Es lebe der Hass

In seinem akuellen Videocast gibt Robert Misik den vor-österlichen Prediger und mahnt, dass zuviel Hass in der Welt als solcher und den Standard-Postings im Besonderen sei. Tatsächlich wirkt der Publizist hier ganz fastenzeitpriesterlich, vom weihevollen Sprachduktus bis zur schwammigen Nächstenliebhaberei sonntagschristlicher Prägung. Ein bisserl buddhistisch klingt das auch, und nun sind viele Buddhisten, die ich kenne, zwar  auf den ersten Blick ganz liebenswürdige Menschen, weil sie eben nicht hassen und alles gelassen ertragen, was die Welt anderen antut, aber genauer betrachtet wirken die doch oft so, als würden sie tot sein üben. Ob Hungersnot, Massenmord oder Karl-Heinz Grasser – alles prallt an ihnen ab, nichts empört sie, nichts bringt sie aus der Ruhe, nichts macht sie hassen. Nur Tibet erregt sie noch ein wenig. Wer aber lebendig ist und sein Empfinden noch nicht angetötet hat, der kriegt eine Wut, wenn er Unrecht sieht, und er empfindet Hass auf jene, die das Unrecht tun oder ermöglichen. Ja sicher, mir wäre Love & Peace auch lieber auf dieser Welt als Hate & War, und ich täte auch lieber lächelnd im Schaukelstuhl sitzen, während anderen Menschen die Zähne eingetreten werden, und sagen: „Tja, was soll man machen“. Kann ich aber nicht. Weil´s mich aufregt, weil´s mich zornig macht. Weil ich diejenigen, die anderen Menschen die Zähne eintreten, hasse. Und überhaupt: Darf ich auch den Nazi, der mir ans Leben will, nicht hassen, weil ja auch der ein „Inneres Kind“ hat (selbst wenn dessen „Inneres Kind“ gerade die Nachbarskatze totschlägt, weil es wisssen will, wie das so ist mit dem Morden)? Womit Misik schon recht hat, ist, dass man nicht wegen jedem Scheiß einen Zornanfall bekommen sollte. Schlimmer als der gleichgültige, erkaltete Allesversteher ist nur der dumme Wutbürger, der mangels intellektueller Kapazität immer das Falsche und die Falschen hasst.

Falotten und Gurkentruppen

Robert Misik ist mal wieder meiner Meinung und hat einen guten Videocast darüber gemacht, wie „verantwortungslose Falotten und eine Gurkentruppe von Politikern, die unfähig sind, ihrer historischen Verantwortung gerecht zu werden“, Europa an die Wand fahren. Misik fragt, wie schon your Lindwurm dearly zuvor, wo die starken Politikerpersönlichkeiten sind, die die EU endlich aus dem unhaltbaren Zustand eines lose verbundenen Chauvinistenclubs hin zu einem echten Bundesstaat führen, da wir ja derzeit eindrücklich erleben, was es bedeutet, zwar eine gemeinsame Währung, aber keine gemeinsame Geld-, Sozial-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftspolitik zu haben.

Auch auf einen hervorragenden Kommentar von Karl-Markus Gauß möchte ich verweisen, in welchem der Schriftsteller davor warnt, dass nach einem Zusammenbruch der EU der Krieg, also der richtige Krieg mit Soldaten und Totschießen und Zusammenbomben, nach Europa zurückkehren wird. Genau auf diese Gefahr wurde in diesem Blog übrigens schon vor einigen Tagen hingewiesen. Es tut gut zu sehen, dass es noch Leute gibt, die ihr Gehirn zum Denken verwenden. Leider wird das uns, also den Misiks, Gaußs und Lindwürmern, allenfalls eine magere innere Befriedigung geben, wenn wir in ein paar Jahren in einem in Trümmer liegenden Europa mit einer klapprigen Schreibmaschine den Satz schreiben werden: „Wir haben es euch ja gesagt…“ 

Robert Misik über Dummlinke

Über dumme Linke, also vornehmlich Retrokommunisten, Antiimperialisten und Salonautonome, hat der Lindwurm ja schon öfters mal geschrieben. Daher freut es ihn auch, wenn sich ausgerechnet ein so genannter „Paradelinker“ wie Robert Misik in seinem Videocast ebenfalls mit den dooferen Vertretern des linken Spektrums auseinandersetzt. Guckt ihr hier!

So war das Wochenende

-Manchmal findet man gerade in den von vielen Intellektuellen so verachteten Boulevardzeitungen Beiträge, die in ihrer Klarheit und Scharfsicht alles übertreffen, was die schwurbelnden Bedenkenträger in den Feuilletons zusammenkritzeln. Wie hier in der „Blick“, dem schweizer Pendant zur „BILD“.

-Henry M. Broder hat die heutige Verleihung der Böhme-Medaile an  Marcel Reich-Ranicki für dessen Lebenswerk insoferne gehijackt, als er seine Laudatio für den 90-Jährigen als proisraelischen Appell gestaltete. Man kann es auch übertreiben und man kann sich für richtige Worte auch den falschen Ort und die falsche Gelegenheit aussuchen…

-Die Hamas-Fans von „Free Gaza“ haben angekündigt, „ein Schiff nach dem anderen zu schicken, bis die unmenschliche Blockade ein Ende hat“. Dass der Beschuss von Zivilisten mit Raketen, Bombenattentate auf Schulbusse und Cafes und Discos und die nun schon Jahre andauernde Entführung von Gilad Schalit auch ein bisschen unmenschlich sein könnten, ist den „Aktivisten“ keine Zeile wert. Der Lindwurm meint: Wer es gut meint mit den Bewohnern des Gazastreifens, der kann durchaus kritisch hinterfragen, ob es seitens Israel besonders sinnvoll und human ist, Dinge wie Schockolade, Gewürze oder Zement  als blockierungswürdige Gegenstände einzustufen, doch in erster Linie sollte er sich nicht vor den Propagandakarren einer Terrororganisation spannen lassen, die für die Blockade ursächlich verantwortlich ist. Wer nachweislich lügt, einseitig gegen Israel hetzt und sich mit Klerikalfaschisten wortwörtlich in ein Boot setzt, hat für mich jede Glaubwürdigkeit als „Friedensaktivist“ verloren.

-Auch Robert Misik gibt in Form eines Videocast seinen Senf zur „Fee Gaza“-Diskussion hinzu, und ich bin erstaunt: Obwohl er erwartungsgemäß viele altlinke antizionistische Stehstätze aufsagt („Israel hat im Laufe der Jahrzehnte viel Unrecht begangen“…“illegale Aktion“… „Friedensaktivisten“ usw), zu ein paar eher originellen Schlussfolgerungen kommt (die Islamisten mutieren bei ihm zu „türkischen Linksradikalen“ – wtf?) und natürlich „verabsäumt“, auf die Gründe für Israels Seeblockade näher einzugehen oder gar die Hamas als die Terrororganisation zu bezeichnen, die sie nunmal ist, bleibt er dennoch angesichts seines politischen Backgrounds erstaunlich neutral und stellt immerhin klar, dass die israelische Armee keineswegs kaltblütig gemordet hat, wie es die Palästinenseristen wütend in die Welt blöken. Das ist für einen wie Misik schon ein Fortschritt im Denken.

-Jetzt will auch das deutsche Kapital ernst machen und lässt über seine Sprecherin Angela Merkel verlautbaren, dass man gedenke, in Hinkunft mit dem Pöbel noch weniger vom erwirtschafteten Geld zu teilen. Resteuropa wird sich wohl  dem Kurs der größten EU-Volkswirtschaft anschließen. Das wird noch lustig. Aber hey, wozu brauchen die Massen denn Kaufkraft? Immerhin ist Deutschland Exportweltmeister und es werden sich sicherlich immer noch ein paar arabische Prinzen finden, die sich einen Fünftmercedez und einen Drittmaybach in die Garage stellen wollen. Was kümmert da die großen konservativen Wirtschaftsexperten das absehbare Wegbrechen der Binnennachfrage?

Kommunismus ist keine Alternative

Robert Misik beklagt in seinem Video-Tagebuch, dass es an einem „utopischen Bewusstsein“ mangele, hofft aber darauf, dass angesichts der Wirtschaftskrise sich ein solches wieder entwickeln würde. Der Mann hat wohl nicht realisiert, dass es die gerade großen ideologischen Utopien waren, die zu den schlimmsten Verbrechen aller Zeiten geführt haben. Zwar beantwortet Misik die Titelfrage seines Beitrags – „Ist der Kommunismus die Alternative“ – vorsichtig verneinend, doch warum der Kommunismus keine Alternative ist, keine sein darf, das mag das ehemalige Mitglied der Politsekte „Revolutionäre Marxisten“ (heute „Sozialistische Alternative“) nicht deutlich beantworten. Mehr, als dass der Kommunismus „auch schon eine etwas angegraute Idee“ sei, kommt Misik dazu nicht über die Lippen. Das ist angesichts der vernichtend schlechten ökonomischen, moralischen und ethischen Bilanz der kommunistischen Experimente argumentativ schwach und extrem verharmlosend. Der Kommunismus hat sich immer und überall, wo er an die Macht kam, in eine Herrschaftsform des Massenmordes, der Unterdrückung und der wirtschaftlichen Not entwickelt, und das liegt nicht etwa, wie das Kommunisten gerne hinterfotzig behaupten, an einer „falschen Auslegung bzw. Umsetzung der an sich guten Idee“, sondern ist dem Kommunismus wesensimmanent. Das ist nach den Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, die in manchen Ländern immer noch auf Kosten der dort lebenen Menschen andauern, nicht zu bestreiten, sofern man bei der Wahrheit bleiben will. Wer heute noch den Kommunismus ernsthaft als eine positive Alternative zur Marktwirtschaft sieht, der bewegt sich auf einem ähnlich idiotischem Niveau wie jene Dummköpfe, die bis heute nicht begriffen haben, was der Nationalsozialismus war. Es sei denn natürlich, derjenige weiß über den Komunismus ganz genau Bescheid und sehnt sich nach ihm aus ähnlichen Gründen, wie sich Neonazis nach dem Nazismus sehen, um nämlich seine sadistischen Triebe ausleben zu können.