitet fleißig Quatsch der Sorte: „Jetzt macht die Fleischhersteller-Pharmazie-Illuminaten-Lobby ernst und vergiftet unser germanisches Bioessen“.

Es ist nun nicht besonders verwunderlich, dass angesichts einer unheimlichen Krankheitswelle die Irrationalität wuchert. Doch betrachtet man heute Deutschland von außen, dann wird man den Eindruck nicht los ein Land zu sehen, dass sich im intellektuellen Niedergang befindet. Da grassiert bei den Linken schlimmster Antisemitismus, da schafft es eine SPD nicht, Thilo Sarrazin auszuschließen, da degeneriert eine einst liberale FDP zum bald außerparlamentarischen Club für schnöselige Millionenerben, da wollen angebliche grüne Ministerpräsidenten die Gentechnikforschung verbieten lassen, da machen CDU/CSU nur mehr Politik nach Meinungsumfragen und da wird plötzlich gefrömmelt, dass einem schlecht werden kann. Margot Käßmann, laut „Spiegel“ eine „populäre Theologin“, meint erbarmungswürdig naiv, es wäre doch besser, mit den Taliban gemeinsam zu beten statt auf diese zu schießen, und Verteidigungsminister Thomas de Maizière fühlt sich berufen, diesen Unsinn nicht etwa unkommentiert zu lassen, nein, er muss zurückchristen„Das Beten für Täter und Opfer – für Opfer gleich welcher Nation – ist gut und richtig. Insoweit ist auch ein Gebet für die Taliban nötig und sinnvoll.“  So viel Jesus in der öffentlichen Debatte kann nicht gesund sein, aber okay, lasst sie beten und gegeneinander antreten bei „Deutschland sucht den Superchrist“. Ich setze meine Hoffnungen unterdessen auf die Wissenschaft, die möglichst rasch etwas finden möge, womit diese Ehec-Sache angegangen werden kann, denn es ist bald Sommer, und so ganz ohne Salat macht eine Grillparty nur den halben Spaß.

Österreich legalisiert Korruption

Spätestens ab heute ist es offiziell: In Östereich ist Korruption legal. Die Staatsanwaltschaft Wien hat nun allen angehenden Bestechern und Schmierern eine Handlungsanweisung vorgegeben, mit der man ungestraft davonkommen kann. Das geht so: Man verrechnet zB für das Organisieren einer Pressekonferenz die abenteuerliche Summe von 96.000 Euro, und schon, so die Staatsanwaltschaft, hat man zwar eine recht hohe Rechnung gelegt, aber „doch eine konkrete Leistung“ erbracht. Auch wenn eine Pressekonferenz im teuersten Wiener Hotel samt dem teuersten Catering etwa 5.000 Euro kosten dürfte und dem Veranstalter so 91.000 Euro Reinprofit übrig bleiben. Das ist geradezu genial. Es ist bloß Freie Marktwirtschaft, in der, rein zufällig natürlich, dumme Industriekapitäne ein paar dutzend Millionen Euro zuviel für ein Produkt bezahlen, aber es ist keinesfalls Bestechung. Auf den Trichter gekommen ist ja ursprünglich der Ehrenmännerclub von der Industriellenvereinigung. Diese Herren bezahlten an eine dubiose Firma 250.000 Euro, um eine Homepage für den damals amtierenden Finanzminister der Republik Österreich, Karl-Heinz Grasser, einzurichten (Grasser hielt Aktien an der dubiosen Firma). Auf dieser Homepage waren ein paar biographische Nichtigkeiten über Grasser zu lesen und es gab Babyfotos des Politikers zu bestaunen. Jeder Mensch in Österreich wusste, dass so eine Website keine 250.000 Euro kosten konnte, und natürlich fragt sich seither alle Welt, wo denn die geschätzt zuviel bezahlten 230.000 Euro abgeblieben sind. Aber das muss nach dem heutigen Verdikt der Wiener Staatsanwaltschaft keinen mehr interessieren, denn: Es wurde ja „eine konkrete Leistung“ erbracht, wenn auch ganz leicht überteuert. Dass Herr Grasser dann während seiner Amtszeit Feuer und Flamme für die Cosa Nostra Sache der Industriellen war, tja, das war halt purer Zufall. Alles supersauber in Österreich. Auch in Kärnten spurt Justitia. Dort wurden heute alle drei Angeklagten im Hypo-Prozess erstinstanzlich freigesprochen. Es sei „kein Vorsatz“ bei der wahnwitzigen Kreditvergabepolitik der Skandalbank nachzuweisen, so das Klagenfurter Landesgericht. Zwar lagen für die Kredite, die im Prozess verhandelt wurden, keine Sicherungen vor, aber hey: Why not? Freie Marktwirtschaft, siehe oben. Jeder darf grotesk überhöhte Rechnungen bezahlen, keiner fragt nach dem Verbleib des Geldes, Kredite werden ohne Besicherung vergeben, aber keiner ist für irgendetwas verantwortlich, der Steuerzahler blecht für den angerichteten Schaden und gespart wird dann halt bei der Gesundheitsversorgung und dem Sozialsystem. Alles und alle sind nur „part of the game, no na net“.