Kopfhörer Meze 99 Classics: Mulțumesc für diesen Hörgenuss!

Der Kopfhörer 99 Classics von Meze Audio hat das Zeug zum Kultobjekt. Er klingt noch besser als er aussieht – und er sieht verdammt gut aus.

Seit ein paar Jahren taucht in HiFi-Kreisen immer wieder der Name „Meze Audio” auf. In längeren Diskussionen über Kopfhörer, bei denen die Namen der üblichen Verdächtigen wie Sennheiser, Beyerdynamic, AKG, Bose, Grado und so weiter fallen, fragt dann oft einer: „Habt ihr schon mal was von Meze Audio ausprobiert?” Meze Audio? Was soll denn das bitte sein? Neugierig geworden, googelte ich danach.

Dracula und Schnaps

Meze Audio ist eine Firma aus Baia Mare, Rumänien. Das Interessanteste, was man bislang über Baia Mare sagen konnte, war, dass es in in Transilvanien liegt, wo Dracula zuhause war und man teilweise bis heute an Strigoi glaubt – Tote, die ihren Gräber entsteigen um die Lebenden heimzusuchen. Ich war ein paar Mal in der Region und habe dort nicht nur den härtesten Alkohol meines Lebens getrunken, sondern auch viele sehr coole und kreative Leute kennengelernt. Antonio Meze, der Gründer von Meze Audio, stammt von dort. Im Jahr 2009 hat sich der Designer und Hifi-Freak nach einer internationalen Karriere in den Kopf gesetzt, Kopfhörer zu bauen, die klanglich zur Weltspitze gehören und dabei auch noch schön aussehen sollten. 2009 gründete er per Crowdfunding ein Unternehmen und begann, an Headphones zu tüfteln. Nach mehreren Jahren der Entwicklung stellte das Unternehmen 2015 den „99 Classics“ vor, einen geschlossenen Kopfhörer mit hölzernen Ohrmuscheln. Die Fachwelt war großteils begeistert, aber es gab und gibt auch kritische Stimmen zu diesem Produkt. Höchste Zeit also, dass ich mir mal persönlich anhöre, wie die rumänischen Schönlinge klingen.

Ausstattung und Bauqualität

Der 99 Classics kostet derzeit rund 300 Euro und kommt in einem angemessen schicken Karton mit Magnetverschlüssen. Darin findet man einen Hardcase, damit man den Kopfhörer auch mal in den Urlaub mitnehmen kann, ohne das er zerbeult wird, sowie zwei Kabel, einen Flugzeug-Adapter und einen vergoldeten 6,3mm-Aufstecker für den Betrieb an großen Verstärkern. Mein erster Eindruck nach dem Auspacken war: „Wow, das ist ja mal ein gelungenes Design!“ Der 99 Classics ist in drei Farbvarianten erhältlich. Als Walnuss-Gold, Walnuss-Silber und Ahorn-Silber. Mein Exemplar ist Walnuss-Gold, hat also Muscheln aus Walnuss und vergoldete Elemente wie die Klammern, die das Kopfband in Zaum halten. Auf Bildern im Internet fand ich den Hörer eine Spur zu „flashy“, ein bisschen zu barock und angeberisch. „Ein Kopfhörer für Neureiche, arabische Potentaten und Donald Trump“, dachte ich mir. In Natura sieht der 99 Classics aber richtig gut aus. Das Holz wirkt nicht mehr so aufpoliert wie auf den Fotos und das Gold fügt sich angenehm in den optischen Gesamteindruck ein. Wem das immer noch zu viel ostentativer Bling sein sollte, kann zur Silber-Version greifen, die dezenter wirkt.

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Ich persönlich finde das Design äußerst gelungen und die farbliche Kombination ebenso ansprechend wie die Haptik. Der 99 Classics fühlt sich gut und solide an. Das liegt auch daran, dass Meze Audio den Hörer ohne Klebstoff baut. Für den Zusammenhalt der Einzelteile sorgen ausschließlich Schrauben und Bolzen. Meze verspricht demnach auch, dass jedes Teil des Kopfhörers austauschbar ist und man, solange die Firma existiert, immer Ersatzteile bekommen wird, die man auch leicht einbauen kann, ohne Feinmechanik gelernt zu haben. Der 99 Classics ist ein over-ear-Kopfhörer, umschließt also die Ohren vollständig mit seinen Proteinlederpolstern. Ich habe in einigen Reviews gelesen, dass die Polster zu klein wären. Das kann ich nicht bestätigen. Ich habe recht große Ohren und dennoch umschließen die Polster sie vollständig und komfortabel. Stichwort Komfort: Das ist neben dem AKG K712 der bequemste Kopfhörer, den ich bislang getestet habe. Sogar direkt aus der Verpackung war der Anpressdruck exakt richtig. Ich trage eine Brille und bin recht empfindlich gegen zu stark drückende Kopfhörer. Der Meze sitzt fest, verursacht aber sogar nach mehreren Stunden keine Schmerzen. Mit dem AKG hat der Meze auch das selbst justierende Zugsystem im Kopfband gemein, das den Hörer an jede Kopfform anpasst, aber anders als beim AKG wirkt das beim 99 Classics stabil und langlebig. Der Meze 99 Classics ist symetrisch gebaut. Das heißt: Es ist egal, ob man die beiden Kabel rechts oder links einsteckt, man muss sich nur daran erinnern, wo sie sind, damit man den Hörer nicht verkehrt herum aufsetzt und das Stereobild umkehrt. Auf den Muscheln ist kein Hinweis auf rechts oder links, nur ein kleines „L“ auf dem Kabel zeigt einem, was wo ist. Der Meze kommt mit zwei Kabeln. Eines ist für den mobilen Gebrauch gedacht und hat Bedienelemente sowie ein eingebautes Mikrophon. Das andere ist länger und dient zum Betrieb an der heimischen Anlage. Eine aktive Geräuschunterdrückung hat der 99 Classics nicht, aber er filtert dank seiner Bauweise Lärm von außen ebenso gut aus wie er die Außenwelt vor dem schützt, was auch immer sein Besitzer hört.

Und wie klingt er?

Optik und Haptik konnten mich überzeugen. Aber das ist letztlich für gestandene HiFi-Freaks wie mich Nebensache. Was zählt, ist der Klang. Und hier ist ein Ratschlag für alle potenziellen Käufer des Meze 99 Classics: Gebt ihm Zeit zum Einspielen! Manche halten Burn-In für ein Märchen, für psychoakustischen Kokolores, aber das stimmt nicht. Es gilt die Faustregel: Je besser ein Wiedergabegerät, desto wichtiger ist eine lange Einspielphase. Am ersten Tag dachte ich: „Meh, zu viel Bass, zu hart, zu flach, die Bühne zu klein, alles eng und wummernd.“ Da ich aber weiß, wie sehr sich Lautsprecher und Kopfhörer binnen weniger Tage verändern können und dass gerade die guten Geräte dafür gebaut sind, erst nach einiger Zeit voll aufzublühen, befeuerte ich den Meze zwei Nächte lang mit Pink Noise. Als ich ihn am dritten Tag wieder aufsetzte, tat sich eine neue Welt auf. Der Bass war immer noch sehr prominent, aber nicht mehr gewalttätig. Die Höhen machten auf und die Bühne hatte sich vergrößert. Die Mitten spielten nun klar von Bass und Höhen unterscheidbar. Das war schon ganz gut, aber erst nach zwei Wochen Betrieb lief der Rumäne zur Höchstform auf. Und ich habe regelmäßig Gegenproben mit meinen anderen Kopfhörern gemacht um sicher zu gehen, nicht einer akustischen Täuschung zu erliegen.

Zwei Wochen nach der ersten Inbetriebnahme traue ich mich folgendes zu sagen: Der 99 Classics von Meze ist der beste geschlossene Kopfhörer unter 1.000 Euro, den ich bislang gehört habe. Er übertrumpft den mehr als doppelt so teuren Sony MDR-Z7 und lässt den etwa gleich teuren Bose QuietComfort 35 weit hinter sich. Er ist in meinen Ohren klar besser als der Beyerdynamic DT-770 und übertrifft meiner Meinung nach sogar dessen Nachfolger, den DT-1770. Auch der Beats Studio 3 hat tonal das Nachsehen. Wohlgemerkt: Das ist mein subjektiver Eindruck. Anderen Leuten gefallen andere Soundsignaturen, aber ich habe nicht nur mein persönliches Gefühl auf meiner Seite, sondern auch jahrelange Erfahrung mit Kopfhörern. Und ich bin nicht allein. Auch namhafte Kollegen wie Tyll Hertsen von Innerfidelity oder Zeus von „Z Reviews“ loben den 99 Classics als überaus gelungenen Kopfhörer. Der Youtuber „metal571“ hingegen mokierte sich über zu viel Bass und einen verwaschenen Sound. Und genau das hätte ich auch gesagt, hätte ich dem 99 Classics nicht die Einspielzeit gegeben, die er braucht. Ich kann es gar nicht oft genug sagen: Lasst hochwertigen Wiedergabegeräten ein paar Tage, besser noch Wochen Zeit, bevor ihr sie beurteilt! HiFi-Geräte sind nicht dafür gebaut, sofort aus der Fabrik heraus ihr volles Potenzial zu zeigen. Die brauchen Zeit, um warm zu laufen, um die Membranen und Treiber zu entspannen. Was direkt aus dem Karton super klingt, ist meistens Blendwerk, das mit billigen Tricks um Aufmerksamkeit heischt. Wenn ein Gerät aber mit der Zeit immer besser wird, ist das ein guter Hinweis auf hohe Qualität.

Der Klang im Detail

Wie würde ich den Klang des 99 Classics beschreiben? Er ist nicht neutral. Wer möglichst große Neutralität will, muss sich anderswo umschauen. Der Meze hat eine klar hörbare Eigensignatur, die eher ins Warme tendiert, ohne aber zu dunkel oder trocken zu sein. Die Frequenzmessungen zeigen zwar ein sehr neutrales Verhalten, das heißt aber nicht, dass der Meze alles exakt so wiedergibt, wie es im Studio aufgenommen wurde. Er bringt seine eigene Charakteristik ein – und die ist wundervoll. Zum Mischen würde ich hin nicht verwenden, aber das ist auch gar nicht seine Ansage. Er will Freude an der Musik bereiten, und das tut er im Überfluss. Er hat, da er ein geschlossener Kopfhörer ist, nicht eine so breite Bühne wie viele offene Kollegen, aber sie ist auch nicht beengend. Ortbarkeit und Auflösung sind gut bis sehr gut. Nach einer längeren Einspielzeit zeigt sich dieser Kopfhörer als ungeheuer musikalisch und klingt wie eine gut abgestimmte High-End-Stereoanlage. Ist er besser oder schlechter als diverse andere Hörer? Das ist einerseits Geschmackssache (ich halte ihn für besser als viele andere Headphones) und andererseits muss man sagen: In dieser Preisklasse gibt es bis auf wenige Ausnahmen kein „Besser“ und kein „Schlechter“ mehr. Es gibt nur mehr „anders“. Der 99 Classics ist anders als alle meine anderen Kopfhörer und bringt mich dazu, mich durch meine ganze Musiksammlung zu hören. Und DAS ist für mich der echte Beweis, es mit einem guten bis sehr guten Gerät zu tun zu haben. Musik macht Spaß und sie macht auf eine neue Art Spaß. Mit 32 Ohm Widerstand ist der Meze übrigens an jedem Smartphone ebenso gut zu betreiben wie an einem guten Verstärker.

Hörbeispiele

R.E.M.: „Drive“ (Tidal Masters, MQA). Wenn die ersten Gitarrentöne zusammen mit dem Bass erklingen, meint man beinahe sagen zu können, welche Marke von Saiten Peter Buck auf die Akustische aufgespannt hat. Michael Stipes Stimme steht im Zentrum des sich langsam steigernden Songs und man hört das Echo, das auf die Stimme gelegt wurde, sehr gut in seinen technischen Details heraus. Die Drums sind mächtig und klar definiert. Auf schlechteren Kopfhörern wirkt die Nummer gerne ein bisschen „zischelig“ und harsch. Hier aber herrscht reine Harmonie. Großartig!

Motörhead: „Lawman“ (CD). Der Meze 99 Classics baut ordentlichen Druck auf und arbeitet die dreckigen Riffs zu Beginn hervorragend heraus. Wenn das Schlagzeug einsetzt, sind Bassdrum wie auch Becken nicht nur druckvoll, sondern auch gut voneinander zu trennen, ohne das die Homogenität des Songs zerlegt würde. Lemmys Stimme klang selten besser. So muss gute Darstellung von Heavy Rock sein!

Jethro Tull, The String Quartets: „Living in the Past“ (High-Res-Flac). Der gezupfte Cello-Bass wirkt mitreißend lebendig. Die Streicher sind schön gestaffelt einzeln zu hören, ohne dass das Gesamtbild verschwinden würde. Ian Andersons Querflöte steht fest in der Mitte, fügt sich aber völlig in den restlichen Sound ein. Der 99 Classics kann also auch traditionelle Musik und Klassik sehr gut.

The Beatles: „It’s all too much“ (LP). Das Feedback-Intro kommt stark und genau so verzerrt, wie von den Fab Four beabsichtigt. Das Klatschen von Lennon und McCartney wirkt extrem lebendig, fast so, als stünde man mit ihnen im Studio. Harrisons Stimme ist klar wie Glas und seine Gitarre segelt verzerrt in den LSD-Himmel. Pauls Drone-Bass ist kraftvoll und laut, ertränkt aber den Rest des Spektrums nicht.

Pro: Ein ungeheuer gut verarbeiteter, stylisher und noch dazu extrem gut klingender Kopfhörer. Ist seine rund 300 Euro auf alle Fälle wert und kann mit wesentlich teureren Hörern nicht nur mithalten, sondern übertrifft sie oftmals sogar.

Contra: Keine klar erkennbare Rechts-Links-Markierung am Hörer. Das (gute) Kunstleder kann bei längeren Hörsessions warm werden. Manchmal ist der Bass eine winzige Spur zu unpräzise und zu massiv.

Wer ihn sich holen sollte: Jeder, der einen Kopfhörer will, der sowohl mobil als auch Zuhause HiFi-Sound genießen will und einen Hörer haben will, der aus der Masse hervorsticht.

Wer ihn ignorieren sollte: Bass-Phobiker und Leute, die nicht gerne auffallen.

Fazit: Meze Audio hat mit dem 99 Classics einen fast perfekten Kopfhörer erschaffen, der sich optisch von der Konkurrenz abhebt und soundtechnisch zum Besten gehört, was man für das Geld (und für viel mehr Geld) kriegen kann. Ich erwarte mir von Meze große Dinge in der Zukunft. Jedenfalls: Hut ab und Mulțumesc (vielen Dank auf Rumänisch) für diesen Kopfhörer! 

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Teufel Mute BT: In der Ruhe liegt die Kraft

Auf Knopfdruck die Welt zum Schweigen bringen – das wär schon was! Ein Politiker hebt an, um von uns Blut, Schweiß und Tränen zu fordern und für sich mehr Gehalt? Knopfdruck! Beim Feierabendbier reden die Kollegen immer noch von nix anderem als der Arbeit? Knopfdruck! Um sechs Uhr morgens heult beim Nachbarn der Hund? Knopfdruck! Nun, ganz so weit ist die Technologie der Geräuschunterdrückung noch nicht, aber aktive noise cancelling in modernen Kopfhörern kann schon so einiges und erfreut sich in unserer lauten Welt immer größerer Beliebtheit. Aus diesem Grund habe ich mir den neuen „Mute BT“ der Berliner Firma Lautsprecher Teufel angehört. Für 199,99 Euro verspricht dieser Neuzugang am Kopfhörermarkt kabellosen High-Def-Musikgenuss mit Bluetooth 4.0-Verbindung, eine aktive und sich an die Umgebung anpassende Geräuschunterdrückung, eine Freisprecheinrichtung und einen Akku mit hohem Durchhaltevermögen (dank eines mitgelieferten Kabels verstummt der Hörer auch dann nicht, wenn dem Akku doch mal der Saft ausgehen sollte).

Der Mute BT kommt mit einigem Zubehör daher. Neben Akku, Ladekabel mit Mini-USB-Anschluss, Anschlusskabel und Flugzeugadapter findet sich im Karton auch eine schicke Transportbox in Teufels Hausfarben Schwarz und Rot. Der Akku ist wechselbar, was die Langlebigkeit des Produkts erhöhen sollte. Der erste Eindruck beim Unboxing: Alles hübsch aufgeräumt und dort, wo man es vermuten würde. Nach einer ersten Akkuladung nehme ich die Bedienungsanleitung zur Hand und richte das Gerät ein. Ich verbinde es per Bluetooth mit meinem Android-Smartphone und einem iPad und habe das erste Aha-Erlebnis: Im Unterschied zu manchen Konkurrenzprodukten funktioniert das alles auf Anhieb und ist in der Anleitung so logisch erklärt, dass selbst Leute ohne viel Technik-Affinität sofort zurecht kommen sollten. Die Bedienungsanleitung ist die beste und verständlichste, die mir bislang bei einem technischen Gerät untergekommen ist. Da merkt man wohl immer noch die Erfahrung, die Teufel einst sammeln konnte, als die Firma in den 70er Jahren als Versenderin von Lautsprecher-Bausätzen anfing. An der Verarbeitungsqualität gibt es nichts auszusetzen. Das Produkt ist zwar nicht protzig oder über alle Maßen edel, aber durchaus schick und stabil. Der Teufel Mute BT wirkt auf mich ein bisschen wie der Studiomusiker im Vergleich zum Popstar – er trägt keine auffälligen Glitzerklamotten, kann dafür aber spielen.

Sound und Komfort

Und wie der spielen kann! Ich habe ja schon den Teufel Real Z sehr gut gefunden, aber der Mute BT gefällt mir fast noch eine Spur besser. Wobei das eine Frage des persönlichen Geschmacks ist, denn die beiden Hörer verfolgen unterschiedliche Konzepte. Der Real Z ist ein halboffener Hörer, der Mute BT ein geschlossener. Die geschlossene Bauart sorgt im Zusammenspiel mit 40-mm-HD-Treibern und Neodym-Magneten für einen sehr satten, aber nie breiigen Klang. Dank einer leichten Bassbetonung macht dieser Teufel sehr viel Spaß mit elektronischer Musik und Hiphop, aber er ist keineswegs auf diese Genres eingeengt. Die Firma Lautsprecher Teufel bewirbt gerne und zurecht die schöne Darstellung der Bässe, aber ich persönlich finde das klangliche Gesamtbild noch eine Spur beeindruckender als den Tieftonbereich allein. Zu Testzwecken höre ich mir das Album „Sweet Child“ der britischen Folkrock-Band Pentangle an. Deren Ensemble-Spiel mit jazzigem Stehbass, einer Sopranistin und einem  Bariton an den Lead-Vocals, zwei von echten Könnern bediente Gitarren und einem experimentierfreudigen Schlagzeug zeigt rasch die Stärken und Schwächen von Lautsprechern und Kopfhörern auf. Der Mute BT meistert die Herausforderung mühelos. Der Stehbass kommt wuchtig und physisch rüber, überdeckt aber nicht den Rest des Klangfelds, sondern untermauert ihn mit genau der richtigen Dosis Power. Die Höhen, zum Beispiel Windspiel und Hi-Hats, sind klar und deutlich und zischen nicht unangenehm. Die Mitten sind die eigentliche Überraschung, denn die präsentiert der Mute BT so schön und baut sie dermaßen hübsch ins Gesamtbild ein, dass man stellenweise meint, einen Kopfhörer um 600 Euro auf den Ohren zu haben. Der Mute BT ist hierbei nur das neueste Beispiel für einen erfreulichen Trend bei Kopfhörern von Teufel – die Teile klingen viel besser, als sie es ihrer Preisklasse gemäß eigentlich „sollten“, und sie gehen immer stärker in Richtung Audiophilie. Sie vergessen dabei aber nie, warum wir Geld für Lautsprecher und Kopfhörer ausgeben, nämlich um Musik, Hörspiele und Filme zu genießen, nicht um sie zu sezieren. Teufels Produkte richten sich an Consumer, nicht an Toningenieure, und das ist als Lob gemeint, denn so mancher Kopfhörer, der für das Abmischen von Musik gemacht wurde, zeigt einem zwar noch das allerletzte Detail der Musik, macht aber keinen Spaß, weil er die gezeigten Einzelteile nicht zu einem flüssigen Ganzen zusammenfügt. Der Teufel Mute BT ist ein Spaßgerät, das aber auch die Ohren von Audio-Fetischisten nicht beleidigt. Kurz: Er findet die richtige Mischung zwischen hoher Auflösung und Musikalität. Der Tragekomfort ist gut bis sehr gut. Anfangs ist der Anpressdruck ein bisschen forsch, aber das sollte sich nach einiger Zeit geben. Das Kunstleder liegt angenehm auf den Ohren. Wie bei allen geschlossenen Kopfhörern kann es bei langen Hör-Sessions zu einer gewissen Wärmeentwicklung unter den Ohrmuscheln kommen. 

Die Rauschunterdrückung funktioniert mit dem Mute BT ausgezeichnet. Der Teufel ist schon dank seiner geschlossenen Bauweise recht gut gegen Außengeräusche abgeschirmt. Aktiviert man das Aktive Noise Cancelling, sorgt er mit Gegenschall dafür, dass vor allem monotone Geräusche wie das Brummen im Flugzeug, das Rauschen des Großstadtverkehrs oder sirrende Ventilatoren recht effektiv ausgeblendet werden. Zu 100 Prozent geht das natürlich nicht, aber das schafft auch kein anderer Kopfhörer. Wer oft mit Zug oder U-Bahn fährt, wird die Geräuschunterdrückung schnell zu schätzen lernen. Der Akku, der Bluetooth und Noise Cancelling mit Energie versorgt, hält erstaunlich lange. Ich musste ihn während einer Woche intensiven Testens nie aufladen, hatte aber die Geräuschunterdrückung nur selten aktiviert. Schaltet man alles ein, was es einzuschalten gibt, also Bluetooth und Rauschunterdrückung, sollte der Mute BT immer noch rund 28 Stunden im Dauerbetrieb durchhalten, was ein hervorragender Wert ist. Anrufe annehmen oder Siri/Google Now bedienen funktioniert klaglos und unkompliziert mittels Tasten an der linken Ohrmuschel. So soll das sein!

Pro: Ein Preis-Leistungs-Wunder, das wirklich hervorragend klingt und eine überzeugende aktive Geräuschunterdrückung an Bord hat. Die Hohe Laufzeit des Akkus, der noch dazu auswechselbar ist, und das umfangreiche mitgelieferter Zubehör runden das Angebot ab. Dank des im Zubehör enthaltenen Kabels spielt der Kopfhörer auch bei leerer Batterie weiter. Es wird schwer sein, zu dem Preis etwas Gleichwertiges zu finden.

Contra: Gegen den Mute BT kann man nicht viel vorbringen. Vielleicht sagt das schlichte und klare Design nicht jedem zu.

Zusammenfassung: Der Mute BT von Teufel ist ein ausgezeichneter Bluetooth-Kopfhörer mit aktivem Noice Cancelling, der klanglich mit wesentlich teureren Produkten mithalten kann und daher eine echte Empfehlung für Leute ist, die ihre Musik, Filme oder Hörspiele gerne unterwegs hören (müssen), dabei aber nicht auf hochwertigen Klang verzichten wollen.

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