„Neger gefunden, Täter gefunden“

Amanda Knox ist also wieder eine freie Frau. Schauen wir mal ins Archiv:

Sie habe die Nacht bei Raffaele verbracht und sei erst morgens nach Hause gekommen, sagt Amanda Knox aus. Das blutige Handtuch im Bad der WG sei ihr nicht sonderlich aufgefallen. Auch die offenstehende Haustür nicht. Sie habe geduscht und sich die Haare gewaschen wie immer. Den Ermittlern fällt auf, dass alle Räume offenbar nach der Tat mit Intensivreiniger geschrubbt wurden. Noch mehr erstaunt sie, dass sich von Amanda Knox keine Fingerabdrücke in der Wohnung finden, obwohl sie hier lebt. (…) Freunde wunderten sich über das Verhalten der beiden gleich nach der Tat. „Sie waren in keiner Weise bestürzt durch den Tod der Freundin und turtelten ständig miteinander“, sagt einer von ihnen. Sie hätten sogar Dessous gekauft und von der nächsten Nacht gesprochen, als wäre nichts geschehen. Und Amanda erzählt Details vom Sterben Merediths, die sie sich gut ausgedacht haben muss: „Sie ist ganz langsam verblutet.“ Die Polizei findet in der Wohnung von Raffaele ein Küchenmesser, an dessen Griff DNA-Spuren von Amanda und Meredith festgestellt werden. Die Gerichtsmediziner formulieren sehr vorsichtig, das Messer sei „nicht inkompatibel“ mit der Tatwaffe. Aber man hat im Zimmer von Meredith auch den Abdruck eines Nike-Sportschuhs im Blut gefunden, der Sollecito gehört haben könnte. Es stellt sich heraus, dass Computer und auch die Mobiltelefone der beiden zur Tatzeit ausgeschaltet waren. Amanda wird ein zweites Mal vernommen, stundenlang diesmal, ohne Anwalt an ihrer Seite und ohne Dolmetscher. Dann sagt sie: „C’ero“ – ich war da, zur Tatzeit am Tatort. Ja, sie habe Schreie aus Merediths Zimmer gehört, sich die Ohren zugehalten, es sei ein Schwarzer gewesen, sie nennt den Namen Patrick L., das ist ihr Chef aus dem Pub „Le Chic“, wo sie ab und zu kellnert. Der 38-Jährige, ein stadtbekannter Reggae-Musiker, wird am 5. November 2007 unter Mordverdacht eingesperrt, zusammen mit Amanda Knox und Raffaele Sollecito. Aber anders als die beiden hat Patrick L. ein Alibi und wird nach zehn Tagen freigelassen. Amanda Knox hat gelogen. Warum? Die Polizisten hätten sie unter Druck gesetzt, sagt sie. Sie sei unschuldig. Seither behauptet sie, in der Nacht mit Raffaele Marihuana geraucht und mit ihm zusammen geduscht zu haben. Raffaele dagegen will sich jetzt erinnern, dass Amanda gegen 21 Uhr fortgegangen sei. Ihre Aussagen widersprechen sich. Sie sind jetzt kein Paar mehr. Das Video einer Überwachungskamera vom Parkplatz gegenüber zeigt tatsächlich, wie Amanda kurz vor dem Mord das Haus betreten hat. Aber auch von Raffaele werden DNA-Spuren auf dem BH des Opfers gefunden. Die Nachbarin sagt, sie habe einen furchtbaren Schrei gehört und danach Schritte von Fliehenden. Ein weiterer Zeuge sagt aus, Amanda in der Nähe des Hauses gesehen zu haben, mit Raffaele und einem dritten Mann. Der Mörder aber sei ein Italiener gewesen. Der habe ihn, Rudy, als er mit heruntergelassenen Hosen vom Klo kam, noch mit einem Messer verletzt und ein Sprichwort gerufen: „Neger gefunden, Täter gefunden.“ Da sei er in Panik aus dem Haus gerannt, ohne Hilfe zu holen. Er sei es nicht gewesen. Guede weiß, dass er keine Chance hat, auch wenn die Gerichtsmediziner nicht zweifelsfrei feststellen können, ob es sich um eine Vergewaltigung gehandelt hat. Seine Anwälte empfehlen ihm, sich auf ein abgekürztes Gerichtsverfahren einzulassen, um das Lebenslänglich zu vermeiden – „lebenslänglich“ kann in der italienischen Rechtsprechung wirklich lebenslange Haft bedeuten. Rudy Guede stimmt zu. Am 29. Oktober 2008 wird er in nichtöffentlicher Verhandlung wegen Mordes und Anwendung sexueller Gewalt zu 30 Jahren Haft verurteilt. Es ist ein Indizienprozess. Guede sagt bis heute, er habe Kercher nicht umgebracht. „Sie fällt auf den Boden, schmeckt das Blut auf ihrem Mund und schluckt es. Sie konnte die Kinnlade nicht mehr bewegen, und es fühlte sich an, als würde jemand eine Klinge vor der linken Seite ihres Gesichts bewegen“ – so könnte Meredith Kercher gestorben sein, aber das sind Sätze aus dem Tagebuch von Knox

Ich war nicht dabei, als Meredith Kercher ermordet wurde, also habe ich keine Ahnung, ob Knox und Sollecito die Täter waren. Aber das, was man von den Beiden weiß, lässt darauf schließen, dass sie Psychopathen sind, denen ein Menschenleben recht egal ist (siehe Dessous kaufen am Tag nach dem Tod einer Wohnungsgenossin, siehe Raffaeles beeindruckende Sammlung von Gewaltpornographie). Im Zweifel für den Angeklagten ist schon in Ordnung. Schade bloß, dass dieser Grundsatz für Rudy Guede nicht gegolten hat. Und schade auch, dass sich Medien wie zB der ORF für das Schicksal des Drittangeklagten nicht interessieren. Ist halt nur ein Schwarzer, ist halt ein Ex-Dealer, hat halt kein „Engelsgesicht“, hat halt keine reichen Eltern, hat halt keine US-Politiker im Rücken.