Arschlöcher für Deutschland

Der stellvertretende Vorsitzende der sächsischen AfD, der Diplompädagoge und Dozent für Journalistik und Medienproduktion an der TU Dresden Thomas Hartung, liefert ein Paradebeispiel dafür, wie barbarisiert Deutschlands Eliten zum Teil sind. Über den Spanier Pablo Pineda, der trotz Down-Syndrom den Hochschulabschluss schaffte und nun als Lehrer arbeitet, schrieb der Herr Professor auf Facebook: „Was sagt uns das: Sei nur blöd genug, reise in der Welt herum, die Dummen wenden sich schon ganz allein dir zu. (…) Wo soll das hinführen, wenn es als normal gezeigt wird???“ . Und er legt noch nach: „Wollt ihr von jemandem belehrt werden, der weniger weiß als ihr? Ich spreche einem Menschen mit Trisomie 21 die Befähigung ab, in Deutschland den Hochschulberuf eines Lehrers zu ergreifen, und gebe kund, dass ich als Nichtbehinderter von einem solchen nicht unterrichtet werden möchte“. 

Die Leser der „Bild“ verstehen die Aufregung nicht und beeilen sich zu zeigen, dass sie eben solche Barbaren sind wie die AfD-Bande.

bild6

bild2

bild4

bild5

bild7

bild8

 

FP-Königshofer muss gehen!

Der FPÖ-Abgeordnete Werner Königshofer hat mit der Neonazi-Website „alpen-donau.info“ zusammengearbeitet, stellte das Wiener Handelsgericht nun fest, und zwar „zweifelsfrei“. Aus dem Urteil: „Die fragliche Datei wurde vielmehr vom Zweitbeklagten (Königshofer, Anm.) zwischen 28.1.2011 und deren Veröffentlichung an Verantwortliche der Homepage www.alpen-donau.info weitergegeben, wo sie am 31.1.2011 veröffentlicht wurde.“ Ein österreichischer Parlamentarier pflegte also Kontakt mit einer Website, auf der offen zum Kampf gegen die demokratische Republik Österreich aufgerufen wurde, auf der der Holocaust gelobt und dessen Wiederholung angekündigt wurde, auf der zahlreiche Menschen beschimpft und bedroht und rufgemordet wurden, auf der zur Vorbereitung für den bewaffneten Kampf aufgerufen wurde, kurz: Königshofer gab Informationen an Leute weiter, die lupenreine Neonationalsozialisten sind. Keine „Rechten“, keine „Nationalen“, keine „Deutschtümler“, nein, echte Nazis, die, wenn sie könnten wie sie wollen, Juden, Roma, Schwule und politische Gegner ermorden und die Republik Österreich abschaffen würden. FPÖ-Chef Strache muss diesen Mann sofort aus der FP ausschließen, sonst kann er sich seine Versuche, als salonfähig zu gelten, in die Haare schmieren! SPÖ, Grüne und BZÖ fordern völlig zu Recht den sofortigen Rücktritt Königshofers. Die ÖVP, in Gedanken wohl schon bei Koalitionsverhandlungen mit den Blauen, schweigt, was ein mindestens so großer demokratiepolitischer Skandal ist wie ein Abgeordneter, der sich hochverräterischen Umtrieben hingibt.

Dass Königshofer schon lange vor dem Urteil des Handelsgerichts rücktrittsreif war, sei der Vollständigkeit halber erwähnt. So schrieb er etwa auf Facebook: „Ich würde diesen Kanaken schnappen, in die marokkanische Botschaft in Wien bringen und verlangen, daß er binnen 24 Stunden außer Landes gebracht wird. So muß man mit diesem Gesindel verfahren!!!“ Auf seiner privaten Homepage fand sich ein verhetzendes Pamphlet, in dem Muslime als „Schädlinge“ bezeichnet werden, von „Muslimischen Samenkanonen“ gefaselt wird, in alter Nazi-Tradition gegen den „Liberalen Freimaurerstaat“ vom Leder gezogen wird, paranoid von „Juden-Logen“ die Rede ist, man vor „linken Vatikanklerikern“ (!) warnt und immer wieder obsessiv auf der vermeintlichen oder realen jüdischen Herkunft diverser Politikerinnen und Politiker herumreitet. (Wer den Schwachsinn in voller Länge nachlesen möchte: Hier wurde das wirre Geschreibsel dokumentiert).

Auch wenn in Österreich vieles durchgeht, was woanders längst zu Rücktritten geführt hätte: Wer so offensichtlich mit braunem Gedankengut sympathisiert wie Königshofer, der muss hochkant aus dem Nationalrat fliegen (und, meinten es die Freiheitlichen ernst mit ihrer angeblichen Abgrenzung vom Radikalismus, auch aus der FPÖ). Und anschließend gehört dem Herrn der Prozess gemacht.

Zerfällt die EU?

Die andauernde und nicht gerade besser werdende Wirtschaftskrise legt bei vielen Spitzenpolitikern der EU-Mitgliedsstaaten die Nerven blank. Und schon kriechen sie allerorten aus den Löchern, diejenigen, die die Europäische Union schon immer gehasst haben, die Schrebergärtnerseelen, denen beim Anblick von Grenzbalken und bewaffneten Zöllnern das Herz aufgeht, die Währungsnostalgiker, die immer noch jeden Eurobetrag in Mark oder Schilling umrechnen, die Naiven, die von einer „unabhängigen“ Wirtschaftspolitik träumen – und natürlich die Nazis und andere Faschisten, denen ein transnationales Europa schon immer ein Dorn im Auge war und die seit spätestens Haider selig die harmlos klingende EU-Alternative „Europa der Regionen“ bewerben, worunter zu verstehen ist, dass gefälligst jeder dort bleiben solle, wo er geboren wurde und die Staaten allenfalls bei der „Abwehr kulturfremder Einflüsse“ zusammenarbeiten würden. Natürlich gibt es zur EU Alternativen, doch keine einzige davon ist für Menschen, die bei Verstand sind, erstrebenswert. Man kann es durchaus sehr verkürzt darstellen: Das Ende der EU wäre auch das Ende des bislang erfolgreichsten Friedensprojekts in Europa, die Kriegsgefahr auf europäischem Boden würde wieder eine reale Möglichkeit werden, und wie schwache kleine Volkswirtschaften mit Finanz- und Wirtschaftskrisen fertig werden sollen, davon darf man ruhig albträumen. Allerdings wäre es ja genau das, was die radikale Rechte und Teile der radikalen Linken wollen: Chaos, Elend, Umsturzstimmung, also genau das Feuer, über dem sie dann ihre Süppchen kochen könnten. Die EU hat viele Schwächen und es gibt viel Reformbedarf, ein Zurück zur Kleinstaaterei und zum Nationalismus wäre aber eine Katastrophe, die uns hoffentlich erspart bleiben wird.