Teufel Mute BT: In der Ruhe liegt die Kraft

Auf Knopfdruck die Welt zum Schweigen bringen – das wär schon was! Ein Politiker hebt an, um von uns Blut, Schweiß und Tränen zu fordern und für sich mehr Gehalt? Knopfdruck! Beim Feierabendbier reden die Kollegen immer noch von nix anderem als der Arbeit? Knopfdruck! Um sechs Uhr morgens heult beim Nachbarn der Hund? Knopfdruck! Nun, ganz so weit ist die Technologie der Geräuschunterdrückung noch nicht, aber aktive noise cancelling in modernen Kopfhörern kann schon so einiges und erfreut sich in unserer lauten Welt immer größerer Beliebtheit. Aus diesem Grund habe ich mir den neuen „Mute BT“ der Berliner Firma Lautsprecher Teufel angehört. Für 199,99 Euro verspricht dieser Neuzugang am Kopfhörermarkt kabellosen High-Def-Musikgenuss mit Bluetooth 4.0-Verbindung, eine aktive und sich an die Umgebung anpassende Geräuschunterdrückung, eine Freisprecheinrichtung und einen Akku mit hohem Durchhaltevermögen (dank eines mitgelieferten Kabels verstummt der Hörer auch dann nicht, wenn dem Akku doch mal der Saft ausgehen sollte).

Der Mute BT kommt mit einigem Zubehör daher. Neben Akku, Ladekabel mit Mini-USB-Anschluss, Anschlusskabel und Flugzeugadapter findet sich im Karton auch eine schicke Transportbox in Teufels Hausfarben Schwarz und Rot. Der Akku ist wechselbar, was die Langlebigkeit des Produkts erhöhen sollte. Der erste Eindruck beim Unboxing: Alles hübsch aufgeräumt und dort, wo man es vermuten würde. Nach einer ersten Akkuladung nehme ich die Bedienungsanleitung zur Hand und richte das Gerät ein. Ich verbinde es per Bluetooth mit meinem Android-Smartphone und einem iPad und habe das erste Aha-Erlebnis: Im Unterschied zu manchen Konkurrenzprodukten funktioniert das alles auf Anhieb und ist in der Anleitung so logisch erklärt, dass selbst Leute ohne viel Technik-Affinität sofort zurecht kommen sollten. Die Bedienungsanleitung ist die beste und verständlichste, die mir bislang bei einem technischen Gerät untergekommen ist. Da merkt man wohl immer noch die Erfahrung, die Teufel einst sammeln konnte, als die Firma in den 70er Jahren als Versenderin von Lautsprecher-Bausätzen anfing. An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Das Produkt ist zwar nicht protzig oder über alle Maßen edel, aber durchaus schick und stabil. Der Teufel Mute BT wirkt auf mich ein bisschen wie der Studiomusiker im Vergleich zum Popstar – er trägt keine auffälligen Glitzerklamotten, kann dafür aber spielen.

Sound und Komfort

Und wie der spielen kann! Ich habe ja schon den Teufel Real Z sehr gut gefunden, aber der Mute BT gefällt mir fast noch eine Spur besser. Wobei das eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, denn die beiden Hörer verfolgen unterschiedliche Konzepte. Der Real Z ist ein halboffener Hörer, der Mute BT ein geschlossener. Die geschlossene Bauart sorgt im Zusammenspiel mit 40-mm-HD-Treibern und Neodym-Magneten für einen sehr satten, aber nie breiigen Klang. Dank einer leichten Bassbetonung macht dieser Teufel sehr viel Spaß mit elektronischer Musik und Hiphop, aber er ist keineswegs auf diese Genres eingeengt. Die Firma Lautsprecher Teufel bewirbt gerne und zurecht die schöne Darstellung der Bässe, aber ich persönlich finde das klangliche Gesamtbild noch eine Spur beeindruckender als den Tieftonbereich allein. Zu Testzwecken höre ich mir das Album „Sweet Child“ der britischen Folkrock-Band Pentangle an. Deren Ensemble-Spiel mit jazzigem Stehbass, einer Sopranistin und einem  Bariton an den Lead-Vocals, zwei von echten Könnern bediente Gitarren und einem experimentierfreudigen Schlagzeug zeigt rasch die Stärken und Schwächen von Lautsprechern und Kopfhörern auf. Der Mute BT meistert die Herausforderung mühelos. Der Stehbass kommt wuchtig und physisch rüber, überdeckt aber nicht den Rest des Klangfelds, sondern untermauert ihn mit genau der richtigen Dosis Power. Die Höhen, zum Beispiel Windspiel und Hi-Hats, sind klar und deutlich und zischen nicht unangenehm. Die Mitten sind die eigentliche Überraschung, denn die präsentiert der Mute BT so schön und baut sie dermaßen hübsch ins Gesamtbild ein, dass man stellenweise meint, einen Kopfhörer um 600 Euro auf den Ohren zu haben. Der Mute BT ist hierbei nur das neueste Beispiel für einen erfreulichen Trend bei Kopfhörern von Teufel – die Teile klingen viel besser, als sie es ihrer Preisklasse gemäß eigentlich „sollten“, und sie gehen immer stärker in Richtung Audiophilie. Sie vergessen dabei aber nie, warum wir Geld für Lautsprecher und Kopfhörer ausgeben, nämlich um Musik, Hörspiele und Filme zu genießen, nicht um sie zu sezieren. Teufels Produkte richten sich an Consumer, nicht an Toningenieure, und das ist als Lob gemeint, denn so mancher Kopfhörer, der für das Abmischen von Musik gemacht wurde, zeigt einem zwar noch das allerletzte Detail der Musik, macht aber keinen Spaß, weil er die gezeigten Einzelteile nicht zu einem flüssigen Ganzen zusammenfügt. Der Teufel Mute BT ist ein Spaßgerät, das aber auch die Ohren von Audio-Fetischisten nicht beleidigt. Kurz: Er findet die richtige Mischung zwischen hoher Auflösung und Musikalität. Der Tragekomfort ist gut bis sehr gut. Anfangs ist der Anpressdruck ein bisschen forsch, aber das sollte sich nach einiger Zeit geben. Das Kunstleder liegt angenehm auf den Ohren. Wie bei allen geschlossenen Kopfhörern kann es bei langen Hör-Sessions zu einer gewissen Wärmeentwicklung unter den Ohrmuscheln kommen. 

Die Rauschunterdrückung funktioniert mit dem Mute BT ausgezeichnet. Der Teufel ist schon dank seiner geschlossenen Bauweise recht gut gegen Außengeräusche abgeschirmt. Aktiviert man das Aktive Noise Cancelling, sorgt er mit Gegenschall dafür, dass vor allem monotone Geräusche wie das Brummen im Flugzeug, das Rauschen des Großstadtverkehrs oder sirrende Ventilatoren recht effektiv ausgeblendet werden. Zu 100 Prozent geht das natürlich nicht, aber das schafft auch kein anderer Kopfhörer. Wer oft mit Zug oder U-Bahn fährt, wird die Geräuschunterdrückung schnell zu schätzen lernen. Der Akku, der Bluetooth und Noise Cancelling mit Energie versorgt, hält erstaunlich lange. Ich musste ihn während einer Woche intensiven Testens nie aufladen, hatte aber die Geräuschunterdrückung nur selten aktiviert. Schaltet man alles ein, was es einzuschalten gibt, also Bluetooth und Rauschunterdrückung, sollte der Mute BT immer noch rund 28 Stunden im Dauerbetrieb durchhalten, was ein hervorragender Wert ist. Anrufe annehmen oder Siri/Google Now bedienen funktioniert klaglos und unkompliziert mittels Tasten an der linken Ohrmuschel. So soll das sein!

Pro: Ein Preis-Leistungs-Wunder, das wirklich hervorragend klingt und eine überzeugende aktive Geräuschunterdrückung an Bord hat. Die Hohe Laufzeit des Akkus, der noch dazu auswechselbar ist, und das umfangreiche mitgelieferter Zubehör runden das Angebot ab. Dank des im Zubehör enthaltenen Kabels spielt der Kopfhörer auch bei leerer Batterie weiter. Es wird schwer sein, zu dem Preis etwas Gleichwertiges zu finden.

Contra: Gegen den Mute BT kann man nicht viel vorbringen. Vielleicht sagt das schlichte und klare Design nicht jedem zu.

Zusammenfassung: Der Mute BT von Teufel ist ein ausgezeichneter Bluetooth-Kopfhörer mit aktivem Noice Cancelling, der klanglich mit wesentlich teureren Produkten mithalten kann und daher eine echte Empfehlung für Leute ist, die ihre Musik, Filme oder Hörspiele gerne unterwegs hören (müssen), dabei aber nicht auf hochwertigen Klang verzichten wollen.

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Sony MDR-Z7: Audiophiler Spaßmacher

Mit dem MDR-Z7 hat Sony ein Kopfhörer-Spitzenmodell im Angebot, das um einen Platz auf dem Siegespodest der besten Hörer mitrittert. Ob er seinen Preis wert ist, zeigt folgender Test.

Lange vor Apple war Sony der erste Konzern, der nicht nur markentreue Kunden, sondern richtige Fans hatte. Ein Sony-Fanboy oder -girl war in die japanische Firma fast ein bisschen verliebt und kriegte Herzklopfen, wenn diese ein neues Produkt vorstellte. Diese Zuneigung war nicht ganz irrational, denn Sony stand für fortschrittliche Technik, verpackt in eine unverwechselbare Formensprache. In den Jahren 2000 bis 2010 schwächelte der Elektronik-Gigant und enttäuschte viele Fans mit einer allzu breit aufgestellten Produktpalette und unentschlossenem Design. Seit 2012 sorgt eine Qualitätsoffensive und eine Konzentration auf die Kerngeschäfte Unterhaltungselektronik, Smartphones und Konsolen aber für ein Comeback. So gehören etwa die neuen 4K-Fernseher von Sony zu den besten und schönsten, die man derzeit kaufen kann, und die Smartphones der Z-Reihe stehen der Konkurrenz in nichts nach, übertreffen diese sogar in einigen Bereichen. Ende 2014 stieg Sony auch wieder in den Markt der High-End-Kopfhörer ein und präsentierte das Flagschiff MDR-Z7, das ich in den vergangenen Wochen einem eingehenden Test unterzogen habe.

Look & Feel

Schon beim Auspacken fällt auf, dass Sony hier keine halben Sachen gemacht hat. Der MDR-Z7 ist mit seiner schlichten Eleganz ein Musterbeispiel für die Designsprache des Tokioter Konzerns. Verchromtes Metall und schwarzes Leder sorgen für einen schnörkellosen Look, der durch die wirklich herausragende Verarbeitungsqualität unterstrichen wird. Ich hatte schon viele Kopfhörer von vielen Herstellern bei mir zuhause, aber so schön konstruiert und gebaut war bislang noch keiner. Die dicken Ohrpolster, der stabile Metallrahmen, die doppelseitigen Kabelanschlüsse und der intelligente, stabile Verstellmechanismus – all das ruft einem zu: „Ich bin ein Spitzenmodell“. Der MDR-Z7 wird nicht etwa in irgendeinem Schwellenland unter Lizenz zusammengebastelt, nein, er ist „Made in Japan“, echte japanische Wertarbeit, und das sieht und fühlt man auch. Meiner Meinung nach ist das einer der am besten gebauten und schönsten Kopfhörer, die es derzeit zu kaufen gibt.

Handhabung & Komfort

Der MDR-Z7 ist ein recht großer Hörer, der für die Heimanwendung konzipiert wurde. Obwohl er auch am Smartphone laut genug aufspielt und nicht unangenehm schwer ist, ist er wegen seiner Massivität zum Joggen oder Radfahren eher ungeeignet. Das ist ein Kopfhörer für zuhause, für den ungestörten Musik- oder Filmgenuss. Das unterstreichen auch die zwei Kabel, die Sony beilegt. Beide sind drei Meter lang und eines hat sogar einen zweifachen Stecker für den ausbalancierten Modus an entsprechenden Kopfhörerverstärkern. Das andere Kabel kommt mit einem 3,5-Stecker samt 6,5-Adapter daher und kann problemlos mit jeder Audioquelle verbunden werden. Der Verstellmechanismus des Bügels ist selbsterklärend und funktioniert bestens. Die großen Lederpolster liegen angenehm weich auf und umschließen die Ohren vollständig. Der Anpressdruck ist groß genug, dass einem der Hörer nicht bei jeder Bewegung vom Kopf rutscht, aber in Kombination mit dem Leder der Ohrpolster so unaufdringlich, dass stundenlanges Hören möglich ist, ohne dass irgendetwas zwickt oder zwackt. Der MDR-Z-7 gehört zu den bequemsten Kopfhörern, die ich kenne. Man trägt ihn einfach gerne.

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Technik & Klang

Sony vermarktet den MDR-Z7 als „High Resolution Audio“-Hörer und protzt mit einem Frequenzgang von 4 Hertz bis 100 Kilohertz. Kein anderer mir bekannter Kopfhörer auf dem Markt deckt ein derart breites Frequenzspektrum ab. Das alleine sagt aber noch nicht viel über die tatsächliche Klangqualität aus, denn das menschliche Gehör kann nur einen Bruchteil dessen wahrnehmen, was der MDZ-Z7 wiedergibt. Dennoch ist ein sehr weites Frequenzspektrum nicht völliger Hokuspokus, denn auch Töne, die man nicht direkt hört, können durch ihren Schalldruck die Gesamtwahrnehmung beeinflussen. Wichtiger als die Frequenzabdeckung sind erfahrungsgemäß aber Empfindlichkeit und Treiberkonstruktion. Der Sony MDR-Z7 hat eine Empfindlichkeit von 102 dB. Das heißt auf Deutsch, dass der Kopfhörer problemlos auch an schwächeren Ausgangsquellen betrieben werden kann und schon am Smartphone oder am PC mehr als ausreichend laut wird. Das ist wichtig für jene Leute, die sich keinen eigenen Kopfhörerverstärker anschaffen wollen. In meinem Praxistest hat sich gezeigt, dass der Sony schon am Handy eine ordentliche Vorstellung gibt, aber er legt gewaltig zu, wenn man ihn aus besseren Quellen schöpfen lässt. Ich habe ihn hauptsächlich an die ziemlich gute Soundausgabe meines PC mit Bang & Olufsen Soundmanagement sowie an den Kopfhörerausgang des zwar schon älteren, aber musikalisch hervorragenden AV-Recievers Sony STR-DB1070 angeschlossen. Mit einem guten Kopfhörerverstärker wäre sicher noch mehr drin gewesen, aber derzeit habe ich keinen bei mir zuhause.

Zu den Treibern: Sony verbaut in den MDR-Z7 70-Millimeter-Treiber. Die meisten anderen Hersteller haben „nur“ 30, 40 oder 50 Millimeter anzubieten. Sony verspricht, dass die großen Treiber eine besonders präzise und dynamische Musikwiedergabe bieten. Stimmt das? Dazu ein klares „Jein“. Einerseits ist der Sony wirklich extrem genau und vor allem voluminös, lässt einen also in den Sound sehr tief eintauchen und gibt Musik extrem plastisch wieder, andererseits wirkt der MDR-Z7 manchmal nicht ganz so schnell wie einige Konkurrenten. Unter Schnelligkeit ist hier die Unmittelbarkeit der Wiedergabe gemeint, vor allem bei Rhythmusinstrumenten. Je „schneller“ ein Kopfhörer, desto eher hat man ein „Live“-Gefühl. Man verstehe mich nicht falsch, der Sony ist keineswegs langsam, er ist nur nicht ganz so flott wie zum Beispiel die Konkurrenz aus dem Hause Grado, deren Hörer allerdings geradezu auf Schnelligkeit getrimmt werden und dafür wieder andere tonale Aspekte opfern. Dennoch denke ich, dass die schiere Größe der Treiber den Sony ein bisschen einbremst. In der Praxis heißt das, dass Menschen, die fast nur Metal hören, vielleicht mit einem Modell von Grado (noch) glücklicher sein würden als mit dem Sony. Von einer Schwäche zu sprechen wäre aber übertrieben, denn für sich allein betrachtet mangelt es dem MDR-Z7 keineswegs an „Live“-Feeling. Außerdem bügelt er dieses kleine Manko an anderen Stellen mehr als aus.

Wichtig: der MDR-Z7 ist ein geschlossener Kopfhörer. Nur wenige andere Hersteller setzen bei ihren Flagschiff-Modellen auf diese Bauweise. Die meisten kontruieren in dieser Klasse offene oder halboffene Hörer, weil das in der Regel für ein luftigeres, transparenteres Klangerlebnis sorgt. Überraschenderweise klingt der Sony keineswegs beengt, sondern wie eine gelungene Mischung aus offener und geschlossener Bauart. Dennoch bestehen tonale Unterschiede zu offenen Hörern.

Während offene Hörer eine breitere Bühne, also mehr „3D“ bieten, ist der Sony ein bisschen intimer, vor allem aber genauer. Um das mal zu veranschaulichen: Man stelle sich eine Filmszene vor, in der wir rechts im Bild einen singenden Chor haben und links ein startendes Raumschiff. Das Raumschiff steigt in die Höhe, fliegt nach rechts über den Chor und zischt dann nach links oben aus dem Bild. Mit einem guten offenen Hörer, zum Beispiel meinem geliebten Philips Fidelio X2 oder einem AKG K712, stehen Chor und Raumschiff weiter auseinander und man kann die Bewegungen des UFOs besser nachvollziehen. Mit dem MDR-Z7 ist dieser räumliche Effekt ein bisschen geringer, dafür kann man aber genau hören, aus wie vielen Stimmen der Chor besteht, wer Bass und wer Tenor singt und ob das Raumschiff eine oder zwei Turbinen hat.

In einigen Kritiken wurde dem MDR-Z7 vorgeworfen, er sei zu basslastig und nicht analytisch genug. Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Der Sony ist sicherlich warm abgestimmt, hat also einen prominenten Bassbereich und keine überlauten Höhen, aber er ist dennoch extrem detailreich und genau. Es ist ein wenig so, als hätte man hier einen audiophilen Kopfhörer, der aber gleichzeitig den Spaßfaktor berücksichtigt. Und vielleicht ist das der Grund für manch eher lauwarmes Review, denn die Fraktion der „Berufs-Audiophilen“ versteht keinen Spaß. Je trockener ein Hörer klingt, desto glücklicher sind sie. Die meisten Menschen wollen Musik und Filme aber genießen und nicht nur analysieren wie im Labor. Darum geht es doch, um den Genuss, und den bietet der Sony auf einem atemberaubend hohen Niveau. Man kann mit ihm die Musik sezieren, wenn man will, aber man wird dazu nicht genötigt. Ein für mich abschreckendes Beispiel sind manche Oberklasse-Hörer von AKG, Sennheiser und Beyerdynamik. Sie sind kalt, geradezu eiskalt und zerlegen die Musik in ihrer Einzelteile, ohne diese wieder zu einem schönen Ganzen zusammenzufügen. Das macht der MDR-Z7 nicht. Er präsentiert Musik zwar bis ins letzte Detail, bleibt dabei aber musikalisch, zerreißt den Sound also nicht in kleine Einzelstücke. Das zu schaffen, ist meiner Meinung nach wahre (Ton)Ingenieurskunst. In dieser Hinsicht übertrifft der Sony sogar Kaliber wie den Sennheiser HD800 oder den AKG K812. Das heißt nicht, dass die schlechter wären als der MDR-Z7, aber in Sachen Genusserlebnis ziehen sie meiner Ansicht nach gegenüber dem Sony den Kürzeren. Dafür sind sie dann halt wieder in anderen Bereichen ein bisschen stärker. Wer also einen Haufen Geld für Kopfhörer ausgeben will, sollte unbedingt selber probehören, denn die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Ich halte den MDR-Z7 keineswegs für konkurrenzlos gut, aber er spielt ohne Zweifel ganz oben mit und hat mit seiner Mischung aus Musikalität und Analysestärke eine ganz eigene Soundsignatur, die für manche tatsächlich das musikalische Nirwana sein kann, während sich andere wieder enttäuscht abwenden. Was der Sony wirklich, WIRKLICH gut macht, ist das Herausarbeiten der Körperlichkeit von Instrumenten und Stimmen. Ob Stehbass, Schlagzeug, Rhythmusgitarre, Sologesang, Chor oder einfach nur das Geräusch von Schritten oder fallendem Regen in einem Film – der MDR-Z7 verleiht all dem eine physische Präsenz, wie ich sie mit keinem anderen Kopfhörer bislang gehört habe.

High Resolution – mehr als ein Werbeslogan

Ich habe mich mit dem MDR-Z7 wieder durch meine Sammlung hoch auflösender Musik gehört. Und bevor ich meine Eindrücke schildere: Hoch auflösend ist ein wichtiges Stichwort bei Kopfhörern in dieser Klasse. Der Sony ist zwar nicht so gnadenlos wie manch andere Spitzenhörer, aber immer noch gnadenlos genug. Schlecht aufgenommene Musik in schlechten Audioformaten klingt mit ihm auch so: schlecht nämlich, langweilig und körperlos. Man lernt schnell, MP3 links liegen zu lassen. Zu offensichtlich ist die Kompression und damit der Verlust. Wirklich interessant wird es erst ab dem verlustlosen FLAC-Format. So gesehen trifft der Werbeslogan vom „High Resolution“-Kopfhörer voll und ganz zu, denn mit kaum einem anderen Hörer ist mir der Qualitätsunterschied zwischen verschiedenen Audioformaten so stark aufgefallen wie mit dem Sony

The Beatles, „Mother Nature´s Son“, FLAC. Das Anzupfen der Saiten der Akustikgitarre wirkt äußerst lebendig und raumfüllend. Wenn die Akkorde geschlagen werden, hört man die einzelnen Töne gut heraus. Paul McCartneys Stimme steht klar und detailliert in der Mitte. Die „Hufschlag“-Percussion ist Ton für Ton zu vernehmen und das delikate Bläserarrangement wird wunderbar aufgeschlüsselt. Beim Einsetzen der zweite Akustikgitarre kann man bis zum leichten Vibrato ganz genau verfolgen, was diese macht.

Grateful Dead, „Box Of Rain“, HDDVD. Nie klangen die Dead organischer, wärmer. Dennoch sind Bass, E-Gitarre, Akustikgitarre, Klavier und Schlagzeug ebenso genau zu orten und zu trennen wie die zwei Harmoniestimmen, die Phil Leashs Lead Vocals begleiten. Erneut fällt auf, wie groß und körperlich der MDR-Z7 die Musik wirken lässt. In Kombination mit der HD-Aufnahme hat man tatsächlich das Gefühl, per Zeitmaschine in das Tonstudio gereist zu sein und den Musikern live zuzuhören.

Pink Floyd: „Shine On You Crazy Diamond, Pts 1-5“, SACD. Das bedrohliche Wabern der Synthesizer umgibt mich von allen Seiten, ein sehr starker Eindruck von Dreidimensionalität. David Gilmours erste E-Gitarrentöne perlen saftig in den Mix. Das berühmte B-F-G-E-Riff füllt mit Macht den Raum und Roger Waters Bass legt einen tiefen Tonteppichboden. Herausragende Ortbarkeit und Transparenz aller Instrumente und Stimmen.

London Symphony Orchestra: Carl Orff, „Floret Silva Nobilis“, HDCD. Der MDR-Z7 managt die wilden Dynamiksprünge mühelos. Kleinste Details wie das Einatmen der Chorsängerinnen sind gut zu hören. Die Triangel kann sich gegen Pauken, Streicher, Bläser und Chor behaupten. Bemerkenswert ist wieder, wie mächtig und lebendig die Musik wirkt.

Kommen wir nun zu der Frage, ob der Sony MDR-Z7 seinen Preis wert ist. Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn während die unverbindliche Preisempfehlung von Sony bei 700 Euro liegt, ist der Hörer bei großen Internetversandhäusern bereits um rund 450 Euro zu haben und wer ein Schnäppchenjäger ist, findet Neumodelle sogar schon ab 399 Euro. 400 bis 450 Euro würde ich ohne zu zögern zahlen, denn da wäre das Preis-Leistungs-Verhältnis fast unschlagbar. Bei 700 Euro müsste man sich das schon gut überlegen, denn da gibts dann auch Hörer wie den Beyerdynamik T90 oder die Grados Rs2 und Rs1 und noch ein paar, die für manche Ohren gleich gut oder besser klingen. Ich persönlich finde die UVP von 700 Euro angesichts der Verarbeitungsqualität und des Klangs gerade noch  angemessen, die Straßenpreise aber gerechtfertigter. Es kommt auch darauf an, was man zuvor gewöhnt war. Wer von einem 50-Euro-Kopfhörer kommt, wird vom MDR-Z7 auf den Mond geblasen und wird fast weinen wenn er merkt, was er bislang versäumt hat. Wer die gute Mittelklasse gewöhnt ist, also zB Philips Fidelio X2, Sennheiser HD650, Beyerdynamik DT990, AKG K701 oder Grado Rs2, wird teilweise klare Verbesserungen hören, teilweise aber auch eine Umgewöhnungszeit brauchen, denn der Wow-Faktor ist bei diesem Sprung nicht mehr so groß. Und wer Flagschiffe wie den Senni HD800, den AKG k812, Beyer T1 oder den Grado GS1000 besitzt, muss sich gut überlegen, ob er noch ein weiteres Spitzenmodell haben muss. Freilich: Wer Kopfhörer als ernsthaftes Hobby betreibt, wird um den Sony MDR-Z7 nicht herum kommen, denn es gibt Sachen, die macht er halt besser als andere Top-Modelle. Die mehrmals erwähnte, nahezu körperliche Präsenz der Töne zum Beispiel. Wer sich aber keine Sammlung von Kopfhörern anlegen will, sondern ein Modell für alles haben mag, der ist mit dem Sony bestens bedient, denn der MDR-Z7 hat noch ein Ass im Ärmel, das ihn von fast allen anderen Mitbewerbern abhebt: Er ist ein „Plug-and-play-und-fertig“-Hörer. Er braucht im Gegensatz zu fast allen anderen Spitzen-Geräten keinen (teuren) Kopfhörerverstärker, sondern spielt schon an halbwegs guten Kopfhörerausgängen von PC oder AV-Receiver seine Stärken aus. Und er läuft halt notfalls auch am Smartphone oder direkt am Fernseher angeschlossen ziemlich gut.

Was mit gefällt: Die konkurrenzlos gute Verarbeitungsqualität, die warme Abstimmung bei gleichzeitig hohem Detailreichtum und die Körperlichkeit des Sounds, die ich so noch bei keinem anderen Modell gehört habe. Außerdem macht der KH an jeder Ausgangsquelle eine gute Figur.

Was mir nicht so gut gefällt: Nicht ganz so luftig wie offene Kopfhörer, manchmal ein wenig „langsam“.

Wer ihn sich holen sollte: Menschen, die ein audiophiles Klangerlebnis haben möchten, aber sich keinen unterkühlten Tonsezierer ins Haus holen wollen.

Wer ihn ignorieren sollte: Neutralitätsfantiker und Leute, die High End nicht zu schätzen wissen.

Konkurrenz: Sennheiser HD650 und HD800, AKG K712 und K812, Beyerdynamik T90 und T1, Grado Rs1 und GS1000, Bang & Olufsen P8, diverse andere Spitzenmodelle.

Fazit: Der MDR-Z7 von Sony ist ein Kopfhörer der High End-Klasse, der mich im Test weitgehend begeistern konnte und mit seiner eigenen, Sony typischen Abstimmung überzeugt. Warm, aber dennoch neutral und analytisch.

Kopfhörer Philips SHB9850NC – The Sound of Silence

Philips brandneuer Kopfhörer SHB9850NC hat mit Multi-Bluetooth-Pairing, NFC, ANC und Touchbedienung die aktuellste Technik an Bord und klingt äußerst überzeugend. Ob er den Preis von knapp 170 Euro wert ist, verrät folgender Test.

 

Vor rund fünf Jahren begann Philips mit den Modellen der „Fidelio“-Serie damit, den Kopfhörermarkt gewaltig aufzumischen. Vorbei waren die Zeiten, als der holländische Konzern „nur“ solide Massenware anbot und sich der echte HiFi-Freak bei anderen Herstellern umsehen musste. Vor allem mit dem Modell Fidelio X1 und dessen Nachfolger, dem X2, wurde Philips zu einem ernst zu nehmenden Player am Headphones-Markt, dessen Produkte nicht nur gut, sondern Preis-Leistungs-Weltmeister sind. Der Fidelio X2 ist seit Monaten mein Lieblingskopfhörer und meiner Ansicht nach mit Abstand das Beste, was man seinen Ohren für knapp 300 Euro gönnen kann. Er ist aber kein Kopfhörer für unterwegs, denn dazu ist er zu groß und wegen seiner offenen Bauweise auch nicht ausreichend schallisolierend. Mit diesen riesigen Hörern, die die Umgebung alles mithören lassen, U-Bahn zu fahren, ist nur sehr selbstbewussten Menschen zu empfehlen, die weder Streit noch Hohn fürchten. Für alle anderen hat Philips jetzt einen niegelnagelneuen Kopfhörer auf den Markt gebracht, der speziell für unterwegs konzipiert wurden.

 

Die Marketingleute von Philips konnten sich wohl nicht auf einen griffigen Produktnamen einigen, also nennen sie ihr jüngstes Kopfhörer-Baby einfach „SHB9850NC“. Das klingt nach einem Droiden aus „Star Wars“, was gar keine so abwegige Assoziation ist, denn das Teil strotzt nur so vor technischen Finessen. Bluetooth der neuesten Generation, eine Touch-Bedienung direkt auf der rechten Hörmuschel, NFC, integrierte Freisprecheinrichtung und Active Noise Cancelling machen das Teil zum vermutlich am umfangreichsten ausgestatteten Kopfhörer seiner Preisklasse (und weit darüber hinaus).

 

Unboxing und erster Eindruck

 

Der SHB9850NC kommt in einer eher schlichten Verpackung daher, was kein Schaden ist, denn er will ja täglich benutzt werden und nicht in einer edlen Schachtel vor sich hin gammeln. Nimmt man ihn in die Hand, fällt zunächst auf, dass er extrem leicht ist. Philips hat ihn auch gewichtstechnisch für den mobilen Einsatz optimiert. Schon nach ein paar Minuten merkt man gar nicht mehr, dass man ihn trägt. Der Hörer besteht weitgehend aus Plastik, das aber recht hochwertig verarbeitet wirkt. Die Ohrpolster sind aus einem sehr guten Kunstleder, das die Ohren völlig umschließt und sich nicht nur gut anfühlt, sondern auch einen Hauch von Klasse vermittelt. Der Hörer lässt sich ganz einfach zusammenfalten und kann somit platzsparend aufbewahrt werden. Leider hat Philips keinen Aufbewahrungsbeutel beigelegt, aber das ist nicht weiter tragisch, denn zusammengefaltet nimmt der SHB9850NC nur wenig Platz weg und er ist recht leicht zu reinigen. Eine kleine LED-Leuchte informiert nicht nur den Besitzer darüber, ob der Akku geladen ist, sondern setzt auch einen technophilen optischen Akzent.

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Bluetooth, ANC & Co

 

Nach dem Auspacken habe ich zuerst mal den Akku voll aufgeladen, was in etwa 30 Minuten gedauert hat. Philips verspricht, dass eine Akkuladung für 16 Stunden Betrieb bei allen aktivierten technischen Spielereien reicht. Deaktiviert man zB Bluetooth, springt die Laufzeit auf bis zu 33 Stunden. Da kaum jemand 16 Stunden am Stück Musik hört, kommt man mit einer Ladung recht lange aus, ohne auf eine der Funktionen verzichten zu müssen. Und selbst wenn einem mal der Saft ausgehen sollte, kann man einfach auf das mitgelieferte Kabel zurückgreifen und auch ganz ohne Eigenstromversorgung weiter hören. In der Praxis funktionierte das Bluetooth-Pairing super einfach. Ich drückte die Taste mit dem Bluetooth-Symbol auf dem Kopfhörer, aktivierte danach auf dem Smartphone die Bluetoothfunktion und schon erkannte mein Handy den Kopfhörer. Philips gibt an, dass man den SHB9850NC mit zwei Geräten gleichzeitig koppeln kann, was ich auch gleich mit einem Laptop ausprobierte. Auch das klappte sofort und ohne Probleme. Einziger Wermutstropfen: Der SHB9850NC lässt sich nicht mit Bluetooth fähigen Fernsehern koppeln. Aber er ist halt dafür gedacht, ihn mit Smartphones, Tablets oder Laptops zu betreiben. Für den Gebrauch am Fernseher oder der Anlage zuhause bieten sich andere Kopfhörer an.

 

Der Lärm bleibt draußen

 

Ich steckte mein Handy ein, setzte den Kopfhörer auf und ging nach draußen. Gespannt drückte ich den Knopf der Aktiven Geräuschunterdrückung, die bei Philips „ActiveShield Pro“ heißt, und war überrascht, wie gut das funktioniert. Ob es wirklich 99 Prozent aller Umgebungsgeräusche sind, die das aus mehreren Mikrophonen bestehende System herausfiltert, kann ich nicht sagen, aber ich kriegte bei aktiviertem ANC vom Tosen der Stadt um mich herum nur mehr sehr wenig mit. Selbst bei niedriger Lautstärke verschafft einem der Philips SHB9850NC eine private Oase der Ruhe, die viele weit teurere Modelle nicht bieten können. Dieser Kopfhörer macht hier einen wirklich fantastischen Job und dürfte somit ein perfekter Begleiter beim täglichen Pendeln in öffentlichen Verkehrsmitteln oder bei Flugreisen sein. Einfach den ANC-Knopf gedrückt und das Geschrei der Umgebung verschwindet verlässlich.

 

Der Klang

 

Am wichtigsten ist bei Kopfhörern aber immer noch der Sound. Erfreulicherweise orientiert sich auch der SHB9850NC an den Klangeigenschaften der Fidelio-Baureihe und liefert einen gut strukturierten, warmen und gleichzeitig klaren Klang, der mit jeder Art von Musik gut zurecht kommt und vor allem bei elektronischer Musik richtig aufblüht. Die extrem tiefen, aber präzisen Bässe verschmelzen mit deutlich dargestellten Mitten und fein auflösenden Höhen zu einer Sounddarstellung, die ich bei mobilen Overear-Kopfhörern bislang noch nicht in dieser Qualität gehört habe. Der SHB9850NC spielt tonal eindeutig in der Liga weit teurerer Produkte mit. Die 40mm-Treiber sind sehr schnell und voluminös und machen vor allem Rock und Electro zu einem wirklichen Vergnügen.

 

Die Bedienung

 

Der Philips SHB9850NC lässt sich steuern wie ein Smartphone. Wischt man auf der rechten Hörmuschel nach oben, wird der Ton lauter. Wischt man nach vorne, wird der nächste Song abgespielt. Kommt ein Anruf rein, tippt man einfach einmal auf die Ohrmuschel und kann sofort telefonieren. Die Freisprecheinrichtung funktionierte im Test klaglos und mit sehr guter Sprachqualität. Nach kurzer Eingewöhnung kann man den SHB9850NC so intuitiv bedienen, wie man es von seinem Handy gewöhnt ist. Am Rand der Hörmuschel gibt es ein kleines Knöpfchen. Drückt man dieses, kann man sich mit Siri oder Google Now verbinden und per Sprachbefehl steuern.

 

Pro: Ein für seine Leistung sehr preisgünstiger Kopfhörer für den mobilen Gebrauch. Die aktive Lärmunterdrückung funktioniert sehr gut. Bluetooth-Pairing funzt sofort. Die Touch-Bedienung ist zuverlässig und leicht zu erlernen. Der Klang ist angesichts der unverbindlichen Preisempfehlung von 169,90 Euro hervorragend. Die Akkuleistung ist mehr als ausreichend und dank eines mitgelieferten Kabels kann man den Kopfhörer auch ohne Strom weiter benützen.

 

Contra: Lässt sich nicht kabellos mit Fernsehgeräten verbinden, keine Aufbewahrungstasche im Lieferumfang.

 

tltr: Der Philips SHB9850NC ist ein mit aktuellster Technik ausgestatteter, stylisher Kopfhörer, der dank seiner Geräuschunterdrückung, seinem Bluetooth-Pairing und der Touch-Bedienung der perfekte Begleiter für Reisen oder fürs tägliche Pendeln zur Arbeit ist.

Kopfhörer Teufel Real Z – Ein satanisches Vergnügen

Wenn der Teufel einer ist, der einen mit unwiderstehlichen Angeboten in Versuchung führt, dann ist ihm das mit dem Kopfhörer „Real Z“ gelungen. So, und damit hätte ich das gewerkschaftlich vorgeschriebene Pensum an Wortspielen im Zusammenhang mit der Firma „Lautsprecher Teufel“ erfüllt. Aber seriös: Das ist ein wirklich guter Hörer, der mich überrascht hat. Ich hatte, ganz ehrlich, nach der Lektüre der Eigenwerbung des Herstellers, wonach der Real Z einen „leicht bassbetonten Klang“ habe, mit einer kulturlosen Bassschleuder gerechnet, die ganz viel „bumm bumm“ macht und den Rest des Sounds einfach im Tiefton ersäuft. Ich lag völlig falsch und hätte fast Lust, mich bei den Ingenieuren des Berliner Herstellers für mein Vorurteil zu entschuldigen, denn der Real Z kann viel mehr als nur Bass. Es stimmt allerdings, dass er Bass ganz besonders gut kann.

Der Real Z ist erhältlich in „Dark“ (schwarz) und „Rust“ (braun):

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Sich einen hochwertigen Kopfhörer zu kaufen, ist mittlerweile nur mehr für Millionäre leicht. Die besorgen sich einfach für jede Gelegenheit und sogar jeden Musikstil das passende Gerät. Otto Normalverdiener kann sich das nicht leisten, will aber trotzdem seine Ohren nicht beleidigen. Es gibt sogar immer mehr Ottos, die bereit sind, zwar keine Fantastilliarden, aber doch so zwischen 150 und 300 Euro für gute Cans auszugeben, um ihre Lieblingsmusik in guter Qualität genießen zu können. Gerade dieses Preissegment ist entsprechend hart umkämpft und etliche Hersteller buhlen um die Gunst des Musikliebhabers. Strafverschärfend kommt bei dieser Qual der Wahl dazu, dass viele Leute Musik nicht nur entweder am Smartphone oder an einer hochwertigen Anlage, sondern an beidem hören wollen. Viele hochwertige Hifi-Kopfhörer sind aber eher schwer und unhandlich und dafür gemacht, sie abends im Schaukelstuhl zu tragen. Für den mobilen Gebrauch sind sie zu klobig und oft auch zu schlecht isoliert. Und die meisten Hörer für unterwegs können mit den ernsthaften audiophilen Teilen nicht wirklich mithalten. Und wenn sie es können, kosten sie gerne mal 500 Euro und mehr. Viele kaufen sich daher zwei Kopfhörer, einen für zuhause und einen für die Straße. Die Firma Teufel hat sich wohl gedacht: „Warum nicht einen Hörer für alle Gelegenheiten anbieten“?

Der Real Z ist mit seinen 180 Gramm leicht genug, um ihn den ganzen Tag lang auf der Rübe haben zu können, er ist als mit seiner halboffenen Bauweise wenigstens so schalldicht, dass einen nicht gleich die Omi in der Straßenbahn verprügelt, weil man zu laut AC/DC gehört hat, und er ist gleichzeitig so linear abgestimmt und tonal luftig, dass er es tatsächlich mit den großen Kalibern wie AKG k701, Beyerdynamik DT990, Sennheiser HD 650 oder Philips Fidelio X2 aufnehmen kann. Talk about Eier legende Wollmichsau! Und nein, ich übertreibe nicht und wurde auch nicht dafür bezahlt, das zu schreiben. Wer einen Allrounder sucht, den er an Smartphone, Tablet, PC UND an der Anlage oder einem Kopfhörerverstärker betreiben kann – hier ist er. Ich selber benutze Kopfhörer nur in meinen bescheidenen Vier Wänden. Ich habe den Real Z natürlich an meinem Handy ausprobiert und kann sagen, dass er mit seinen 50 Ohm und vor allem seinen 102 dB Empfindlichkeit da problemlos so laut aufspielt, dass der Ohrenarzt ihn am liebsten konfiszieren würde. Aber mich interessiert bei einem Kopfhörer nur, wie er klingt, und zwar an einer recht guten Kette, die von Vinylplatten über einen sehr guten Verstärker bis zum Tonausgabegerät reicht. Ich liebe Musik, wohne aber in einem hellhörigen Mehrparteienhaus und bin zudem noch eine Nachteule. Meine Elac-Standboxen, die mich rund 4.000 Euro gekostet haben, kann ich daher nicht allzu oft aufspielen lassen. Also sind Kopfhörer seit Jahren ein Thema für mich. Ich bin kein Techniker, der mit einem Messgerät irgendwelche Kurven aufzeichnet, aber ich erkenne einen guten Lautsprecher und einen guten Kopfhörer, wenn ich einen höre. Der Real Z von Teufel ist so einer. Also ein guter.

Ja, ja, nicht ungeduldig werden und mit Bomben drohen, ich komme ja schon zum Klang. Die Beschreibung des Herstellers, der Real Z sei „bassbetont“, stimmt. Aber die Wirklichkeit ist etwas komplexer als die Marketingsprache. Mich hat nämlich überrascht, wie linear bzw. neutral der Hörer trotz seiner Tieftonfreundlichkeit ist. Wir reden hier nicht über Sennheiser-HD800-Neutralität oder Grado-PS-1000-Auflösung, aber durchaus über eine, die einem feinste Details in der Musik offenbart und die den Bass nicht die Mitten und Höhen zumatschen lässt. Der Bass ist zwar sehr mächtig, aber auch recht klar definiert und kontrolliert. Musik, bei der Bass eine große Rolle spielt, macht mit dem Hörer ungeheuren Spaß, denn mit dem Teufel Real Z entdeckt man Nuancen in den tiefen Tönen, die einem mit anderen Hörern gar nicht aufgefallen wären. Eine Schau ist zum Beispiel die Liveaufnahme von Cream in der Royal Albert Hall. Der Real Z lässt die Double-Bassdrum von Ginger Baker und den Fretless-Bass von Jack Bruce dermaßen wuchtig an den Ohren ankommen, dass man eine echte Ahnung davon kriegt, wie sich das vor Ort angehört haben muss. Noch einen Tacken aufregender wird die Sache mit elektronischer Musik. Die Computerbässe auf dem Tribute-Album „Pink Floyd Redux“ sind so geschmeidig, fett, bodenlos tief und warm, dass man fast nachschauen will, ob irgendwo im Raum ein sehr guter Subwoofer steht.

Was mir noch aufgefallen ist am Teufel Real Z: Er ist ungeheuer schnell, setzt also elektrische Impulse nahezu verzögerungsfrei in Töne um und übertrifft in dieser Disziplin viele weit teurere Hörer. Die Geschwindigkeit des Real Z erinnert mich an hochpreisige Grado-Kopfhörer. Das macht ihn sehr gut geeignet für Metal, Hard- und Punkrock. Überhaupt scheint mir dieser Kopfhörer flotte Musik mit ordentlich Punch klar zu bevorzugen. Das heißt nicht, dass langsame Akustiknummern mit dem Real Z schlecht klingen würden. Aber wenn ich zum Beispiel Cat Stevens „Tea For The Tillerman“-Album auflege, bringt er mir das zwar klaglos und auf sehr hohem klanglichen Niveau rüber, aber einen Wow-Faktor hat er da nicht. Den hat er eher bei wuchtigen Aufnahmen wie zB Eletronic, Metal oder… Klassik. Ja, richtig gelesen, der Real Z kommt mit klassischer Musik sehr gut zurecht. Man lege beispielsweise „Uf dem Anger“ aus Carl Orffs Carmina Burana auf und staune, wie feinfühlig der vermeintliche Hells Angel Real Z das Orchester und den Chor auffächelt! Man kann die Instrumente und Stimmen einwandfrei orten, und obwohl die Bassgeigen und die Pauken etwas prominenter im Klangraum stehen als bei einem völlig neutralen Kopfhörer, begraben sie nichts unter sich, nicht einmal die kleinste Triangel und das Atmen der Sängerinnen. Well done, Teufel!

Für einen halboffenen Kopfhörer bietet der Teufel eine sehr weite Bühne. Da können offene Hörer natürlich noch mehr auffahren, aber nicht jeder mag riesige Bühnen (und man vergesse nicht die alte Dame in der Straßenbahn, die einen haut, wenn sie AC/DC zu laut mithören muss). Das Negativbeispiel für mich ist da der AKG K701, bei dem ich mich immer so fühle als säße ich alleine in einem gigantischen Stadion und lauschte einer weit entfernten Band. Der Real Z hat zwar durchaus Bühne, aber er wirkt intimer und direkter als einige seiner Konkurrenten. Und das ist was Gutes. Filme und Spiele kommen durchaus sehr breitwandig rüber und nicht beengt, aber auch kontrolliert. Man weiß, welches Instrument oder welcher Gewehrschuss von wo kommt, aber das wirkt halbwegs realistisch und nicht künstlich in die Länge und die Weite gezerrt. Höhen sind beim Teufel Real Z nicht schrill oder zischend, sondern recht genau so, wie sie aufgenommen wurden. Schlechtere Aufnahmen können schon mal ein bisschen schrill wirken, gute Tonquellen kommen aber verzerrungsfrei rüber. Nach ausführlichem Hören würde ich sogar sagen, dass der Real Z eher in Richtung „Audiophilie“ neigt, also schlechte Quellen recht hart bloßstellt, aber bei guten Quellen umso geiler klingt.

Ist der Teufel Real Z also wirklich uneingeschränkt super und überdrüber und voll zu empfehlen? Nun, ganz so ist es auch wieder nicht. Ich habe durchaus Kritikpunkte gefunden, auch wenn das ein Motzen auf sehr hohem Niveau ist. Der Hörer ist nicht völlig unempfindlich gegen Störungen mechanischer Art. das heißt: Wenn man aus Versehen die Hörmuscheln berührt oder wenn das Kabel sich stark an der Kleidung reibt, kann man das manchmal (nicht immer) als Geräusch hören. Das liegt aber nicht am Aufbau der Treiber, sondern an den Ohrpolstern aus Proteinleder. Die neigen, ganz wie echtes Leder, leider ein bisschen dazu, bei Bewegung auf den Ohren Töne zu machen. Es war aber dennoch keine schlechte Entscheidung von Teufel, seinem Flaggschiff-Kopfhörer dieses derzeit beste Kunstleder zu spendieren, denn solange man nicht wild zu sehr leisen Nummern mit dem Kopf wackelt, hört man den Effekt nicht. Und wer macht schon wüstes  Headbanging zu Joni Mitchell? Soundtechnisch wären Stoff-Ohrpolster vielleicht besser, aber optisch und haptisch machen die Lederimitate eindeutig mehr her. Der zweite Kritikpunkt betrifft die Kabel. Die werden zwar, und das ist vorbildlich, in zweifacher Ausführung geliefert, nämlich in einer langen zum Anschluss an Anlage oder Fernseher und in einer kurzen für das Smartphone. Aber wenn man das schon macht stellt sich die Frage, warum beim Smartphonekabel auf ein Mikrofon und eine Kontrollfunktion für Lautstärke und Titelwahl verzichtet wurde. Da könnte Teufel noch nachbessern und seinen Kunden ein echtes Headset-Kabel anbieten. Möglich wäre das, denn das Kabel ist abnehmbar, was ich richtig gut finde und an jedem Kopfhörer schätze. Fest verbaute Kabel mögen vielleicht irgendeinen esoterischen Klanggewinn bringen, sie verkürzen aber die Lebensdauer des Geräts und machen es bei einem Kabelbruch schwerer, den Hörer zu reparieren. Auch hier ist Lautsprecher Teufel also auf der richtigen Seite.

Kann ich den Teufel Real Z also empfehlen? Ja, denn für den verlangten Preis von 179.99 Euro kriegt man einen richtig feinen Kopfhörer, der jeden Musikfan, vor allem aber die Freunde elektronischer, rockiger und klassischer Musik zufriedenstellen sollte. Natürlich wird es Leute geben, denen er nicht gefällt, aber DEN Kopfhörer, der alle begeistert, gibt es nicht. Mich hat er positiv überrascht und ich liebe ihn jeden Tag ein klein bisschen mehr. Ich höre und erlebe mit ihm meine Musiksammlung neu, und genau das ist etwas, das ich suche und schätze.

Pro: Hervorragender Kopfhörer, der universell einsetzbar ist. Sehr gute Bässe, die aber die Mitten und Höhen nicht kaputt machen. Macht an jeder Tonquelle und mit jeder Musik eine gute Figur. Ist hochwertig gebaut. Kommt mit zwei Kabeln und einer eigenen Tragtasche. Ist sehr leicht und fühlt sich auch nach Stunden nicht störend an. Klingt sowohl am Smartphone als auch an stärkeren Ausgabequellen sehr gut und laut.

Contra: Das Kunstleder kann bei starker Reibung Geräusche machen. Bislang keine Headset-Funktion.

Konkurrenten: Alle „großen“ Hörer wie AKG K701, Sennheiser HD 650, Beyerdynamik DT990, Philips Fidelio X2 und weitere.

Tltr: Ein preislich sehr faires Angebot von Lautsprecher Teufel, das sowohl Gelegenheitshörer als auch Hifi-Freaks überzeugen sollte. Ein sehr neutraler, aber dank leichter Bassanhebung auch sehr musikalischer und spaßiger Kopfhörer.