Inzest, Nekrophilie, Psychiatrie und der Sadismus des „Volksempfindens“

Wenn es um Sexualität geht, setzt der Verstand gerne aus. Das ist ganz angenehm für Menschen, die miteinander Sex haben, aber seit jeher höchst problematisch in der politischen Auseinandersetzung. Nach wie vor sind Sexualgesetzgebungen weltweit viel stärker an Traditionen und religiösen Wertvorstellungen orientiert als an den einzigen Maßstäben, die wirklich zählen sollten: Beruht eine sexuelle Betätigung auf der Freiwilligkeit aller Beteiligten? Sind die Beteiligten geistig reif genug, um zuzustimmen? Geht von der sexuellen Praktik eine konkrete Gefahr für konkrete Menschen aus? Jede andere Argumentation für Verbote und Gebote ist irrational und sachlich nicht zu rechtfertigen.

Die Vorsitzende der schwedischen Jungliberalen, Cecilia Johnsson, hat nun ganz bewusst mit dem Vorschlag provoziert, Inzest sollte für Menschen über 15 ebenso legalisiert werden wie der sexuelle Verkehr mit Toten, die vor ihrem Ableben ihre Zustimmung dazu gegeben haben. Die Gesetzgebung, so Johnsson, dürfe nicht „auf Ekel basieren“. Ganz absichtlich wählte die junge Politikerin Sexualpraktiken, die weithin tabuisiert werden und Ekel hervorrufen, denn nur so bringt man halbwegs intelligente Menschen dazu, ihre eigene Haltung zu überdenken und sich die Frage zu stellen: „Habe ich wirklich das Recht, andere Menschen zu kriminalisieren, nur weil ich deren Verhalten oder auch nur Fantasien ekelhaft finde, sie aber keinen Schaden anrichten?“

Bei Menschen, die nicht denken können, löst solch ein Vorstoß natürlich nur ablehnende Reflexe und zornige Bestrafungsfantasien aus. Die Leserinnen und Leser der „Krone“ zum Beispiel reagieren, wie man es von ihnen erwarten darf, nämlich wütend und voller Lust, die schwedische Nachwuchspolitikerin zum Schweigen zu bringen. Interessant sind aber nicht so sehr die Ablehnung und die Wut, sondern wie man sich eine „Bestrafung“ der Schwedin konkret vorstellt. Immer wieder taucht die Forderung auf, die Frau müsse in die Psychiatrie gesperrt werden, denn die Psychiatrie hat für das „Krone“-Publikum offenbar Strafcharakter und soll dazu dienen, Menschen mit missliebigen Meinungen ihrer Freiheit zu berauben und umzuerziehen. Dass Psychiatrie aber genau das nicht sein darf, leuchtet dem ungesunden Volksempfinden nicht ein. Dieses Volksempfinden verspürt große Lust an der Vorstellung, Menschen einzusperren und folterartigen „Behandlungen“ zu unterwerfen, wie sich Menschen, die keine Ahnung von Psychiatrie haben, diese halt ausmalen. Zu erkennen, dass genau das wesentlich „kränker“ ist, als eine Meinung zu sagen, wie unangenehm diese für einen im ersten Moment auch erscheinen mag, weil es von Sadismus und völlig übertriebener Straflust zeugt, ist eine Denkleistung, die sehr viele leider nicht zu erbringen im Stande sind.

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Grün(d)lich zivilisiert

„Die europäische Welt hat keine Angst mehr vor den Deutschen, weil wir 1968 aufgebrochen sind, weil wir das Law-and-Order-Denken heraus geblasen haben aus diesem Land, weil wir, eine andere Generation, diese deutsche Gesellschaft gründlich zivilisiert haben.“ (Antje Vollmer, Grüne, 9. August 1990, Deutscher Bundestag)

Also sprechen die gründlich Zivilisierten, nachdem sie einen Artikel über eine finnische Rom gelesen haben, der in einem schwedischen Hotel der Zugang zum Speisesaal verweigert wurde, weil sie in der Tracht ihres Volkes erschienen war:

„Roma, auch bekannt unter der Bezeichnung  Zigeuner, woraus sich die treffende Umschreibung (Herum-)Ziehende Gauner ableiten lässt. Biologisch gehören diese Lebewesen zur Familie der Heuschrecken.“

„@Samsara: Falsch – Heuschrecken hauen ab, wenn sie sich sattgefressen haben. Zigeuner wid man nie wieder los.“

„Wer in einem Nobelhotel frühstücken will, kann dort nicht in Lumpen antanzen. Wieder mal eine Roma, die sich selbst diskriminiert und andere dafür beschuldigt…“

„Irgendwie mag die keiner auf der Welt. Ich verstehe das nicht. Das sind doch anständige, fleißige und ehrliche Menschen.“

„Sowas als Tracht zu bezeichnen ist schon mehr als gewagt. Und selber schuld, daß ihr das passiert ist. Offensichtlich hat sie es darauf angelegt, denn sonst hätte sie sich „normal“ gekleidet, wie jeder andere dort auch. Das zeigt mal wieder, auf welchem geistigen Stand diese Leute stehengeblieben sind.“

Hier die Tracht

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Mahlzeit, Frau Revolution

Revolutionen pflegen bekanntermaßen ihre Kinder und manchmal auch ihre Eltern zu fressen. Nie zuvor ging das so schnell wie im Zusammenhang mit dem revolutionären Vorhaben von Julian Anssange, die totale Transparenz einzuführen. Nun landen nicht nur unzählige mehr oder weniger geheime Dokumente westlicher Staaten im Netz, auch Assange persönlich kommt in den Genuss einer Medienwelt, in der nichts mehr privat sein soll. Der „Guardian“ veröffentlichte Details aus Einvernahmen der schwedischen Staatsanwaltschaft, in denen eine der Frauen, die den Wikileaks-Vorkämpfer belasten, unter anderem sagt, der Sex mit Assange sei der „schlechteste gewesen, den sie je gehabt hätte“.

Eine peinliche Angelegenheit, eine schmierige Sache, aber keine Verschwörung: Dass dieser Ablauf für das von Assange vermutete US-Komplott spricht, glauben in Stockholm auch Wikileaks-Mitstreiter nicht. „Es gibt nur ein Problem zwischen Julian und zwei Frauen“, sagte der schwedische Wikileaks-Sprecher „Harold“ dem „Guardian“. Man solle die „ganz normalen Ermittlungen“ ihren Lauf nehmen lassen. Benzin ins Feuer gießen allerdings Vollidioten wie Bob Beckel, politischer Kommentator auf „Fox News“, der gerne Spezialeinheiten losschicken möchte, um Assange abzuknallen. Seine groteske Begründung: Assange sei „ein Verräter, der jedes Gesetz der USA gebrochen“ habe. Wie bitte? Es ist noch nicht einmal klar, ob Assange auch nur ein einziges US-Gesetz gebrochen hat. Aber einmal ganz abgesehen von der tiefen moralischen Verkommenheit von Beckels Ausbruch: sein Sager „a dead guy can´t leak things“ ist so unfassbar dumm, verroht und faschistoid, dass man tatsächlich am Verstand dieses Mannes zweifeln muss.

Abba statt Waffen?

Das Zitat des Tages stammt zweifellos vom schwedischen Außenminister Carl Bildt. Der kommentierte den umstrittenen, von deutschen Truppen angeforderten Luftangriff auf einen von den Taliban entführten Tanklastzug mit den güldenen Worten: „Wir gewinnen diesen Krieg nicht, indem wir töten.“ Wo er recht hat, hat er recht. Kriege gewinnt man bekanntlich dadurch – das weiß Bildt aus der schwedischen Geschichte – indem man beim Krieg zwischen Kultur und Barbarei brav stille schweigt, während die Barbaren rund um einen herum in Blut waten, und man den Barbaren außerdem noch ein paar Soldaten zur Verfügung stellt sowie die Truppen der Barbaren durch sein ach so neutrales Land ziehen lässt, um ein Nachbarland zu besetzen, indem man sein Maul hält und keinesfalls den Opfern hilft, wenn die Barbaren gleich mehrere Völkermorde zur gleichen Zeit verüben, indem man an die Barbaren Rohstoffe liefert und im eigenen Land sicherheitshalber gleich mal ein paar Parteien aufbaut, die die Ideologie der Barbaren vertreten, nur so vorbeugend. Und falls die Barbaren dann doch verlieren sollten, hat man einen Krieg gewonnen, an dem man offiziell nicht teilgenommen haben will. Aber das war gestern. Heute würde Schweden im utopischen Fall, dass es gegen Neo-Barbaren wie die Taliban in den Krieg ziehen täte, gepanzerte Fahrzeuge einsetzen, auf denen große Lautsprecher montiert sind, aus denen mit gewaltiger Lautstärke die größten Hits von Abba dröhnen. Dies würde die Talibs sofort in den Wahnsinn und zur Aufgabe treiben. Alternativ würden die Schweden natürlich auch in Betracht ziehen, alle Taliban als politisch Verfolgte aufzunehmen. Töten kommt aber nicht in Frage, schließlich wurde auch Hitler nicht mit Waffen besiegt, sondern mit guten Worten. Die nordvietnamesische Armee hat auch nur mit Blumen geworfen und Saddam Husseins Armee wurde mit Zigaretten und Schnaps zum Niederlegen der Waffen bestochen.

So richtig in Fahrt kommen wird dieser skandinavische Zirkus aber erst, wenn, was abzusehen ist, bald die ersten Forderungen aus Schweden und Norwegen eintreffen, Angela Merkel vor ein Kriegsgericht zu stellen.

Nein zur Afterblatt-Aufwertung

Ich werde die Aufwärmung mittelalterlicher Ritualmordvorwürfe gegen Juden durch die schwedische Tageszeitung „Aftonbladet“ nicht kommentieren und würde meinen Kollegen raten, es auch so zu halten. Man muss den Dreck ja nicht noch aufwerten, indem man sich daran abarbeitet. Antisemiten, von denen es in Skandinavien besonders viele gibt, werden das Lügenmärchen gerne glauben, wer seine Tassen noch im Schrank hat, nicht. Und aus.