Meze 99 Neo: Black Beauty

Nachdem mir der Kopfhörer „99 Classics“ der rumänischen Firma Meze Audio sehr gut gefallen hat, waren die Jungs in Baia Mare so nett, mir den „99 Neo“ für eine Besprechung zu schicken. Der 99 Neo, ausgepreist um 249 Euro, ist der neuere Kopfhörer, aber er soll kein Nachfolger des „Classics“ (309 Euro) sein, sondern, falls ich die Produktpolitik von Meze richtig verstanden habe, eine Ergänzung bzw eine Alternative. Er teilt sich mit den „Classics“ die Treiber, hat aber statt Ohrmuscheln aus Holz welche aus Kunststoff. Die Überraschung vorweg: Er klingt deutlich anders als sein teurerer Bruder. Besser? Schlechter? Oder halt nur anders? Schauen wir mal!

Lieferumfang, Haptik, Qualität

Wie bei allen Audiogeräten habe ich dem 99 Neo ein paar Wochen zum Einspielen gegeben, da ein Review frisch aus der Box nicht fair wäre. Apropos Box: Die Schachtel, in der der Neo kommt, ist gleich hübsch wie die des Classics, und auch das darin enthaltene Hardcase ist auf demselben Niveau. Nach dem Auspacken fällt mir aber eines negativ auf: Dem Neo wird nur ein Kabel beigelegt. Sind beim Classics ein kurzes Kabel mit Steuerungsfunktion fürs Smartphone und ein langes für den Betrieb an der Anlage zuhause dabei, so hat der Neo nur mehr das kurze Kabel für den mobilen Einsatz. Das ist kein Beinbruch, da der Neo ja vor allem für unterwegs gedacht ist, aber ich trage trotzdem ein kleines Minus in Mezes Mitteilungsbuch ein. Ein Minus in Betragen! Ein entsprechendes Kabel kann man für 20 Euro bei Meze nachbestellen. Oder man kauft eines von einem Drittanbieter, wobei man da aufpassen muss, denn wegen der Form der Ohrmuscheln dürften dickere Klinken nicht ganz reinpassen.

Genug gemeckert. Der Hörer selbst sieht sehr gut aus, besser als fast die gesamte Konkurrenz, und fühlt sich auch gut und hochwertig an. Design und Qualität, das können sie bei Meze Audio. Ist der 99 Classics optisch mehr der Opernbesucher und Fünf-Sterne-Restaurant-Gast, so wirkt der Neo mit seinem Schwarz-Chrom-Look eher wie ein Kunststudent im Jazzclub. Je nach Geschmack kann man entweder den einen oder den anderen Look besser finden oder beide gleich gut. Mir persönlich gefallen beide. Ich mag das Bling des 99 Classics und ich mag das elegante Understatement des 99 Neo. Auffallen wird man mit beiden, denn obwohl der Neo etwas weniger flasht, ist er doch anders genug als der Mainstream, um zu sagen: „Guckt mal, ich bin Individualist!“

Neutrality, baby

Und nun zum interessanten Teil: Wie klingt der 99 Neo? Und ist er hörbar anders als der 99 Classics? Nun, er klingt gut und er ist anders. Überraschend anders. Ich hatte mir erwartet, dass die beiden Kopfhörer einander sehr ähnlich sein würden, und in ihrer Grundabstimmung sind sie das auch, aber im Detail sind das doch zwei ziemlich verschiedene Hörer. Was beim 99 Neo sofort auffällt und sich nach längerer Einspielzeit noch verstärkt: Er hat eine deutlich breitere Bühne, stärkere Höhen und insgesamt eine mehr in Richtung Neutralität tendierende Klangcharakteristik. Der Bass ist stark und massiv wie beim 99 Classics und geht ebenso tief in den Keller, aber dank der betonten Höhen und einer leichten Zurücknahme bei den Mitten klingt er gleichmäßiger. Er ist freilich kein Studiokopfhörer – Gott sei Dank! Er macht Spaß und hat eine ganz eigene Soundsignatur, aber er ist ein bisschen „kälter“ oder „flacher“ als der Classics. Ich finde das toll, aber andere könnten den wärmeren Sound des Classics bevorzugen. Am besten, man holt sich beide und vergleicht dann intensiv.

Ich rede hier nicht von Frequenzkurven und anderem Ingenieurszeug, sondern von den Eindrücken, die ich als kleiner unbedeutender Hi-Fi-Fan mit 30 Jahren Erfahrung auf dem Gebiet habe. Für MICH klingt der Neo ein bisschen weiter in Richtung Audiophilie getrimmt, ein bisserl weniger als Spaßhörer abgestimmt – was wiederum Leuten wie mir großen Spaß macht. Ihr seht (und hört hoffentlich): Hi-Fi ist subjektiv. Viele Reviewer haben zum Beispiel geschrieben, der 99 Neo habe eine stärkere Bassbetonung als der Classics und der Classics reiche weiter in die Höhen. Ich höre es genau umgekehrt. Der Classics ist ein bisschen basslastiger und „spaßiger“ und der Neo ist transparenter.

I’m going mobile

Dass der Meze 99 Neo vor allem für den mobielen Einsatz gedacht ist, merkt man am Widerstand, der mit 25 Ohm noch mal niedriger ist als beim Classics (32 Ohm). Das heißt, dass der Neo noch leichter an Smartphones zu betreiben ist und mehr Lärm macht. Ein eigener Kopfhörerverstärker kann zwar nicht schaden, ist aber bei diesen Ohm-Zahlen nicht nötig. Ich habe den Neo am Handy, am PC und an meiner Anlage getestet, und schon am Smartphone klingt er voll und sehr laut. Natürlich klingt er an einem System mit einem echten Kopfhörerverstärker noch mal besser, aber das tut jeder andere Kopfhörer dieser Welt auch. Und der Qualitätsgewinn ist zwar hörbar, aber nicht unbedingt den Aufpreis und das zusätzliche Gepäck eines eigenen Smartphone-Kopfhörerverstärkers wert. Der Meze macht das schon, da braucht niemand viel Kohle für Zusatzgeräte ausgeben.

Ein Tipp: Wer viele Computerspiele spielt oder Filme guckt, sollte eher zum Neo als zum Classic greifen, denn die Bühne und Ortbarkeit sind auf dem Neo größer und besser. Wer eher mit sanftem Jazz entspannen möchte, ist mit dem insgesamt etwas harmonischer wirkenden Classics besser bedient.

Hörbeispiele

Bruce Springsteen: „Meeting across the River“ (CD). Wir sind in Harlem und es hat 45 Grad im Schatten. Randy Becker sitzt zwei Stockwerke tiefer auf einem Balkon und spielt Trompete. Roy Bittan spielt in unserem Zimmer Klavier. Becker hört das Klavier und jammt mit Bittan. Garry W. Tallents Bass steigt ein und Bruce Springsteen fängt an zu singen. Das alles wirkt sehr realistisch und physisch, eine Sternstunde für den 99 Neo. Die ganze „Born to run“-Platte kommt super rüber. Der Meze ist bei Springsteens Wall of Sound richtig zuhause.

Fleetwood Mac: „Woman of 1000 Years“ (Tidal Streaming, MQA). Meine Güte, ist das schön! Der 99 Neo bringt den Teppich an akustischen Gitarren so flockig-schwebend rüber, wie es gedacht ist und Danny Kirwans Stimme wirkt so verletzlich und geisterhaft, wie ich sie sonst nur auf sehr guten Standboxen gehört habe. Die Percussion ist super deutlich und klar zu hören und John McVies Bass arbeitet schön getrennt im Untergrund, ohne die Mitten zu zermatschen. Hervorragend!

Ryan Adams: „New York, New York“. Adams Versuch, die Doobie Brothers zu channeln, funktioniert auch mit dem 99 Neo als Wiedergabegerät bestens. Ein schöner, voller Sound, aus dem man doch die einzelnen Komponenten heraushören kann. Ich muss andauernd die Augen schließen, da die Musik mich einfach „übernimmt“. Toll. So muss das sein.

Wilco: „Misunderstood“ (Vinyl). Das Feeback-Intro wirkt hübsch dreckig und „live“. Das Piano hat den in diesem Song gewollten „Mono-Aufnahme-von-1965“-Charakter. Die Gitarren, akustische wie elektrische, wirken lebhaft und glaubwürdig. Ich bin völlig zufrieden.

Pro: Toller geschlossener Kopfhörer mit unverwechselbarem Design und hoher Materialqualität. Es ist schwer, um den Preis von 249 Euro einen besseren zu finden.

Contra: Nur ein Kabel beigelegt.

Fazit: Meze Audio bietet nach dem 99 Classics mit dem 99 Neo erneut einen tollen Kopfhörer zu einem angemessenen Preis an. Der Neo ist ein bisschen neutaler als der Classics und damit vor allem für Multimedia-Konsumenten vielleicht die bessere Wahl als der Classics, der eher für reine Musik-Fans gedacht ist. Jedenfalls erneut ein tolles Produkt aus Rumänien, das man als Fan guter Tonwiedergabe auf dem Radar haben sollte. Meze geht in die richtige Richtung.

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Rocker mit Opern-Abo: Der neue Bluetooth-Lautsprecher „Teufel Boomster“

Die Berliner Firma Lautsprecher Teufel hat ihren zurecht sehr beliebten Bluetooth-Lautsprecher „Boomster“ mit neuen Features aufgepeppt.

2015 hat Teufel mit dem Boomster den klanglichen Standard für handliche Bluetooth-Lautsprecher gesetzt und die Konkurrenz mit einer sehr robusten Bauweise und cleveren Detaillösungen auf die Ränge verwiesen. Der Original-Boomster bekam zurecht durchwegs gute Kritiken (auch von mir) und gefiel nicht nur mit einem hervorragenden Sound, sondern auch mit seinen vielfältigen Einsatzmöglichkeiten. Nach gut zwei Jahren haben die Berliner Klangspezialisten das Gerät nun modernisiert. Das vielleicht Wichtigste vorab: Der Sound, mit dem der Boomster zum Klassenprimus seiner Gattung wurde, ist praktisch identisch mit dem Vorgängermodell. Das ist eine gute Nachricht, denn Teufels Bluetooth-Allrounder spielt mit seinen gleich fünf verbauten Lautsprechern fast alles aus seiner Preisklasse an die Wand.

Das ist neu

Teufel hat dem neuen Boomster mehrere Updates spendiert. Das auffälligste ist das Display. Hinter der einheitlich schwarzen Front leuchtet jetzt eine rote digitale Schrift, die vor allem die Suche nach Radiosendern enorm erleichtert und die im Kontrast mit dem schwarzen Gehäuse sehr hübsch aussieht. Statt drei Speichertasten für Radiostationen gibt es nun vier. Die Wurfantenne wurde durch eine schicke Teleskopantenne ersetzt. Der Boomster kann jetzt auch Digitalradio (DAB+). Der Tragegriff aus Metall ist nicht mehr völlig plan, sondern setzt sich leicht nach oben hin ab, was die Griffigkeit für den Transport erhöht.

Teufel hat mit diesen Neuerungen praktisch alle Anregungen von Kritikern, wie man den Boomster noch besser und praktischer machen könnte, umgesetzt. Es ist heutzutage ja längst mehr selbstverständlich, dass eine Firma ein gutes Produkt einfach weiter verbessert und dabei auch noch auf Kundenwünsche hört, statt stur alle paar Jahre irgendwelche komplett neuen Geräte auf den Markt zu werfen, die mit den beliebten Vorgängern nichts mehr zu tun haben. Für diese Orientierung am Kunden gibt es von mir ein paar fette Pluspunkte.

Der Klang? Immer noch Weltklasse!

Klanglich ist der neue Boomster immer noch die reine Freude. Er klingt wesentlich größer, als er ist, und füllt den Raum in jeder Lautstärke mit einem Hifi-Sound, den in dieser Preisklasse kein Konkurrent anzubieten in der Lage ist. Das ist kein Brüllwürfel, sondern ein Wiedergabegerät auf hohem Niveau, das auch Klang-Feinspitze nicht enttäuschen sollte. Dank zwei Hochtönern, zwei Mitteltönern und einem Downfire-Subwoofer, die allesamt bestens aufeinander abgestimmt sind, kann der Boomster mit jeder Musikrichtung umgehen und gibt Motörhead ebenso glaubwürdig wieder wie ein Streichkonzert. Es ist sensationell, wie fein die Musik dabei geradezu dreidimensional dargestellt wird, wie reibungslos Bass, Mitten und Höhen harmonieren. Dabei ist es egal, mit welcher Lautstärke man hört, der Boomster bleibt immer klanglich sauber und kontrolliert. Ob man nun am frühen Morgen mit leiser Lautstärke das Frühstücksradio hört oder abends mit Electro eine 90er-Jahre-Party beschallt – der Boomster kann beides und klingt dabei immer gut.

Going digital

Analoges Radio empfängt der Boomster dank Teleskopantenne nun noch besser. Ob man das Digitalradio nützen kann, hängt davon ab, ob dieses dort, wo man wohnt, verfügbar ist. In seiner eigentlichen Hauptdisziplin, nämlich vom Smartphone gestreamte Musik wiederzugeben, leistet sich der Boomster nicht mal ansatzweise eine Schwäche. Die Bluetooth-Verbindung steht sofort und hält bombensicher. Ob es die eigene Musiksammlung am Handy ist oder ein Streamingdienst – der Teufel spielt das alles mit einer Qualität ab, die dafür spricht, dass im Boomster sehr gute Komponenten verbaut wurden, die den minimalen Qualitätsverlust, den Bluetooth normalerweise gegenüber einer analogen Verbindung mit sich bringt, weitestgehend eliminieren. Das ist mir auch schon bei Bluetooth-Kopfhörern von Teufel aufgefallen. Irgendwie schaffen es die Berliner, am Ende der Analog-Digital-Bluetooth-Analog-Kette einen Klang darzustellen, der äußerst natürlich wirkt.

Starker Akku

Zusammen mit der robusten Bauweise, dem edlen Design, dem anlogen und digitalen Radioempfang und vor allem dem Klang ist der neue Teufel Boomster einer der besten Bluetooth-Lautsprecher, den man um den Preis kriegen kann. Alles eitle Wonne Sonnenschein also? Einen kleinen Kritikpunkt hätte ich dann doch: Die Touch-Tasten, mit denen die Radiostationen gespeichert und angewählt werden, reagierten auf meinem Testgerät mit einer minimalen Verzögerung. Das war nicht so schlimm, dass es nerven würde, aber es war halt merkbar und nicht ganz so snappy, wie man es inzwischen von zB Highend-Smartphones gewöhnt ist. Auch der neue Boomster kommt mit einem starken Akku, der stundenlangen Betrieb fernab der Steckdose garantiert. Und falls selbst das nicht reichen sollte, kann man das Gerät sogar mit Batterien betreiben. Alle sensiblen Anschlüsse werden von stabilen Gummiabdeckungen geschützt, was den Boomster absolut outdoor tauglich macht.

Der Teufel Boomster ist für 349,99 Euro zu haben.

Pro: Großartiger und klassenbester Sound; jetzt mit einem hübschen Display; reibungsloser Betrieb mit Smartphones; guter Radioempfang; jetzt auch mit DAB+; mehr Stationsspeichertasten als zuvor; robust und dennoch schick; verbesserter Tragegriff; Teleskopantenne; sehr gute Verarbeitung; lange Akkulaufzeit.

Contra: Manchmal reagieren die Touch-Bedienelemente nicht unmittelbar, sondern nehmen sich eine Viertelsekunde Bedenkzeit.

Fazit: Teufel hat den Boomster genau so modernisiert, wie es sich Kunden und Kritiker gewünscht hatten. Der neue Boomster ist eine Art Rundum-Sorglos-Paket für alle, die einen wirklich gut klingenden Bluetooth-Lautsprecher wollen, den man aber auch als Küchenradio und sogar als kleine Wohnzimmer-Anlage einsetzen kann. Mit dem meiner Meinung nach besten Klang seiner Preisklasse und der nahezu kompletten Ausstattung setzt sich Teufel damit erneut an die Spitze des Mitbewerberfelds. Nicht billig, aber angesichts der Leistungen und der Ausstattung ein tolles Angebot.

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Kopfhörer Meze 99 Classics: Mulțumesc für diesen Hörgenuss!

Der Kopfhörer 99 Classics von Meze Audio hat das Zeug zum Kultobjekt. Er klingt noch besser als er aussieht – und er sieht verdammt gut aus.

Seit ein paar Jahren taucht in HiFi-Kreisen immer wieder der Name „Meze Audio” auf. In längeren Diskussionen über Kopfhörer, bei denen die Namen der üblichen Verdächtigen wie Sennheiser, Beyerdynamic, AKG, Bose, Grado und so weiter fallen, fragt dann oft einer: „Habt ihr schon mal was von Meze Audio ausprobiert?” Meze Audio? Was soll denn das bitte sein? Neugierig geworden, googelte ich danach.

Dracula und Schnaps

Meze Audio ist eine Firma aus Baia Mare, Rumänien. Das Interessanteste, was man bislang über Baia Mare sagen konnte, war, dass es in in Transilvanien liegt, wo Dracula zuhause war und man teilweise bis heute an Strigoi glaubt – Tote, die ihren Gräber entsteigen um die Lebenden heimzusuchen. Ich war ein paar Mal in der Region und habe dort nicht nur den härtesten Alkohol meines Lebens getrunken, sondern auch viele sehr coole und kreative Leute kennengelernt. Antonio Meze, der Gründer von Meze Audio, stammt von dort. Im Jahr 2009 hat sich der Designer und Hifi-Freak nach einer internationalen Karriere in den Kopf gesetzt, Kopfhörer zu bauen, die klanglich zur Weltspitze gehören und dabei auch noch schön aussehen sollten. 2009 gründete er per Crowdfunding ein Unternehmen und begann, an Headphones zu tüfteln. Nach mehreren Jahren der Entwicklung stellte das Unternehmen 2015 den „99 Classics“ vor, einen geschlossenen Kopfhörer mit hölzernen Ohrmuscheln. Die Fachwelt war großteils begeistert, aber es gab und gibt auch kritische Stimmen zu diesem Produkt. Höchste Zeit also, dass ich mir mal persönlich anhöre, wie die rumänischen Schönlinge klingen.

Ausstattung und Bauqualität

Der 99 Classics kostet derzeit rund 300 Euro und kommt in einem angemessen schicken Karton mit Magnetverschlüssen. Darin findet man einen Hardcase, damit man den Kopfhörer auch mal in den Urlaub mitnehmen kann, ohne das er zerbeult wird, sowie zwei Kabel, einen Flugzeug-Adapter und einen vergoldeten 6,3mm-Aufstecker für den Betrieb an großen Verstärkern. Mein erster Eindruck nach dem Auspacken war: „Wow, das ist ja mal ein gelungenes Design!“ Der 99 Classics ist in drei Farbvarianten erhältlich. Als Walnuss-Gold, Walnuss-Silber und Ahorn-Silber. Mein Exemplar ist Walnuss-Gold, hat also Muscheln aus Walnuss und vergoldete Elemente wie die Klammern, die das Kopfband in Zaum halten. Auf Bildern im Internet fand ich den Hörer eine Spur zu „flashy“, ein bisschen zu barock und angeberisch. „Ein Kopfhörer für Neureiche, arabische Potentaten und Donald Trump“, dachte ich mir. In Natura sieht der 99 Classics aber richtig gut aus. Das Holz wirkt nicht mehr so aufpoliert wie auf den Fotos und das Gold fügt sich angenehm in den optischen Gesamteindruck ein. Wem das immer noch zu viel ostentativer Bling sein sollte, kann zur Silber-Version greifen, die dezenter wirkt.

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Ich persönlich finde das Design äußerst gelungen und die farbliche Kombination ebenso ansprechend wie die Haptik. Der 99 Classics fühlt sich gut und solide an. Das liegt auch daran, dass Meze Audio den Hörer ohne Klebstoff baut. Für den Zusammenhalt der Einzelteile sorgen ausschließlich Schrauben und Bolzen. Meze verspricht demnach auch, dass jedes Teil des Kopfhörers austauschbar ist und man, solange die Firma existiert, immer Ersatzteile bekommen wird, die man auch leicht einbauen kann, ohne Feinmechanik gelernt zu haben. Der 99 Classics ist ein over-ear-Kopfhörer, umschließt also die Ohren vollständig mit seinen Proteinlederpolstern. Ich habe in einigen Reviews gelesen, dass die Polster zu klein wären. Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe recht große Ohren und dennoch umschließen die Polster sie vollständig und komfortabel. Stichwort Komfort: Das ist neben dem AKG K712 der bequemste Kopfhörer, den ich bislang getestet habe. Sogar direkt aus der Verpackung war der Anpressdruck exakt richtig. Ich trage eine Brille und bin recht empfindlich gegen zu stark drückende Kopfhörer. Der Meze sitzt fest, verursacht aber sogar nach mehreren Stunden keine Schmerzen. Mit dem AKG hat der Meze auch das selbst justierende Zugsystem im Kopfband gemein, das den Hörer an jede Kopfform anpasst, aber anders als beim AKG wirkt das beim 99 Classics stabil und langlebig. Der Meze 99 Classics ist symetrisch gebaut. Das heißt: Es ist egal, ob man die beiden Kabel rechts oder links einsteckt, man muss sich nur daran erinnern, wo sie sind, damit man den Hörer nicht verkehrt herum aufsetzt und das Stereobild umkehrt. Auf den Muscheln ist kein Hinweis auf rechts oder links, nur ein kleines „L“ auf dem Kabel zeigt einem, was wo ist. Der Meze kommt mit zwei Kabeln. Eines ist für den mobilen Gebrauch gedacht und hat Bedienelemente sowie ein eingebautes Mikrophon. Das andere ist länger und dient zum Betrieb an der heimischen Anlage. Eine aktive Geräuschunterdrückung hat der 99 Classics nicht, aber er filtert dank seiner Bauweise Lärm von außen ebenso gut aus wie er die Außenwelt vor dem schützt, was auch immer sein Besitzer hört.

Und wie klingt er?

Optik und Haptik konnten mich überzeugen. Aber das ist letztlich für gestandene HiFi-Freaks wie mich Nebensache. Was zählt, ist der Klang. Und hier ist ein Ratschlag für alle potenziellen Käufer des Meze 99 Classics: Gebt ihm Zeit zum Einspielen! Manche halten Burn-In für ein Märchen, für psychoakustischen Kokolores, aber das stimmt nicht. Es gilt die Faustregel: Je besser ein Wiedergabegerät, desto wichtiger ist eine lange Einspielphase. Am ersten Tag dachte ich: „Meh, zu viel Bass, zu hart, zu flach, die Bühne zu klein, alles eng und wummernd.“ Da ich aber weiß, wie sehr sich Lautsprecher und Kopfhörer binnen weniger Tage verändern können und dass gerade die guten Geräte dafür gebaut sind, erst nach einiger Zeit voll aufzublühen, befeuerte ich den Meze zwei Nächte lang mit Pink Noise. Als ich ihn am dritten Tag wieder aufsetzte, tat sich eine neue Welt auf. Der Bass war immer noch sehr prominent, aber nicht mehr gewalttätig. Die Höhen machten auf und die Bühne hatte sich vergrößert. Die Mitten spielten nun klar von Bass und Höhen unterscheidbar. Das war schon ganz gut, aber erst nach zwei Wochen Betrieb lief der Rumäne zur Höchstform auf. Und ich habe regelmäßig Gegenproben mit meinen anderen Kopfhörern gemacht um sicher zu gehen, nicht einer akustischen Täuschung zu erliegen.

Zwei Wochen nach der ersten Inbetriebnahme traue ich mich folgendes zu sagen: Der 99 Classics von Meze ist der beste geschlossene Kopfhörer unter 1.000 Euro, den ich bislang gehört habe. Er übertrumpft den mehr als doppelt so teuren Sony MDR-Z7 und lässt den etwa gleich teuren Bose QuietComfort 35 weit hinter sich. Er ist in meinen Ohren klar besser als der Beyerdynamic DT-770 und übertrifft meiner Meinung nach sogar dessen Nachfolger, den DT-1770. Auch der Beats Studio 3 hat tonal das Nachsehen. Wohlgemerkt: Das ist mein subjektiver Eindruck. Anderen Leuten gefallen andere Soundsignaturen, aber ich habe nicht nur mein persönliches Gefühl auf meiner Seite, sondern auch jahrelange Erfahrung mit Kopfhörern. Und ich bin nicht allein. Auch namhafte Kollegen wie Tyll Hertsen von Innerfidelity oder Zeus von „Z Reviews“ loben den 99 Classics als überaus gelungenen Kopfhörer. Der Youtuber „metal571“ hingegen mokierte sich über zu viel Bass und einen verwaschenen Sound. Und genau das hätte ich auch gesagt, hätte ich dem 99 Classics nicht die Einspielzeit gegeben, die er braucht. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Lasst hochwertigen Wiedergabegeräten ein paar Tage, besser noch Wochen Zeit, bevor ihr sie beurteilt! HiFi-Geräte sind nicht dafür gebaut, sofort aus der Fabrik heraus ihr volles Potenzial zu zeigen. Die brauchen Zeit, um warm zu laufen, um die Membranen und Treiber zu entspannen. Was direkt aus dem Karton super klingt, ist meistens Blendwerk, das mit billigen Tricks um Aufmerksamkeit heischt. Wenn ein Gerät aber mit der Zeit immer besser wird, ist das ein guter Hinweis auf hohe Qualität.

Der Klang im Detail

Wie würde ich den Klang des 99 Classics beschreiben? Er ist nicht neutral. Wer möglichst große Neutralität will, muss sich anderswo umschauen. Der Meze hat eine klar hörbare Eigensignatur, die eher ins Warme tendiert, ohne aber zu dunkel oder trocken zu sein. Die Frequenzmessungen zeigen zwar ein sehr neutrales Verhalten, das heißt aber nicht, dass der Meze alles exakt so wiedergibt, wie es im Studio aufgenommen wurde. Er bringt seine eigene Charakteristik ein – und die ist wundervoll. Zum Mischen würde ich hin nicht verwenden, aber das ist auch gar nicht seine Ansage. Er will Freude an der Musik bereiten, und das tut er im Überfluss. Er hat, da er ein geschlossener Kopfhörer ist, nicht eine so breite Bühne wie viele offene Kollegen, aber sie ist auch nicht beengend. Ortbarkeit und Auflösung sind gut bis sehr gut. Nach einer längeren Einspielzeit zeigt sich dieser Kopfhörer als ungeheuer musikalisch und klingt wie eine gut abgestimmte High-End-Stereoanlage. Ist er besser oder schlechter als diverse andere Hörer? Das ist einerseits Geschmackssache (ich halte ihn für besser als viele andere Headphones) und andererseits muss man sagen: In dieser Preisklasse gibt es bis auf wenige Ausnahmen kein „Besser“ und kein „Schlechter“ mehr. Es gibt nur mehr „anders“. Der 99 Classics ist anders als alle meine anderen Kopfhörer und bringt mich dazu, mich durch meine ganze Musiksammlung zu hören. Und DAS ist für mich der echte Beweis, es mit einem guten bis sehr guten Gerät zu tun zu haben. Musik macht Spaß und sie macht auf eine neue Art Spaß. Mit 32 Ohm Widerstand ist der Meze übrigens an jedem Smartphone ebenso gut zu betreiben wie an einem guten Verstärker.

Hörbeispiele

R.E.M.: „Drive“ (Tidal Masters, MQA). Wenn die ersten Gitarrentöne zusammen mit dem Bass erklingen, meint man beinahe sagen zu können, welche Marke von Saiten Peter Buck auf die Akustische aufgespannt hat. Michael Stipes Stimme steht im Zentrum des sich langsam steigernden Songs und man hört das Echo, das auf die Stimme gelegt wurde, sehr gut in seinen technischen Details heraus. Die Drums sind mächtig und klar definiert. Auf schlechteren Kopfhörern wirkt die Nummer gerne ein bisschen „zischelig“ und harsch. Hier aber herrscht reine Harmonie. Großartig!

Motörhead: „Lawman“ (CD). Der Meze 99 Classics baut ordentlichen Druck auf und arbeitet die dreckigen Riffs zu Beginn hervorragend heraus. Wenn das Schlagzeug einsetzt, sind Bassdrum wie auch Becken nicht nur druckvoll, sondern auch gut voneinander zu trennen, ohne das die Homogenität des Songs zerlegt würde. Lemmys Stimme klang selten besser. So muss gute Darstellung von Heavy Rock sein!

Jethro Tull, The String Quartets: „Living in the Past“ (High-Res-Flac). Der gezupfte Cello-Bass wirkt mitreißend lebendig. Die Streicher sind schön gestaffelt einzeln zu hören, ohne dass das Gesamtbild verschwinden würde. Ian Andersons Querflöte steht fest in der Mitte, fügt sich aber völlig in den restlichen Sound ein. Der 99 Classics kann also auch traditionelle Musik und Klassik sehr gut.

The Beatles: „It’s all too much“ (LP). Das Feedback-Intro kommt stark und genau so verzerrt, wie von den Fab Four beabsichtigt. Das Klatschen von Lennon und McCartney wirkt extrem lebendig, fast so, als stünde man mit ihnen im Studio. Harrisons Stimme ist klar wie Glas und seine Gitarre segelt verzerrt in den LSD-Himmel. Pauls Drone-Bass ist kraftvoll und laut, ertränkt aber den Rest des Spektrums nicht.

Pro: Ein ungeheuer gut verarbeiteter, stylisher und noch dazu extrem gut klingender Kopfhörer. Ist seine rund 300 Euro auf alle Fälle wert und kann mit wesentlich teureren Hörern nicht nur mithalten, sondern übertrifft sie oftmals sogar.

Contra: Keine klar erkennbare Rechts-Links-Markierung am Hörer. Das (gute) Kunstleder kann bei längeren Hörsessions warm werden. Manchmal ist der Bass eine winzige Spur zu unpräzise und zu massiv.

Wer ihn sich holen sollte: Jeder, der einen Kopfhörer will, der sowohl mobil als auch Zuhause HiFi-Sound genießen will und einen Hörer haben will, der aus der Masse hervorsticht.

Wer ihn ignorieren sollte: Bass-Phobiker und Leute, die nicht gerne auffallen.

Fazit: Meze Audio hat mit dem 99 Classics einen fast perfekten Kopfhörer erschaffen, der sich optisch von der Konkurrenz abhebt und soundtechnisch zum Besten gehört, was man für das Geld (und für viel mehr Geld) kriegen kann. Ich erwarte mir von Meze große Dinge in der Zukunft. Jedenfalls: Hut ab und Mulțumesc (vielen Dank auf Rumänisch) für diesen Kopfhörer! 

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Teufel REAL Blue: Exzellenter Bluetooth-Kopfhörer zum fairen Preis!

Ich weiß nicht genau, an welchen Schräubchen und Rädchen die Ingenieure bei Lautsprecher Teufel gedreht haben, aber das neue Kopfhörer-Lineup der Berliner Firma klingt nochmal einen Tacken besser als die Vorgängermodelle. Und die klangen schon durchwegs ziemlich gut. Ich habe mir den neuen „REAL Blue“ genauer angeschaut und vor allem angehört.

Look & Feel

Der REAL Blue kommt im für Teufel typischen schwarz-roten Hardcase daher. Nach dem Auspacken und erstem Befühlen fällt die hohe Qualitätsanmutung auf. Der Bügel besteht aus stabilem Metall, die ohrumschließenden Polster und die Bügelummantelung aus angenehmem Kunstleder. Verstellt man die Länge, hört man ein befriedigendes „Klick“-Einrast-Geräusch, wie man es sonst nur von wesentlich teureren Kopfhörern kennt. Der mehrfach faltbare und damit sehr mobile Hörer ist 250 Gramm leicht und entwickelt einen exakt richtigen Anpressdruck – nicht so viel, als dass er schmerzen würde, und nicht so wenig, dass er einem vom Kopf fällt, wenn man mal headbangt. Das technophil wirkende Grau der Lackierung wird um einen roten Mesch-Stoff in den Hörmuscheln ergänzt, was eine sehr schicke Kombi ergibt. Der REAL Blue ist definitiv herzeigbar, kann aber mehr als viele reine Fashion-Cans.

Blue & Tooth

Ausgestattet mit dem neusten Bluetooth-Standard lässt sich der neue Teufel problemlos an jedes Smartphone koppeln. Ein Akku mit einer Dauer-Laufleistung von bis zu 30 Stunden sorgt für langen kabellosen Musikgenuss. Geht dem Akku doch mal der Saft aus, kann der REAL Blue auch mit dem beiliegenden Kabel verbunden werden. Toll gelöst: Alle Funktionen lassen sich mit einem in die rechte Ohrmuschel integrierten Touchpad bedienen. Man wischt mit dem Finger nach oben und der Ton wird lauter. Wischt man nach unten, wird’s leiser. Einmal Antippen und die Musik pausiert. Noch mal antippen und es geht weiter. Das und mehr funktioniert nach kurzer Eingewöhnungsphase problemlos und intuitiv. Auch die Sprachsteuerung mittels Siri oder Google Now klappt prima. Die Freisprecheinrichtung mit eingebautem Mikrophon werkelt tadellos und an beiden Enden der „Leitung“ kommen Gespräche klar und verständlich rüber.

Der Sound

Teufel verbaut im REAL Blue hochwertige Magnet-Neodym-Treiber, die technisch den Anforderungen für High-Definition-Sound genügen. Sie decken ein Spektrum zwischen 20 und 20.000 Hertz ab und haben eine Empfindlichkeit von 16 Ohm. Für den Praxistest habe ich den Hörer an meinem Smartphone und an meiner Anlage getestet, wobei ich als Quelle den Streaming-Dienst Tidal nützte. Zuerst eine Info für Sound-Feinschmecker: Das Maximum holt man aus dem REAL Blu wie bei allen Kopfhörern über den Kabelanschluss heraus. So gut Bluetooth inzwischen auch ist: Hört man ganz genau hin, wirkt der Sound über Kabel doch noch stellenweise ein wenig voller und detaillierter.

Beim Song „Morning“ von Beck mauert der REAL Blue ein hervorragendes Bassfundament, lässt die Tieftöne aber nicht in den Gesamtmix bluten, sondern hat sie bestens unter Kontrolle. Die akustischen Gitarren wirken höchst natürlich und der mehrstimmige Gesang im Refrain wird schön aufgefächert. Man kann tief in die Aufnahme „hineinschauen“, ohne dass dabei der Gesamtkörper der Musik verloren ginge. So soll das sein, das zeichnet gute Kopfhörer aus.

Hysteria“ der britischen Band Muse ist mit seinen schnellen und extrem tiefen Elektro-Bass-Attacken eine Herausforderung für jeden Kopfhörer. Der REAL Blue kommt damit erfreulicherweise sehr gut zurecht. Das Tieftongewitter wirkt brachial und realistisch. Und wieder separiert der Teufel das tonale Spektrum exzellent.

Papercut“ von Linkin Park serviert der REAL Blue beinahe als Live-Erlebnis. Die brutalen E-Gitarren-Riffs stehen fast physisch im Raum, der komplexe Bass wummert bedrohlich im Untergrund und die Stimme des Shouters hat exakt die Körperlichkeit, die sie auf einem guten Wiedergabegerät haben muss.

Hut ab vor Lautsprecher Teufel! Der REAL Blue ist eine tolle Weiterentwicklung und ein neuerlicher Schritt in Richtung HiFi-Oberklasse.

Pro: Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Enorm stark in den Bässen, ohne den Sound zu verfälschen. Überragend gute Darstellung von Mitten und Höhen.

Contra: Kein active noise cancelling (dafür gibt es den REAL Blue NC). Für den Preis von 169,99 Euro gibt es nichts zu meckern. Besser klingende Bluetooth-Kopfhörer sind schwer zu finden. Es gibt welche, die luxuriöser verarbeitet sind, aber ob die den oftmals dreifachen Aufpreis wert sind?

Zusammenfassung: Lautsprecher Teufel bietet mit dem REAL Blue ein technisch ausgereiftes Produkt für den mobilen Hörspaß zu einem fairen Preis an. Was die schicke Optik verspricht, hält auch der Sound. Ganz klar eine der besseren Neuerscheinungen am Kopfhörer-Markt.

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Teufel Definion 5 – Bezahlbares High End

Zu Lautsprechern und Kopfhörern gibt es fast so viele Meinungen, wie es Ohren gibt. Bei höherpreisigen Geräten gibt es dann noch so was wie Audio-Sekten, die bestimmten Marken oder Bauarten ewige Treue schwören und sich in Internet-Foren mit Anhängern anderer Marken und Bauarten erbitterte verbale Schlachten liefern. Ich halte das anders. Gutes Audio-Equipment erkennt man meiner Meinung nach so: Man möchte damit seine gesamte Musiksammlung von vorne bis hinten neu hören, weil alles besser klingt als zuvor. Das unterschiedet gute von schlechten Boxen oder Kopfhörern, nicht aber der Preis, der Markenname oder das Bauprinzip.

Mit den Definion 5 von „Lautsprecher Teufel“ höre ich mich seit gut einem Monat durch all meine Platten, meine digitale Musikbibliothek und verlustfreie Streamingdienste. Ich höre meine Musik, wie ich sie nie zuvor gehört habe. Zwar hatte ich durchaus damit gerechnet, dass die Definion 5 eine ganz gute Box ist, die große Überraschung aber war, dass sie meine bisherigen Wiedergabegeräte dermaßen klar auf die Ränge verweist, dass dabei ein Wow-Effekt eingetreten ist, wie ich ihn zuletzt beim Umstieg von billigen Regalboxen auf große Standlautsprecher hörte oder als ich erstmals Kopfhörer der 200-Euro-Preisklasse gekauft hatte. 20 Jahre lang taten meine Lautsprecher „Elac Limited One“, die fast baugleich mit der Edition One sind und in Hi-Fi-Kreisen einen sehr guten Ruf haben, beste Dienste. Mit Kopfhörern wie dem Rs2e von Grado, dem HD-800 von Sennheiser und dem Beyerdynamic T1 meinte ich überdies, all meine Bedürfnisse nach möglichst hoher Auflösung abgedeckt zu haben. Überraschenderweise lösen die Definion 5 ein ganzes Eck besser auf und ich höre mit ihnen Details, die mir sogar mit den genannten Musik-Mikroskopen entgangen waren. Und im Vergleich zu den Elac-Boxen, die unter Einberechnung der Inflation damals gleich viel kosteten wie die Teufel heute, sind die Definion 5-Speaker in etwa vier Mal so gut. Ich schreibe das nicht leichtfertig und ich werde im Folgenden versuchen, es etwas genauer zu begründen.

PR-Gelaber und Unboxing

Die Berliner Firma Teufel brachte die Definion 5 vor knapp vier Jahren als ihr neues Top-Modell auf den Markt und sparte bei dessen Vorstellung nicht mit Eigenlob und Superlativen. Die Box sei ein „brutal anderer Lautsprecher, der sich über Konventionen hinwegsetzt“, hieß es im Pressetext. Es handle sich um einen „High-End-Stereo-Lautsprecher mit kompromisslos unverfälschter Wiedergabe“. Die patentierte „Synchronized Coaxial Acoustic-Technik“ sorge für eine Wiedergabequalität, die „in puncto Räumlichkeit, Feindynamik und Präzision neue Maßstäbe“ setze. Klingt hübsch, aber was steckt hinter dem Marketing-Sprech? Und hält das Produkt, was die PR verspricht?

Teufel liefert die Boxen wie versprochen bis zur Haustür. Wenn die Haustür aber wie in meinem Fall drei Stockwerke weiter unten ist und das Haus keinen Lift hat, kann das mit diesen Brocken, die mit Verpackung fast 35 Kilo wiegen, zu einem logistischen Problem werden. Ich konnte den Lieferwagenfahrer zum Glück überreden, mir beim Hinauftragen behilflich zu sein. Schält man die Definion 5 aus der Verpackung, fällt einem sogleich die exzellente Verarbeitungsqualität auf. Das Gehäuse der Box besteht aus MDF, also einem mitteldichten Holzwerkstoff, der von vielen Herstellern wegen seiner hohen Biege- und Zugfestigkeit für den Bau hochwertiger Lautsprecher verwendet wird. Die weiße Lackierung ist makellos und wird auf der Vorderseite durch eine schwarze Blende ergänzt. Nirgendwo sieht man eine Schraube, nicht einmal die Anschlüsse auf der Rückseite stecken, wie bei den meisten anderen Herstellern, in einer aufgeschraubten oder geklebten Fassung, sondern kommen direkt aus dem Gehäuse. Die Standfüße bestehen aus massivem Metall und ruhen auf Puck ähnlichen Absätzen, die die Box sehr gut vom Boden entkoppeln. Wie von Teufel gewohnt, ist die Montage selbsterklärend und kann auch von einer Person bewältigt werden. Die Definion 5 hat vier Anschlüsse. Man kann sie also mit einem Verstärker allein betreiben oder auch mit einem Verstärker und einem Vorverstärker.

Das Erblühen einer Schönheit

Natürlich war ich ganz heiß darauf, die Definion 5 sofort anzuschließen und Probe zu hören. Nach der Verkabelung legte ich auch gleich los und speiste den Verstärker mit einer elend langen Playlist – und ging dann für einige Stunden außer Haus. Warum? Weil die Teufel-Spitzenboxen wie alle anderen High-End-Tonwiedergabegeräte direkt aus dem Karton nicht fair beurteilt werden können. Sie brauchen eine Einspielzeit, die mindestens 24 Stunden betragen sollte, besser noch 50. Direkt nach dem Anschließen klang die Definion ein bisschen so wie ich am frühen Morgen – theoretisch auf Zack, aber irgendwie lustlos und fast beleidigt, in die Gänge kommen zu müssen. Das Schöne daran ist, dass die Box stündlich besser wird und man dann live dabei sein kann, wie sie nach und nach aufblüht. Nach ungefähr zwei Wochen war der Speaker so weit, dass ich anfangen konnte, ihn fair zu kritisieren.

Äußere Werte

Die Definion 5 ist wirklich hübsch. Trotz ihrer 1,1 m Höhe, 21,8 cm Breite und 37 cm Tiefe wirkt sie zwar nicht direkt mager, aber doch schlank genug, um nicht das Wohnzimmer zu dominieren als wäre sie eine übergewichtige Hausbesetzerin. Der Corpus der Box verjüngt sich nach hinten trapezförmig. Eine schöne Abwechslung zur jahrzehntelang vorherrschenden rechteckigen Form, die nicht nur originell aussieht, sondern auch stehende Wellen und innere Reflexionen minimieren soll. Eine Form übrigens, die andere Hersteller von High-End-Boxen auch immer öfter verwenden. Auf der Vorderseite lachen uns drei Tieftöner sowie die in Koaxialbauweise ineinander verbauten Mittel- und Hochtöner an. Teufel findet das Front-Design offenbar so gelungen, dass man gar keine Abdeckung beilegt. Ich vermisse sie nicht, aber wer kleine Kinder oder Katzen zuhause hat, riskiert eventuell, dass diese sich an den empfindlichen Treibern zu schaffen machen. Abgesehen davon ist die Box optisch unaufdringlich und sollte sich in jeden Wohnraum harmonisch einfügen können. Die Definion 5 ist eine geschlossene Box, hat also keine Bassreflex-Öffnung.

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Innere Werte

Die Definion 5 schluckt eine Dauerbelastung von 250 Watt und kann als Impulsbelastung auch 100 Watt mehr ertragen. Die Empfindlichkeit liegt bei 85 dB. Diese Zahlen bedeuten, dass man zum Anfeuern der Box einen Verstärker braucht, der mindestens 50 Watt sinus auf zwei Kanälen leisten kann. Mit weniger Saft lässt man die ungeheuren Potenziale des Lautsprechers brach liegen. Wenn es sein muss, geht die Definion bis zu einer Lautstärke von 104 Dezibel. Ich habe die Box abwechselnd mit dem Marantz PM7005-Stereoverstärker und dem AV-Reciever VSX-930 von Pioneer betrieben. Obwohl der Marantz deutlich teurer ist als der Mittelklasse-Verstärker von Pioneer, waren die Ergebnisse nicht wie Tag und Nacht, sondern überraschend ähnlich. Und obwohl mich manche Audiophile jetzt kreuzigen werden: Ich hatte den Eindruck, dass die 165 Watt, die der AV-Reciever an die Boxen lieferte, einen kleinen Tacken besser klangen als die 80 Watt vom dezidierten Stereo-Verstärker.

Den Frequenzgang gibt Teufel mit 42 Hz bis 22 kHz an. Am Papier klingen 42 Hz nicht nach einer Tiefbass-Orgie, und in der Tat gibt es Konkurrenzprodukte, die mit Bassreflex-Konstruktionen tiefer in den Tonkeller steigen als die Definion 5 – am Papier zumindest. In der Praxis vermisst man hier kein bisschen Bass, sondern hat es im Gegenteil mit einer der bassstärksten Boxen ihrer Preisklasse zu tun, oder genauer: ihrer Klasse. Die Definion spielt nämlich eher in der Liga von Boxen um 8.000 Euro und mehr als in der um 1.400, die sie pro Stück kostet. Die Basswiedergabe ist eines der Filetstücke dieses Lautsprechers. Der Bass ist dank der geschlossenen Bauweise extrem exakt und pegelfest und rutscht auch bei hohen Lautstärken nie ins Schwammige ab. Da gleich drei Tieftöner vorhanden sind, ergibt sich in Summe eine große Membranfläche, aber die Aufteilung auf drei kleinere Töner hat den Vorteil der viel höheren Präzision. Die Tieftöner spielen auch recht weit in die Höhe, was den Übergang zu den Mitten ungeheuer flüssig macht und vor allem Stimmen eine äußerst lebensechte Charakteristik verleiht.

Meisterklasse

Der technische Höhepunkt der Definion 5 ist freilich ihr Koaxialreiber. Auf Deutsch heißt das, dass Mittel- und Hochtöner im selben Chassis stecken. Teufel ist hier sogar noch weiter gegangen als viele andere Hersteller und hat für den Hochtöner eine Flachmembran verwendet, die ohne mechanische Abgrenzung sozusagen frei im Mitteltöner schwebt. In der Praxis ergibt das zwei große Vorteile gegenüber anderen Konstruktionen. 1. kommen Mittel- und Hochtöne zeitgleich beim Hörer an und 2. nähert man sich damit dem Lautsprecher-Ideal der Punktschallquelle an. Punktschallquellen sind seit langem der heilige Gral der Lausprecher-Baukunst. Vereinfacht gesagt ist eine Box, die nahe an der Punktschallquelle dran ist, in der Lage, einen Raum fast unabhängig von ihrer Positionierung mit Klang zu füllen. Die Definion 5 ist zwar, wie alle anderen Lautsprecher unter 100.000 Euro, keine „echte“ Punktschallquelle, aber sie ist so nahe dran, dass man es hören muss, um es zu glauben. Das Koaxial-Prinzip verwenden ansonsten nur Kleinserienhersteller oder Edel-Firmen wie Tannoy und Vienna Acoustics. Ein Bekannter von mir besitzt Tannoy-Lautsprecher der „Cambridge“-Reihe, die pro Stück 25.000 Euro kosten. Ich hoffe, er ist nicht beleidigt, falls er das hier liest, aber die Definion 5 steht diesen Luxus-Modellen kaum nach. In der Tat sind diese mehr als zehnmal so teuren Tannoy jene Boxen (die ich kenne), die der Definion am ähnlichsten klingen. Die große Leistung von Teufels patentierter „Synchronized Coaxial Acoustic-Technik“ ist das nahezu perfekte Timing der Box. Da wabert kein Bass den Mitten hinterher, da kommt keine Mitte vor den Hochtönen beim Hörer an – alles ist wie aus einem Guss und verleiht der Musik dadurch eine Lebhaftigkeit, ein Live-Feeling, wie es nur ganz wenige andere Boxen können und in dieser Preisklasse vielleicht keine andere.

The Sound of Awesome

Soviel zur Theorie. In der Praxis verblüfft mich die Definion 5 mit einer Linearität und Neutralität, die atemberaubend ist. Die Grundabstimmung der Box ist zwar leicht warm, also mit einer sanften Bassbetonung, aber weder ist das ein zu groß geratener Ghettoblaster noch verschluckt der Lautsprecher Details in den Mitten und Höhen. Wenn ich die Definion 5 mit einem Satz beschreiben müsste dann vielleicht so: Sie klingt wie ein extrem guter Monitor, der aber auch Spaß macht. Hierzu eine kleine Warnung: Die Definion 5 ist definitiv „audiophil“. Sie ist also nix für Leute, denen es nur auf möglichst lautes „Bummbumm“ ankommt. Der Bass ist zwar mächtig, aber nicht aufdringlich. Das merkt man, wenn man die Box mal richtig aufdreht. Da ist kein unangenehmes Wabern oder Grummeln, man kriegt keine Schläge in die Magengrube verpasst. Eben wie bei sehr guten Monitoren meint man fast, dass kaum ein Unterschied zwischen laut und leise zu vernehmen ist – bis man plötzlich merkt, dass der Sessel unter einem vibriert und die anderen Möbel unter dem Schalldruck leise Stöhngeräusche von sich geben. Während die Box nichts aus der Ruhe bringt und der Zuhörer auch bei hohen Pegeln enorme Präzision geboten kriegt, rückt wahrscheinlich schon die Polizei an wegen einer Ruhestörungs-Meldung.

Die Definion 5 macht Bass, wenn die Aufnahme Bass hat, bläst aber keinen bassarmen Track zu einem vermeintlich basslastigen auf. Das gilt auch für alle anderen Frequenzen. Wie jeder gute Lautsprecher oder Kopfhörer macht die Teufel-Box aus schlecht aufgenommener Musik keine gute. Sie ist zwar relativ gnädig, aber kann ihre Natur als High-End-Gerät halt nicht verbergen. Klar, sie spielt auch schlecht gemasterte Musik in schlechter MP3-Qualität ab, aber sie verhält sich dabei ein bisschen so wie eine Opern-Diva, die man bittet, doch mal „An der Nordseeküste“ zu singen. Sie macht es, aber sie gibt subtil zu erkennen, dass sie zu Höherem bestimmt ist. Richtige Spielfreude kriegt sie mit gut gemischtem Material in guter Qualität. Wer behauptet, zwischen MP3 und Lossless oder High-Res keinen Unterschied hören zu können, wird von der Definion eines Besseren belehrt. Um ein praktisches Beispiel zu bringen: Klar klingt Spotify auch mit der Definion super, aber wenn man dann einen verlustlosen Streamingdienst wie Qobuz oder Tidal verwendet, merkt man Unterschiede, die man mit schlechteren Boxen nie gehört hätte. Sporify klang für mich mit der Definion 5 okay, aber halt auch ein bisschen „falsch“, gleichzeitig zu dünn und wie mit Loudness aufgeblasen. Auf Tidal oder Qobuz geschwenkt kriegten dieselben Tracks plötzlich viel mehr Körper und Energie.

In der Praxis

Hier nun ein paar Beispiele dafür, wie sich die Definion 5 im echten Leben schlägt.

Nirvana: „Smells Like Teen Spirit“ (CD). Unfassbar! Ich bin wieder 20 Jahre jung. Krist Novoselic‘ drängende Basslines und Dave Grohls Drums knallen so wuchtig in den Raum, dass ich meine Kinder freiwillig dem Jugendamt übergeben würde, wenn ich welche hätte. Kurt Cobains Gitarre sägt und schreit und jault bei den berühmten Breaks jammervoll auf. So wurde das aufgenommen, so gibt es die Definion 5 auch wieder. Ich drehe die Lautstärke immer weiter auf und werde vom Sound richtiggehend in den Sessel gepresst, ohne aber das Gefühl zu haben, bedrängt zu werden.

Richard Thompson, Doppelalbum „You? Me? Us?“ (High Res). Die zweite Platte, auf der Thompson nur von akustischer Gitarre, einem Kontrabass und manchmal einer Geige begleitet singt, ist ein packendes Erlebnis. Es mag wie ein abgenudeltes Klischee klingen, aber das hörte sich tatsächlich so an, als säße Thompson wenige Meter entfernt im gleichen Raum auf einem Barhocker, zwei Meter links von ihm der Mann mit dem Stehbass und in der Mitte die Violinistin. Man hört das so intensiv und lebendig, als wäre es tatsächlich live. Jede kleinste Modulation der Stimme, jedes Vibrato, jede Anstrengung bei höheren Tönen transportiert die Definion 5 so glaubhaft, dass man fast meint, Thompsons Stimmbänder anschwellen und wieder entspannen zu sehen.

Bei „All Ireland“ von Roy Harper, zugespielt als 16-Bit/44,1 kHz-CD, hat man bei geschlossenen Augen tatsächlich den Eindruck, der Künstler sitze weniger Meter vor einem auf einem Barhocker. Jeder Akkord der zwei akustischen Gitarren, jede einzelne Saite ist exakt zu hören und die Stimme des Sängers bekommt einen Corpus, der auf schlechteren Boxen schlicht nicht zu vernehmen ist.

How Does It Feel“, ebenfalls von Roy Harper (Flac). Am Ende des Stücks spielt eine zweite Gitarre eine Reihe von einzelnen Töten, die auch gute Lautsprecher gerne halb verschlucken. Die Definion 5 arbeitet jeden einzelnen dieser Töne ganz klar heraus und gibt den Anschlägen genau das Volumen, das sie haben und brauchen.

The Beatles, „Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band“, Bluray. Ich höre akustische Gitarren im Mix, die ich nie zuvor gehört habe. Wenn Lennon, McCartney und Harrison im Chor singen, ist jede Stimme eindeutig herauszuhören und zuzuordnen. Die ganze Platte wirkt warm und lebendig. Zuletzt hörte ich sie so, als ich sie zum allerersten Mal hörte.

Richard Strauss, „Also sprach Zarathustra“, London Symphony Orchestra, LP. Die Definion bewältigt die enormen Dynamiksprünge mühelos. Ich schließe die Augen und sehe das gesamte Orchester vor mir, höre auch die hinteren Reihen ganz klar. Die Pauken fetzen mächtig, sind aber unter Kontrolle, und kein Instrument säuft im Mix ab.

War, „Smile Happy“, CD. Diese Aufnahme der Funk-Soul-Combo aus Kalifornien erstrahlt auf der Definion 5 in einem Glanz, wie ich ihn nicht mehr kannte, seit ich die Nummer einst in einer Diskothek gehört hatte. Von der Bassdrum zu den Snares, vom Bass zu den harmonierenden Saxophonen und Trompeten – das hat einen Körper, das ist massiv! Und wie bei anderen Stücken auch bedrängt einen die Teufel-Box nicht, sondern nimmt einen in den Arm, umschmeichelt einen von allen Seiten mit Klang. Ja, das ist ganz groß, das ist ein Erlebnis.

Und Filme? Ja, auch Filme!

Ich betreibe mit der Definion 5 ein 4.0-Surround-System für Filme und Multichannel-Musik. Die Firma Teufel wird das jetzt nicht gerne hören, aber die Stimmwiedergabe bei der Definion ist dermaßen gut, dass ich in meinem gut 20 Quadratmenter großen Zimmer keinen Center-Speaker vermisse. Stimmen sind sehr konturiert und klar gezeichnet. Und der Bass reicht mir persönlich völlig aus, so dass ich auch nicht dringend einen Subwoofer brauche. 5.1-Systeme oder 7.1, 9.1 oder gar Dolby Athmos machen ehrlich gesagt in einem relativ kleinen Raum nicht viel Sinn. Wer einen Raum extra für Heimkino hat, der braucht natürlich Center und Subwoofer, aber für den gelegentlichen Filmgenuss im Wohnzimmer? Nope, braucht man nicht. Da die Definion durch ihre Koaxial-Technik sehr breit strahlt, muss man auch nicht im exakten Sweetspot sitzen, um das volle Stereo- oder Surround-Erlebnis zu kriegen. Wer das bodenlose Grummeln eines Subs vermisst, sollte sich hier klar sein, dass er einen Woofer braucht, der mindestens 800 Euro kostet. Ansonsten riskiert man, dass die wunderbare Soundlandschaften, die die Definion erschließen, durch einen schlampigen Tiefton versaut werden.

Chinesische Wertarbeit

Die Definion 5 sind Made in China. Von deutschen Ingenieuren entworfen und patentiert, aber halt nicht in Deutschland zusammengebaut. Mich persönlich stört das nicht, denn ich finde es gut, dass auch Chinesen einen Job haben und ihre Familie ernähren können. Und dass sie sich irgendwann die gleichen Lautsprecher kaufen können wie wir Westler. Made in China ist außerdem schon lange kein Indiz für Qualitätsmängel mehr. Teufel gewährt nicht ohne Grund zwölf Jahre Garantie auf die Definion 5. Zu bedenken ist auch, dass durch den Direktvertrieb, den Teufel als Verkaufsmodell gewählt hat, und die Herstellung in Fernost Kosten wegfallen, die durchaus 100 Prozent des Endpreises ausmachen können. Für manchen Lautsprecher, der Made in Germany ist und den man im Laden nebenan kauft, zahlt man also das Doppelte. Das kann auch Vorteile haben. Neben allfälligem Wirtschafts-Partriotismus auch den, dass man dann halt einen Serviceberater in der Nachbarschaft hat. Allerdings ist der Teufel-Kundenservice ziemlich auf Zack.

Compared to what?

Ist die Definion 5 also die beste Box in ihrer Preisklasse? Das traue ich mich nicht zu sagen, weil ich zwar einige Konkurrenzprodukte gehört habe, aber nicht alle, und weil der Geschmack der Menschen sehr unterschiedlich ist. Was ich aber zu behaupten wage, ist dies: Teufels teuerster Lautsprecher geht ganz klar in Richtung High End und Audiophilie und ich kenne einige Speaker, die deutlich mehr kosten und deutlich weniger können. Wer wissen will, ob die Definion 5 was für ihn ist, sollte sie Probe hören, und zwar nicht eine halbe Stunde lang, sondern ein paar Wochen lang. Teufel bietet ja eine achtwöchige Probezeit an, während der man die Lautsprecher einfach zurückschicken kann. In der Preisklasse der Definion habe ich zum Beispiel die Nuvero 110 und 140 der Firma Nubert gehört. Das sind tolle Lautsprecher, aber für meinen Geschmack klangen die ein bisschen zu hell. Die Klipsch Palladium PF-37F hat auch ihre Stärken, zum Beispiel eine extreme „Brutalität“ der Darbietung vor allem bei elektrischen Gitarren, geht aber bei Klassik eher unter und es ist recht schwer, sie richtig im Hörraum zu positionieren. Am ähnlichsten und ähnlich angenehm klangen für mich noch die Tannoy, aber die kosten das Zehnfache der Teufel. Ein kleiner Geheimtipp sind die Teufel Definion 3. Die habe ich auch gehört und sie bringen in etwa 75 Prozent der Definion 5, kosten aber 1.000 Euro weniger. Die Definion 3 hat allerdings auch nicht die tollen massiven Standfüße, die die Definion 5 hat, und 25 Prozent Sound sind halt 25 Prozent Sound.

Teufel Definion 5, Preis: 2.799.99 Euro (Paar). Erhältlich bei https://www.teufel.de

Teufel Mute BT: In der Ruhe liegt die Kraft

Auf Knopfdruck die Welt zum Schweigen bringen – das wär schon was! Ein Politiker hebt an, um von uns Blut, Schweiß und Tränen zu fordern und für sich mehr Gehalt? Knopfdruck! Beim Feierabendbier reden die Kollegen immer noch von nix anderem als der Arbeit? Knopfdruck! Um sechs Uhr morgens heult beim Nachbarn der Hund? Knopfdruck! Nun, ganz so weit ist die Technologie der Geräuschunterdrückung noch nicht, aber aktive noise cancelling in modernen Kopfhörern kann schon so einiges und erfreut sich in unserer lauten Welt immer größerer Beliebtheit. Aus diesem Grund habe ich mir den neuen „Mute BT“ der Berliner Firma Lautsprecher Teufel angehört. Für 199,99 Euro verspricht dieser Neuzugang am Kopfhörermarkt kabellosen High-Def-Musikgenuss mit Bluetooth 4.0-Verbindung, eine aktive und sich an die Umgebung anpassende Geräuschunterdrückung, eine Freisprecheinrichtung und einen Akku mit hohem Durchhaltevermögen (dank eines mitgelieferten Kabels verstummt der Hörer auch dann nicht, wenn dem Akku doch mal der Saft ausgehen sollte).

Der Mute BT kommt mit einigem Zubehör daher. Neben Akku, Ladekabel mit Mini-USB-Anschluss, Anschlusskabel und Flugzeugadapter findet sich im Karton auch eine schicke Transportbox in Teufels Hausfarben Schwarz und Rot. Der Akku ist wechselbar, was die Langlebigkeit des Produkts erhöhen sollte. Der erste Eindruck beim Unboxing: Alles hübsch aufgeräumt und dort, wo man es vermuten würde. Nach einer ersten Akkuladung nehme ich die Bedienungsanleitung zur Hand und richte das Gerät ein. Ich verbinde es per Bluetooth mit meinem Android-Smartphone und einem iPad und habe das erste Aha-Erlebnis: Im Unterschied zu manchen Konkurrenzprodukten funktioniert das alles auf Anhieb und ist in der Anleitung so logisch erklärt, dass selbst Leute ohne viel Technik-Affinität sofort zurecht kommen sollten. Die Bedienungsanleitung ist die beste und verständlichste, die mir bislang bei einem technischen Gerät untergekommen ist. Da merkt man wohl immer noch die Erfahrung, die Teufel einst sammeln konnte, als die Firma in den 70er Jahren als Versenderin von Lautsprecher-Bausätzen anfing. An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Das Produkt ist zwar nicht protzig oder über alle Maßen edel, aber durchaus schick und stabil. Der Teufel Mute BT wirkt auf mich ein bisschen wie der Studiomusiker im Vergleich zum Popstar – er trägt keine auffälligen Glitzerklamotten, kann dafür aber spielen.

Sound und Komfort

Und wie der spielen kann! Ich habe ja schon den Teufel Real Z sehr gut gefunden, aber der Mute BT gefällt mir fast noch eine Spur besser. Wobei das eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, denn die beiden Hörer verfolgen unterschiedliche Konzepte. Der Real Z ist ein halboffener Hörer, der Mute BT ein geschlossener. Die geschlossene Bauart sorgt im Zusammenspiel mit 40-mm-HD-Treibern und Neodym-Magneten für einen sehr satten, aber nie breiigen Klang. Dank einer leichten Bassbetonung macht dieser Teufel sehr viel Spaß mit elektronischer Musik und Hiphop, aber er ist keineswegs auf diese Genres eingeengt. Die Firma Lautsprecher Teufel bewirbt gerne und zurecht die schöne Darstellung der Bässe, aber ich persönlich finde das klangliche Gesamtbild noch eine Spur beeindruckender als den Tieftonbereich allein. Zu Testzwecken höre ich mir das Album „Sweet Child“ der britischen Folkrock-Band Pentangle an. Deren Ensemble-Spiel mit jazzigem Stehbass, einer Sopranistin und einem  Bariton an den Lead-Vocals, zwei von echten Könnern bediente Gitarren und einem experimentierfreudigen Schlagzeug zeigt rasch die Stärken und Schwächen von Lautsprechern und Kopfhörern auf. Der Mute BT meistert die Herausforderung mühelos. Der Stehbass kommt wuchtig und physisch rüber, überdeckt aber nicht den Rest des Klangfelds, sondern untermauert ihn mit genau der richtigen Dosis Power. Die Höhen, zum Beispiel Windspiel und Hi-Hats, sind klar und deutlich und zischen nicht unangenehm. Die Mitten sind die eigentliche Überraschung, denn die präsentiert der Mute BT so schön und baut sie dermaßen hübsch ins Gesamtbild ein, dass man stellenweise meint, einen Kopfhörer um 600 Euro auf den Ohren zu haben. Der Mute BT ist hierbei nur das neueste Beispiel für einen erfreulichen Trend bei Kopfhörern von Teufel – die Teile klingen viel besser, als sie es ihrer Preisklasse gemäß eigentlich „sollten“, und sie gehen immer stärker in Richtung Audiophilie. Sie vergessen dabei aber nie, warum wir Geld für Lautsprecher und Kopfhörer ausgeben, nämlich um Musik, Hörspiele und Filme zu genießen, nicht um sie zu sezieren. Teufels Produkte richten sich an Consumer, nicht an Toningenieure, und das ist als Lob gemeint, denn so mancher Kopfhörer, der für das Abmischen von Musik gemacht wurde, zeigt einem zwar noch das allerletzte Detail der Musik, macht aber keinen Spaß, weil er die gezeigten Einzelteile nicht zu einem flüssigen Ganzen zusammenfügt. Der Teufel Mute BT ist ein Spaßgerät, das aber auch die Ohren von Audio-Fetischisten nicht beleidigt. Kurz: Er findet die richtige Mischung zwischen hoher Auflösung und Musikalität. Der Tragekomfort ist gut bis sehr gut. Anfangs ist der Anpressdruck ein bisschen forsch, aber das sollte sich nach einiger Zeit geben. Das Kunstleder liegt angenehm auf den Ohren. Wie bei allen geschlossenen Kopfhörern kann es bei langen Hör-Sessions zu einer gewissen Wärmeentwicklung unter den Ohrmuscheln kommen. 

Die Rauschunterdrückung funktioniert mit dem Mute BT ausgezeichnet. Der Teufel ist schon dank seiner geschlossenen Bauweise recht gut gegen Außengeräusche abgeschirmt. Aktiviert man das Aktive Noise Cancelling, sorgt er mit Gegenschall dafür, dass vor allem monotone Geräusche wie das Brummen im Flugzeug, das Rauschen des Großstadtverkehrs oder sirrende Ventilatoren recht effektiv ausgeblendet werden. Zu 100 Prozent geht das natürlich nicht, aber das schafft auch kein anderer Kopfhörer. Wer oft mit Zug oder U-Bahn fährt, wird die Geräuschunterdrückung schnell zu schätzen lernen. Der Akku, der Bluetooth und Noise Cancelling mit Energie versorgt, hält erstaunlich lange. Ich musste ihn während einer Woche intensiven Testens nie aufladen, hatte aber die Geräuschunterdrückung nur selten aktiviert. Schaltet man alles ein, was es einzuschalten gibt, also Bluetooth und Rauschunterdrückung, sollte der Mute BT immer noch rund 28 Stunden im Dauerbetrieb durchhalten, was ein hervorragender Wert ist. Anrufe annehmen oder Siri/Google Now bedienen funktioniert klaglos und unkompliziert mittels Tasten an der linken Ohrmuschel. So soll das sein!

Pro: Ein Preis-Leistungs-Wunder, das wirklich hervorragend klingt und eine überzeugende aktive Geräuschunterdrückung an Bord hat. Die Hohe Laufzeit des Akkus, der noch dazu auswechselbar ist, und das umfangreiche mitgelieferter Zubehör runden das Angebot ab. Dank des im Zubehör enthaltenen Kabels spielt der Kopfhörer auch bei leerer Batterie weiter. Es wird schwer sein, zu dem Preis etwas Gleichwertiges zu finden.

Contra: Gegen den Mute BT kann man nicht viel vorbringen. Vielleicht sagt das schlichte und klare Design nicht jedem zu.

Zusammenfassung: Der Mute BT von Teufel ist ein ausgezeichneter Bluetooth-Kopfhörer mit aktivem Noice Cancelling, der klanglich mit wesentlich teureren Produkten mithalten kann und daher eine echte Empfehlung für Leute ist, die ihre Musik, Filme oder Hörspiele gerne unterwegs hören (müssen), dabei aber nicht auf hochwertigen Klang verzichten wollen.

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Sony MDR-Z7: Audiophiler Spaßmacher

Mit dem MDR-Z7 hat Sony ein Kopfhörer-Spitzenmodell im Angebot, das um einen Platz auf dem Siegespodest der besten Hörer mitrittert. Ob er seinen Preis wert ist, zeigt folgender Test.

Lange vor Apple war Sony der erste Konzern, der nicht nur markentreue Kunden, sondern richtige Fans hatte. Ein Sony-Fanboy oder -girl war in die japanische Firma fast ein bisschen verliebt und kriegte Herzklopfen, wenn diese ein neues Produkt vorstellte. Diese Zuneigung war nicht ganz irrational, denn Sony stand für fortschrittliche Technik, verpackt in eine unverwechselbare Formensprache. In den Jahren 2000 bis 2010 schwächelte der Elektronik-Gigant und enttäuschte viele Fans mit einer allzu breit aufgestellten Produktpalette und unentschlossenem Design. Seit 2012 sorgt eine Qualitätsoffensive und eine Konzentration auf die Kerngeschäfte Unterhaltungselektronik, Smartphones und Konsolen aber für ein Comeback. So gehören etwa die neuen 4K-Fernseher von Sony zu den besten und schönsten, die man derzeit kaufen kann, und die Smartphones der Z-Reihe stehen der Konkurrenz in nichts nach, übertreffen diese sogar in einigen Bereichen. Ende 2014 stieg Sony auch wieder in den Markt der High-End-Kopfhörer ein und präsentierte das Flagschiff MDR-Z7, das ich in den vergangenen Wochen einem eingehenden Test unterzogen habe.

Look & Feel

Schon beim Auspacken fällt auf, dass Sony hier keine halben Sachen gemacht hat. Der MDR-Z7 ist mit seiner schlichten Eleganz ein Musterbeispiel für die Designsprache des Tokioter Konzerns. Verchromtes Metall und schwarzes Leder sorgen für einen schnörkellosen Look, der durch die wirklich herausragende Verarbeitungsqualität unterstrichen wird. Ich hatte schon viele Kopfhörer von vielen Herstellern bei mir zuhause, aber so schön konstruiert und gebaut war bislang noch keiner. Die dicken Ohrpolster, der stabile Metallrahmen, die doppelseitigen Kabelanschlüsse und der intelligente, stabile Verstellmechanismus – all das ruft einem zu: „Ich bin ein Spitzenmodell“. Der MDR-Z7 wird nicht etwa in irgendeinem Schwellenland unter Lizenz zusammengebastelt, nein, er ist „Made in Japan“, echte japanische Wertarbeit, und das sieht und fühlt man auch. Meiner Meinung nach ist das einer der am besten gebauten und schönsten Kopfhörer, die es derzeit zu kaufen gibt.

Handhabung & Komfort

Der MDR-Z7 ist ein recht großer Hörer, der für die Heimanwendung konzipiert wurde. Obwohl er auch am Smartphone laut genug aufspielt und nicht unangenehm schwer ist, ist er wegen seiner Massivität zum Joggen oder Radfahren eher ungeeignet. Das ist ein Kopfhörer für zuhause, für den ungestörten Musik- oder Filmgenuss. Das unterstreichen auch die zwei Kabel, die Sony beilegt. Beide sind drei Meter lang und eines hat sogar einen zweifachen Stecker für den ausbalancierten Modus an entsprechenden Kopfhörerverstärkern. Das andere Kabel kommt mit einem 3,5-Stecker samt 6,5-Adapter daher und kann problemlos mit jeder Audioquelle verbunden werden. Der Verstellmechanismus des Bügels ist selbsterklärend und funktioniert bestens. Die großen Lederpolster liegen angenehm weich auf und umschließen die Ohren vollständig. Der Anpressdruck ist groß genug, dass einem der Hörer nicht bei jeder Bewegung vom Kopf rutscht, aber in Kombination mit dem Leder der Ohrpolster so unaufdringlich, dass stundenlanges Hören möglich ist, ohne dass irgendetwas zwickt oder zwackt. Der MDR-Z-7 gehört zu den bequemsten Kopfhörern, die ich kenne. Man trägt ihn einfach gerne.

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Technik & Klang

Sony vermarktet den MDR-Z7 als „High Resolution Audio“-Hörer und protzt mit einem Frequenzgang von 4 Hertz bis 100 Kilohertz. Kein anderer mir bekannter Kopfhörer auf dem Markt deckt ein derart breites Frequenzspektrum ab. Das alleine sagt aber noch nicht viel über die tatsächliche Klangqualität aus, denn das menschliche Gehör kann nur einen Bruchteil dessen wahrnehmen, was der MDZ-Z7 wiedergibt. Dennoch ist ein sehr weites Frequenzspektrum nicht völliger Hokuspokus, denn auch Töne, die man nicht direkt hört, können durch ihren Schalldruck die Gesamtwahrnehmung beeinflussen. Wichtiger als die Frequenzabdeckung sind erfahrungsgemäß aber Empfindlichkeit und Treiberkonstruktion. Der Sony MDR-Z7 hat eine Empfindlichkeit von 102 dB. Das heißt auf Deutsch, dass der Kopfhörer problemlos auch an schwächeren Ausgangsquellen betrieben werden kann und schon am Smartphone oder am PC mehr als ausreichend laut wird. Das ist wichtig für jene Leute, die sich keinen eigenen Kopfhörerverstärker anschaffen wollen. In meinem Praxistest hat sich gezeigt, dass der Sony schon am Handy eine ordentliche Vorstellung gibt, aber er legt gewaltig zu, wenn man ihn aus besseren Quellen schöpfen lässt. Ich habe ihn hauptsächlich an die ziemlich gute Soundausgabe meines PC mit Bang & Olufsen Soundmanagement sowie an den Kopfhörerausgang des zwar schon älteren, aber musikalisch hervorragenden AV-Recievers Sony STR-DB1070 angeschlossen. Mit einem guten Kopfhörerverstärker wäre sicher noch mehr drin gewesen, aber derzeit habe ich keinen bei mir zuhause.

Zu den Treibern: Sony verbaut in den MDR-Z7 70-Millimeter-Treiber. Die meisten anderen Hersteller haben „nur“ 30, 40 oder 50 Millimeter anzubieten. Sony verspricht, dass die großen Treiber eine besonders präzise und dynamische Musikwiedergabe bieten. Stimmt das? Dazu ein klares „Jein“. Einerseits ist der Sony wirklich extrem genau und vor allem voluminös, lässt einen also in den Sound sehr tief eintauchen und gibt Musik extrem plastisch wieder, andererseits wirkt der MDR-Z7 manchmal nicht ganz so schnell wie einige Konkurrenten. Unter Schnelligkeit ist hier die Unmittelbarkeit der Wiedergabe gemeint, vor allem bei Rhythmusinstrumenten. Je „schneller“ ein Kopfhörer, desto eher hat man ein „Live“-Gefühl. Man verstehe mich nicht falsch, der Sony ist keineswegs langsam, er ist nur nicht ganz so flott wie zum Beispiel die Konkurrenz aus dem Hause Grado, deren Hörer allerdings geradezu auf Schnelligkeit getrimmt werden und dafür wieder andere tonale Aspekte opfern. Dennoch denke ich, dass die schiere Größe der Treiber den Sony ein bisschen einbremst. In der Praxis heißt das, dass Menschen, die fast nur Metal hören, vielleicht mit einem Modell von Grado (noch) glücklicher sein würden als mit dem Sony. Von einer Schwäche zu sprechen wäre aber übertrieben, denn für sich allein betrachtet mangelt es dem MDR-Z7 keineswegs an „Live“-Feeling. Außerdem bügelt er dieses kleine Manko an anderen Stellen mehr als aus.

Wichtig: der MDR-Z7 ist ein geschlossener Kopfhörer. Nur wenige andere Hersteller setzen bei ihren Flagschiff-Modellen auf diese Bauweise. Die meisten kontruieren in dieser Klasse offene oder halboffene Hörer, weil das in der Regel für ein luftigeres, transparenteres Klangerlebnis sorgt. Überraschenderweise klingt der Sony keineswegs beengt, sondern wie eine gelungene Mischung aus offener und geschlossener Bauart. Dennoch bestehen tonale Unterschiede zu offenen Hörern.

Während offene Hörer eine breitere Bühne, also mehr „3D“ bieten, ist der Sony ein bisschen intimer, vor allem aber genauer. Um das mal zu veranschaulichen: Man stelle sich eine Filmszene vor, in der wir rechts im Bild einen singenden Chor haben und links ein startendes Raumschiff. Das Raumschiff steigt in die Höhe, fliegt nach rechts über den Chor und zischt dann nach links oben aus dem Bild. Mit einem guten offenen Hörer, zum Beispiel meinem geliebten Philips Fidelio X2 oder einem AKG K712, stehen Chor und Raumschiff weiter auseinander und man kann die Bewegungen des UFOs besser nachvollziehen. Mit dem MDR-Z7 ist dieser räumliche Effekt ein bisschen geringer, dafür kann man aber genau hören, aus wie vielen Stimmen der Chor besteht, wer Bass und wer Tenor singt und ob das Raumschiff eine oder zwei Turbinen hat.

In einigen Kritiken wurde dem MDR-Z7 vorgeworfen, er sei zu basslastig und nicht analytisch genug. Das kann ich absolut nicht nachvollziehen. Der Sony ist sicherlich warm abgestimmt, hat also einen prominenten Bassbereich und keine überlauten Höhen, aber er ist dennoch extrem detailreich und genau. Es ist ein wenig so, als hätte man hier einen audiophilen Kopfhörer, der aber gleichzeitig den Spaßfaktor berücksichtigt. Und vielleicht ist das der Grund für manch eher lauwarmes Review, denn die Fraktion der „Berufs-Audiophilen“ versteht keinen Spaß. Je trockener ein Hörer klingt, desto glücklicher sind sie. Die meisten Menschen wollen Musik und Filme aber genießen und nicht nur analysieren wie im Labor. Darum geht es doch, um den Genuss, und den bietet der Sony auf einem atemberaubend hohen Niveau. Man kann mit ihm die Musik sezieren, wenn man will, aber man wird dazu nicht genötigt. Ein für mich abschreckendes Beispiel sind manche Oberklasse-Hörer von AKG, Sennheiser und Beyerdynamik. Sie sind kalt, geradezu eiskalt und zerlegen die Musik in ihrer Einzelteile, ohne diese wieder zu einem schönen Ganzen zusammenzufügen. Das macht der MDR-Z7 nicht. Er präsentiert Musik zwar bis ins letzte Detail, bleibt dabei aber musikalisch, zerreißt den Sound also nicht in kleine Einzelstücke. Das zu schaffen, ist meiner Meinung nach wahre (Ton)Ingenieurskunst. In dieser Hinsicht übertrifft der Sony sogar Kaliber wie den Sennheiser HD800 oder den AKG K812. Das heißt nicht, dass die schlechter wären als der MDR-Z7, aber in Sachen Genusserlebnis ziehen sie meiner Ansicht nach gegenüber dem Sony den Kürzeren. Dafür sind sie dann halt wieder in anderen Bereichen ein bisschen stärker. Wer also einen Haufen Geld für Kopfhörer ausgeben will, sollte unbedingt selber probehören, denn die Geschmäcker sind bekanntlich verschieden. Ich halte den MDR-Z7 keineswegs für konkurrenzlos gut, aber er spielt ohne Zweifel ganz oben mit und hat mit seiner Mischung aus Musikalität und Analysestärke eine ganz eigene Soundsignatur, die für manche tatsächlich das musikalische Nirwana sein kann, während sich andere wieder enttäuscht abwenden. Was der Sony wirklich, WIRKLICH gut macht, ist das Herausarbeiten der Körperlichkeit von Instrumenten und Stimmen. Ob Stehbass, Schlagzeug, Rhythmusgitarre, Sologesang, Chor oder einfach nur das Geräusch von Schritten oder fallendem Regen in einem Film – der MDR-Z7 verleiht all dem eine physische Präsenz, wie ich sie mit keinem anderen Kopfhörer bislang gehört habe.

High Resolution – mehr als ein Werbeslogan

Ich habe mich mit dem MDR-Z7 wieder durch meine Sammlung hoch auflösender Musik gehört. Und bevor ich meine Eindrücke schildere: Hoch auflösend ist ein wichtiges Stichwort bei Kopfhörern in dieser Klasse. Der Sony ist zwar nicht so gnadenlos wie manch andere Spitzenhörer, aber immer noch gnadenlos genug. Schlecht aufgenommene Musik in schlechten Audioformaten klingt mit ihm auch so: schlecht nämlich, langweilig und körperlos. Man lernt schnell, MP3 links liegen zu lassen. Zu offensichtlich ist die Kompression und damit der Verlust. Wirklich interessant wird es erst ab dem verlustlosen FLAC-Format. So gesehen trifft der Werbeslogan vom „High Resolution“-Kopfhörer voll und ganz zu, denn mit kaum einem anderen Hörer ist mir der Qualitätsunterschied zwischen verschiedenen Audioformaten so stark aufgefallen wie mit dem Sony

The Beatles, „Mother Nature´s Son“, FLAC. Das Anzupfen der Saiten der Akustikgitarre wirkt äußerst lebendig und raumfüllend. Wenn die Akkorde geschlagen werden, hört man die einzelnen Töne gut heraus. Paul McCartneys Stimme steht klar und detailliert in der Mitte. Die „Hufschlag“-Percussion ist Ton für Ton zu vernehmen und das delikate Bläserarrangement wird wunderbar aufgeschlüsselt. Beim Einsetzen der zweite Akustikgitarre kann man bis zum leichten Vibrato ganz genau verfolgen, was diese macht.

Grateful Dead, „Box Of Rain“, HDDVD. Nie klangen die Dead organischer, wärmer. Dennoch sind Bass, E-Gitarre, Akustikgitarre, Klavier und Schlagzeug ebenso genau zu orten und zu trennen wie die zwei Harmoniestimmen, die Phil Leashs Lead Vocals begleiten. Erneut fällt auf, wie groß und körperlich der MDR-Z7 die Musik wirken lässt. In Kombination mit der HD-Aufnahme hat man tatsächlich das Gefühl, per Zeitmaschine in das Tonstudio gereist zu sein und den Musikern live zuzuhören.

Pink Floyd: „Shine On You Crazy Diamond, Pts 1-5“, SACD. Das bedrohliche Wabern der Synthesizer umgibt mich von allen Seiten, ein sehr starker Eindruck von Dreidimensionalität. David Gilmours erste E-Gitarrentöne perlen saftig in den Mix. Das berühmte B-F-G-E-Riff füllt mit Macht den Raum und Roger Waters Bass legt einen tiefen Tonteppichboden. Herausragende Ortbarkeit und Transparenz aller Instrumente und Stimmen.

London Symphony Orchestra: Carl Orff, „Floret Silva Nobilis“, HDCD. Der MDR-Z7 managt die wilden Dynamiksprünge mühelos. Kleinste Details wie das Einatmen der Chorsängerinnen sind gut zu hören. Die Triangel kann sich gegen Pauken, Streicher, Bläser und Chor behaupten. Bemerkenswert ist wieder, wie mächtig und lebendig die Musik wirkt.

Kommen wir nun zu der Frage, ob der Sony MDR-Z7 seinen Preis wert ist. Die Frage ist gar nicht so einfach zu beantworten, denn während die unverbindliche Preisempfehlung von Sony bei 700 Euro liegt, ist der Hörer bei großen Internetversandhäusern bereits um rund 450 Euro zu haben und wer ein Schnäppchenjäger ist, findet Neumodelle sogar schon ab 399 Euro. 400 bis 450 Euro würde ich ohne zu zögern zahlen, denn da wäre das Preis-Leistungs-Verhältnis fast unschlagbar. Bei 700 Euro müsste man sich das schon gut überlegen, denn da gibts dann auch Hörer wie den Beyerdynamik T90 oder die Grados Rs2 und Rs1 und noch ein paar, die für manche Ohren gleich gut oder besser klingen. Ich persönlich finde die UVP von 700 Euro angesichts der Verarbeitungsqualität und des Klangs gerade noch  angemessen, die Straßenpreise aber gerechtfertigter. Es kommt auch darauf an, was man zuvor gewöhnt war. Wer von einem 50-Euro-Kopfhörer kommt, wird vom MDR-Z7 auf den Mond geblasen und wird fast weinen wenn er merkt, was er bislang versäumt hat. Wer die gute Mittelklasse gewöhnt ist, also zB Philips Fidelio X2, Sennheiser HD650, Beyerdynamik DT990, AKG K701 oder Grado Rs2, wird teilweise klare Verbesserungen hören, teilweise aber auch eine Umgewöhnungszeit brauchen, denn der Wow-Faktor ist bei diesem Sprung nicht mehr so groß. Und wer Flagschiffe wie den Senni HD800, den AKG k812, Beyer T1 oder den Grado GS1000 besitzt, muss sich gut überlegen, ob er noch ein weiteres Spitzenmodell haben muss. Freilich: Wer Kopfhörer als ernsthaftes Hobby betreibt, wird um den Sony MDR-Z7 nicht herum kommen, denn es gibt Sachen, die macht er halt besser als andere Top-Modelle. Die mehrmals erwähnte, nahezu körperliche Präsenz der Töne zum Beispiel. Wer sich aber keine Sammlung von Kopfhörern anlegen will, sondern ein Modell für alles haben mag, der ist mit dem Sony bestens bedient, denn der MDR-Z7 hat noch ein Ass im Ärmel, das ihn von fast allen anderen Mitbewerbern abhebt: Er ist ein „Plug-and-play-und-fertig“-Hörer. Er braucht im Gegensatz zu fast allen anderen Spitzen-Geräten keinen (teuren) Kopfhörerverstärker, sondern spielt schon an halbwegs guten Kopfhörerausgängen von PC oder AV-Receiver seine Stärken aus. Und er läuft halt notfalls auch am Smartphone oder direkt am Fernseher angeschlossen ziemlich gut.

Was mit gefällt: Die konkurrenzlos gute Verarbeitungsqualität, die warme Abstimmung bei gleichzeitig hohem Detailreichtum und die Körperlichkeit des Sounds, die ich so noch bei keinem anderen Modell gehört habe. Außerdem macht der KH an jeder Ausgangsquelle eine gute Figur.

Was mir nicht so gut gefällt: Nicht ganz so luftig wie offene Kopfhörer, manchmal ein wenig „langsam“.

Wer ihn sich holen sollte: Menschen, die ein audiophiles Klangerlebnis haben möchten, aber sich keinen unterkühlten Tonsezierer ins Haus holen wollen.

Wer ihn ignorieren sollte: Neutralitätsfantiker und Leute, die High End nicht zu schätzen wissen.

Konkurrenz: Sennheiser HD650 und HD800, AKG K712 und K812, Beyerdynamik T90 und T1, Grado Rs1 und GS1000, Bang & Olufsen P8, diverse andere Spitzenmodelle.

Fazit: Der MDR-Z7 von Sony ist ein Kopfhörer der High End-Klasse, der mich im Test weitgehend begeistern konnte und mit seiner eigenen, Sony typischen Abstimmung überzeugt. Warm, aber dennoch neutral und analytisch.