Dem „Mustafa eine aufbrennen“…

Dass es immer noch widerwärtiger geht, beweist die FPÖ, die dieser Tage einen Comic an Wiener Jungwähler verschickt hat, in dem es eine Szene gibt, die man durchaus als Aufruf zur Gewalt gegen Türken verstehen kann.

Übersetzung : „Wenn du dem Mustafa eine verpasst, spendiere ich dir eine heiße Wurst“. „Ich nehme eine Burenwurst mit süßem Senf und einem Stück Brotende, HC“. (Bild © FPÖ via Salzburger Nachrichten)

Lustig ist das Zigeunerleben?

Etwas Gutes hat die populistische Antiroma-Politik von Nicolas Sarkozy samt ihren bizarren diplomatischen Verwicklungen ja: Europa redet endlich über die Lage einer Volksgruppe, die in mehreren EU-Mitgliedsstaaten systematischer Diskriminierung ausgesetzt ist und deren Angehörige von Politikern mit dem Moralniveau eines Regenwurms einmal mehr dazu missbraucht werden, als unfreiwillige Statisten in einem b-movie namens „Harte Sheriffs greifen durch“ herzuhalten. Aber so positiv es auch ist, dass über das Thema nun diskutiert wird, so oberflächlich bis dümmlich sind leider viele Diskussionsbeiträge.

Zigeuner waren und sind der Albtraum der Regulierungswütigen, der Amtsstempelschwinger und all jener, die den Wert von Menschen an deren ökonomischer Verwertbarkeit bemessen. Sie waren und sind aber auch Projektionsflächen für die Ängste und Wunschträume der Spießer, und zwar ganz unabhängig davon, ob diese Spießer nun bürgerliche Zwangscharaktere, weltfremde linke Schwärmer oder rechte Rassisten sind. Ablehnung, Furcht und Vernichtungswünsche gegen bestimmte Gruppen gehen oft genug Hand in Hand mit Neid auf deren tatsächliche oder angedichtete Lebensweise und nur oberflächlich überdeckten Fantasien davon, selber solch ein Leben führen zu dürfen. Es ist gut denkbar, dass so mancher SS-Mann, der tagsüber an der Ermordung von Sinti und Roma beteiligt war, abends im Suff sehnsuchtsvoll „Lustig ist das Zigeunerleben“ gegröhlt und dabei von der großen Freiheit geträumt hat, denn wer in Zwangsstrukturen lebt, der möchte diesen entkommen, auch wenn er das Gegenteil behauptet und lebt. „Brauchen dem Kaiser kein Zins zu geben“ – das spricht das unterdrückte Freiheitsstreben in der Seele des Spießers ebenso an wie die den Zigeunern angedichtete sexuelle Freizügigkeit, was auch Randy Newman gut erkannt hat, der im Song „Sigmund Freud´s Impersonation of Albert Einstein“ singt: „Americans dream of gypsies, I have found / Gypsy knives and gypsy thighs that pound and pound and pound and pound“.

Das Problem liegt aber nicht nur in den einerseits dämonisierenden, andereseits romantisierenden Vorstellungen, die sich viele von den Sinti, Roma und anderen Gruppen machen. Das Problem beginnt bereits damit, dass Kollektiven bestimmte Eigenschaften zugeschrieben werden, was sie in toto zu der Bösartigkeit oder dem guten Willen der Mehrheit ausgelieferten Objekten degradiert. Wer also seriös von Zigeunern sprechen will, darf zu den nicht in die Klischees passenden Sinti und Roma nicht schweigen. Und es gibt sie ja, die völlig gewöhnlichen Berufen nachgehenden und in festen Behausungen lebenden Menschen ziganer Herkunft. Es gibt erfolgreiche Künstler, Anwältinnen und Ärzte unter ihnen. Nur wird über die kaum berichtet, obwohl es sehr berichtenswert wäre, denn sie hatten es unglich schwerer, Karriere zu machen, als die Mitglieder der Mehrheitsgesellschaften. Und besonders aufschlussreich ist ein Blick auf die Gründe, warum es diese Leute so schwer haben.

Wenn die Frage besprochen wird, weshalb ein großer Teil der Zigeuner in so erbärmlichen Verhältnissen lebt und warum es für sie so schwer ist, sich den Erfordernissen der modernen kapitalistischen Gesellschaft anzupassen, bekommt man zumeist Bullshit zu hören. Die Rechten sprechen dann von „Integrationsunwilligkeit“, „rückständiger Kultur“ oder gar „rassischer Minderwertigkeit“, und die Linken meinen, alles mit Diskriminierung und Fehlverhalten der  Mehrheitsgesellschaften erklären zu können. Beides ist allzu bequem und der Faulheit geschuldet, sich mit den Roma und Sinti wirklich zu beschäftigen (und dass der rassistische Ansatz ohnehin objektiv falsch und dumm ist, sei nur der Vollständigkeit halber gesagt). Zu behaupten, die Zigeuner seien an ihrer beklagenswerten Lage selber schuld ist genauso realitätsblind wie die Annahme, sie trügen gar keine Mitverantwortung an ihrem Elend.

Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts hinein waren die ökonomischen Hauptgrundlagen des „Fahrenden Volks“ die Tätigkeit als Wanderarbeiter und Erntehelfer, als spezialisierte Dienstleistungserbringer wie Messerschleifer und Kesselflicker sowie als Musiker, Schausteller, Viehhändler und Artisten. Technische Neuerungen machten viele dieser Möglichkeiten zum Broterwerb zunichte, was freilich nicht nur Zigeuner betraf, aber diese besonders stark erschütterte, denn eine stockkonservative, in fast archaischen Clanstrukturen organisierte Lebensweise machte es ihnen schwer, sich an die veränderten wirtschaftlichen Herausforderungen anzupassen. Die neuen Berufe, die die alten ersetzten, waren gebunden an Ort und Zeit, weshalb sich zum Beispiel ein auftragslos gewordener, aber immer schon sesshaft gewesener Handwerker leichter tat, statt seine alte, aber überflüssig gewordene Profession auszuüben in der Fabrik zu arbeiten, als eine Gruppe, deren Kultur seit jahrhunderten ständige Mobilität einschloss, aber überhaupt nicht auf die neue Arbeitswelt  eingestellt war. Das wurde durch immer strengere gesetzliche Maßnahmen gegen das „Hausieren“ und das „Vagabundieren“ ebenso verschärft  wie durch den Nationalismus, der nicht nur das ehemals große Europa in immer kleinere, durch Grenzkontrollen abgeschottete Einheiten aufteilte, sondern auch Bekenntnisse zur Nation einforderte, sich immer stärker völkisch definierte und daher ethnische Minderheiten als Störfaktoren betrachtete. Und mit dieser Entwicklung wuchs auch die wohl abscheulichste Erfindung der Moderne heran, der Rassismus, der, einst erfunden zur ideologischen Rechtfertigung des Kolonialismus, natürlich vor Minderheiten auf dem eigenen Kontinent nicht halt machte. Bald schon sahen sich die Zigeuner einer rassistisch aufgeladenen Feindseligkeit gegenüber, die ihnen sowohl von bürgerlichen Demokratien, faschistischen Diktaturen und später auch vom Realsozialismus entgegenschlug. Die Erfahrungen, die die Sinti und Roma mit der staatlichen Gewalt machten, reichten von gesetzlicher Schlechterstellung über  Umerziehungsversuche bis hin zum Massenmord. Sozialdemokraten ließen den Roma die Kinder wegnehmen und propagierten die Sterilisation von Zigeunerinnen, Nationalisten wollten ihnen mit Verboten das Reisen austreiben, Faschisten sperrten sie in Ghettos, die Nazis ermordeten sie und die Kommunisten erzwangen Anpassung und, wenn auch nur pro forma, Teilnahme am Produktionsprozess. Kurz: Alle Erfahrungen, die die Zigeuner im 20. Jahrhundert mit dem Staat machten, waren negativ. Es sollte daher niemanden wundern, dass die Roma extrem mistrauisch gegen Politik und Obrigkeit wurden , sich in ihren Clans und Familien und uralten Strukturen einigelten und ihrer Parallelkultur mehr vertrauten als selbst gut gemeinten staatlichen Maßnahmen.

Wie steht es um die oft ins Feld geführte Neigung zu Kriminalität und halblegalen Aktivitäten, die man den Sinti und Roma gerne vorwirft? Es wäre eine Lüge zu behaupten, hier wäre alles paletti und nur eine Erfindung böser Rassisten. Natürlich sind Mitglieder von Gruppen, denen ein ökonomisches Fortkommen durch eine Fülle von Einschränkungen erschwert wird, anfällig dafür, einen Teil des Lebensunterhaltes durch illegale Tätigkeiten zu bestreiten. Außerdem sehen sich viele Zigeuner den streng hierarchischen Clanstrukturen stärker verpflichtet als den staatlichen Gesetzen, was bedeutet, dass ein Clanchef, der kriminelle Geschäfte machen will, genügend Fußsoldaten finden wird. Wie problematisch das ist, sieht man auch am Phänomen des organisierten Bettelns. Jene meist aus Osteuropa stammenden Roma, die bei jedem Wetter in Demutshaltung vor den Supermärkten knien und die Hand aufhalten, tun das nicht, weil sie das gerne machen, sondern weil sie dem Clanchef Geld schulden und ihren „Kredit“ auf diese entwürdigende Weise abarbeiten müssen. Es ist nicht mal übertrieben, hier von sklavereiähnlichen Zuständen zu sprechen. Die Gesetzgeber und die Ordnungsorgane reagieren auf solche Vorkommnisse aber ausschließlich mit Bettel-Verboten und Platzverweisen. Angesetzt wird einmal mehr bei den kleinen Fischen, die selber bloß Opfer sind. Die Fädenzieher im Hintergrund und die Gruppenzwänge interessieren die Staatsgewalt kaum.

Soweit ein paar Hintergründe zur so genannten „Roma-Problematik“. Wie aber sollen die Demokratien der EU damit umgehen? Ich habe nun auch kein Patentrezept auf Lager, aber die stärker werdende Tendenz, Zigeuner wieder in Sippenhaftung zu nehmen und sich auf Kosten dieser Minderheit politisch zu profilieren ist widerlich und kaum hilfreich. Ich sage nur soviel: Es gibt Gesetze und deren Einhaltung soll die Polizei überwachen, ganz egal, ob es sich um Roma oder Niederbayern handelt. Und man sollte die wirklich schlimme rassistische Diskriminierung der Zigeuner vor allem in der Slowakei, Ungarn und Rumanien endlich als das benennen, was sie ist: Ein Skandal, der im Europa des 21. Jahrhunderts keinen Platz haben darf. Nicht zuletzt muss man aufwachen und die Rückkehr des Antiziganismus als Werkzeug rechter Demagogen auch in Westeuropa nicht tolerieren. Ich persönlich würde gerne sehen, dass sich jene, die im Namen der Menschenrechte gerne zu tausenden auf die Straße gehen, wenn sich ein Palästinenser den Fuß verstaucht, mit der selben Inbrunst für Menschen einsetzen, die ganz real und mitten unter uns unter Ausgrenzung und Verächtlichmachung und Vertreibung leiden.

ps: Einmal mehr empfehle ich am Thema Interesierten das hervorragende Buch „Die Hundeesser von Svinia“ von Karl-Markus Gauß, erschienen im Zsolnay-Verlag.

Roma-Abschiebungen: EU vs Sarkozy

Die Offiziellen der EU finden endlich klare Worte zur skandalösen Roma-Deportationspolitik von Nicolas Sarkozy. Gut so! Frankreich hat alles Recht der Welt, rechtsstaatlich gegen Kriminelle vorzugehen. Frankreich hat aber nicht das geringste Recht, ganze Ethnien zu kriminalisieren und Sippenhaftung anzuwenden.

Danke, Thilo: Rassismus wieder salonfähig in Deutschland

Früher sah das so aus:

Heute so:

Dieser feine Doktor aus der hessischen Provinz fühlt sich offenbar im Windschatten von Sarrazin, NPD, Broder & Co und der „überwältigenden Mehrheit“ der BILD-Leser nicht mehr an zivilisatorische Mindeststandards gebunden. Aber ich habe wenig Hoffnung, dass dieses Beispiel diejenigen aufwecken könnte, die zwischen berechtigter und notwendiger Islamkritik und Rassismus nicht mehr unterscheiden können oder wollen.

Thilo und die Schlechtmenschen

Bravo, Herr Sarrazin. Durch ihren ach so tapferen „Tabubruch“ haben sie schon vieles bewirkt. Zum Beispiel, dass sich die rassistischen Idioten jetzt rehabilitiert fühlen und der Meinung sind, nun sei endlich wieder die Zeit gekommen, in der sie ihre Arschlochmeinungen offen in die Welt scheißen können, wie der Blick in diverse Onlineforen zeigt. Denn: „Man wird ja wohl noch sagen dürfen, dass…“. Gut gemacht auch von euch, ihr wackeren Thilo-Verteidiger im Namen der Politischen Unkorrektheit. Natürlich werdet ihr jegliche Verantwortung für den nun enorm anschwellenden Kackeschwall von ganz rechts von euch weisen. Wer hätte denn auch voraussehen können, dass ausgerechnet in Deutschland und Österreich, diesen hochzivilisierten Staaten voller Massenmörderveteranen, Massenmörderkindern und Massenmörderenkeln ein bedachtloses Dahergerede und -geschreibe über völkische Eigenschaften, wertgestaffeltes Erbgut und unnütze Sozialstaatsschmarotzer eine regelrechte Kirtagsstimmung bei den Nazis und Alltagsfaschisten auslösen würde? Nein, das kommt natürlich völlig überraschend, weshalb man ja auch alle diesbezüglichen Warnungen mit lässiger Arroganz als doofes Gutmenschengerede abgekanzelt hat. Okay, jetzt kommen die Schlechtmenschen aus ihren Löchern gekrochen. Viel Spaß mit denen!

Zu Sarrazin und seinen Fans: „Rassismus bleibt Rassismus“

Dass im Falle Thilo Sarrazin glücklicherweise doch nicht alle ihren kritischen Verstand verloren haben, wie es ein Blick in die (rechts)liberale Blogosphäre ebenso vermuten ließe wie einer in die Leserbriefspalten der wichtigsten Zeitungen, hat Alan Posener schon im Vorjahr in diesem Vidcast bewiesen. Sein kurzer und richtiger Befund: „Rassismus bleibt Rassismus“, und Sarrazin, „dieser Rassist“, agitiere gegen Türken und Araber ganz ähnlich wie es die Antisemiten des 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts gegen Juden taten. Und hier haut Posener Sarrazin dessen „Thesen“ dermaßen prägnant um die Herrenreiterohren, dass man sich fragt, weshalb sich immer noch Thilo-Apologeten in der deutschen Intellektuellenklasse finden lassen (Posener: „Das ist sowas von widerlich, und dass das verteigt wird, ist noch widerlicher“).

Ebenfalls in der „Welt“ attestiert Matthias Kamann nach Lektüre des Sarrazin-Buches „Deutschland schafft sich ab“, dass das „einzig Originelle, die einzige Eigenleistung“ des Bundesbankers die „unhaltbare Provokation“ sei, während er sich den sonstigen Inhalt seines Machwerks von längst bekannten, manchmal unstrittigen, oft aber längst widerlegten Vordenkern zusammengeklaubt habe. Auch die Unwissenschaftlichkeit von Sarrazins Ausfällen deckt Kamann auf. Ich zitiere: (…) Dies lässt ihn nicht nur fürchten, dass Deutschland in hundert Jahren mehrheitlich muslimisch wird, sondern auch, dass es dümmer wird. Denn in der Unterschicht sei man nun einmal weniger gebildet, damit werde auch die Intelligenz weniger gefördert – und das setze sich durch die Generationen hindurch fort, weil Intelligenz „zu 50 bis 80 Prozent vererbt“ werde. Freilich stützt sich Sarrazin zum Beleg seiner höchst unscharfen These von der Vererbung („50 bis 80 Prozent“ sind eine große Spannbreite), stets nur auf Untersuchungen zur Intelligenzvererbung von den Eltern auf die Kinder, also zwischen zwei Generationen. Wie sich längerfristig die Intelligenz einer Bevölkerungsgruppe entwickelt, ist völlig unklar. Zwar führt er ein Beispiel an, die europäischen Juden, bei denen vor dem Krieg ein durchschnittlich höherer IQ gemessen wurde. Doch dieses Beispiel ist untauglich. Zum einen wurden bei den IQ-Messungen Millionen von ärmlichen Land-Juden ausgeblendet, die Daten sind also nicht aussagekräftig. Zum andern würden die Juden gerade nach Sarrazins Argumentation seinen Thesen widersprechen. Denn die vermeintlich höhere Intelligenz der Juden leitet er daraus ab, dass sie unter einem hohen „Selektionsdruck“ (Sarrazin) gestanden hätten, der sie in geistig anspruchvolle Berufe gepresst habe, so dass sie ihre Intelligenz ausbilden mussten. Übertragen auf muslimische Migranten würde dies aber heißen: Fördert sie nur, dann werden sie schlauer. Damit wäre Sarrazins These von der vererbten Dummheit hinfällig. Zwar hält sich Sarrazin fern von eugenischen Plänen, die im 19. und 20. Jahrhundert zur zwangsweisen Geburtenbeschränkung in der Unterschicht entworfen wurden. Doch argumentativ steht er in einer Tradition, die von Malthus über die Sozialdarwinisten bis zu Geburtenbeschränkungen für die Unterschicht in Schweden reichen: Die Hochkulturen ziehen die Barbaren an, diese vermehren sich ungebremst, während die Klugen dekadent aussterben, weshalb man bevölkerungspolitisch umsteuern muss. Es bleibt dabei Thilo Sarrazins Geheimnis, warum er sich nicht fragt, was an diesen Thesen dran ist, wenn sie vor rund 150 Jahren Verfallsprognosen für etwa 1950 erstellten, die dann nicht eintratenVielleicht ist es aber doch kein Geheimnis: Sarrazin muss jene kühnen Thesen von der generativen Vererbungsspirale der Dummheit aufstellen, um nicht ins Fahrwasser dessen zu geraten, was langweiligerweise von „Gutmenschen“ gefordert wird: in einer Mischung aus Fördern und Fordern die muslimischen Migranten bei der Integration zu unterstützen. Würde Sarrazin das propagieren, wäre es wohl um seine Originalität geschehen, die im Provozieren besteht. In einem Provozieren, dass ihm derart heftige Reaktionen einträgt, dass er sich neuerlich bestärkt sieht in seiner Rolle als Provokateur.

Zu den bekennenden Fans von Sarrazin gehören ja, was wenig verwundert, die NPD , der Paranoia-Blog „Politically Incorrect“ und der wirre „BILD“-Briefeschreiber Franz Josef Wagner. Man fragt sich allerdings, welchen Narren Leute wie Henryk M. Broder, also gestandene kritische Intellektuelle, an einem aus den Gleisen gehüpften deutschen Spießbürger wie Sarrazin gefressen haben, dem es nicht einmal in den von Standesdünkeln vernebelten Sinn kommt, dass es problematisch sein könnte, ausgerechnet im Bezug auf Juden das Wort „Selektionsdruck“ zu verwenden, der also sprachlich mindestens so verroht ist wie intellektuell. Gewiss, Broder provoziert ähnlich gerne wie es Sarrazin tut, doch ist man vom Betreiber der „Achse des Guten“ ein etwas höheres Niveau gewöhnt als es das unterirdische Nobelstammtischgeraune des Bundesbankmanagers zu bieten hat. Provokationen sind ein gutes Mittel, um Menschen das selbständige Denken schmackhaft zu machen. Rassismus und das sozialdarwinistische Hinuntertreten auf die Benachteiligten ist aber keine stimulierende Provokation, sondern allenfalls Munition für Faschisten, die beim dritten Bier von einer Welt träumen, in der sie die Macht haben, jene Menschen, denen sie das Existenzrecht absprechen, „wegmachen“ zu können. Bei Sarrazin sind es noch Schreibtischtaten, andere mögen sich durch eben diese dazu ermutigt fühlen, politisch oder individuell entsprechende Handlungen zu setzen. Es ist wahrlich keine Sternstunde Broders und der „Achse“-Autoren, dass sie sich auf die schiefe Ebene eines Sarrazin begeben, bloß weil das so toll „politisch unkorrekt“ ist. Daher ein kleiner Ratschlag an Broder & Co: Vorsicht ist geboten, denn manchmal ist der Weg vom „politisch unkorrekten“ Querdenken zu „Politically Incorrect“ kürzer, als man meint, und am Ende dieses Weges wartet die NPD. Und wer sich plötzlich mit Nazis auf einer Seite wiederfindet, der sollte eigentlich erkennen können, dass er falsch abgebogen ist.

Der bräunliche Herr Sarrazin

Der Zentralrat der Juden in Deutschland rät dem bräunlich daherquasselnden Banker und SPD-Mitglied Thilo Sarrazin, zu den Nazis von der NPD zu wechseln, denn das, so Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer, würde wenigstens „die Gefechtslage klarer“ machen und die „SPD befreien“. Und was hat Kramer? Recht! Sarrazin hat den Boden legitim formulierter Kritik an Integrationsproblemen von Türken und Arabern längst verlassen und sich dem reinen Rassismus nationalsozialistischen Stallgeruchs hingegeben.

Wenn er etwa sagt: „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: Durch eine höhere Geburtenrate. Das würde mir gefallen, wenn es osteuropäische Juden wären mit einem um 15 Prozent höheren IQ als dem der deutschen Bevölkerung“, dann springt einem das NS-Gedankengut geradezu an mit diesem Geraune von Lebensraum und Eroberung mittels Geburtenraten und völkisch angeborener Intelligenz. Das Zitat ist so antisemitisch wie es türkenfeindlich ist. Juden müssen als Projektionsflächen für Sarrazins recht spezifischen Intelligenzfetisch herhalten, der doch nur meint: Intelligent ist, wer im bürgerlich-utilitaristischen Sinne ökonomisch produktiv ist, und Sarrazin verbreitet das faulige Klischee, Juden seien dies in besonderem Ausmaß. Dazu bemüht der Herr Bundesbanker gerne auch schiefe Bilder aus der Geschichte, wenn er etwa nach Gründen sucht, warum Berlin ein seiner Meinung nach besonders verkommenes Pflaster voller Sozialschmarotzer sei: „(…) Auch der immense jüdische Aderlasss konnte nie kompensiert werden. Dreißig Prozent aller Ärzte und Anwälte, achtzig Prozent aller Theaterdirektoren in Berlin waren 1933 jüdischer Herkunft. Auch Einzelhandel und Banken waren großenteils in jüdischem Besitz. Das alles gab es nicht mehr, und das war gleichbedeutend mit einem gewaltigen geistigen Aderlass. Die leistungsorientierten Berliner gingen weg. So wahr es ist, dass Europa durch die Vertreibung und Ermordung der jüdischen Bevölkerung viel verloren hat, wenn auch nicht annähernd so viel wie die Vertriebenen und Ermordeten, so falsch ist die hier mitklingende Unterstellung, die Nazis hätten ausschließlich Bankiers, Akademiker und Mitglieder des Kunstbetriebes vergast. Sarrazin hat offensichtlich nicht die geringste Ahnung, wie das Leben eines Großteils der (ost)europäischen Juden vor dem Holocaust ausgesehen hatte, oder er will nichts wissen vom Elend in den Schtetlech, von jüdischen Tagelöhnern, jüdischen Einmann-Handwerksbetrieben, jüdischen Kleinhändlern und jüdischer Subsistenzlandwirtschaft. Und auch das west- und mitteleuropäische Judentum setzte sich nur zu einem geringen Teil aus Mitgliedern der finanziellen und kulturellen Elite zusammen. Die meisten Jüdinnen und Juden in Wien und Berlin betrieben kleine Läden, nicht unähnlich jenen, über die Sarrazin heute sagt: „Eine große Zahl an Arabern und Türken hat keine produktive Funktion, außer für den Obst und Gemüsehandel (…)“. Es braucht nicht viel Fantasie um sich auszumalen, welche Bevölkerungsgruppen Sarrazin als „unproduktiv“ und damit wohl auch der Mitgliedschaft im tollen Club der leistungsorientierten Deutschen unwert ausgemacht hätte, hätte er in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts gelebt.

Es sollte daher niemanden wundern, dass Thilo Sarrazin von den Tarnkappennazis auf „Politically Incorrect“ frenetisch gefeiert wird. Der Mann spricht diesen Leuten aus der kranken Seele. Er hat ganze Ethnien als unproduktiv markiert, er verbreitet ein biologistisches, letztlich rassistisches Menschenbild, er stellt Behauptungen über Gruppen in den Raum, denen damals, vor mehr als 70 Jahren, ein „Die müssen weg“ zuerst in provokanten Diskussionsbeiträgen und später in den Rassen- und Euthanasiegesetzen folgte. Wer über Türken sagt, unter ihnen gebe es besonders viele Inzuchtfälle und damit „entsprechend viele Behinderungen“, der zitiert aus dem Wörterbuch des Unmenschen, dem geht es nicht um Kritik, sondern um das Schüren von Ressentiments und Hass und letztlich um völkische Politik, um Eugenik, um das Ausmerzen der Schwachen und strukturell Benachteiligten. Sarrazin ist das neue Sprachrohr der krisenbedingt verunsicherten Schicht von Kleinbürgern, die die Schuld am Elend, das sie ängstigt, bei den Elenden sucht statt bei den Umständen. Ein aggressiver Angstbeißer, dem die letzten Sicherungen durchgebrannt sind.

Blut, Boden und FPÖ

Die FPÖ plakatiert in Wien gerade dieses:

Dass dies kein „Ausrutscher“ ist, weiß jeder, der sich länger als fünf Minuten mit den Herren Strache, Mölzer, Graf  & Co befasst hat. Daher kann es mit diesen Leuten, die keine klare Abgrenzung zu Rassisten, Nazinostalgikern, Wehrsportlern und Antisemiten kennen, auch kein Bündnis, kein Arrangement, keine Querfront geben. Ich bin immer wieder baff, wenn ich Leute treffe, die allen Ernstes meinen, mit den Nazierben sei ein Staat zu machen oder auch nur eine taktische Koalition gegen Islamisten möglich. Diese Leute sind die geistigen Nachfolger jener Kräfte, die den Vernichtungsantisemitismus in die Welt geschissen haben. Das sind die besten Kumpels von Ahmadinedjad und Nasrallah und ähnlichen Verbrechern. In den Kreisen, die dem auf dem obigen Foto abgebildeten Mann nahestehen, wird die Hitlerei bejubelt, werden Brücken gebaut zu Jobbik und Hamas und Hisbollah. Niemand, der mit diesen Leuten paktiert, sie für paktfähig hält oder nur an sie anstreift, hat auch nur irgendetwas aus der Geschichte gelernt. So unappetitlich und widerlich die gehirnlose Anbiederei mancher linker Kreise an Islamisten auch sein mag: Die wirkliche Gefahr für Juden und andere Feindbilder der Nazis und ihrer Nachfolger geht immer noch von ganz rechts aus, und es kotzt mich an, das zum tausendsten Mal erklären zu müssen.

„Standard“-Poster: Kotzbrockenalarm!

Dass man die Beiträge der Leser in den Foren der Onlineausgabe der Wiener Tageszeitung „Der Standard“ nur ohne seelischen Schaden lesen kann, wenn man vorher ein Fläschchen Valium geköpft hat, ist ja bekannt. Aber nach dem alten Spruchwort „schlimmer geht´s immer“ habe ich heute dort das wohl widerwärtigste Posting seit langem entdeckt. Unter einem Artikel, der über die Versenkung eines südkoreanischen Schiffes durch einen nordkoreanischen Torpedo berichtet und in dem US-Präsident Obama mit den Worten, er „verurteile diesen Akt der Aggression scharf“ zitiert wird, schreibt doch ein gewisser „Kpt.Blaubart“ das:

„Und ich verurteile Obama´s (sic) Mutter weil Sie ihn nicht abgetrieben hat. und wir einen weiteren Kriegstreiber haben, der sehr gerne auf die anderen zeigt aber der Schandtaten in der Geschichte der USA keinerlei Beachtung schenkt. Obama, die Welt braucht Dich nicht.  Du fungierts (sic) nur als Quotenregler.“

„Qutenneger“ hat sich der dumme Mensch nicht zu schreiben getraut, da er wusste, dass dies nicht durch die Vorabzensur des „Standard“ kommen würde. Dass es der offenkundig rassistische und menschenverachtende Kommentar dennoch geschafft hat, von den Betreuerinnen des Forums als veröffentlichungswert befunden zu werden, zeigt, dass die Selbstkontrolle hier wohl versagt.  

Das Fluchtverhalten des Negers

Am 12. Juni 2008 brach in einem Klagenfurter Asylbewerberheim ein Brand aus, der einem Asylbewerber das Leben kostete und 19 Schwerverletzte nach sich zog. Ob der Brand gelegt wurde,  „konnte“ die Exekutive bis heute nicht eindeutig eruieren. Es findet aber ein Prozess gegen den Heimbetreiber statt, dem die Staatsanwaltschaft vorwirft, nicht für Fluchtwege und Brandschutz gesorgt zu haben. Außerdem sollen die Fenster im Erdgeschoss vergittert und die Haustüren versperrt gewesen sein. Ernst Maiditsch, der Anwalt des Heimbetreibers, verlangte bei der Verhandlung Anfang März, dass ein „psychologisches und ethnologisches Gutachten über das unterschiedliche Fluchtverhalten von Mitteleuropäern und Mittelschwarzafrikanern“ eingeholt werde, denn: „Selbstverständlich ist das Fluchtverhalten unterschiedlich, die haben das ja selber gesagt: Wir kennen keine Feuerwehr bei uns und haben keine andere Möglichkeit, als zu springen.“

So geht das in Kärnten. Wenn Menschen aus Verzweiflung und Todesangst aus dem Fenster springen, dann liegt das nicht an versperrten Türen, vergitterten Fenstern und fehlenden Fluchtwegen, sondern daran, dass der Neger keine Feuerwehr kennt. Denn merke: Schwarze haben nicht nur ein „anderes Fluchtverhalten“, sie sind auch vergesslich, denn natürlich gibt es auch in Afrika Feuerwehren, die zwar nicht so gut ausgerüstet sind wie die europäischen, aber doch existieren. Kaum in Kärnten angelangt, passt sich der Schwarzafrikaner jedoch rasant an und verdummt im Sekundentakt, wenn man diesem Rechtsanwalt Glauben schenkt.

Ich fordere nun die Einholung eines psychologischen und ethnologischen Gutachtens über das rassistische Weltbild von gewissen Kärntnern und deren Rechtsanwälten . Denn der Kärntner hat ein anderes Rassismusverhalten als der durschnittliche Mitteleuropäer. Die Kärntner haben ja selbst, etwa im Falle Bundesverfassung, gesagt, dass man es bei ihnen mit dem Rechtsstaat nicht so genau nimmt und, im konkreten Fall, dass sie Schwarzafrikanern nicht zutrauen, einen nicht vorhandenen Fluchtweg zu benutzen, was wohl an deren rassischer Andersartigkeit liegen müsse. Und ihr Landeshauptmann erzählt auch gerne Negerwitze, was ein weiteres Indiz für die psychologische und anthropologische Andersartigkeit der Kärntner ist.

Auch das Fluchtverhalten von Kärntnern unterscheidet sich deutlich von jenem anderer Europäer. Nur in Kärnten ergreift die Menschen panische Furcht, wenn sie eine zweisprachige Ortstafel erblicken, und sie rennen dann möglichst schnell weg. Das mag unserem Kulturkreis fremd und irrational erscheinen, aber wir sollten auf die Sitten und Gebräuche der Kärntner nicht mit Hohn herabblicken, denn diese Ethnie wird auch von „Urängsten“ vor allem Slawischen gepeinigt, fürchtet sich also vor sich selbst, was weltweit ein einzigartiges massenpsychologisches Phänomen sein dürfte.

Spaß beiseite: Herr Rechtsanwalt Maiditsch, warum engagieren sie nicht gleich den Otto Scrinzi? Der könnte ihnen sicher ein tolles Gutachten über das „unterschiedliche Fluchtverhalten“ erstellen, schön nach Rassen geordnet. Das läse sich dan wohl ungefähr so:

„Im Falle eines Brandes…

…springt der Neger sofort aus dem Fenster und hofft, auf einem Elefanten zu landen

…führt der nordamerikanische Indianer einen Regentanz auf

…guckt der Asiate sich den Brandmelder genau an, um ihn  dann kostengünstig zu kopieren

…dreht der Eskimo die Klimaanlage auf unter Null und überdauert das Feuer in der zugefrorenen Badewanne“

Entspricht das in etwa ihren Vorstellungen, die sie von Ethnien und deren Eigenschaften haben, Herr Anwalt? Auch wenn nicht: Sie haben in einem österreichischen Gerichtssaal übelste rassistische Stereotypen verbreitet und möchten diese auch noch durch Gutachten untermauern lassen. Herzliche Gratulation zu diesem Tabubruch, auf einschlägigen Internetseiten lässt man sie bereits hochleben. Und wenn man von Neonazis gefeiert wird, tröstet das doch sicher über den Verlust von Reputation und fachlicher Glaubwürdigkeit hinweg, oder etwa nicht?