Bring out your dead – to Facebook

Ich habe das Video, das derzeit auf Facebook kursiert und die Enthauptung einer Frau zeigt, nicht gesehen und ich habe auch nicht vor, das nachzuholen. Die Vorstellung vom Inhalt bereitet mir genug Unbehagen, ebenso wie der Gedanke, dass dieses Snuff-Video derzeit weltweit der Renner auf den Schulhöfen ist und die lieben Kinderlein es fleißig weiterverbreiten und tauschen. Nennt mich blasiert, aber ich habe mir auch die Videos vom Gaddafi-Lynchen, vom Saddam-Henken und vom Ceausescu-Abknallen nicht „uncut“ angesehen. Diesen Luxus der Zivilisiertheit gönne ich mir. Ich behaupte nicht, das jeder, bei dem die Neugier auf das Morbide über die Pietät siegt, ein Barbar ist, aber der Akt an sich, das öffentliche Umbringen nämlich, ist barbarisch, und das Drücken des „Gefällt mir“-Buttons auf Facebook ist wie das Gejohle der mittelalterlichen Meute, die einer Hinrichtung beiwohnt. Und derlei Meuten gehe ich gerne aus dem Weg.

So wie ich den Voyeurismus bezüglich gefilmter Tode unschön finde, habe ich auch ein Problem mit dem Verwenden der Videos oder Fotos davon zu Propagandazwecken, was leider seit dem Siegeszug der „Sozialen Medien“ epidemische Ausmaße angenommen hat. Selbst wenn man eine recht gepflegte Freundesliste hat, schlüpfen sie doch manchmal durch, diese Bilder getöteter Menschen, gerne aufgepeppt mit trauernden Verwandten, Bilder, die einen emotional auf eine Seite in einem der vielen Konflikte auf dieser Welt ziehen sollen. Ich mag das nicht. Ich bedarf keiner Fotos von erschossenen Kindern um zu wissen, dass Krieg meist scheiße ist. Ich lasse mich davon auch nicht beeinflussen, gerade in Zeiten von Photoshop nicht. Ich finde es widerwärtig und primitiv, wenn auf diese Weise Propaganda betrieben wird, ganz egal, wer jeweils dahinter steckt. Leider funktionieren Schock-Bilder bei vielen Menschen gut und sorgen für die gewünschte Empörung, die das Hirn ausschaltet und die Gefühle übernehmen lässt, und daher ist kein Ende der Flut von Todesvideos und Todesfotos auf Facebook und Twitter abzusehen. Wer auch immer Tote zu beklagen hat oder sich auch bloß aus taktischen Erwägungen wünscht, er hätte, zerrt die Fotos davon, ob echt oder gestellt, durchs Internet, reduziert das Leid der Abgebildeten zu Rufzeichen, die die eigene Position hörbar machen sollen, und am Ende ist nur mehr Geschrei übrig.

Frutarier am Küniglberg

Ich bin auch beim Thema Ernährung ein halbwegs toleranter Mensch. Jeder soll das essen, was er mag und sich leisten kann, solange er andere nicht mit der angeblichen moralischen Überlegenheit seiner Ernährungsgewohnheiten belästigt. Die Schriftstellerin Karen Duve hat sich nun in die Schar jener eingereiht, die den Omnivoren die Schuld für traurige Häschen, weinende Kühe, depressiven Salat und natürlich für den drohenden Untergang der Welt durch einen von Nutztierfürzen verursachten Klimawandel zuschieben möchten. Fein, soll sie machen, aber wie kommt der mit Zwangsgebühren finanzierte ORF dazu, in der Nachrichtensendung „ZIB 2“ vom 5.1.2001 einen Bericht über Duves neues Büchlein „Anständig Essen“ zu senden, der so auch als Propagandavideo von PETA hätte gedreht worden sein können? Mit manipulativ-trauriger Musik untermalt und mit grellem Rotfilter verfremdet wurden uns da ein paar Bilder von Massentierhaltung usw um die Augen geknallt, und dazu sagte eine tief betroffen klingende Sprecherin Sachen wie „ohne Betäubung kastriert…bei lebendigem Leib im Schlachthof zerhackt…Klimawandel“. Einmal ganz davon abgesehen, dass ich die Sache mit den bei lebendigem Leib in Schlachthöfen zerhackten Rindern vom ORF gerne genauer erläutert und bewiesen haben würde (und nein, EIN Schlachthof in EINEM Land irgendwo weit weg reicht mir da nicht): Das geht nicht! Mittel der Emotionsmanipulation, wie man sie aus Spielfilmen kennt, haben in einem Bericht einer Nachrichtensendung eines Öffentlich Rechtlichen Senders nichts verloren. Agitation gegen den Fleischkonsum, ja sogar gegen den Verzehr von, wie die Frutarier sagen, gequältem Gemüse (Übersetzung: gerntet) hat in einem Medium, das für sich Seriosität in Anspruch nimmt, nichts verloren. Wenn ich sowas sehen möchte, gehe ich zu Vorträgen der Sekte „Universelles Leben“, schalte aber nicht ein Nachrichtenformat des ORF ein. Ein neuer Tiefpunkt des Journalismus Marke Österreichischer Rundfunk.

Aus dem Wüsten-Stürmer

Statt sich wie die zionistisch unterwanderte westliche Presse (zb Aftonbladet, Kronen Zeitung) in höhnischen Frechheiten gegenüber dem größten Politiker aller Zeiten zu ergehen, zeigen uns libysche Edelfedern, wie man korrekt über die Feierlichkeiten zum 40-jährigen Bestehen der Diktatur, äh, der Volksrepublik, äh, der islamischen Basisdemokratie, äh, egal, sie wissen schon, berichtet:

Auf dem Grünen Platz von Tripolis versammelten sich Würdenträger aus der ganzen Welt, um an den grössten, erfolgreichsten und spektakulärsten Festveranstaltungen in der Geschichte Afrikas teilzunehmen.

Für den größten, erfolgreichsten und spektakulärsten Tyrannen Afrikas ist das nur angemessen. Allerdings liest sich die Gästeliste ein wenig weiter unten Im Text nicht mehr ganz so berauschend:

Unter den Ehrengästen befanden sich Hugo Chavez, Präsident von Venezuela, König Abdullah von Jordanien, Scheich Hamad bin Khalifa Al Thani, Emir von Qatar, Scheich Sabah al-Ahmed al-Sabah, Emir von Kuwait, Ben Ali, Präsident von Tunesien, Abdelaziz Boutaflika, Präsident von Algerien, Ali Abdullah Saleh, Präsident des Jemen und Karekou, Präsident von Benin.

Nicht gerade das Who-is-Who der Weltpolitik. Aber da geht schon wieder die zionistische Verleumdungslust mit mir durch. Lesen wir lieber den neutral im NS-Wochenschaustil verfassten Bericht der Libyschen Kollegen weiter:

Die Eröffnungsfeier begann mit einer perfekt durchgeführten Militärparade, an der Truppen aus der ganzen Welt teilnahmen. Afrikanische Soldaten, unter anderem aus dem Senegal und Algerien, marschierten zusammen mit Soldaten aus europäischen Ländern, beispielsweise aus Italien und der Ukraine, unter ihrer jeweiligen Staatsflagge zur Musik. Ausserdem nahmen Truppen aus Griechenland und von der französischen Fremdenlegion teil. Den Soldaten folgte eine vollständige Artillerie von Militärfahrzeugen, von Lastwagen bis zu Panzern, von denen einige mit Flugabwehrwaffen ausgestattet waren, während Kriegsflotten an der Küste vorbeizogen.

Boah, das sind halt noch Formulierungen, die die müden Knochen zittern lassen! Dass von den „Truppen aus der ganzen Welt“ die US-Streitkräfte, die luxemburgische Marine und die IDF nicht erwähnt werden, finde ich aber ein wenig gemein. Und wo bitte bleibt die lobende Erwähnung des präzisen Spiels der österreichischen Militärblaskapelle? Während der Schweiz von Gaddafi höchste Aufmerksamkeit entgegengebracht wird, lässt er das ebenso neutrale und noch viel appeasendere Österreich links liegen. Das ist doch ungerecht! Na wenigstens ist der Wüstenprinz ein guter Gastgeber in bester bescheidener Beduinentradition:

Die Speisen wurden vom berühmten Pariser Restaurant Le Notre zubereitet und die Gäste erhielten goldene Chopard-Uhren in limitierter Auflage mit einer Abbildung von Afrika sowie einem Diamanten für Libyen auf dem Ziffernblatt.(…) Während sich Hunderte von Künstlern auf ihren grossen Auftritt auf zeltähnlichen Bühnen vorbereiteten, trafen die Ehrengäste in Golfwagen ein, die von Hummer and Cadillac hergestellt wurden. Zusammen mit der Familie von Gaddafi nahmen weitere Gäste an der Eröffnungsfeier teil, unter anderem Amina Erdogan, die Frau des türkischen Ministerpräsidenten, der ehemalige ukrainische Ministerpräsident Ioulia Tymochenko (sic), der französische Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit Alain Joyandet, Idriss Deby, Präsidend des Tschad, und Nigers Präsidnet Mamadou Tandja. Die Show war wirklich beeindruckend: Akrobaten, Laserprojektionen und beleuchtete Tierskulpturen verliehen der beindruckenden Show Stil, Würde und Magie.

Stil und Würde – wenigstens hatte die Show jene Eigenschaften, die den illustren Gästen so völlig abgehen.

Eine Feier zu Ehren Afrikas war der Kern der Vorstellung mit Tänzen, Kostümen, Farben und Gesang. Riesige beleuchtete Skulpturen afrikanischer Tiere erhellten die Dunkelheit. Während dieser Festveranstaltung wurde an der Küste von Tripolis ein neues Monument für Afrika und seine Union enthüllt, wobei afrikanische Flaggen gleichzeitig mit Präzision gehisst wurden.

Es fällt auf, dass mit Präzision keine Flaggen der arabischen Bruderstaaten gehisst wurden. Vielleicht, weil die sich weigern, nach der Pfeife eines größenwahnsinnigen Irren zu tanzen?

Celebrate Libya lenkt die Aufmerksamkeit auf eine Nation, die so viel zu bieten hat.

Jep, unter anderem Finanzierung des internationalen Terrorismus, Terroranschläge auf ausländischem Territorium in Eigenregie sowie lustiges Geiselnehmen. Aber Gaddafi ist jetzt ja einer von den Guten, denn:

Internationale Investoren interessieren sich seit langem für Libyen und seine aufstrebende Industrie. „Das Tor zu Afrika“ rangiert auf dem zweiten Platz der reichsten Länder Afrikas und ist der grösste Ölproduzent des Kontinents.

Man ist in Tripolis auch voll der Hoffnung auf einen weiteren Geschäftszweig:

Die Regierung erwartet in den nächsten elf Jahren zehn Millionen Touristen und Grossaufträge für Hotels sind bereits im Gange.

Ok, mal im Ernst: Wer so deppert ist, und in Libyen Urlaub macht, der sollte noch am Abflugsflughafen einen Ansteckbutton mit der Aufschrift „potenzielle Geisel“ erhalten. Denn sobald der Herr Diktator sich wegen irgendeiner Petitesse erregt, werden gleich ganze Hotelbelegungen die „verlängerte Gastfreundschaft“ des totalitären Erpresserstaates genießen dürfen.

Der Lindwurm schreibt übrigens nur deshalb so boshaft über die großartigsten Feierlichkeiten aller Zeiten, weil er nicht eingeladen wurde, keine goldene Uhr mit Diamanten geschenkt bekommen und noch nicht mal ein bisschen Fingerfood von Le Notre gekriegt hat. Und weil Österreich bei der von Gaddafi geplanten Aufteilung der Schweiz an ihre Nachbarländer leer ausgehen soll.  

Nahost: Orwell lässt grüßen

Wie nennen die Peace Wankers dieser Welt die Bemühungen Israels, sich gegen den Terrorismus zu schützen? Apartheid.

Und was sind Juden, die außerhalb des israelischen Kernlandes siedeln, durch ihre bloße physische Präsenz die edlen Araber zur Weißglut treiben, von fast jedem Araber als unzumutbare Provokation empfunden werden und denen alle westlichen Politiker bis hin zum UNO-Generalsekretär immer wieder mitteilen, sie sollten sich doch bitte in Luft auflösen, denn man könne Arabern keine jüdischen Nachbarn zumuten? Apartheidsopfer? Aber wo denken sie hin, liebe Leser? Diese Juden sind „Hindernisse für den Frieden“.

Tja: Krieg ist Frieden, Freiheit ist Sklaverei, Ignoranz ist Stärke…

Israel: Propagandakrieg tobt weiter

Zwar wird zur Zeit an Israels Grenzen relativ wenig geschossen und bombardiert, doch der Propagandakrieg tobt weiter. So druckt etwa der „Standard“ eine Agenturmeldung nach, in der es heißt, ein „UNO-Bericht“ werfe den IDF vor, palästinensische Kinder als lebende Schutzschilde missbraucht zu haben (was übrigens ausdrücklicher Bestandteil der palästinensischen „Kriegsführung“ ist, Anm.). Dass dieser „UNO-Bericht“ unter der Ägide des berüchtigten Israel-Bashers, 9/11-Verschwörungstheoretikers, Terroristenfreunds und Khomeini-Unterstützers Richard Falk entstanden ist und dass sich die UNO und ihre Vorfeldorganisationen gegenüber Israel zumeist alles andere als fair verhalten, verschweigt der „Standard“ vorsorglich.

Der „Standard“ berichtet auch über einen Artikel in „Haaretz“, in dem von IDF-Soldaten die Rede ist, die sich zum Abschluss ihrer Grundausbildung geschmacklose und rassistische T-Shirt-Aufdrucke herstellen lassen (zB eine Karikatur einer bewaffneten schwangeren Burkaträgerin im Fadenkreuz mit der Unterschrift „one shot, two kills“). Das ist, falls es sich nicht eine typische Haaretz-Ente handelt, ein Fall für interne Untersuchungen der israelischen Armee und natürlich Stoff für eine Diskussion über Verrohungstendenzen bei den IDF. Dass die Antizionisten dieser Welt sich über ein paar mit widerlichen Motiven bedruckte Baumwollleiberln furchtbar aufregen und darin einen weiteren „Beweis“ für die Verkommenheit der Juden sehen werden, steht bereits fest, und natürlich wird keiner der „zutiefst Schockierten“ auch nur auf den Gedanken kommen, dass es eventuell ganz normal sein könnte, dass es unter 18/19-jährigen Kids, die Waffendienst unter realen Kriegsbedingungen und ständiger Bedrohung leisten müssen, selbstverständlich auch welche gibt, die unreif und verängstigt und großtuerisch und, ja doch, rassistisch sind. Israelis sind ganz normale Menschen mit ganz normalen menschlichen Schwächen. Eine banale Tatsache, die sich den „Friedensfreunden“, die meinen, Auschwitz sei eine Erziehungsanstalt zum Edelmut gewesen, einfach nicht erschließen mag und so deren antisemitische Ressentiments entlarvt. Und kein „Antizionist“ oder „Israelkritiker“ wird so viel Anstand haben, neben der Kritik an den menschenverachtenden T-Shirtaufdrucken auch zuzugeben, dass Israels Soldatinnen und Soldaten trotz des enormen Drucks, den ihre Feinde seit Jahrzehnten auf sie ausüben, stets eine im Rahmen des militärisch Möglichen klar humanere Kriegsführung betrieben haben als andere Armeen in vergleichbaren Situationen. Wetten?