Strache verbreitet Putins Anti-Österreich-Propaganda

Im Juni wurde in Österreich ein Mann, der einen zehnjährigen Buben vergewaltigt hatte, zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt. Im Oktober hob der Oberste Gerichtshof das Urteil teilweise auf, da das Erstgericht die Posttraumatische Belastungsstörung des Opfers nicht berücksichtigt habe. Diese sei mit einer schweren Körperverletzung gleichzusetzen, was das Strafmaß auf bis zu 15 Jahren erhöht.

Noch einmal in anderen Worten: Der Oberste Gerichtshof hat ein Urteil teilweise aufgehoben, da es zu milde war. Weder wurde der Täter freigelassen noch bekommt er einen Strafnachlass. Er wird im Gegenteil eine längere Freiheitsstrafe kriegen.

Der russische Präsident Wladimir Putin verbreitete daraufhin die Falschmeldung, das Gericht habe den Täter freigesprochen. Russische Medien griffen das auf und schmückten die Lüge mit weiteren Erfindungen aus.

Schlimm genug, wenn der russische Präsident die österreichische Justiz und damit auch den Staat Österreich mit Lügenpropaganda attackiert. Völlig unverständlich ist aber, dass FPÖ-Chef Strache die Putin-Lüge zustimmend weiterverbreitet. Auf seiner Facebookseite postete Strache dies:

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Strache hat den Artikel der „Krone“, zu dem er verlinkt, wohl entweder nicht gelesen oder er hofft, seine Facebookfans würden ihn nicht lesen. In dem Artikel steht: „Allerdings beruhen Putins Anschuldigungen auf einer Falschmeldung, denn in dem besagten Fall gab es keinen Freispruch, der Flüchtling sitzt weiterhin in Haft“.

Es stellen sich nun ein paar Fragen.

Wieso schreibt Strache, Putin habe recht? Putin verbreitete eine Falschmeldung, um Österreich schlecht aussehen zu lassen.

Wieso verbreitet der vorgebliche Patriot Strache Lügenpropaganda, die der Kreml in die Welt gesetzt hat, um Österreich zu schaden?

Hält Strache seine Facebookfans für unfähig oder zu dumm, einen vom ihm selbst verlinkten Artikel zu lesen und zu verstehen?

Die Mordlust der Strache-Fans

Ein junger Asylbewerber aus Syrien erlitt heute einen psychischen Zusammenbruch. Er legte sich in Wien vor eine herannahende Straßenbahn, kletterte danach aufs Dach der Zuggarnitur und versuchte, nach den Stromkabeln zu greifen. Er rief dabei angeblich „Ich bin nicht vom IS“ und „Russland hat meine Familie ermordet“. Auf der Facebookseite von FPÖ-Chef Strache reagierten dessen Fans mit Mord- und Folterfantasien am laufenden Meter. Das sind dieselben Leute, die immer jammern, man grenze sie aus. Ja, ihr Drecksäcke, wir grenzen euch aus, weil ihr ein unzivilisiertes Pack seid, das sich öffentlich den Tod eines Menschen wünscht und sich dabei wohl noch stark fühlt in seiner Erbärmlichkeit.

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Strache hat euch lieb

Die Österreicher haben gewählt. Und wie. Nur mehr wenige Prozentpunkte liegen die Sozialdemokraten vor der FPÖ, die keine gewöhnliche Rechtspartei ist, sondern deren Mitglieder und Funktionäre immer wieder durch Berührungspunkte mit dem Neonazismus auffallen. Ein interessanter Aspekt des Wahlkampfes war der Missbrauch des christlichen Zentralbegriffs „Nächstenliebe“ durch die FPÖ, die ihn pervertierte, indem sie von den Empfängern dieser speziellen Form der Liebe einen Nationalitätennachweis verlangte. Nächstenliebe gelte exklusiv für „unsere Österreicher“, plakatierten die Freiheitlichen.  Mit dem genuin positiven Gefühl Liebe hat das natürlich nichts zu tun, nicht mit Nächstenliebe, noch sonst einer Form echter Liebe. Die blaue Version von „Liebe“ ist nichts als verkleideter Hass, sie ist das Beschwichtigen des Zukurzgekommenen, dem es ein finsterer Trost ist, dass andere noch viel weniger haben sollen als er, das Politikwerbung gewordene Verhältnis des gewalttätigen Vaters zu den Kindern, von denen er eines nicht ganz so arg prügelt wie die anderen, was ihm auf immer die Zuneigung dieses einen Kindes bringt, da es meint, in Relation geringer dosierte Misshandlung sei ein Liebesbeweis.

Und dennoch hat die Kampagne funktioniert. Das konnte nur in einer Gesellschaft stattfinden, in der die Warenwerdung ihrer Individuen, deren Degradierung zu Konsumentinnen und Arbeitskräften, so weit fortgeschritten ist und solche Verwüstungen in den Seelen angerichtet hat, dass noch der leiseste Abklatsch von Gefühl, noch die trübseligste Parodie von Liebe eine Sehnsucht bedienen kann. Wer trotz aller Sonntagsreden genau weiß, dass sich sein Wert nur mehr in unmenschlichen Kategorien wie Profit und Rentabilität bemisst, der ahnt, dass in diesem extrem lieblosen System seine Existenz keinen Pfifferling mehr wert ist, sobald sie sich für andere nicht mehr auszahlt. Der Mensch im entwickelten Kapitalismus ist gefangen in einem Leben, das ihm widerstrebt, von dem er zumindest einen starken Verdacht hat, was es wirklich ist, ein Zahlenspiel nämlich, bei dem er den kürzeren ziehen muss und in dem er nur mitspielen darf, solange er noch einen Nutzwert hat. Wenige Blicke in die Altersheime, in die Irrenanstalten und in die Weltgegenden, deren Nützlichkeitsphase für das Kapital abgelaufen oder noch nicht erschlossen ist, machen ihm klar, was mit den Überflüssigen passiert. Das ist eine Situation, an der jedes fühlende und denkende Wesen irre werden muss. Und in dieser Verzweiflung, in diesem Prozess des Verrücktwerdens an den Verhältnissen, da die nackte Panik Besitz von ihm ergreift, bietet ihm plötzlich jemand an, ihn zu lieben. Es ist nur verbal und es ist nur geheuchelt, sicher, aber es ist mehr, als die anderen anbieten. Die anderen haben für das verzweifelte Subjekt immer nur dessen eigene Optimierung für den kapitalistischen Verwertungsprozess im Angebot, sagen: „Da, machst du Volkshochschule bist du besser bezahlt“, aber Strache duzt ihn, offeriert ihm die Wärme des Rudels und damit die wohlige Aussicht, dass es da draußen Omega-Tiere gibt, die zu schikanieren auch dem bislang Entmachteten gestattet sein werde.

Die christlichen Kirchen konnten dem Wahlkampf mit der Nächstenliebe-Perversion bloß mit knirschenden Zähnen und schaumgebremster Kritik zusehen. Zu unglaubwürdig waren sie bereits geworden, zu klar war ihnen, dass Straches Zielgruppe zumindest eine Ahnung davon hatte, ein Gespür wenn man so will, dass es in den vergangenen 2000 Jahren mit der Realität der durch die Kirchen gelebten Liebe so weit nicht her gewesen ist. Die meisten Menschen kriegen es wenigstens durch Fernsehen oder Filme irgendwann im Laufe ihres Lebens mal mit, dass auch die Kirchen die Nächstenliebe niemandem zukommen ließen, der den weltlichen Mächten im Wege gestanden war. Und die politische Konkurrenz der FPÖ zeigte offen, dass sie die völlige Dominanz marktwirktschaftlicher Logik akzeptiert und inkorporiert hatte. Auch wenn viele Leute ganz oft so tun, als seien sie nichts als Wölfe, vornehmlich aus Angst, für Schafe gehalten zu werden, so sind sie doch im Grunde keine Raubtiere, sondern Menschen mit Empathie, die genau wissen, dass es falsch und brutal und lieblos ist, wenn zum Beispiel SPÖ und ÖVP Invaliden ihre Renten wegnehmen. Weil es aber kein ernst zu nehmendes politisches Angebot gibt, das solche Schweinereien offen ablehnt, wenden sich die Menschen an den, der Liebe und „soziale Wärme“ und Mitgefühl wenigstens schauspielert, statt Grausamkeit und Egoismus als die höchsten menschlichen Tugenden zu feiern. Der Trick mit der „Liebe“ funktioniert, weil die anderen Parteien nicht begreifen, dass der Mensch weder Tier, noch Maschine ist.

Diese kleine Betrachtung soll nun die Wählerinnen und Wähler der FPÖ nicht freisprechen vom Vorwurf, Trottel und Arschlöcher zu sein. Sie soll bloß ein Versuch sein auf die einst schon von Arik Brauer gestellte Frage zu antworten „Warum ist er so dumm?“

Bibelstunde für die FPÖ

Die FPÖ zieht mit einer perversen Abwandlung einer zentralen christlichen Botschaft, nämlich jener der Nächstenliebe, in den Wahlkampf. „Liebe deinen Nächsten“, verkündet das Plakat, um darunter die Einschränkung hinzuknallen: „Für mich sind das unsere Österreicher“. Da die FPÖ versucht, auf den Spuren der Bibel zu wandeln, dabei aber vom Fremdenhass nicht lassen mag, helfe ich gerne aus mit einer kleinen Bibelstunde.

Und wenn ein Fremder bei dir, in eurem Land, als Fremder wohnt, sollt ihr ihn nicht unterdrücken. (Mose, 19)

Wie ein Einheimischer unter euch soll euch der Fremde sein, der bei euch als Fremder wohnt; du sollst ihn lieben wie dich selbst. (Mose, 19)

Es soll ein und dasselbe Recht unter euch sein, für den Fremdling wie für den Einheimischen. (Moses 3)

Ein guter Mensch bringt Gutes hervor aus seinem guten Schatz des Herzens; und ein böser Mensch bringt Böses hervor aus seinem bösen Schatz. (Matthäus 12, 35)

Vergeltet niemand Böses mit Bösem; seid bedacht auf das, was ehrbar ist vor allen Menschen! (Römer, 12)

 Und in deinem Weinberg sollst du nicht nachlesen, und die abgefallenen Beeren deines Weinbergs sollst du nicht auflesen; für den Elenden und für den Fremden sollst du sie lassen. (Mose, 19)

Und ihr sollt bei meinem Namen nicht falsch schwören, dass du den Namen deines Gottes entweihen würdest. (Mose, 19)

Facebooksperre für Strache? Nicht gut

Immer wenn FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache den Mund aufmacht weiß ich, dass da gleich was rauskommen wird, das ich ablehne, dass er eine Meinung vertreten wird, die ich nicht teile, oder dass er schlicht Unsinn plappern wird. Der liegt ja meist sogar dann faktisch und moralisch falsch, wenn er nur über das Wetter redet. Dennoch finde ich die 3o-tägige Sperre, die Facebok nun gegen Strache (laut Strache) verhängt hat, nicht gut oder  bejubelnswert. Der Sperre haftet ein Ruch von Willkür an, denn eine Begründung liefert Facebook für seinen Schritt nicht. Wäre Strache gesperrt worden, als er eine antisemitische Karikatur postete, hätte ich das begrüßt und verstanden, aber darauf bezieht sich Facebook nicht. Straches Facebookprofil wurde wohl so häufig als „anstößig“ oder „beleidigend“ oder „verhetzend“ gemeldet, dass die Firma mal auf gut Glück die Notbremse gezogen hat. Und das ist problematisch, denn es kommen hier keine gesetzlichen oder wissenschaftlichen Standards zur Anwendung, sondern Privatmeinungen von Usern und die Privatmeinung von Facebook. Das ist natürlich Facebooks gutes Recht als Hausherr, so wie es mein Recht hier auf diesem Blog ist, Leserkommentare, die mir nicht behagen, zu löschen, aber es ist eben auch eine Erinnerung daran, dass Facebook mit echter Meinungsfreiheit nicht allzu viel zu tun hat, sondern ein Unternehmen ist, das jederzeit jeden daran hindern kann, am Austausch auf dieser Plattform teilzunehmen, ohne das näher begründen zu müssen. Heute trifft es den Strache, morgen vielleicht einen seiner Kritiker. Darin sehe ich keinen Grund zum Feiern.

ps: Dass Strache „vermutet, seine Kritik am US-Spionage-Skandal sei der Auslöser für die Sperre gewesen“, zeugt mal wieder prächtig von einer hübschen Mischung aus Größenwahn und Publikumsverarschung und bringt uns zum Eingang dieses Blogbeitrages. Immer, wenn der den Mund aufmacht, kommt was Blödes.

Ein kleines Burschendrama

Vor nicht allzu langer Zeit, in einer „Bude“…

Burschi: „Des traust di nie, Hazeh“

Strache: „Ich trau mi olles“

Burschi: „Na dann bring die Zeichnung da auf deiner Facebookseite.“

Strache: „Welche Zeichnung?“

Burschi: „Na die da. Die Zeichnung da, wo der Staat den fetten Judn füttert, während das Volk hungert. Siehst, die is ursprünglich von so einer komischen, haha, linken amerikanischen Zeitung aus den 60er Jahren, aber Kameraden aus dem Altreich haben die Karikatur noch ein bisserl eindeutiger gemacht, so mit Davidsternen auf dem Gwand vom Bänker, und a Judennasen haben´s eam auch verpasst. Aber des traust di ned posten, gell?“

Strache (vor Erregung mit Meidlinger L sprechend): „I soll mi des ned traun? Hör zu, Bub, I bin schon mit der VAPO durch den heiligen Kärntner Tann gerobbt wia du noch ned amoi gwusst hast, wie ma Hiddler schreibt. I hab öffentlich den Kühnen-Gruß gezeigt! I bin bei einem Treffen der Wiking-Jugend von den Bütteln des BRD-Besatzungsregimes verhaftet wordn. I woa mit der Elite vom nationalen Widerstand unterwegs, vom Andi über den Jürgen bis zum Gottfried. Herrgott nochmal, der Norbert Burger selbst hat mich eingeschult! I hab die Bewegung aus den Klauen von dem unzuverlässigen Homofürsten und seinen warmen Brüdern entrissen und wieder auf den echten rechten Weg gebracht. I hab sogar in Yad Vashem a Burschenschafter-Tonne aufn Kopf getragn. I trau mi alles“.

Burschi: „Na dann bring die Karikatur!“

Strache: „Her mit dem Link! So, und jetzt schau!“ (öffnet Facebook auf dem PC der „Bude“ und tippt die Email-Adresse Herr_Wolf_18@altermedia.de und das Passwort „Bumstinewjew“ ein, veröffentlich die antisemitische Karikatur und schreibt dazu: „So sieht die Umverteilung von Rot-Schwarz mit ihren grünen Helferleins in Wahrheit aus! Sie verteilen unser hart erarbeitetes und erwirtschaftetes österr. Steuergeld in Richtung der EU-Bankspekulanten mittels ESM-Diktat und Österreich-Verrat! Gleichzeitig kürzen sie das Pflegegeld und die Familienbeihilfe in Österreich und haben damit die Ärmsten der Armen getroffen (Kreisky dreht sich im Grab um)“.

Burschi: „Respekt, Alter…Herr. Des sitzt! Die Roten und die Schwarzen und die Grünen schenken unser Geld den Juden und nehmen es den Ärmsten der Armen weg. Supa! Und dann noch den alten Saujud Kreisky ins Spiel bringen quasi als Kronzeuge unserer Sache… genial. Ich nehm alles zurück, du hast echt Eier, Hazeh“.

Strache: „Na sicher. Ich bin im Stahlgewitter der Zahntechnikerausbildung, äh, gestählt worden und ich kenn doch die Pappenheimer von den anderen Parteien und von den Medien. Die ÖVP hofft auf mich als Koalitionspartner, die halten also brav die Pappn, den Roten ist Antisemitimus auch a lässliche Sünd und die Medien, ja mei, da werden ein, zwei empörte Kommentare kommen, aber mia sind in Österreich, des schlaft wieder ein – nachdem die Botschaft hängen geblieben is und ein weiterer Zwischensieg bei der Enttabuisierung unseres nationalen Gedankenguts errungen worden ist.“

Burschi (schenkt sich und Strache ein Bier ein): „Ja, genial, aber hast keine Angst, dass deine neuen Freunde in Israel des eventuell missverstehen könnten? Und was ist mit dem Lasar , dem Hausju… dem Verbindungsmann zur rechtszionistischen Szene?“

Strache: „Hahaha, der Lasar, der Naivling! Und die rechten Juden in Israel! Hättest sehen sollen, wie ich die um den kleinen rechten Finger gewickelt hab mit  ein bisserl Billigrhetorik gegen den Islam. Die san so verzweifelt auf der Suche nach Freunden und so an´gfressen von de europäischen Linken, dass die echt glauben, wir waratn auf ihrer Seite. Simma ja auch irgendwie. Die wollen, dass alle Juden nach Israel einwandern, und wir wollen, dass alle Juden von hier auswandern. Des passt doch super zusammen. Profitiern ja beide davon.“

Burschi: „Aber eigentlich san wir ja traditionell eher mit den Arabern und dem Iran verbandelt, oder? Wir ham ja ned umsonst diverse österreichisch-syrische, österreichisch-libysche und so weiter Gesellschaften? Und der Ahmedinedjad, auf den hat ja der Mölzer, der ja unser Ideologe ist und, ned beleidigt sein, Hazeh, ein echter Burschenschafter, wahre Hohelieder geschrieben in seinem Blattl. Weist eh noch: Sogar ein T-Shirt mit der Aufschrift „A world without Zionism“ hamma damals kaufn können beim Mölzer, vor ein paar Jahren, so um 2008 rum. Ist der Iran jetzt plötzlich der Feind?“

Strache: „Aber nein, grundsätzlich hat der schon recht, der Kravattenverweigerer aus Teheran. Aber hier bei uns gibt´s halt viel mehr Musels als Juden, deswegen hamma eine Feindbild-Analyse gemacht und dabei festgestellt, dass der durschnittliche Wiener Prolo die Islamers noch mehr hasst als wie die Juden. Da muss man sich halt anpassen. Aber des ändert nix an unseren Überzeugungen, und ich hab das ja gerade bewiesen mit dem Posten der schönen Karikatur“.

Burschi: „Wow, Hazeh, du hast echt was am Kasten, strategisch und so.“

Strache: „Ja, deswegen bin I ja auch Parteichef und du nur Aktenträger beim Graf. Haha, nix für Ungut, und jetzt PROST“ (beide stoßen an, knallen die Biergläser auf den Tisch und sagen im Duett: „Keine Juden am Tisch“)

FPÖ, Davidsterne, Schweinefleisch und ein großes Schweigen im Land

Am 18. August postete FPÖ-Chef Strache dieses Bild auf seiner Facebookseite:

Wer heute nachschaute, fand dasselbe Bild, aber mit verändertem Text:

Aha, zuerst mal antisemitisch und antimuslimisch rumpöbeln und dann, nachdem der Hut brennt, das Posting nachträglich zu entschärfen versuchen. Blöd nur, dass es inzwischen tausende Screenshots gibt und Facebook natürlich auch alles loggt.

Reichlich armselig auch die Versuche Straches, sich aus dem Skandal mit der antisemitische Karikatur im „Stürmer“-Stil herauszuwinden. Da setzt der rechtsradikale Politiker, wie die Kollegen vom Blog „Bawekoll“ lobenswert herausgearbeitet haben, auf die vermeintliche Macht der optischen Täuschung. Zum „Beweis“, dass die Davidsterne auf der Karikatur keine Davidssterne seien, postet Strache einen Ring mit Davidsternmotiv. Und dreht ihn in eine falsche Position:

Das ist putzig. Genauso putzig wie der Hinweis darauf, die FPÖ „vermittle“ in Hebron zwischen Palästinensern und Israelis. Wir wollen jetzt mal gar nicht darauf eingehen, mit welchem Mandat die Blauen für das, was sie da angeblich tun, ausgestattet wurden (es war kein israelisches und kein österreichisches), aber in Israel ist den Herrschaften von der FPÖ sicher der eine oder andere Davidstern untergekommen, zum Beispiel auf der Israelischen Nationalflagge:

Und jetzt vergleichen wir noch einmal den von Strache als „Beweis“ geposteten Ring, in die richtige Position gedreht, mit der ebenfalls von Strache geposteten Karikatur:

Jene Partei, von deren versprengten Mitgliedern einst die FPÖ gegründet wurde, wusste übrigens ganz genau, wie ein Davidstern aussieht:

Nein, Strache, aus dieser Sache werden sie sich nicht mehr herauswinden können. Da hilft all das unverschämte Lügen und Täter-Opfer-Umkehren und Manipulieren von Postings nicht. Sie haben nachweislich antisemitische Propaganda verbreitet, Strache. Eine zweite Möglichkeit gibt es theoretisch noch: Sie haben das Bildungsniveau eines Vorschulkinds. Auch das würde sie, Strache, für alle politischen Funktionen in diesem Land disqualifizieren. Würde, leider nicht wird, denn sie wissen ja genau, wo sie sind, in Österreich nämlich, wo dieser Skandal schon morgen wieder vergessen sein wird, wo sie kein Bundespräsident, kein Bundeskanzler, kein Vizekanzler und  kein Zeitungsherausgeber zum sofortigen Rücktritt auffordert, wo es wohl als verzeihlich gilt, wenn der Anführer der größten Oppositionspartei Karikaturen veröffentlicht, die inhaltlich und stilistisch den Hetz-Zeichnungen des „Stürmer“ entsprechen. Die ÖVP sieht natürlich auch keinen Anlass, klar zu stellen, dass sie mit einer Strache-FPÖ keine Koalition eingehen werde. Nein, im Land herrscht ein großes Schweigen. Aber sorgen sie sich nicht, Strache, auch wenn es die österreichischen Eliten nicht für notwendig erachten, sie so zu ächten, wie sie es verdient hätten – als selbst ernannter Philosemit und Israelfreund können sie nun abdanken, das glaubt ihnen jetzt nämlich außer einer Gruppe Denkbehinderter wirklich keiner mehr. Und international haben sie sich damit wohl endgültig ins Aussätzigeneck gestellt.