Hurra: Superreiche wieder superreich

Im Jahr 2008 hatte der Lindwurm beinahe schon Mitleid mit den Superrreichen dieser Welt. Aktienmarktbedingt schrumpfte manch Privatvermögen von stattlichen 900 Millionen auf prekäre 300 Millionen Dollar. Dank massivster Finanzspritzen seitens der Staaten wurde der traurige Trend jedoch nicht nur aufgehalten, sondern gar umgedreht: Heute gibt es mehr Superreiche als je zuvor. Freilich muss nun bei der Mittelschicht und bei den unteren bis untersten Einkommen kräftig der Sparstift angesetzt werden, denn der Pöbel hat über seine Verhältnisse gelebt. Und es stimmt ja: Eigentlich hätten wir es uns verhältnismäßig gar nicht leisten können, den Superreichen ihre Verluste zu ersetzen…

Tröstlich immerhin, dass man allerorten aus der Finanz- und Spekulationskrise gelernt hat – und weitermacht, als wäre gar nichts vorgefallen.

Money Money Money

Gerade gelesen: Hohe Verluste von Anlegern in der Finanzkrise – diese schmerzhafte Erfahrung haben zwar viele Investoren gemacht, in Summe sind sie aber ziemlich glimpflich durch die Turbulenzen gesegelt. Laut einer Studie der Boston Consulting Group (BCG) liegen die im Kapitalmarkt veranlagten globalen Privatvermögen bereits wieder auf Vorkrisenniveau (…). In Österreich liegen die an den Finanzmärkten (Aktien, Anleihen, Fonds) veranlagten Werte sogar deutlich über dem Stand von 2007. Hierzulande sind die Anlagen im Horrorjahr 2008 nur um 1,4 Prozent geschrumpft (Europa: minus 5,9; Nordamerika: minus 20) und im Vorjahr um acht Prozent auf 676 Milliarden Dollar gewachsen. (…). Dank der starken Entwicklung an den Märkten erweiterte sich der Klub der Dollarmillionäre weltweit um 14 Prozent auf 11,2 Millionen Haushalte. Auffällig ist der starke Anstieg von 25 Prozent in Asien. In Österreich wuchs die Anzahl der Millionäre von 35.582 auf 39.077 im Vorjahr. (…). Vergrößert hat sich 2009 die Verteilungsschieflage: Jenes Promille aller Haushalte weltweit, das mehr als fünf Mio. Dollar angehäuft hat, kommt auf 23 Billionen Dollar oder 21 Prozent des globalen Privatvermögens (2008: 19 Prozent). In Japan und Europa verfügen Millionäre über gut ein Viertel aller Finanzwerte, im Nahen Osten/Afrika und Nordamerika halten sie mehr als die Hälfte.

Und dann kommen unsere Politikerdarsteller daher und beschließen, die Sozialleistungen mit der aberwitzigen Begründung zu kürzen, „wir“ hätten über unsere Verhältnisse gelebt. Das Beste: Die Knalltüten geben sich auch noch verwundert darüber, dass sich immer mehr Menschen radikalen Gruppierungen zuwenden. Ich habe nichts gegen Millionäre oder Milliardäre per se, ich will sie weder enteignen, noch möchte ich „Leistung bestrafen“, selbst wenn die Leistung oft nur aus gekonntem Erben und Stiften besteht. Aber der Dreh, die Mittel- und Unterklasse für krisenbedingte Ausfälle bei den Millionärseinkommen zahlen zu lassen, und zwar gleich zweimal, während die  Vermögen und die Gewinne aus Spekulationen weiterhin wachsen, ist schon ein bisschen schäbig.