Scheiß Vuvuzela, Ergänzung

An den hohen Zugriffgszahlen und den vielen Kommentaren zu meinem Blogeintrag „Scheiß Vuvuzela“ merke ich, dass nicht nur ich ein Problem mit dem Ohrenfolter-Instrument habe. Leider gibt es auch viel Applaus von der falschen Seite, also von Rassisten, daher noch mal zum Mitmeißeln: Mein Hass auf die nervtötenden Tröten rührt nicht daher, dass diese von Afrikanern geblasen werden. Ich würde die Teile auch verabscheuen, wenn es deutsche, chinesische oder israelische Fußballfans wären, die damit eine WM-Stimmung ruinierten. Ich bemühe mich, eindeutig rassistische Leserkommentare rauszufischen und dorthin zu befördern, wo sie hingehören, nämlich in den virtuellen Papierkorb.

Eher belustigend finde ich die Reaktionen von Lesern, die mir mehr oder weniger direkt Rassismus und/oder mangelnden Respekt vor fremden Kulturen unterstellen. Liebe rasch erregte Obergutmenschen:  Die Vuvuzela ist kein traditionelles südafrikanisches Musikinstrument. Erst in den den späten 90er Jahren tauchten erste Exemplare aus Blech in den Fußballstadien von Kapstadt, Johannesburg und Durban auf, und die erste jener Plastiktrompeten, mit denen die WM derzeit akustisch versaut wird, erblickte im Jahr 2001 das Licht der Welt. Da ist also nix mit „Tradition“ und „Kulturerbe“. Fußballspiele mit Vuvuzelas totzublasen, ist eine relativ junge Modeerscheinung und kein liebens- und schützenswerter alter Brauch. Leider sitzen viele Menschen inklusive der FIFA-Entscheidungsträger dem Missverständnis auf, dass alles, was irgendjemand zur „Kultur“ erklärt, automatisch Respekt und Schutz verdiene, weshalb die Internationale Föderation des Verbandsfußballs auch nicht die Eier hatte, die beknackten Tröten zu verbieten.

Mal was Grundsätzliches: Wenn alles Kultur ist, ist nichts mehr Kultur. Die Verklärung jeder noch so barbarischen Unsitte zu „Kultur“ ist eines der hässlichen Ergebnisse des postmodernen Relativismus, dessen dümmste Vertreter jene Naivlinge sind, für die letztlich eine Mozartsonate und die Ermordung weiblicher Säuglinge in manchen Weltgegenden dasselbe ist, schließlich sei ja beides „Kultur“. Mit so einer Einstellung lässt sich jede Barbarei rechtfertigen und jede Kritik an der Barbarei als „Rassismus“ oder „Kulturchauvinismus“ denunzieren.

Zurück zu den Tröten des Grauens: Ich hätte überhaupt nichts gegen Vuvuzelas einzuwenden, würden diese tatsächlich sowas wie Stimmung erzeugen. Da sie aber UNUNTERBROCHEN dröhnen und mit ihren 120 Dezibel fast alles andere übertönen, tun sie das genaue Gegenteil – sie zerstören jegliche Fußballstimmung, irritieren die Spieler und verärgern die Fans, die auf eine schöne und spannende WM gehofft hatten. Es ist auch ein Ausdruck von Gastunfreundlichkeit und Respektlosigkeit, wenn die südafrikanischen Stadionbesucher dem Rest der Welt sozusagen akustisch den Stinkefinger zeigen.

Scheiß Vuvuzela

Na toll, liebe südafrikanische Fußballfans: „Dank“ eurer beschissenen Vuvuzela, die ihr und viele verblödete WM-Bummler während der Spiele ohne Unterbrechung im Dauereinsatz habt, wird diese WM zur akustischen Folter. Die blöden Tröten übertönen einfach alles: Fanchöre, Klatschen, Jubel, verbale Kommunikation der Spieler – alles. Und ihr blast die Dinger un-unter-brochen, ganz egal, wer am Ball ist, egal, was gerade am Rasen geschieht. Die Folge ist, dass die Spiele wirken, als gucke man mit einem Extrem-Tinitus im Ohr einer Parade von tollwütigen Elefanten zu und alles, was man hört, sind die Stimmen der Sportkommentatoren. Obwohl diese WM dank High Def so gut aussieht, wie keine zuvor, verleidet mir die kakophonische Trompeterei die Freude daran. Ganz toll gemacht, danke dafür, ihr ARSCHLÖCHER.