Als Ramid vor Menschenfeinden floh und bei anderen Menschenfeinden landete

Ramid ist 26 Jahre alt und stammt aus Syrien. Ich habe ihn zweimal getroffen. Einmal im Sommer 2015, als er gerade tausende Kilometer zu Fuß, auf Schlauchbooten und in Güterzügen hinter sich gebracht hatte, und ein zweites Mal vor ein paar Wochen. Bei unserem ersten Zusammentreffen war er noch von der Flucht gezeichnet, müde, und ausgezehrt, aber auch zufrieden, es nach Österreich geschafft zu haben. Im Gespräch mit ihm fiel mir der Gegensatz zwischen seinem Lächeln und seinen Augen auf. Er hatte Augen, wie man sie oft bei Refugees sieht, aber auch bei Kriegsberichterstatterinnen oder Veteranen. Es klingt nach einem Klischee, klar, aber wenn die Augen eines Menschen zu viel Schreckliches sehen, wirken sie älter als sie sein sollten, trauriger, tiefer, ein bisschen abwesend, über das unmittelbare Jetzt hinwegblickend. „Like black holes in the sky“. Fast das Letzte, was er in Syrien gesehen hatte, bevor er floh, war ein Nachbar, dem vor seinen Augen in den Kopf geschossen worden war.

Als ich Ramid ein Jahr später wieder traf, war er körperlich fitter, wirkte aber psychisch wesentlich angeschlagener. Auch seine Augen waren anders. Der Blick war fahriger, flackernder, härter. Aus der Freude, erfolgreich der Kriegshölle entronnen zu sein, war Enttäuschung über ein Land geworden, das ihm einst ein Synonym für „Menschenrechte und Kultur“ gewesen war, in dem nun aber alle nur mehr darüber redeten, ob Araber womöglich durchwegs gefährliche Leute, Terroristen gar seien, was Flüchtlinge alles tun müssten oder nicht tun dürften und wie rasch man sie wieder loswerden könne. Das, so Ramid, sei alles, worüber Österreicher mit ihm sprächen, während sich in Syrien die Leichenberge auftürmten. Der Westen, und zu dem gehöre Österreich ja wohl, schaue dabei zu und fühle sich dann auch noch moralisch überlegen. In St. Pölten, wo Ramid in einem Flüchtlingsheim lebt, geht er oft spazieren, denn was anderes darf der studierte Jurist ja nicht machen. Vielleicht noch ein bisschen in der Heimküche helfen. Während Ramid durch eine niederösterreichische Kleinstadt läuft oder Kartoffeln schält, interessiert sich niemand für die Wut, die in ihm immer größer wird, eine Wut, die sich aus der Gleichgültigkeit eines Landes speist, dessen Politiker immer von „Hilfe vor Ort“ schwafeln und dann genau gar nix unternehmen. Eine Wut, die von der Arroganz von Menschen ausgelöst wird, denen Ramid immer wieder aufs Neue erklären muss, dass er kein Islamist und schon gar kein Terrorist ist. Eine Wut, die auch von den Schlägen mazedonischer Grenzschützer herrührt, von den nächtlichen Märschen durch kalte Wälder auf der Flucht vor europäischen Polizeieinheiten, von der Gewalt in improvisierten Lagern, von Hunger und Durst und dem täglichen kalten Dosenfisch, den es im Lager Traiskirchen zu essen gab. Und von der ständigen Ungewissheit. Wird der Asylantrag angenommen? Lebt die Familie noch? Sind Freunde und Bekannte unter den jüngsten Opfern der Bombardierungen?

Ich fühlte mich zusehends elend bei diesem zweiten Treffen mit Ramid. Ich spürte seine Wut und die ansteigende Verzweiflung und ich wusste, dass es viele wie ihn gab. Menschen, die schwere Traumata mit sich herumschleppen, denen aber niemand bei der Aufarbeitung hilft. Das ist gefährlich. Zwischen all dem xenophoben Gebrüll der Menschenfeinde und der Politiker, die meinen, die Menschenfeinde wären die Mehrheit, gehen Menschen psychisch kaputt und keiner hilft ihnen. Manche von diesen Menschen fangen an zu saufen und nehmen Drogen. Andere verlieren langsam den Verstand und drehen irgendwann durch. So wie jener junge Syrer, der in Wien kürzlich versuchte, sich vor eine Straßenbahn zu werfen und der danach auf die Zuggarnitur kletterte, um nach den Stromkabeln zu greifen. Angeblich hatte der Mann gerade erfahren, dass seine Familie einem Bombenangriff der syrischen Regierungstruppen zum Opfer gefallen war. Aber selbst falls das nicht der Fall war, kann schon die ständige Sorge, können die Posttraumatischen Belastungsstörungen so eine Verzweiflungstat auslösen. Es ist das letzte Aufbäumen von Menschen, denen niemand zuhört und die von dem Land, in dem sie Schutz suchten, nur als Belastung wahrgenommen werden. Es ist ein Schrei: „Hier bin ich, ich bin ein Mensch, keine Nummer in der Statistik“.

In Reaktion auf die desperaten Handlung des Flüchtlings in Wien erreichte die FPÖ einen neuen Tiefpunkt an Inhumanität. FPÖ-Chef Strache postete ein Video des Vorfalls und schaute dann ohne einzugreifen zu, wie seine Facebook-Fans darum wetteiferten, wer auf die Verzweiflung eines Menschen grausamer reagieren kann. Wer versuchte, der Lynchstimmung mit sachlichen Argumenten oder auch nur mit Aufrufen zu mehr Menschlichkeit entgegenzuwirken, wurde gelöscht oder gar blockiert, Mordaufrufe blieben stehen. Das ist fast alles, was man über diese FPÖ wissen muss. Sie lassen Leute, die andere umbringen wollen, weil sie einen Nervenzusammenbruch haben, gewähren und bringen die zum Schweigen, die mit Menschen menschlich umgehen möchten. Da braucht es gar keine tiefe politische Analyse mehr, da muss man keine Parteiprogramme wälzen. Das wurde alles schon gemacht und brachte keine anderen Ergebnisse als jenes, das nach Lektüre der Facebookauftritts von Strache herauskommt: Die FPÖ ist eine menschenfeindliche Bewegung. Noch hat diese Partei keine Mehrheit, aber sie kommt ihr schon gefährlich nahe. Man sollte nicht wollen, dass die FPÖ Österreich regiert, und man sollte mit allen legalen Mitteln versuchen, das zu verhindern. Dazu braucht man nicht einmal „links“ zu sein, es reicht, ein Mensch zu sein.

Ich weiß nicht, wie es Ramid heute geht. Ob er wieder herausgefunden hat aus der seelischen Not oder ob er immer tiefer darin versinkt. Vielleicht hat er jemanden gefunden, der ihm nicht nur zuhört, sondern ihn sogar versteht? Vielleicht denkt er an Suizid? Der Zufall spielt da schon auch eine gewisse Rolle, aber entscheidender sind die Lebensbedingungen, und die sind nicht vom lieben Gott gemacht, sondern von uns allen. Politiker, die aus Feigheit vor den Unmenschen eine unmenschliche Politik betreiben und mit Menschen verfahren, als wären sie Gepäckstücke, machen sich mitschuldig an vermeidbarem psychischem Elend und letztlich auch an Verzweiflungstaten. Und dieses psychische Elend betrifft nicht alleine Refugees, es betrifft uns alle. Alle, die noch fühlen wie Menschen statt wie Mörder. Es gibt ein Zitat eines gewissen Jesus von Nazaret. „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan“. War ein kluger Mann, dieser Jesus, denn er wusste offenbar, dass sich niemand sicher fühlen kann, solange Minderheiten misshandelt werden.

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I don´t want no peace

Die Pazifistenfront, die Krieg immer nur dann führen will, wenn er dem deutschen Kapital nützt, hat Verstärkung bekommen. Die „Alternative für Deutschland“, der letzte Schrei auf dem Markt dummer deutscher Parteien,  ein Verein homophober Islamhasser, barmt auf Facebook darum, doch bitte keine wertvollen deutschen Übermenschen dorthin zu schicken, wo sich Untermenschen gegenseitig meucheln.

afd

 Andere Friedensfreunde, die sich irgendwie links fühlen, greifen auf die üblichen Parolen zurück, die man in dem Milieu seit Jahrzehnten und lange unter sowjetischer Patronanz eingeübt hat:

krieg 

Putzig an solchen Plakaten und Slogans ist, dass hier unterstellt wird, in Syrien, wo Zehntausende abgeschlachtet werden, herrsche tiefer Frieden, der erst dann zum Krieg würde, wenn westliche Mächte eingreifen, und dass ein militärisches Eingreifen niemals positive Veränderungen bringen könne. Auch hier liegt dem vermeintlich hehren Ansinnen der Friedfertigkeit derselbe Rassismus zugrunde wie bei den deutschtümelnden, aber wenigstens ehrlichen Rechten: So lange sich die „Wilden“ gegenseitig totschießen, ist alles in Butter, aber sobald westliche Soldaten ins Spiel kommen, ist das ganz schlecht und man muss dagegen demonstrieren gehen. Dass „Bomben keinen Frieden schaffen“ würden, kann übrigens nur jemand meinen, in dem die deutsche Grundlüge, Krieg kenne weder Gut noch Böse, sondern nur Opfer, weiter wirkt. Eine Lüge, die sich die Tätergeneration des Holocaust ausdachte und die deren Kinder und Enkel ebenfalls verinnerlichten. Es ist kein Zufall, dass sich Linke und Rechte ausgerechnet in Deutschland, dieser Staat gewordenen verfolgenden Unschuld, so einig darüber sind, dass Krieg „keine Lösung“ sei (außer natürlich, es sind die Nachschubwege der deutschen Industrie in Gefahr oder ein Staat stellt sich gegen Umbaupläne in der deutschen Machtperipherie, dann geht es hurtig und ohne großen Protest auf zur Terroristen- oder Piratenjagd und die Tornados der Luftwaffe fliegen Bombenangriffe auf Belgrad). Nachdem man mit dem Holocaust und den Angriffskriegen gerade die größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte zu verantworten hatte, war man trotzdem wieder einmal davon gekommen und durfte erneut zur Wirtschaftsgroßmacht aufsteigen. Gegen das blöde Gefühl, dass diese Sachen, die man zwischen 33 und 45 gemacht hatte, vielleicht doch so fein nicht gewesen waren, verabreichte die Populärkulturproduktion wirksame Impfungen. Konsalik schrieb schmandige Bestseller über das Leid der armen deutschen Kriegsgefangenen, Freddy Quinn attestierte per Schlagergesülze, dass man doch keine Wahl gehabt hätte, weil „100 Mann und ein Befehl“ und so, Landserhefte waren Bestseller und bald schon folgten Kino und Fernsehen mit allerlei Verständnisgeheische für die armen „Vertriebenen“, die „Bombenopfer“ und gar Führers treueste Helfer, die im Bunker den „Untergang“ erleben mussten und sich vor den barbarischen Russen fürchteten. Wir sehen, dass genau das Gegenteil von dem stattgefunden hat, was die Rechten immer bejammern: Keine breite Re-Education, kein ständiges Erinnern an die Schwere der Schuld, stattdessen eine Massenschiefheilung der kranken Volksseele durch Schuldabwehr („hat alles der böse Adolf gemacht“), Opferhaltung („wir haben auch gelitten“) und Relativierung („war halt Krieg, und Krieg ist was ganz Furchtbares“).

In diesem Umfeld entstand diese typisch deutsche Friedensbewegung, die zu Beginn noch als das erkenntlich war, was sie wirklich sein wollte, nämlich einerseits eine in der Systemauseinandersetzung klar Partei ergreifende pro-sowjetische Bewegung, anderseits ein Projekt zur moralischen Weißwaschung des militärisch langsam wieder aufrüstenden NS-Nachfolgestaats. In den Erben dieser Bewegung, also bei jenen, die heute faschistische Regimes wie jene in Damaskus und Teheran unterstützen, indem sie jede militärische Gefährdung dieses Faschismus durch die Streitkräfte demokratischer Staaten ablehnen, wirkt das alles teils unbewusst nach. Viele wissen gar nicht mehr, warum sie denn unbedingt Frieden um jeden Preis haben wollen, und wenn man nachfragt, bekommt man kindliche Antworten zu hören, die gerne mit Schlagworten und Phrasen unterfüttert sind. Forscht man konkret nach, warum man einen Bürgerkrieg, dem schon zehntausende Menschen zum Opfer gefallen sind, nicht gewaltsam beenden solle, warnen diese Pazifisten oft vor „Chaos“ und „Anarchie“. Einmal abgesehen davon, dass das nicht grundsätzlich immer negative Zustände sein müssen, ist zu klären, weshalb ausgerechnet selbst ernannte Linke für die Niederhaltung von Menschen durch brutale Diktatoren sind, bloß weil sie beim Sturz des Diktators unruhige Zeiten fürchten. Wer die Friedhofsruhe liebt, muss ein Zombie sein, innerlich schon tot und nur mehr eine leere Hülle, die noch so tut, als wär sie ein lebendiger Mensch.

Ich bin weder Hellseher, noch naiv. Ich denke nicht, dass die wohl geplanten militärischen Nadelstiche, die der Westen der syrischen Staatsmacht zu verabreichen gedenkt, viel bewirken werden. Ich denke auch nicht, dass für den Fall, dass Assad abtritt oder abgetreten wird, sofort Frieden und Liebe Einzug halten werden. Ich weiß aber dass der, der einen Diktator stürzen will, das Recht hat, das mit allen Mitteln zu versuchen, und dass man ihm dabei nach Möglichkeit helfen sollte. Herr Assad ist ein Schlächter, der einer Familie von Schlächtern entsprang. Er und sein Clan unterhalten Folterkeller, politische Gegner werden ermordet und selbst vor dem Töten Zehntausender im Zuge von Sippenhaftung wurde und wird nicht zurückgeschreckt. Es ist ein Mörderregime, wie es jenes von Saddam Huessein war, und wenn so ein Regime fällt, macht man als Mensch mit einem Rest von Anstand eine Flasche Sekt auf, statt den Killern hinterher zu weinen. Und zwar ganz unabhängig davon, dass die Gegner der Mörder selber welche sind. Müssen sie ja auch sein, wie sonst sollen sie denn eine Herrscherclique, die ihre extreme Brutalität schon allzu oft unter Beweis gestellt hat, vertreiben? Da läuft nichts mit friedlichen Demonstrationen und Sitzstreiks und Protestsongs. Natürlich ist es ein verführerischer Gedanke, Assad mit einem Konstantin-Wecker-Mixtape mürbe zu machen und ihm mit einer Lesung von Erich-Fried-Gedichten den Rest zu geben, nur funktioniert das leider nicht. Es ist kaum aushaltbar bigott, an Menschen, die gegen eine extreme Gewaltherrschaft kämpfen, aus dem sicheren Mitteleuropa aus Haltungsnoten zu vergeben. Und es ist einfach nur inhuman und rassistisch, Menschen vorschreiben zu wollen, sie sollten halt weiterhin in einer Diktatur leben, weil man sie als unreif verleumdet und ihnen unterstellt, sie wären kulturell bedingt inkompatibel zur Demokratie, als sei Kultur eine Sache der Gene.  

Man möchte all den Peace-Wankers und Diktatoren-Fans das entgegenschleudern, was ein sehr kluger Jamaikaner namens Peter Tosh einst so treffend gesungen hatte: „I don´t want no peace, I want equal rights and justice“. 

Demokratiefetischisten und Diktaturverharmloser

Demokratie, verstanden als Herrschaft der Mehrheit, ist kein Wert für sich. Es gibt kein Menschenrecht darauf, Menschenrechte auf demokratischem Wege abzuschaffen. Ein demokratisch gewählter und bei demokratischen Wahlen immer wieder bestätigter Nazi bleibt ein Nazi. Demokratisch legitimierte Konzentrationslager bleiben Konzentrationslager. Verbrechen, Unmenschlichkeit und Verstöße gegen die Menschenrechte hat man auch dann nicht zu akzeptieren, wenn 99 Prozent der Wähler dafür gewesen sein sollten. Wer nicht versteht, dass es Werte gibt, die wichtiger sind als Mehrheitsbeschlüsse, der soll zu Ägypten und Syrien und überhaupt zur Weltpolitik schweigen. ich denke, Barack Obama ist so einer, der besser das Maul halten sollte. Am besten zusammen mit der verlogenen deutschen Polit-Elite, die immer nur dann den Pazifismus entdeckt, wenn Militäreinsätze westlicher Staaten den eigenen Weltmachtfantasien in die Quere kommen. Was für eine Bande! Einerseits Obama, der Demokratie immer total super findet, ganz egal, was da zusammengewählt wird, anderseits die Deutschen, die nicht nur beim Export Weltmeister sind, sondern auch darin, Diktatoren und Despoten vor Marschflugkörpern zu bewahren. Und solche Leute führen die sogenannte Freie Welt?

Syrische Nazis

Wer verstehen will, warum das syrische Regime auch vor den abscheulichsten Verbrechen nicht zurückschreckt, der muss die Ideologie der Baath-Partei verstehen. Deren Gründer, Michael Aflaq und  Salah al-Din Bitar, sogen im Paris der 30er Jahre faschistisches Ideengut auf und bauten dieses in die Ideologie ihrer neuen Partei ein: Strikter Antikommunismus, dafür „nationaler Sozialismus“ mit Ablehnung der westlichen Demokratie und Wirtschaftsform, Volksgemeinschaft (die NS-Version der „klassenlosen Gesellschaft“), Organisation der Partei in kleinen Zellen, pan-arabischer Nationalismus. Und Antisemitismus. Am stärksten beeinflusst wurde der Baathismus von den Nazis. Sami al Joundi, Baathist der ersten Stunde, schrieb einmal: „Wir bewunderten die Nazis. Wir haben Tag und Nacht Nazi-Literatur gelesen. Jeder, der damals in Damaskus lebte, konnte sehen, wie stark wir dem Nazismus zuneigten“. Dieser Pronazismus fand seinen Ausdruck auch darin, dass das von der Baath-Partei beherrschte Syrien nach dem Zweiten Weltkrieg einer der beliebtesten Zufluchtsorte für Nazis aller Größenordnungen war, auch für solche Kaliber wie Alois Brunner, der rechten Hand von Adolf Eichmann. Und diese Figuren standen der Baath-Partei mit Rat und Tat beim Aufbau ihrer Terrorherrschaft zur Seite. Brunner etwa wurde eine Art „Berater für Judenfragen“ für den syrischen Geheimdienst Muhabarat. Andere Nazis halfen beim Aufbau der syrischen Armee und der diversen „Spezialeinheiten“ der Sicherheitskräfte des Regimes. Daher sollte die extreme Brutalität des Assad-Clans und seiner Partei niemanden wundern. Nazis und deren geistige Erben sind nun mal so.

Sic semper tyrannis

Jetzt ist er einen unschönen Tod gestorben, der Gaddafi. Nicht kämpfend, wie er vorher großspurig angekündigt hatte, sondern um sein Leben wimmernd in den Händen eines Lynchmobs. Diesen Abgang hat er sich redlich verdient, der Herr Massenmörder, Terrorismusfinancier, Krankenschwesterneinkerkerer und Erpresser. Schade irgendwie, dass das Jörg Haider nicht mehr miterleben durfte, aber gibt ja noch mehr als genug andere Tyrannenversteher und Diktatorenfans die, wie schon im Fall Saddam Husseins, nun bittere Tränen vergießen, weil schon wieder eines ihrer Idole aus dem Genpool entfernt wurde. Ich will jetzt gar nicht darüber spekulieren, wie es in Libyen weitergehen wird, was von der Erklärung des Übergangsrates, die Scharia zur Gesetzesgrundlage machen zu wollen, zu halten ist und was man dem libyschen Volk wünschen sollte und was nicht (außerdem hat ja schon Gaddafi selbst die Scharia als Rechtsgrundlage verwendet).

Ich will vielmehr ein Lob an die NATO aussprechen. Und an die EU. Man hat mit der Vernichtung Gaddafis, die maßgeblich durch europäischen militärischen Einsatz möglich wurde, gezeigt, dass der alte Kontinent doch noch nicht völlig verweichlicht und endlos korrumpierbar ist und dass man auch mal Ernst machen kann, so man denn will. Und dass man zwar lange gute Miene zum bösen Spiel macht, aber jede Untat und jeden feindlichen Akt fein säuberlich in ein Schwarzes Buch schreibt und am Ende des Tages die Rechnung präsentiert. Gaddafi war schon nach Lockerbie ein toter Mann, nach der Unterstützung der IRA, nach den Anschlägen in Deutschland und nach der Geiselnahme von bulgarischer Krankenschwestern und schweizer Geschäftsleuten. Er wusste es nur nicht. Er ließ sich einlullen von Staatsempfängen, die man ihm bereitete, von 200 italienischen Studentinnen, die man ihm in sein Zelt schickte, von Handschlägen und Pressefotos. Er hatte keinen Schimmer, dass die USA, aber stärker noch Europa nur auf eine Gelegenheit warteten, ihm seine Verbrechen und Provokationen heimzuzahlen, und zwar in der einzigen Münze, die er und seinesgleichen verstehen, nämlich mit blanker Gewalt.

War also das Gaddafi-Schmusen von europäischen Spitzenpolitikern nur Show? Nein, man war sehr wohl an guten Geschäftsbeziehungen interessiert und hat deswegen Muammars Bauch gestreichelt, aber man hat halt gelernt, dass mit dem Mann keine seriösen Geschäfte, seien diese politischer oder wirtschaftlicher Natur, zu machen sind. Und man hat sich alles gemerkt, was der Kerl verbrochen hat und kam zum Schluss, dass eine Welt ohne ihn eine wahrscheinlich bessere sein würde.

Was ich doch sehr hoffe ist, das sich Bashar al-Assad, Ali Khamenei und Konsorten sich die Videos von Gaddafis Ende angucken und sich vor Angst in die Hosen scheißen. Sic semper tyrannis, meine Herren, und auch eure Zeit wird kommen! Es warten kuschelige Zellen in Den Haag oder auch, je nach Wunsch, der Galgenstrick, der Bauchschuss oder das Exil in irgendeiner Wüste. Wie auch immer man zu den libyschen Rebellen stehen mag, sie haben bewiesen, dass kein Diktator so fest im Sattel sitzt, dass man ihn nicht stürzen könnte.

Peace Wankers

Der syrische Diktator Bashar Al-Assad hat seit Beginn des Volksaufstandes bereits mehr Araber töten lassen, als bei der Operation „Gegossenes Blei“ umgekommen sind. Sein libyscher Tyrannenkollege Gaddafi metzelt ebenfalls die eigene Bevölkerung nieder. Und was machen die europäischen „Friedenaktivisten“, die zu tausenden und, händchenhaltend mit Islamisten und Extremisten von ganz links bis ganz rechts, wütend durch die Straßen ziehen, wenn sich ein palästinensischer Araber auch nur einen Zeh verstaucht? Sie schweigen, sie schauen den Massakern ungerührt zu, sie posten in Internetforen Liebeserklärungen an die Despoten und kritisieren nicht die Schlächter, sondern die Nato. Diese Leute sind nicht nur Heuchler, sie sind etwas viel Schlimmeres, nämlich Antisemiten und Fans von Diktaturen. Es ist nicht verwunderlich, dass man in Israel von dieser „Friedensbewegung“ nichts hält, und es ist traurig, dass solche „Friedensbewegten“ all jene diskreditieren, die ohne Naivität und vor allem ohne Heuchelei für eine friedliche Zukunft im Nahen Osten eintreten. Die „Peace Wankers“, die nur dann nach Frieden schreien, wenn westliche  Demokratien gegen Massenmörder und Terroristen vorgehen, sind ein mieses Gesindel.

Deppenflotte ahoi

In Ungarn flüchten Roma vor neonazistischen Paramilitärs. In Syrien lässt Diktator Assad mit tatkräftiger logistischer Unterstützung aus Teheran Oppositionelle massakrieren. Leider können viele europäischen „Menschenrechtsakivisten“ und „Linke“ dazu nicht mal einen Kommentar abgeben, geschweige denn was dagegen tun, denn die sind derzeit voll und ganz damit beschäftigt, in Komplizenschaft mit radikalislamistischen Kräften eine antiisraelische Blockadebrecherflotte zusammenzustellen