Acht Lehren aus Van der Bellens Wahlsieg

  1. Die Österreicherinnen und Österreicher wollten mit recht deutlicher Mehrheit doch lieber keinen Bundespräsidenten, der sich nur mit einer geladenen Waffe auf die Straße traut, Österreich aus der EU hinaus und in einen Bund mit Balkan-Halbdemokratien hineinführen wollte und den äußersten, gerade noch legalen rechten Rand des politischen Spektrums verkörpert.

2. Die Lopatka-Kurz-Fraktion in der ÖVP, die gerne eine Neuauflage von Schwarz-Blau hätte, wurde geschwächt.

3. Die Niessl-Troch-Fraktion in der SPÖ, die gerne mal mit der FPÖ in die Kiste steigen würde, wurde geschwächt.

4. Die globale Welle rechtsextremer Wahlerfolge brach. In Österreich!

5. Trotz gegenteiliger Vermutungen der FPÖ und ihrer Anhänger wird morgen nicht die Pflicht-Homo-Ehe für Heterosexuelle eingeführt. Auch der Kommunismus wird nicht ausgerufen. Straftäter werden weiterhin strafrechtlich verfolgt, abgelehnte Asylbewerber abgeschoben und die Polizei wird nicht aufgelöst.

6. Der Lindwurm wird weiterhin nicht die fürstliche Apanage kriegen, die ihm das gute Volk eigentlich schuldet.

7. Österreich hat einen klugen, liberalen und doch auch sozial eingestellten Bundespräsidenten, der nicht einen angenehmen Menschen spielen muss, wie es Norbert Hofer musste, da er tatsächlich einer ist.

8. Es bringt nix, die Rechten rechts überholen zu wollen. Es bringt aber was, authentisch zu bleiben und zu seinen Überzeugungen zu stehen, selbst wenn die Boulevardmedien und die rechten Schreihälse den Eindruck erwecken wollen, man gehöre damit zu einer Minderheit und könne keine Wahlen gewinnen.

 

„Die Sau liquidieren“ – Postings auf Norbert-Hofer-Unterstützerseite

Unter einem öffentlich einsehbaren Beitrag der Facebookgruppe „Wir unterstützen Norbert Hofer“ über die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel waren am Sonntag folgende Postings zu sehen:

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Von Präsidentschaftskandidat Norbert Hofer und der FPÖ liegt bis dato keine eindeutige Distanzierung von dieser „Unterstützergruppe“ und den dort verbreiteten Ansichten vor.

 

 

Sie kommen aus den Kellern

Kaum als Präsidentschaftskandidatin der FPÖ nominiert, spricht Frau Barbara Rosenkranz auch schon braunen Klartext: Das NS-Verbotsgesetz gehöre abgeschafft, denn: „Ist man für Meinungsfreiheit, dann wird es nicht anders gehen, als dass man absurde, skurrile, verwerfliche Meinungen zulässt.“ Klingt sehr liberal, was? Das Problem ist bloß, dass die Neugründung der NSDAP und das Leugnen des Holocausts  weder absurd, noch skurril sind, sondern verbrecherisch. Befragt, ob es in den Nazi-KZ Gaskammern gegeben hätte, antwortet Rosenkranz so, wie es typisch ist für Nazis, die nicht vor dem Richter landen wollen: „Ich habe das Wissen, dass ein Österreicher, der zwischen 1964 und 1976 in österreichischen Schulen war – das ist also mein Wissen von der Geschichte, und ich daran habe ich überhaupt keine Änderung vorzunehmen.“ Blöd nur, dass Frau Rosenkranz Geschichte studiert hat, wenn auch nicht bis zum Abschluss, da ihr unbändiger Wunsch, Germanen zu gebären, übermächtig wurde. Dummstellen als Taktik, das hat man oft genug bei FPÖ-Politikern gesehen, und es ist ein Armutszeugnis für den österreichschen Journalismus, dass man dies immer wieder durchgehen lässt. Aber so ist das hierzulande: Recherchieren und kritisch nachfragen, bis man eine klare Antwort bekommt, gilt als unfein, Poltiker, auch Kellernazis, werden traditionell äußerst zuvorkommend behandelt und niemals in echten Erklärungsnotstand gebracht oder zum ideologischen Offenbarungseid gezwungen.

Ein weiterer Skandal in der Causa Rosenkranz ist das Verhalten der ÖVP und der Grünen. Die ÖVP hat die Lehren der „Lagerstraße“ wohl endgültig vergessen und trägt immer noch einen dermaßen großen Hass auf die SPÖ in sich, dass sie sich nicht dazu durchringen kann, im Sinne eines großen antinazistischen Konsenses eine Wahlempfehlung entweder für Heinz Fischer oder zumindest eine gegen Barbara Rosenkranz abzugeben. Auch die Grünen geben keine Wahlempfehlung ab, da sie ihre „Wählerinnen und Wähler für mündig genug“ halten. Es geht aber nicht um mündige Wähler, sondern um eine klare antifaschistische Positionierung der grünen Partei. Oder ist es etwa mit dem Antifaschismus der Grünen ebenso wenig weit her wie mit jenem der ÖVP? Gibt es teilweise gar ideologische Überschneidungen? Immerhin ist Barbara Rosenkranz ja eine große Tierschützerin…

Die Braunen kriechen aus den Kellern und es braucht einen Schulterschluss der Demokraten!