Tronsmart Onyx Prime: Einstieg in die In-Ear-Oberklasse

Mit dem neuen In-Ear-Kopfhörer Onyx Prime will die chinesische Firma Tronsmart Kunden ansprechen, die großen Wert auf audiophilen Klang legen. Schauen wir uns an, ob das geglückt ist!

Seit der Technik-Enthusiast Eric Cheng im Jahr 2008 im „chinesischen Silicon Valley“ Shenzhen die Firma Tronsmart gründete, verfolgen er und sein Team das Ziel, hochwertige Audio-Produkte zu Kampfpreisen herzustellen. Bislang waren die Produkte gut, aber nicht außergewöhnlich. Mit dem Onyx Prime hat sich das geändert, denn der ist sowohl von den technischen Daten her, vor allem aber im realen Betrieb tatsächlich eine kleine Revolution.

Auf der Verpackung der In-Ear-Kopfhörer, die je nach Händler und Angebot derzeit zwischen 60 und 70 Euro kosten, druckt Tronsmart selbstbewusst: „Made for Audiophiles“. Wer so wirbt, muss auch einen Sound liefern, der audiophilen Standards wenigstens nahe kommt. Schaffen die Onyx Prima das? Kurze Antwort: Ja. Die sind tatsächlich mehr als bloße Spaßkopfhörer und kommen dem, was tatsächlich audiophile Over-Ears leisten, schon sehr nahe.

Foto: Bernhard Torsch

Technik? Ja

Tronsmart hat die Onyx Prime mit Technik vom Feinsten vollgestopft. Da ist zunächst der Chip von Qualcomm, ein QCC3040, der Bluetooth 5.2 ebenso unterstützt wie AptX adaptive, letzteres ein Bluetooth-Codec, der eventuelle Latenzen zu fast 100 Prozent eliminiert. Außerdem an Bord: CVC8.0, eine Geräuschunterdrückung für die eingebauten Mikrophone, die Hintergrundgeräusche wegfiltert und für klare Telefonate sorgen soll. Der Chip ermöglicht weiters True Wireless Mirroring. Das bedeutet in der Praxis, dass beide Ohrstöpsel gleichzeitig angesteuert werden und beide die Rolle des „Haupt-Empfängers“ übernehmen können, je nachdem, welcher gerade den besseren Empfang hat. Das verbessert sowohl die Reichweite der Bluetoothverbindung als auch die Tonqualität. Was leider fehlt: Ein Aktives Noise Cancelling und ein „Transparenz-Modus“.

Der wahre Technik-Hammer steckt aber in der Hardware, denn Tronsmart verbaut hier insgesamt gleich vier Treiber. Pro Earbud je zwei dynamische für die Bässe und und untere Mitten und zwei Balanced Armature-Treiber für obere Mitten und Höhen. Balanced Armature-Treiber findet man normalerweise erst in High-End-Geräten und eine Kombination mit dynamischen Treibern ist eine delikate Operation, an die sich nur sehr wenige Hersteller trauen.

Der Klang

Modernste Technik ist also im Überfluss vorhanden. Aber führt das auch zu einem guten Klang? Ja, tut es. Der Onyx Prime hat mich tatsächlich positiv überrascht, denn was ich da hörte, war kein simples „Bumbumm“, kein Krächzen und Tröten, sondern sehr fein gezeichnete Musik. Ich habe mich durch meine üblichen Playlists gehört, die ich zum Testen von Kopfhörern verwende, und ich hatte nie den Eindruck, ich hörte mit einem Gerät, das deutlich unter 100 Euro kostet. Die Bässe sind tief, aber nicht so stark, dass sie das andere Tonspektrum zuschmieren würden. Sie sind im Gegenteil klar definiert, beeindruckend konturiert und können bei Bedarf ordentlich zulangen. Bässe haben eine hohe Qualität, drängen sich aber nicht in den Vordergrund.

Die Mitten sind erfreulich klar und detailliert. Songtexte sind sehr gut verständlich, ebenso Dialoge in Filmen oder Serien. Der Onyx Prime kann auch die feinen Nuancen in Stimmen gut abbilden. Auch Mitten-Details wie mehrere gleichzeitig spielende Gitarren und in den Hintergrund gemischte Percussion reichen die Tronsmarts mühelos an die Ohren weiter. Das hat durchaus Klasse und ist angesichts des Preises viel besser, als man vermuten könnte.

Im Hochtonbereich zeigen die Balanced Armature-Treiber, wozu sie fähig sind. Der oft verwendete Marketing-Ausdruck „kristallklar“ trifft hier durchaus zu. Die hohen Frequenzen werden deutlich und fein aufgelöst wiedergegeben und das sogar ohne nervige Zischlaute. Das macht der Onyx Prime stellenweise sogar besser als manche High-End-Over-Ears. Respekt!

Verbessert hat Tronsmart auch den Equalizer in der App. Diesmal sind schon die Presets gut gelungen. Mir persönlich gefielt interessanterweise die Voreinstellung „Deep Bass“ am besten, da sie für meine Ohren am neutralsten klang. Wer mehr Kontrolle will, kann mit dem Fünf-Band-EQ auch sein persönliches Klangprofil erstellen. Die App gibt es kostenlos in diversen App-Stores.

Die Bühne ist sehr klein, aber das ist sie mit allen in-Ear-Kopfhörern. Dafür ist sie ausreichend tief und die Ortung der Instrumente ist exakt. Für Gamer und Menschen, die gerne Filme gucken, wichtig: Die Latenz des Onyx Prime ist quasi nicht wahrnehmbar. Schaltet man den Game-Mode ein, reagiert der Kopfhörer sogar noch schneller.

Komfort und Fazit

Der Tragekomfort ist gut. Die Buds sitzen sicher und ohne Druckgefühl in den Ohren. Die Bedienung ist nach kurzer Einübung auch intuitiv und die Buds reagieren auf Touch-Befehle verlässlich und fast ohne Verwechslungen. Mit einer Ladung kann man in etwa sieben Stunden lang Musik hören oder Gamen. Mit der voll aufgeladenen Ladebox verlängert sich die Laufzeit auf rund 40 Stunden. Das sind gute Werte, wenn auch keine rekordverdächtigen.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass der Onyx Prime von Tronsmart eine für den Preis sehr gute Vorstellung gibt. Er klingt ausgewogen und löst hoch auf. Musikliebhaber dürfen hier ebenso zuschlagen wie Gamer und Filmfreunde.

Tronsmart Apollo Air: Solider Mittelklasse-In-Ear mit aktueller Technik und gutem Klang

Tronsmart, gegründet 2013 in Chinas Tech-Metropole Shenzhen, ist eine weitere chinesische Firma, die den globalen Audiomarkt mit der Formel „viel Qualität um relativ wenig Geld“ aufrollen will. Im Gegensatz zu anderen Herstellern wie etwa Hifiman hat Tronsmart aber nicht die High-End-Klientel im Visier, sondern den Alltagskonsumenten, der nicht hunderte oder gar tausende von Euros hinblättern will, um das audiophile Nirwana zu erreichen, sondern einfach nur ein gut klingendes Gerät möchte, das ihn beim Pendeln zur Arbeit, beim Sport oder beim Gamen beschallt. Tronsmart bietet daher Kopfhörer und Bluetooth-Lautsprecher der Einsteiger- bis Mittelklasse an. Nichts, was die Bank sprengt, aber alles mit dem Anspruch, gut oder immerhin gut genug zu sein.

Der In-Ear-Kopfhörer Apollo Air, der für rund 60 Euro zu haben ist, passt genau zu diesem Konzept. Er ist solide verarbeitet, hat technisch alles an Bord, was man sich nur wünschen kann, und klingt auch noch okay. Eine klare Kaufempfehlung also? Hm, nicht so schnell!

In der Packung

Geliefert wird der Apollo Air mit den Earbuds, einer Ladebox, einem USB-C-Ladekabel, einer englischen, aber eigentlich selbsterklärenden Anleitung sowie drei verschiedenen Aufsätzen für die Earbuds. Das Ladekabel ist mit 30 Zentimeter nicht gerade übermäßig lang geraten, aber für den Einsatz an PC, Laptop oder an der USB-Buchse im Auto sollte das ausreichen.

Foto © Bernhard Torsch

Verarbeitung und Komfort

Den Apollo Air gibt es entweder in weißer oder schwarzer Klavierlackoptik. Er fühlt sich stabil und leicht, aber nicht unbedingt luxuriös an. Die Ladebox hat einen leichtgängigen magnetischen Verschluss, ist mit 6cm Länge, 3cm Höhe und 3,5 cm Tiefe sehr handlich und hat an der Vorderseite eine LED, die während des Ladens rot leuchtet. Daneben ist eine Taste, mit der man den Apollo Air gleich mit dem Smartphone oder einem anderen Bluetooth fähigen Gerät paaren kann. Tronsmart stellt drei Aufsätze für die Buds zur Verfügung: Kleine, mittelgroße und große. Mir persönlich sind schon die kleinen fast zu groß, aber ich bin ehrlich gesagt auch nicht der größte Fan von In-Ears und daher vielleicht ein bisschen zu empfindlich. Hat man erst einmal die richtige Position gefunden, trägt sich der Tronsmart aber überraschend bequem im Ohr und er sitzt recht fest. Der Apollo Air hat eine IP45-Zertifizierung, was in etwa heißt: Leichte Wasserspritzer oder Schweiß sind kein Problem, aber richtig wasserdicht ist er nicht.

Bedienung

Den Apollo bedient man über Touch-Gesten. Die wichtigsten habe ich zusammengefasst.

-Zwei Sekunden den Finger auf die Touchoberfläche des linken Buds legen: Ein Song zurückspringen

-Dasselbe am rechten Bud: Einen Song vorsspringen.

-Doppeltes Tippen auf die rechte oder linke Touchfläche: Play/Pause/Play

-Ein Tap rechts: Lauter

-Ein Tap links: Leiser

-Dreifach-Tap: Ambient an. Erneuter Dreifach-Tap: ANC an. Weiterer DreifachTap: ANC aus.

Telefonieren: Doppelter Tab = Anruf annehmen oder beenden. Doppeltab und Finger drauf lassen = Anruf ablehnen.

Laufzeit

In der Ladebox ist der Apollo Air binnen 2,5 Stunden voll aufgeladen und sollte dann bei durchschnittlicher Lautstärke ca fünf Stunden durchhalten. Die Box selber enthält einen Akku, womit man die Box auch unterwegs und ohne Anschluss zum Aufladen der Buds verwenden kann. Das funktioniert ca drei bis vier Mal, bevor die Box wieder an den Strom muss. In der Praxis kam ich auf mehr als fünf Stunden pro Ladung, nämlich auf knapp über sechs, aber ich höre Musik ja auch nicht mit gesundheitsschädlicher Lautstärke.

Klang

Tronsmart prahlt auf seiner Website, dass der Apollo Air 10mm-Treiber aus dem exotischen Material Graphen habe und den „industry leading“ Chip QCC3046 von Qualcomm verbaut habe. Der QCC3046 ist gut, gehobene Mittelklasse, „industry leading“ ist er nicht. Aber er kann schon einiges, etwa Bluetooth 5.2, aptX und True Stereo. Das heißt, dass hier tatsächlich jeder Earbud individuell angesteuert wird und nicht eine Bud zu Bud-Verbindung aufgebaut werden muss. Das sollte theoretisch für eine höhere Tonqualität sorgen und ist ein Feature, das man ansonsten nur in deutlich teureren Wireless In-Ears findet.

Hat man den Apollo Air soweit in den Gehörgang gepresst, wie es physisch möglich ist, spielt dieser günstige kabellose In-Ear mit einer für seinen Preis sehr guten Tonalität auf. Die Bässe sind satt und fett, aber nicht unkontrolliert. Sie bluten kaum in die Mitten und haben sogar eine annehmbare Tiefbasswiedergabe. Die Mitten sind präsent und nicht, wie oft bei „Spaßkopfhörern“, in den Hintergrund gedrängt. Stimmen und Instrumente im Mittenspektrum haben nicht das Timbre und die physische Power, wie man sie mit High-End-Kopfhörern kriegen kann, aber sie klingen auch nicht blechern oder verzerrt. Die Höhen sind völlig ausreichend, um die dort oft versteckten Details hören zu können. Dennoch schafft es der Apollo Air, die Hochtöne so zu zügeln, dass sie nicht mit Zischlauten und Fiepsen nerven. Das ist insgesamt für knapp 60 Euro und für einen kabellosen In-Ear eine gute Vorstellung. Klar, wenn es NUR um den Klang geht, kriegt man schon was Besseres in der Preisklasse. Da ist nämlich schon ein Grado SR60 drin. Okay, der ist so ziemlich das genaue Gegenteil dessen, was Käufer von kabellosen In-Ears wollen, also ein archaisch wirkender Over-Ear ohne die geringste Isolierung und mit einem fetten Kabel, aber rein vom Sound her kann der Tronsmart da nicht mit. Ein Kritikpunkt, der aber die meisten In-Ears betrifft: Das menschliche Ohr ist von Mutter Natur so gebaut, dass es Fremdkörper loswerden will. Langsam, aber sicher wandern die Buds also aus dem Gehörgang raus und man muss sie wieder reinstopfen. Es besteht nie die Gefahr, dass sie rausfallen, aber der Sound verändert sich halt zum Negativen, je weiter die Buds vom Trommelfell entfernt sind.

Telefonie-Qualität

Der mit nicht weniger als sechs Mikrophonen ausgestattete Apollo Air sorgt dafür, dass einen der Gesprächspartner gut versteht. Und man selber hat da keinerlei Verständnisproblem, denn der Tronsmart reicht Anrufe ohnehin klar ans Ohr weiter.

Aktive Geräuschunterdrückung (ANC)

Tronsmart wirbt mit bis zu 35 Dezibel Geräuschunterdrückung über den gesamte Frequenzbereich. In der Praxis kommt das in etwa hin. Wobei das ANC vor allem gegen tiefere Frequenzen effektiv ist. Natürlich gibt es da Besseres, aber das kostet halt auch doppelt oder dreimal so viel. Für die 50 bis 60-Euro-Preisschiene ist das ANC sehr gut. Und: Der Ambient-Modus ist fein! Den empfehle ich allen Joggerinnen und Radfahrern oder auch nur Fußgängern. Dieser Modus lässt einen die Musik genießen, leitet aber Außengeräusche leicht verstärkt durch die Buds weiter. Das ist ein tolles Feature für mehr Sicherheit im Straßenverkehr (oder wenn man mit dem Apollo Air TV guckt und das Baby im Nebenzimmer pennt).

Die App

Tronsmart bietet auch eine kostenlose App an, mit der man aber nicht allzu viel anstellen kann. Man kriegt eine Art rudimentären Equalizer, von dem ich aber die Finger lassen würde, da jede andere Einstellung außer „Default“ grauenhaft klingt. Runterladen sollte man sich App trotzdem, weil man nur mit ihr Firmware-Updates für den Apollo Air beziehen kann.

Fazit: Der Apollo Air von Tronsmart bietet viel Technik und eine gute Soundqualität für einen sehr fairen Preis. Er ist kein echter Preisbrecher oder gar Flagship-Killer, aber man kriegt mit ihm modernste und vor allem problemlos funktionierende Technik, eine passable Verarbeitung, einen guten, wenn auch nicht weltbewegenden Klang und praktische Features.

Foto © Bernhard Torsch

Disclaimer: Der Kopfhörer wurde mir von der Firma Tronsmart kostenlos für Testzwecke zur Verfügung gestellt, Tronsmart hatte aber keinen Einfluss auf den Inhalt des Reviews.