Shine on you crazy power plant

Je länger sich die Atomkatastophe in Fukushima hinzieht, desto mehr scheint weltweit eine Art „Nuklearwahnsinn“ um sich zu greifen, sozusagen eine radioaktive Supergrippe, die das Hirn befällt. Ein paar Indizien dafür:

-Die EU reagiert auf die potentiell erhöhten Strahlenwerte in japanischen Lebensmitteln mit… einer Erhöhung der zulässigen Grenzwerte. Eine wirklich reife Leistung, denn bessere Argumentationsmunition könnte man links- und rechtsextremen Unionsgegnern gar nicht liefern.

-In der Schweiz sind mutmaßlichen Atomkraftgegnern ein paar Brennstäbe im Kopf geschmolzen, woraufhin sie einen Terroranschlag auf die AKW-Lobbygruppe Swissnuclear verübten. Immer wieder „schön“ zu sehen, wie es manche Leute schaffen, in ihrem Wahn von eingebildeter moralischer Überlegenheit ethisch tiefer zu sinken als die Leute, die sie bekämpfen. Amoralischer als Swissnuclear zu sein ist nicht leicht, aber wer Briefbomben verschickt, die dann von irgendwelchen kleinen Angestellten geöffnet werden, tanzt unter dieser niedrig liegenden Limbostange locker unten durch.

-Der Blogger „Aron Sperber“, den ich kürzlich von meiner Bloglist gekickt habe, dreht auch immer mehr am Rad und postet unter anderem Ekelbilder von mit Fliegen bedeckten Kadavern. Nun ja, man hat es eben in diesen Tagen nicht leicht als Atomkraftverharmloser…

„Die Welt braucht die Atomenergie, um den Klimawandel zu bekämpfen“, tönt Frankreichs Präsi Sarkozy, und lässt damit durchblicken, welche Lobbygruppe es wohl sein mag, die seit einigen Jahren die Klimawandelhysterieschürer massiv finanziert.

-Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) stampft trotzig mit dem Fuß auf und erinnert Merkel und Westerwelle daran, wer der Herr im Haus ist. Und der Arbeitgeberpräsident mit dem hübschen Namen Hundt lässt ausrichten: „Ich bin überzeugt, dass Deutschland aus ökonomischen und ökologischen Gründen darauf angewiesen ist, weiterhin die Kernkraft zu nutzen“. Ja, Herr Hundt, vor allem aus ökologischen Gründen, sie alter Komiker sie. Denn die Welt braucht mehr Öko-Paradiese wir die Regionen um Tschernobyl und Fukushima…

Bernd Zeller fragt Radio Eriwan

Auf der „Achse des Guten“, der Intenetverlautbarungsstelle von Henryk M. Broder und dessen Kampftruppe gegen alles, was sich irgendwie als „links“ oder „gutmenschlich“ qualifizieren lässt, will Bernd Zeller in Bezug auf die Ausländer-Raus-Volksabstimmung in der Schweiz im Stil der berühmten Fragen an Radio Eriwan wissen: Was ist eigentlich so schlimm daran, Leute aus dem Land, zu dem sie keine Beziehung haben außer einer monatlichen Überweisung, in das Land zu schicken, zu deren Kultur sie sich gehörig fühlen? Antwort von Radio Eriwan: Im Prinzip nichts, Genosse Zeller, denn kriminelle Ausländer dürfen jetzt schon ausgewiesen werden, aber die von der SVP initiierte Verfassungsänderung, die alle Menschen ohne schweizer Staatsbürgerschaft betrifft, verstößt mit ihrer Abschiebungsautomatik ohne Einzelfallprüfung gegen Verträge der Schweiz mit der EU über die Personenverkehrsfreizügigkeit, vermutlich gegen das Völkerrecht und sicher gegen die Europäische Menschenrechtskonvention. Das, Genosse Zeller, sind ebenso rechtsstaatliche Errungenschaften der europäischen Zivilisation wie die bisherige Praxis, dass Abschiebungen durch ein Gericht einzeln geprüft werden müssen. Sie, Genosse Zeller, fügen, zitternd vor der Allmacht der finsteren Gutmenschen, noch weinerlich hinzu, ob sie denn ihre Frage „nicht stellen“ dürften. Doch, dürfen sie, und sie haben es ja gerade getan. Ganz mutig und nur mit dem ungesunden Volksempfinden von Millionen Sarrazin-Fans und BILD-Lesern im Rücken.  Und es ist richtig süß, wie sich als naives Kind geben, das noch nichts wissen kann von Grundrechten, rechtsstaatlichen Standards, Menschenrechtskonventionen und dergleichen Gutmenscherei. Aber jubeln sie ruhig über diesen weiteren Sieg der rechten Bösmenschen in einem immer mehr nach rechtsaußen abrutschenden Europa, nur: Wenn der Tag kommt (und der wird kommen), an dem die Bösmenschen entscheiden, dass sie der nächste sind, für den bisherige Grundrechte nicht mehr gelten sollen, dann jammern sie bitte nicht, sondern nehmen es männlich-tapfer wie der Bösmenschbejubler, der sie sind, solange es bloß andere betrifft.

Feminismus bizarr

Schweizer Feministinnen haben die Steinin der Weisinnen im Kampf für Gleichheit und Schwesterlichkeit gefunden: „Kauft nicht beim Juden!“

Hm, kann mir jemand erklären, warum sich europäische Frauenrechtlerinnen gegen den einzigen Staat im Nahen Osten wenden, in dem Männer und Frauen gleichberechtigt sind? In dem Frauen jede Karriere, auch eine bei der Armee, offensteht? Und wieso diese Feministinnen  damit jenen Frauen in den Rücken fallen, die unter den extrem patriachalischen Verhältnissen der arabischen Tradition leiden?

Die Schweiz im Fadenkreuz

Es hat nichts gebracht, das Entschuldigen und Katzbuckeln und Appeasen, mit dem der schweizer Bundespräsident Hans-Rudolf Merz zwei seiner Landsleute freibekommen wollte, die seit einem Jahr von Gaddafi als Geiseln gehalten werden. Merz kam bloß mit den Gepäckstücken der Männer zurück, die beiden Geschäftsleute werden nun vor Gericht gestellt. Es liegt nahe zu vermuten, dass das von den Eidgenossen angebotene Lösegeld wohl zu niedrig war bzw. der Rahmen der Geiselübergabe nicht pompös genug. Wahrscheinlich müssen noch EU-Spitzendiplomaten sowie Hillary Clinton Gaddafi öffentlich anbetteln, damit sich die Causa zum Guten für die Gefangenen entwickelt.

Die Schweiz bekommt jetzt auf diplomatischer Ebene eine Lektion in Sachen arabische Kultur und Diktatorenpsyche erteilt. Für den Beduinenspross Gaddafi ist Blut dicker als Wasser. Wer es also wagt, einen seiner Söhne zu „demütigen“ – und dass Hannibal al-Gaddafi von der schweizer Exekutive zunäüchst wie ein gewöhnlicher Sterblicher behandelt wurde, empfindet der Größenwahnsinnige Despot ohne Zweifel als Demütigung – der zieht sich den unbändigen Zorn des Clanführers zu. Was die Schweiz, aber auch die USA, Frankreich und Italien, die nun alle große Honigvorräte gekauft haben, um sie Gaddafi ums Maul zu schmieren, auch nicht verstehen, ist, dass ein Tyrann Friedensangebote, Versöhnungsgesten und weiche Diplomatie nicht als Akte sieht, die er durch seinerseitiges Entgegenkommen belohnen müsste, sondern als Zeichen von Schwäche. Jeder Deal, der nun und in den vergangenen paar Jahren mit dem angeblich „ruhiger“ gewordenen Irren von Tripolis geschlossen wird oder wurde, ist wackelig, keine Öllieferung ist sicher, kein ausländischer Investor kann wirklich darauf vertrauen, dass seine Projekte nicht wieder enteignet werden. Und natürlich kann niemand sich niemand sicher sein, dass Gaddafi nicht wieder zum Mittel des Terrorismus greift.

Das Groteske dabei ist, dass man nicht in Harvard studiert haben muss, um zu wissen, wie sehr Diktatoren die Demokratie verachten und als „dekadente“ Systeme betrachten, die sofort einknicken, wenn man ihnen droht. Ein kurzer Blick in die Geschichte reicht aus, um das zu begreifen. Wer vor Typen wie Gaddfi zurückweicht, der braucht sich nicht zu wundern, wenn diese dann in den frei gewordenen Platz vorrücken und immer frechere Forderungen stellen. Und trotzdem setzen westliche Staaten – natürlich auch ihrer Wirtschaftsinteressen wegen und aus Furcht vor Terrorismus – auf das stumpfe Werkzeug des Appesement. Hitler, Stalin, Saddam Hussein und andere haben der Welt doch ausreichend vorgeführt, was geschieht, wenn man sie auch nur im Glauben lässt, ihre Taten blieben ohne Konsequenzen. Andererseits gab und gibt es immer wieder Beispiele, die zeigten, dass Diktatoren klein beigeben, wenn man mit ihnen Klartext redet und ihnen mit Härte und Stärke begegnet. Das liegt an der psychischen Verfassung von Tyrannen. Diese denken stets in Absolutismen, kennen nur Schwarz oder Weiß, Sieg oder Niederlage, Triumph oder Demütigung.

Über die Pläne Gaddafis, die Schweiz zu zerschlagen, darf man ruhig Witze machen, da er nicht die geringste Chance hat, diesen seinen feuchten Traum in die Realität umzusetzen. Eines sollte man aber nicht glauben: Dass der Kerl das nicht ernst meint. Hätte er die diplomatischen, wirtschaftlichen oder gar militärischen Möglichkeiten, dann würde er seinen Worten Taten folgen lassen. Die Schweiz ist im Visier des Wüstenherrschers, und da dieser dank Bush, Berulsconi und Sarkozy nun denkt, er dürfe sich wieder alles erlauben, halte ich die Terrorgefahr für die Schweiz und für schweizer Bürger und Einrichtungen weltweit für extrem hoch.