Broder, sie sind raus!

Aus einer TV-Kritik der „Welt“Die Migrationsforscherin Foroutan durfte Sarrazin durch den Bildschirm mitgeben, dass er falsch gerechnet hat. Stolz präsentierte die Wissenschaftlerin einen Brief der Berliner Polizei. In dem Schreiben bezeichneten die Ordnungshüter Sarrazins Zahlen zu den Gewaltdelikten junger Muslime als falsch. Da wurde es Broder zu bunt: Erst kam er zu der Erkenntnis, dass jede Wissenschaft „absurd und abstrus“ sei – und sich in fünf Jahren sowieso überholt habe.  Dann hielt er Foroutan ein Joseph-Goebbels-Zitat vor: „Glaube keiner Statistik, die Du nicht selbst gefälscht hast.“ Und schließlich verglich er Angela Merkels schnelle Kritik auf Sarrazins Buch mit Anordnungen der „Reichsschriftkammer“.

Wer die Bundeskanzlerin des demokratischen Staates Deutschland mit der Literaturzensurbehörde der Nazis in Verbindung bringt, bloß weil Merkel ein Buch öffentlich kritisiert, nie aber dessen Verbot gefordert hat, und wer meint, Goebbels-Zitate* wären ein geeignetes Mittel, um in einer Diskussion Argumente madig zu machen, der zeigt sich selbst die Rote Karte und disqualifiziert sich als Intellektueller.

Dazu passt, dass Broders Haus-und-Hof-Website „Achse des Guten“ qualitativ und ethisch immer mehr abbaut und fast schon wie die Publikation einer Sekte oder einer K-Gruppe wirkt, in der jeder „Abweichler“ mit heiligem Zorn bedacht wird. Man beachte zum Beispiel die höhnische Überschrift „Stephan J. Kramer: In eigener Sache“ zu einem Beitrag, der auf einen Kommentar des Generalsekretär des Zentralrats der Juden in Deutschland verlinkt. Kramer, selbst zum Judentum konvertiert, hat in der „Jüdischen Allgemeinen“ ganz richtig geschrieben: Das Judentum definiert sich nicht über seine „Blutsbande“, sondern über seine Zivilisation, seinen Glauben und seine Kultur. Das jüdische Volk steht von jeher jedem offen, der sich ernsthaft seinen Werten, seiner Religion und seiner Schicksalsgemeinschaft anschließen will. (…) Auch das macht klar, dass die Grundlage des jüdischen Volkes geistiger und nicht naturdarwinistischer Natur ist. Für die „Achse“, das soll wohl der hinterfotzige Hinweis, Kramer schreibe „in eigener Sache“, ausdrücken, ist der Generalsekretär als Konvertit nicht berechtigt, zur Diskussion über die genetische Definition des jüdischen Volkes eine Meinung zu äußern. Und das, meine Herren Achsenbetreiber Broder, Maxeiner und Miersch, ist einfach nur schäbig.

*dass das entsprechende Zitat Goebbels nur zugeschrieben wird, aber nicht beweisbar von ihm stammt, ist mir bekannt.