Zicken, Bitches und Trachten

Immer wenn mir auf der Straße eine Frau entgegenkommt, die auf ihr T-Shirt „Vorsicht Zicke“ oder „Bitch“ gedruckt hat, denke ich mir: „Danke für die Warnung“. Immerhin sind diese Menschen so höflich, auf ihre Unerträglichkeit schon hinzuweisen, noch bevor man in die Verlegenheit kommt, sich aus einem mit ihnen arglos begonnenen Gespräch oder Geflirte wieder herauswinden zu müssen, weil man eben erst zu spät bemerkt hat, was das für Satansbuhlen sind. Ganz ähnlich ist es mit den Trachten. Wer heutzutage in Österreich, vor allem aber in Kärnten eine solche trägt, der signalisiert, dass er oder sie entweder mit den Freiheitlichen sympathisiert, oder zumindest ein Mitläufer ist. Da mehr als 70 Prozent  der Menschen Ironie weder verstehen, noch ausdrücken können, muss man davon ausgehen, dass die Frau, die sich selbst als „Zicke“ bezeichnet, genau das ist, so wie der Mann, der auf seinem T-Shirt einen „lustigen“ Bierwitz zur Schau stellt, sehr wahrscheinlich ein Alkoholproblem hat. Und wer Tracht trägt, von dem darf man annehmen, dass er die Gebrüder Scheuch wählt. Berücksichtigt man dies, wird man sich viele menschliche Enttäuschungen ersparen.

Es lebe der Hass

In seinem akuellen Videocast gibt Robert Misik den vor-österlichen Prediger und mahnt, dass zuviel Hass in der Welt als solcher und den Standard-Postings im Besonderen sei. Tatsächlich wirkt der Publizist hier ganz fastenzeitpriesterlich, vom weihevollen Sprachduktus bis zur schwammigen Nächstenliebhaberei sonntagschristlicher Prägung. Ein bisserl buddhistisch klingt das auch, und nun sind viele Buddhisten, die ich kenne, zwar  auf den ersten Blick ganz liebenswürdige Menschen, weil sie eben nicht hassen und alles gelassen ertragen, was die Welt anderen antut, aber genauer betrachtet wirken die doch oft so, als würden sie tot sein üben. Ob Hungersnot, Massenmord oder Karl-Heinz Grasser – alles prallt an ihnen ab, nichts empört sie, nichts bringt sie aus der Ruhe, nichts macht sie hassen. Nur Tibet erregt sie noch ein wenig. Wer aber lebendig ist und sein Empfinden noch nicht angetötet hat, der kriegt eine Wut, wenn er Unrecht sieht, und er empfindet Hass auf jene, die das Unrecht tun oder ermöglichen. Ja sicher, mir wäre Love & Peace auch lieber auf dieser Welt als Hate & War, und ich täte auch lieber lächelnd im Schaukelstuhl sitzen, während anderen Menschen die Zähne eingetreten werden, und sagen: „Tja, was soll man machen“. Kann ich aber nicht. Weil´s mich aufregt, weil´s mich zornig macht. Weil ich diejenigen, die anderen Menschen die Zähne eintreten, hasse. Und überhaupt: Darf ich auch den Nazi, der mir ans Leben will, nicht hassen, weil ja auch der ein „Inneres Kind“ hat (selbst wenn dessen „Inneres Kind“ gerade die Nachbarskatze totschlägt, weil es wisssen will, wie das so ist mit dem Morden)? Womit Misik schon recht hat, ist, dass man nicht wegen jedem Scheiß einen Zornanfall bekommen sollte. Schlimmer als der gleichgültige, erkaltete Allesversteher ist nur der dumme Wutbürger, der mangels intellektueller Kapazität immer das Falsche und die Falschen hasst.

Ficken und Autofahren

Sex ist auch so eine Sache. Eines der kuriosesten Dinge in diesem Zusammenhang ist der gegenderte Blick auf die Prostitution. Männer, die in die Ukraine oder ein anderes Niedriglohnsexland fahren, um billig zu einem Fick zu kommen, nennt man mindestens Säue und die Frauen, die sich ihnen verkaufen, Nutten. Damen aber, die sich zwischen Bibiano und Kenia um wenig Geld einen Stecher anlachen, die sind in entsprechenden Reportagen keine Schweine, sondern „einsam“, meist sogar „abenteuerlustig“, und deren Nutten heißen „Lover“ oder „Loverboys“. Hier Verachtung und Hohn, dort Verständnis und augenzwinkerndes Komplizentum. Dabei ist beides nur Triebbefriedigung gegen Bargeld. Und ich verurteile weder männliche, noch weibliche Freier, solange deren Lustobjekte nicht minderjährig sind. Ein ökonomisches Gefälle hat schon immer bewirkt und wird auch immer bewirken, dass die Ärmeren ihre Sexualität zu Markte  tragen, und da keine ökonomische Vormachtstellung dauerhaft ist, wird vielleicht die EU in gar nicht so ferner Zeit das Sextourismusziel Nummer 1 für reiche Chinesen und Russen sein? Hängt allein von der wirtschaftlichen Entwicklung ab und nicht von Gesetzen oder guten Vorsätzen. Oder glaubt jemand ernsthaft, zB in Schweden würde weniger gegen Bezahlung gepimpert, bloß weil das kriminalisiert wurde? Nein, in Schweden wird mittlerweile bloß mehr erpresst und vergewaltigt. Well done, feminists!

Und dann Autofahren! Woran mag es liegen, dass Leute, die an ihren Rückspiegeln Rosenkränze baumeln haben oder einen Jesusfischaufkleber am Heck, ausnahmslos in dreckigen alten Kisten – man könnte auch freundlich von „Youngtimern“ sprechen – unterwegs sind und vom Straßenverkehr immer heillos überfordert scheinen? Liegt ersteres daran, dass die Kirchen ihre Mitarbeiter lausig entlohnen? Und zweiteres an einer schon gefährlichen Portion Gottvertrauen? Sind Christen, die das Bedürfnis haben, sich mittels öffentlich zur Schau gestellter Symbole zu bekennen, tendenziell ärmer als Taufscheinchristen, Agnostiker oder Muslime? Sind sie vielleicht auch ein bisserl langsam im Kopf und daher auch nicht sehr reaktionsstark beim Autofahren? Oder ruhen die bloß zufrieden mit Gott und der Welt in sich selbst und cruisen daher langsam und oft genug die Straßenverkehrsordnung verachtend durch die Gegend, Unfälle nicht aktiv scheuend, da Gott schon aufpassen wird und das Schlimmste, was ihnen widerfahren kann, das Paradies ist? Das alles wüsste ich gern, wenn ich mal wieder hinter einem dieser Autochristen fahre und extra viel Sicherheitsabstand einhalte, sobald ich Rosenkranz oder Fischaufkleber erspähe.

Ein Herbstgedanke

Als ich gerade aus dem Fenster schaute und mir dieser graue Totenschädelherbst entgegenstarrte, kam mir folgender Gedanke: Das kosmische Hintergrundrauschen wird oft fälschlicherweise als Echo des Urknalls interpretiert. In Wahrheit handelt es sich dabei um das Gelächter, Gestöhne und Gegrunze Gottes, der sich an einem Snuff-Porno mit dem Titel „Die Schöpfung“ erfreut. Das dauernde Hauen und Stechen und Töten und Sterben und Leiden macht ihn geil, diesen Gott, denn das Sein ist wie Pornographie der erwähnten Sorte:  sadistisch, sinnlos, blutig, absolut pervers und ohne Happy End.