Warum Amazon die Welt regieren wird

Vor kurzem fragte mich ein Bekannter, der meiner Expertise in Sachen HiFi vertraut, für ihn und mit seinem Geld einen hochwertigen Kopfhörer um maximal 500 Euro auszusuchen und zu kaufen. Meine Wahl fiel nach langer Recherche und unter Einbeziehung der Hörgewohnheiten meines Bekannten auf den Beyerdynamik DT-1990 Pro. Ich fand den Hörer um relativ günstige 436,50 Euro beim Onlinehändler „electronic4you“, vormals Majdic, der seinen Hauptsitz in Klagenfurt hat.

Ich bestellte den Hörer online, bezahlte ihn und holte ihn heute (14.11.) gegen 13.30 Uhr in der Klagenfurter Filiale von electronic4you ab. Und da machte ich einen Fehler, denn als mir der Karton mit dem Kopfhörer ausgehändigt wurde, war der nicht mehr verschweißt, sondern offenbar schon mal geöffnet gewesen. Ich dachte mir nichts dabei. Gegen 14 Uhr war ich wieder zuhause und packte den Kopfhörer aus, um zu überprüfen, ob alles in Ordnung war. War es nicht. Die linke Ohrmuschel schwieg still, hatte also einen Kontaktfehler. „Keine große Sache“, dachte ich mir, „gehe ich ihn halt umtauschen“.

Gegen 15 Uhr war ich wieder bei eletronic4you und wollte den Kopfhörer mit Berufung auf den Wackelkontakt umtauschen. Die nette Dame am Kundenempfang schickte mich zur Reparaturannahme. Dort, so die nette Dame, würde man kurz überprüfen, ob der Kopfhörer wirklich einen Wackler hätte, und dann kriegte ich entweder einen neuen oder das Geld zurück. In der Reparaturannahme packte ein Mitarbeiter den Kopfhörer aus, schaute ihn von allen Seiten an und schnupperte dann daran. „Der riecht total nach Nikotin, den können wir nicht umtauschen oder zurücknehmen“.

Ich hielt das für einen schlechten Scherz und ging mit dem Gerät wieder ins Geschäft. Die junge Frau vom Empfang verwies mich an einen Verkäufer namens Friedrich Jörl. Dem teilte ich ruhig und sachlich mit, dass seine Kollegen wohl gerade ihren Spaß mit mir gehabt hätten, dass ich nun aber ein Ersatzgerät oder mein Geld zurückhaben wolle. Herr Jörl guckte in seinen Computer und meinte dann, man habe kein Ersatzgerät, aber umtauschen oder zurücknehmen ginge ohnehin nicht, da der Kopfhörer so schlimm nach Nikotin rieche.

Noch einmal zur Erinnerung: Ich hatte das Gerät eine Stunde lang in meinem Besitz. Und ja, ich bin zwar Raucher, aber wer glaubt, ein Kopfhörer könne nach einer Stunde, von der er eine halbe in seinem Karton verbracht hat, so schlimm riechen, dass er unverkäuflich würde, hat eine eigenwillige Vorstellung von Geruchsaufnahme durch Hifi-Geräte und hat vor allem wenig Ahnung von den Möglichkeiten einer Firma, Geräte zu reinigen und zu parfümieren. Oder er tut so.

Auf meine wiederholte Bitte, den Geschäftsführer sprechen zu dürfen, wurde nicht reagiert. Es gab seitens der Firma electronic4you nicht das geringste Entgegenkommen, nicht die kleinste Bereitschaft zur Kulanz. Im Gegenteil. Herr Jörl gab in meiner Anwesenheit der Reparaturabteilung telefonisch die Anweisung, das Gerät an Beyerdynamik einzuschicken, damit der Hersteller überprüfe, ob der Wackelkontakt eventuell „auf Nikotin zurückzuführen sei“.

Ich weiß ja nicht, was die Firma Beyerdynamik davon hält, dass Verkäufer ihrer Produkte in den Raum stellen, diese könnten binnen einer Stunde durch leichten Passivrauch kaputtgehen. Ich jedenfalls kam mir verarscht vor, ja gedemütigt. So einen Umgang mit einem Kunden hatte ich seit Jahrzehnten nicht mehr erlebt. Ich bin ja gespannt, wie lange sich Firmen mit solchen Geschäftspraktiken noch gegen zB Amazon halten werden können, wo man Einkäufe 30 Tage lang ohne Angabe eines Grundes retournieren kann, ohne es mit Verkäufern und anderen Mitarbeitern zu tun zu bekommen, deren einziges Ziel es zu sein scheint, statt vieler Produkte lieber den Kunden für blöd zu verkaufen.

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